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GtM Matt.

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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

AMches Organ für Ml- und Landkreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Verantwort!. Redakteur: E. Schreckeri» Hanoâ

Nr. 263

Fernfprechattfchlitsr Nr. 230.

Mittwoch sc» 9. Noveiiidcr

^<riihtcd)anfd)hif; Nr. 230

1910

I Die taWumr mW è d.MMKWlttl

14 Seiten

Amtliches.

Stadtkreis Ranau.

Bekanntmachung.

Bei der am 7. November vollzogenen Wahl der Dei­ner und Ersatzbeisitzer für das Kaufmannsgericht zu Hanau sind gewählt worden:

I, Als Beisitzer:

Aus dem Kreise der Kaufleute: Julius Berlizheimer Bruno Clauß Albert Deines Ernst Döring Heinrich Lossow Ernst Zimmermann.

Aus dem Kreise der Handlungsgehilfen: Charles Joseph Hermann F. Schüler Karl Müller Heinrich Sandberg Wilhelm Seipel Friedrich Bierbrauer.

II. Ersatzbeisitzer:

Aus dem Kreise der Kaufleute: Max Mainzer Wilhelm Kämmerer jr. Adolf Almeroth Heinrich Deines Paul Lauser Johann Philipp Müller.

Aus dem Kreise der Handlungsgehilfen:

Konrad Helbig Valentin Stahl Konrad Leipold Wilhelm Lier

Julius Bach

Wilhelm Fleckenstein.

Beschwerden gegen die Rechtsgültigkeit der Wahl find binnen einer Ausschlutzfrist von einem Monat, also bis zum Dezember 1910, bei dem Vorsitzenden des Kaufmanns- zerichts anzubringen.

Hanau den 8. November 1910. 24745

Der Vorsitzende des Kaufmannsgerichts.

Hild.

Aus ber Wclt der Technik.

Neues vom Flugsport.

Nun hat die junge Technik der Aviatik auch ihre erste Polizeiverordnung bekommen. Der Polizeipräsident von Beilin hat eine Verfügung erlassen, des Inhaltes, daß Flüge über geschlossene Ortschaften hinweg überhaupt zu unter- oleiben haben, daß Ueberinndflüge drei Tage vorher ange- neldet werden sollen. Ueber die Berechtigung und Zweck­mäßigkeit dieser Beiordnung ist viel hin- und Hergestritten morden und wird auch noch heut gestritten. Insbesondere ehlt es nicht an Stimmen, die da meinen, was dem Aero- olan recht sei, müsse auch dem Lenkballon billig sein und die deshalb ähnliche Einschränkungen kür dieMotorluft- chiffahrt verlangen.

Dem ist nun ober doch nicht so. Es besteht ein schwer­wiegender Unterschied zwischen Luftschiff und Aeroplan. Das Aeroplan muß bei jedem Motordefekt zur Erde gehen. Das Motorlustichiff kann daaegen auch mit befetten Motoren als sfreiballon irgendwo abtreiben und sich einen geeigneten l Landungsplatz suchen. Versagt einem Aeroplan die Zündung über einer Großstadt, etwa über Berlin, so ist das weitere wol>^ an zudeuken. aber wenig erfreulid). Der Flieger wird dann zum Gleitflug übergehen und in einer schrägen Ebene bmmtertommen. Nun ist eine normale Flua- mn chme etwa 8 Bieter breit und bürste der Gleitflua mit einer ^ütroartfgetö von wenigstens 40 Kllvmeter Mur bte Crbe aussen und dann auf bem Boden allmählich auslaufen leuchtet ohne weiteres-ein, daß dies Engagement am einer der normalen Straßen undurchführbar ist.' Ganz abgesehen davon, daß der Flieger schon nicht richtig in den Luftraum zwischen den Häusern der Straße eintauchen wird, abgelegen auib oon den Oberleitungen der elektrischen Straßen- 'Md Bruch drohen, ist selbst ans einem g oßeren floß r^rt1 wichen Landung die Bedrohung zahlreicher Menschenleben verknüpft. J

Aber ^" solcher Gleitflug ist immer noch die allergünstigste Annahme. Wir haben es nur allzu oft gesehen, daß Flug- mal chinen auS irgendwelchen Ursachen plötzlich wie die Steine

Dicnstnochrichten uns dem Kreise.

In der Gemarkung Dörnigheim ist die Schweineseuche erloschen.

Hanau den 9. November 1910.

V 6476

Gefunden im Schulhofe der kaufm. Fortbildungs­schule ein mit Nr. 14 versehener Schlüffe!. Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenverwaltung.

Hanau den 7. November 1910.

Gtfiiiidtne und verlorene Seitenflöiibt rr.

Gefunden: 1 Stuhl, 1 braunes Handtäfchchen mit Taschentuch und rotseid. Haarband (auf der Messe).

Verloren: 1 silbernes Armband, 1 Schweif von einem Skunkspelz, 1 Ledermappe (enthaltend 1 Bauplan für ein Hintergebäude, 1 Zeichnung für einen Abortan- fchlutz und 1 Entwäfferungsplan).

Entlaufen: 1 grauer Spitz m. Eefchl.

Hanau den 9. November 1910.

Der Rcichshliiishliltsctat 1911.

DieNorddeutsche Allg. Ztg/ veröffentlicht einen Ueber- blick über den Entwurf des NeichShaushaltsetatS für 1911. In den Vorbemerkungen heißt es: Das Etatsgesetz enthält wie im Vorjahre die Bestimmung, daß ein etwaiger Ueber- sebnß in den eigenen Einnahmen des Reichs sowie ein daS Soll übersteigender Betrag an UkberweisungSsieuern zur Ab- bürdunq des Fehlbetrages aus dem Rechnungsjahr 1909 zu verwenden sind. Der Satzanweisungskredit wird von 450 auf 375 Millionen Mark herabgesetzt.

Der ordentliche Etat

schließt in der Einnahme und Ausgabe mitMk. 2707819913 ab. Die Mehrerträge aus den bestehenden Zöllen und Steuern wurden auf Mark 32 670 845 angenommen; ba» rüber hinaus ist in dem Etat der Zölle und Steuern neu- eingesetzt der Ertrag aus der Grundstücks-Wertzuwachssteuer in Höhe von 13 Millionen Mark. Die Einnahmen und Ausgaben aus dem Kaligesetz erscheinen mit Mk. 4 800 000 im Etat des Innern. Die Überschüsse im orgentlichen Etat sind veranschlagt: a) bei der Post auf Mark 71 599 349 (gegenüber 1910 mehr Mark 18 648101), b) bei der Reichs- druckerei auf Mark 3 688 191 (d. i. weniger Mk. 866 980), c) bei der Eisenbahnverwaltung auf Mk. 18 767 495 (mehr Mk. 2 659 775).

Die auf den aittzerordenMchen Etat übernommenen Ausgaben betreffen Heer, Marine, Post, Eisen­bahn, den Kaiser Wilbelm-Kanal und die Wohnungsfürsorge. aus der Luft herunterstürzten und schwer ausschlugen. Etwas Derartiges ereignete sich ja erst kürzlich auf einem englischen Flugplatz und es mürben mehrere Zuschauer dabei verletzt, ein Knabe getötet. Ein derartiger Absturz, etwa auf eine belebte Großstadtstraße, müßte eine schwere Katastrophe zur Folge haben und mit gutem Recht können sich die Bewohner geschlossener Ortschaften eine solche Gefährdung verbitten. Und das umsomehr, alS diese Ueberstadtflüge gar feine prak­tische Bedeutung für die Aviatik selbst besitzen. Es ist ein solcher Flug eine unnütze Gefährdung des Publikunis, und wenn er unglücklich ausgeht, eine schwere Diskreditierung der Aviatik, der jeder vernünftige Zweck fehlt.

In diesem Sinne kann man die polizeiliche Inhibierung solcher Flüge über geschlossene Ortschaften nur als zeitgemäß begrüßen. Ist es doch bekannt, daß der Altmeister des Mo­torfluges, Wright, außer sich vor Entrüstung war, als Graf Lambert seinen bekannten Flug um den Eiffelturm über Paris ausiührte. Eine normale Flngmaschine wiegt mit Be­satzung und Brennstoff etwa 6 Zentner, und ein derartiges Gewicht darf man nicht leichtsinnig in das Getriebe des Großstadtverkehrs hineinschleudern.

Nicht ganz unbedenklich erscheint daaegen der zweite Teil der Polizeioerordnung, daß Ueberlandflüge überhaupt drei Tage vorher polizeilich angemeldet werden sollen. Vielmehr noch, alS es das große Publikum weiß und überhaupt ahnt, hängt ja auch die Flugmaschine von den Witterungsverhält- nissen ab. Die Besucher von Fingplätzen haben es immer wieder zu ihrer Enttäuschung erlebt, wie von nachmittags 3 Uhr an bis zur Dämmerung hin nicht geflogen wurde und wie dann erst in der Dämmerung, nachdem viele schon, des Wartens überdrüssig, heimgelehrt waren, die Maschinen hoch­gingen. Dann sprach man wohl viel von Ntotordefelten und ähnlichen Dingen. Aber in Wirklichkeit war der Motor an diesen Verzögerungen sehr unschuldig. Die Flieger es bei dem herrschenden böigen Winde eben em ach ch riskieren, in die Lust zu gehen. Wenn dann aber ani der sogenannten Wetterkanie etwa eine ^^^ Stunde vor Unter» qana der Sonne eine vollkommene Beruhigung des Luft­meeres einaetrelen war, dann gelangen die wunderichönflen LlUae.

Die bei der Finanzreform fesigelegten Anleihegrundsätze sin^ beachtet. Die Einnahmen aus dem Münzgewinn, welche bis­her zur Verstärkung der Betriebsmittel der Reichshauptkaffe verwendet worden sind, sollen zur Entlastung der Extra- ordinariumS dienen. Die eisernen Bestände deS Reiches be­trugen am Ende des Rechnungsjahres 1909 105 Millionen Mark. Der Zugang im Etat für 1910 wird auf 18 Millionen Mark veranschlagt. Die Anleihe wird auf Mark 97 755 930 bemessen (gegen Wrt 171 849 162 im Vor­jahre).

Für die Schntzgeblete

ist neben dem Etat für 1911 ein zweiter Nachtrag zu dem Etat für 1910 ausgestellt. Dieser sieht insbesondere die Aus­gaben vor, welche mit der südwestafrikanischen Diamanten­gewinnung in Verbindung stehen und in den Mehreinnahme» daraus ihre Deckung finden. In dem Etat für 1911 be­tragen die Einnahmen und Ausgaben im ordentlichen Etat für Osiafrika 558 215 Mark mehr, Kamerun 733 048 Mark mehr, Togo 764 850 Mk. mehr, Cüdwestafrika2 728 294 Mk. mehr, Neuguinea und die Jnselbesirke der Südsee 118 444 Mark weniger, für Samoa 166 932 Mark mehr, Kiautscho« 826 950 Mark mehr. Bei dem außerordentliche« Etat für Ostafrika 15 000 Mark mehr, Kamerun 9 200 000 Mark mehr, Togo 3 177 000 Mark weniger, Südivestafrika 1 400 000 Mark mehr. Der ReichS- zuschuß ermäßigt sich für Ostafrika um 42 110 Mark, Kame­run um 61 550 Mark, Südwestafrika um 8 009 947 Mark, Neuguinea und Süds« um 163 015 Mark und Kiautschou um 422 856 Mark.

In dem

Etat deS auswärtigen AmtS

ist u. a. die Schaffung eines neuen vortragenden Rate- vor­gesehen, ferner für den Auslandsdienst die Schaffung neuer Berufskonsulale in Duscher und Wladiwostok, eine Konsul-- stelle für die Wahrnehmung der Richtergeschäfte in Schanghai, Stellen für Konsulat-sekretäre in Petersburg, Mailand, Rom, Paris und Dokohama. Bei den nordischen Reichen (Sitz in Stockholm) soll die Stelle eines neuen Militärattaches ge« schaffen werden. Vorgesehen find ferner die Erhöhung bei Geheimfonds um 800 000 Mark. Für dieUnion Inter- parlamcntaire* ist zum erstenmal ein Beitrag von 5000 Mk. aufgeworfen. Für den Erwerb eines Botschaftsgebäude« in Petersburg ist eine weitere Rate mit 450 000 Mark eingt* stellt.

Nach dem

Etat deS ReichSamtS deS Innern erhöht sich der Aufwand deS Reich- auf Grund bei Invali­denversicherung-gesetze- um 1 210 000 Mark. An Auf­wendungen für Bauten sind hervorzuheben der Beitrag für das Deutsche Muleum in München, die erste Rate für de«

Unter solchen Umständen ist eS natürlich eine sehr peku* näre Sache, einen Ueberlandflug drei Tage vorher anzu­melden, ist doch unsere meteorologische Wissenschaft heut noch nicht einmal so weit, auf drei Tage voraus die allgemeine Witterungslage festzustellen.

Man wird einwenden, daß schließlsch auch die ganze« Neberlandflüge unnötig seien. Dem ist aber keineswegs so. Die Flugfelder, die der Aviatik heute zur Verfügung stehen, bergen recht erhebliche Gefahren. Wir lesen seit Jahrzehnten von Ruderbooten, die da kenterten, weil sie in das Kielwasser eines Dampfers gerieten. Aber erst jetzt beginnen wir di« verderblichen Wirkungen der Luslstrudel von Flugmaschinen auf andere Flugmaschinen zu studieren. Und schon zum Be­ginne dieses Studiums wissen wir, daß diese Strudel enorme Gefahren bieten. Wenn heut auf einem verhältnismäßig kleinen Flugfeld gar 10 oder 20 Flugmaschinen zur gleichen Zeit ihre Uebungen ausführen, so entstehen Wirbel, die jeden einzelnen Fahrer schwer bedrohen. Deßhalb sind Ueberland- flüge unbedingt notwendig. Ein verständiger und riictsichtS» voller Flieger wird sich dazu Routen wählen, die über un­bebautes und unbelebtes Gelände gehen, und es bleibt zu wünschen, daß diesen für das Publikum ungefährlichen und für die Aviatik unentbehrlichen Fliegen möglichst wenig Hindernisse in den Weg gelegt werden. Denn wir hoffen sa daß sich die Aviatik, die heut noch ein sehr gefährliche, Sport ist, im Laufe des nächsten Jahrzehntes doch zu einer nützlichen Verkehrsgelegenheit entwickeln wird, ebenso wie daS Automobil heute dem Verkehr dient, während cs vor zehn Jahren noch ein gefährliches und widerhaariges Sport- mittel war.

Henri Ininenrè nber die nene Netuik.

Von H. H. Kritzinger.

Durch Johannes Schloss Veröffentlichungen inNord und Süd" über die Unhaltbarkeit der Kopernikanischen Auf- fassung, die seit August dieses Jahres das öffentliche Inter­esse erregten, sind Fragen der Mechanik und besonders der relativen Bewegung auch in der Tagespreise häufiger be­sprochen worden. Wenn auch jener Weimarer Dichter es