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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für S1aM= und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn* und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die 'gespaltene Petitzelle oder deren Raum 20 Zl» im Reklamenteil die Zeile 45 Pfg.

verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

SIL 287 Fernsprechauschlitsr Nr. 230

Doniicrstag heil 8. Dcztiulicr

Fernsprechattschlutz Nr. 230

1910

!$lt brotige NmM nmföl miet b.Notnholtiitiilitt

_________14 Seiten._________

Amtliches.

Stadtkreis Hanau. [ Bekanntmachung.

Am Freitag den 9. d. Mts., vormittags 9 Uhr, findet im unteren Saale des Neustädter Rathauses, Zimmer 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt. Hanau den 6. Dezember 1910. 27191

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.

Hild.

*--

Diciistnachrichten aus bem Kreist.

In der Gemarkung Ravolzhausen ist die Schweine­seuche festgestellt worden.

Hanau den 7. Dezember 1910. V 7026

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PoUtiTcbe RundTcbau.

Der präsidierende Bürgermeister Bremens Dr. Pauli zeigt seinen aus Altersrücksichten erfolgenden Rücktritt i an. Pauli steht im 83. Lebensjahre und ist Mitglied i des Senats seit dem Jahre 1872. Die Wahl des neuen präsidierenden Bürgermeisters findet am 17. Dez. statt. Der konservative Verein Posens gibt vom 10. d. M. ab eine neue politische Zeitung unter dem NamenOst­deutsche Warte" heraus zum Abonnementspreis von einer Mark monatlich.

Die Arbeiterbewegung im Ruhrgebiet. Der Zechenver­band hat die Forderungen der Bergarbeiterverbände, betr. die Bewilligung einer Lohnerhöhung und betr. die Umge­staltung des Zwangsarbeitsnachweises in einen paritätischen Arbeitsnachweis abgelehnt. In einer abgehaltenen Konfe­renz der Filialleiter der polnischen Vereinigung wurde zur gegenwärtigen Lohnbewegung der Bergarbeiter im Ruhr­revier eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Die Konferenz erklärt sich mit dem Verbände der polni­schen Verufsvereinigung in der bisherigen Lohnbewegung einverstanden. Sie billigt es, daß der Zentralverband ge­meinsam mit den anderen Organisationen an den Zechen­verband Forderungen wegen Erhöhung der Arbeitslöhne, wegen Beseitigung der Mißstände, wegen der Reform der Knappschaftssatzungen und wegen Umwandlung des ein­seitigen Arbeitsnachweises in einen paritätischen, gestellt

Wiiilkrschlas.

Von Professor Dr. K. F. Jordan.

Län ost bar der Winter, dessen Beginn der Astronom aller­dings eist auf den 21. Dezrmber, den kürzesten Tag im Jahre, scstsetzt, bei uns Einzug gehaltenen mit seinen unwill­kommenen Äegleitern: fiälte, Dunkelheit, granschwarzen Wolken, Schnee und Eis : und das Leben in Wald und Feld ist fast erloschen. Ohne Blatt-nnd BUUcnschmuck stehen die Laubbâume und das Buschwerk da; verwelkt und abge­storben sind die Krautgewächse: und wenn nicht der treue Tannenbaum, unsere nordische Kiefer und die übriger: Nadel- gewnchse und immergrünen Pflanzen überhaupt mit ihrem Grün, wie unter Tränen lächelnd denn die frische Farbe deS Frühlings zeigt es nicht unser Auge hier und da er- freuen würden: wir könnten denken, daß ein gänzlicher und allgemeiner Tod der Pflanzenwelt sich bemächtigt hätte.

Ein ähnliches Bild bietet die Tierwelt dar. Die Schar der Insekten, die so kurzlebig ist und uns doch manchmal so lästig fallen kann, ist, wenigstens was das letzte Stadium der Metamorphose: das ausgebilde Insekt, vom Zoologen Imago genannt, an­geht wirklich überwiegend dahingestorben; aber in der Erde, in der Rinde der Baumstämme, in überwinternden Gallen usw. harren die Eier einer neuen Entwicklung, oder es regen sich bereits die Larven und nehmen vorläufig mit karger Nahrung vorlieb, um späterhin umso gefräßiger auf* zutreten.

Von höheren Tieren haben die mit größerer Bewegungs­fähigkeit begabten südlichere Gegenden ausgesucht, wo ein milderes Klima ihnen Wärme und Beute gewährt. So vor allem die Zugvögel, so die übrigen Wundertiere: der be­rühmte Lemming, das Renntier, der nordamerikanische Seehunde, Wale, gewisse Fledermaus-Arten, selbst einige Reptilien und Fische sowie wirbellose Tiere, obgleich nicht bei allen das Ziel der Wanderung ein weit entfernt liegen­des ist

Zu den merkwürdigsten Erscheinungen des Lebens aber, die den Tieren über die kalte, nahrungsarme Jahreszeit hin­weghelfen sollen, gehört der Winterschlaf. Er ist viel ver­breiteter. als man aemeinbin annimmt, und findet sich bei

hat. Der Kohlenmarkt läßt eine wesentliche Befferung er­kennen, wodurch den Arbeitgebern die Möglichkeit gegeben ist, die berechtigten Forderungen der Bergarbeiter zu berück­sichtigen. Die Konferenz bedauert die Stellungnahme des christlichen Gewerkvereins, der in einer so wichtigen Ange­legenheit die Solidarität gebrochen und dadurch die Lohn­bewegung der Bergarbeiter-erschwert hat. Weiter erklärt die Konferenz, daß. falls der Kamvf, der im Ruhrrevier entbran.lt ft, von dem rein gewerkschaftlichen Gebiete auf das Gebiet der gegenwärtigen Bekämpfung der Gewerk­schaften übertragen und auf die Vernichtung irgend eines Verbandes hinzielen sollte, die Berufsvereinigung sich an einem solchen Kampf nicht beteiligen wird.

Die Niederlage der Franzosen im westlichen Sudan. Die Nachricht von einem verlustreichen Gefechte im Sudan östlich Abecher erregt hier gewaltiges Aufsehen, ja Be­stürzung. Der Kolonialminister gab auf Befragen an, keine weiteren Nachrichten außer der offiziell bekannige­gebenen zu besitzen. Festzustehen scheint, daß Oberst­leutnant Moll, der Führer einer zweihundert Mann starken Kolonne und Kommandant der Tschadsee-Region des Sudans, sowie zwei Leutnants, zwei Sergeanten und zahlreiche farbige Schützen gefallen sind. Die Namen der Gefallenen, außer dem Leutnant Joly, werden wegen der Unsicherheit der Meldungen noch nicht veröffentlicht. Auf gegnerischer Seite soll Sultan Dudmurrah von Wadai, der von den Franzosen entthront wurde, ver­wundet und der ihm verbündete Sultan Tadjadin von Massalit gefallen sein. Der Feind soll große Verluste erlitten haben und geflohen sein. Letzteres erscheint aber noch fraglich. Festzustehen scheint, daß sich die Kolonne Moll von einem zehnfach überlegenen Gegner auf dem Marsche überrumpeln ließ. Das Gefecht fand am 9. November statt. Die Nachricht brauchte 27 Tage bis zur nächsten Telegraphenstation, die rund tausend Kilo­meter entfernt ist. Moll, der erst 39 Jahre alt ist, war seinerzeit Chef der französischen Erenzkommission, die ge­meinsam mit der deutschen Kommission die Grenze von Kamerum nach der Seite des Sudans absteckte. Damit haben also die früheren, immer wieder abgeleugneten Gerüchte, daß die Franzosen im Sudan eine schwere Niederlage erlitten haben, eine Bestätigung gefunden. Seltsamerweise werden diese Gerüchte, die doch wohl aus Narichtenquellen der Eingeborenen herstammten, in Paris noch jetzt für gänzlich belanglos erklärt. In Deutschland wird man den Franzosen die Teilnahme über diesen Ver­lust so vieler Offiziere und Soldaten nicht versagen.

Eine Verdächtigung Koffuths? In Budapest macht gegenwärtig die Forderung nach Abrechnung der Eeldsamm- lungen für die Heimbeförderung Ludwig Kossuths, der in »^-»»---->>>»-»><»»'- i.» II II I

den meisten größeren Abteilungen des Tierreichs. So bei Würmern, Mollusken, Spinnentieren, Kerbtieren, Fischen, Reptilien und Säugetieren. Ja, in gewisser Weise fönntt man die Eucystierung oder Einkapselung bei einer Anzahl von Infusorien und Wurzelfüßern, Angehörigen der nied­rigsten Tierreihe also, auch hierher rechnen. Diese einzelligen Wesen umgeben sich während des Winters mit einer einen erhärtenden Stoff enthaltenden Hülle, die ihnen als Schutz

bient.

Anders die höher stehenden Tiere. Sie suchen, wenn die kältere Jahreszeit sich einstellt und die Nahrung abnimmt, wohlverwahrte Orte in Erd- oder Banmlöchern, unter Moos, abgelöster Rinde oder, wie die Wassertiere, im Bodenschlamm der Gewässer auf. Je nach der Intelligenz der Tiere wird der bezogene Schlupfivinkcl noch mit Moos und anderen schlechten Wärmeleitern ausgepolstert und verstopft; oder die Tiere wählen ein Massenquartier, wie unsere Fledermäuse Stall- oder Scheunenwinkel, wo sie, dicht aneinander ge­drängt, sich gegenseitig vor zu großem Wärinevcrlust schützen.

Nicht bei allen Tieren ist der Winterschlaf von gleicher Dauer. Immer hängt er, abgesehen von einer Eigenart der Tiergattung, gleich beut Wicdererwachen der Pflanzenwelt im Frühjahr, von der Länge des Winters ab. So liegen im hohen Norden und in den höhergelegenen Tälern unserer Gebirge die Tiere noch in tiefer Lethargie, wenn in den süd­licheren Gegenden und in der Ebene die Tierwelt schon in der warmen Frühlingssonne schwärmt.

Auch die Tiefe des Winterschlafes ist verschieden. Wäh­rend bei den Hängetieren, z. B. Siebenschläfer, Haselmaus, Igel lind Murmeltier einem andauernden Winterschlaf ver­fallen, ist derjenige des Bären, des Dachses und der F>eder- mänse ein unterbrochener. Diese Tiere erwachen zu ^' und suchen sich Nahrung wahrscheinlich, weil sons ständiger Verbrauch dir Körperfubstanz Und sonnt der Tod eintreten könnte. Meist haben ste Wmtervorrate gesammelt. -r.s->dermä»sen, Nagetieren, Sohlen- Untersuchungen die a F ste[lt wurden. Haben er* d/s Winter'chlases vor allem bei den geben daß w'^ die Bluttemperatur erheblich herabsinkt, be'i^en Säugetieren von 36-38'6 des Normalzustandes bis

Turin im Exil lebte und dessen Leichenbegängnis auf Kosten der Stadt Budapest stattfand, große Sensation. Es wird behauptet, daß mit den gesammelten 160 000 Kronen die Schulden der Söhne Koffuths, vor allem Franz Koffuths, bezahlt werden mußten, der jetzt durch zehn Jahre der Füh­rer der ungarischen Opposition war. Koffuth bestreitet dies, behauptet aber, ihm sei nur die Summe von 50 000 Kronen als Sammlungsergebnis bekannt.

Mit dem Schlagwort von derdeutschen Gefahr", mit dem auch diesmal wieder im englischen Wahlkampfe ge­arbeitet wird, kann den Wählermassen nach zwei verschie­denen Melodien aufgespielt werden. Die eine ist die poli­tische Gefahr, die Gefahr von der angeblich die Vorherrschaft Englands zur See und die Eroßmachtstellung oder sogar die Existenz des britischen Reiches bedroht sein soll; die andere Gefahr soll auf dem wirtschaftlichen Gebiete liegen: angeb­lich müffen Englands Handel und Industrie vor dem immer mächtiger auftretenden Wettbewerb Deutschlands mehr und mehr zurückweichen. Nach diesem System hat auch der Unio­nist Bonar Law gearbeitet, der im Auftrag des Partei­oberhauptes Mr. Balfour im Wahlbezirk Manchester-Nord- west die Cache der Tarifreform zum Siege führen sollte, aber dort eine ziemlich empfindliche Niederlage erlitten hat. In einer öffentlichen Versammlung erklärte er, daß, wenn die Tarifreformbewegung ans Ziel gelange, die Baumwoll- industrie davon außerordentliche Vorteile haben würde. Um für seine Forderung, daß die Wähler gegen den Freihandel entscheiden sollten, Stimmung zu machen, wies er daraus hin, daß der Wert der Ausfuhr der englischen Baumwoll­industrie nach Deutschland im Jahre 1909 rund 2,8 Mill. Pfd. betragen habe, daß dagegen Baumwollwaren im Werte von 5,7 Mill. Pfd. zur Einfuhr gelangt seien. Diese Gegen­überstellung war an sich insofern etwas verdächtig, weil aus der Aeußerung nicht klar hervorgeht, ob der Redner sagen wollte, daß die erwähnte Einfuhrmenge an Baum­wollwaren ausschließlich aus Deutschland stamme, bezw. deutsches Erzeugnis sei. Aber auch wenn er das nicht hat sagen wollen, bleibt es doch eine eigentümliche Art zu argumentieren, für solche Vergleiche ausschließlich die Ver- Hältniffe in einem einzigen Industriezweig zugrunde zu legen. Selbverständlich gibt es Warengruppen, in denen die Ausfuhr Englands nach Deutschland geringer ist als umge­kehrt die Einfuhr Englands aus dem deutschen Wirtschafts­gebiete. Aber ebenso gut gibt es zahlreiche Warengruppen, für die das umgekehrte Verhältnis leicht nachweisbar wäre. Wenn man somit in England die Gesamtheit der beider­seitigen Handelsbeziehungen ins Auge fassen wollte, würde man unmöglich übersehen können, daß gegenwärtig das weit über 60 Millionen zählende deutsche Volk eine der kauf­kräftigsten Nationen ist und zu den besten Kunden Eng-

auf 186 C, ja 4®C. Der Blutkreislauf und der Herzschlag verlangsamen, die Atmung wird schwächer; die Verdauungs­organe verengen sich, die Verdauung wird ausgehoben. In­folge der Haut- und Lungenatmung findet ein Wafferverlust statt, der im Blut am größten ist, demnächst in den Mus­keln. . In beiden werden auch die mineralischen Teile ver­mindert. Gehirn und Milz verlieren kein Wasser und wer­den ebenso wie die Leber an mineralischen (anorganischen) Teilen reicher.

Der wenn auch schwache, so doch immerhin vorhandene Stoffwechsel, vor allem die Atmung, wird in erster Linie auf Kosten des aufgespeicherten Fettes bestritten. Daher tritt eine, oft ziemlich weitgehende Abmagerung der Tiere ein. Gerade die Atmung aber ist ersprderlich, um die durch den Lebensprozeß denn wir haben es ja nur mit einem Schlafe, also einer Erscheinung des Lebens zu tun zersetzt« Kölpersubstanz durch Oxydation (einer Art Verbrennung, wenn man sie so nennen will) zu beseitigen. Denn die zer­setzte Masse würde zur Lähmung und zum Absterben der Organe führen. Darum müssen ja auch alle tierischen Wesen einem regelmäßigen Schlafe sich hingeben, ja, sie werden, wenn sie ihn überwinden wollen, gewaltsam von chm er« griffen leben infolge jener auftretenben Lähmung durch ote SbZÄ damit bei DerobgckSter SebenSiätigtelt die Atmung eine Regeneration der Körpersubstanz vor- "'^Besonders merkwürdig ist daS Vorkommnis der sage- nannten Winterschlasdrüse bei einigen Säugetieren, die eine Fettanhäufung enthält, die während des Winterschlafes ver« braucht wird.

Ein bemerkenswertes Gegenstück zum Winterschlaf bildet der Sommerschlaf mancher Tiere, die zwischen den Wende­

kreisen heimisch sind, wo Hitze und Trockenheit ihnen ver­hängnisvoll werden können. Besonders handelt eS sich hier um verschiedene Reptilien, Amphibien und Fische. Sie graben sich in der regenlosen, heißesten Zeit tief in den Schlamm ein, dessen obere Schichten zu harten Krusten ein« trocknen Ohne Nahrung und ebenfalls bei vermindertem Lebensprozeß verharren sie hier, bis Jupiter Pluvius feine Schleusen wieder öffnet und ihr GelängNis löst, so daß sie es verlassen können.