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Ibteiieelbnrt m» verlâ- der Buchdrucker« bei emie. M »«tsarhauseo ta H««».
Amtliches Organ für Stadt- und Fandüreis Kaum.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Die fünf gespaltene Petttzeile aber beten Rene 96 Mtz» da Skeklameateü die Zeile 4ü Pf-.
Bttantwatü. Nedakteur: G. Schrecker la H«um,
Nr. 210 ffernsprechaxschlutz Nr. 605.
Amtliches.
Eandhreis Ranau.
In der Zeit vom 17. Oktober bis 12. bezw. 19. November d. Js. wird bei genügender Beteiligung im hiesigen Schlachthofe unter Leitung des Direktors Dr. Becker ein Unterrichtskursrrs in der Schlachtvieh- und Fleischbeschau sowie in der Trichinenschau abgehalten.
Die Teilnehmer, die täglich vor- und nachmittags vier Wochen lang im Schlachthofe anwesend sein muffen, wollen sich bei dem Leiter des Unterrichts unter Beifügung der Gebühren von 30 Mk. spätestens bis zum 30. d. Mts. melden.
Für die Personen, welche sich gleichzeitig als Fleisch- und Trichinenbeschauer ausbilden wollen, dauert die Unterrichtszeit 5 Wochen und betragen die Gebühren 50 Mk., eine Rückerstattung der Gebühren bei Rücktritt vom Kursus erfolgt nicht.
Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Personen ihrer Gemeinden, die zur Ausübung der Fleisch- und Trichinenschau gesetzlich zugelaffen sind und sich darin ausbilden wollen, hierauf aufmerksam machen zu wollen.
Hanau den 7. September 1910.
Der Königliche Landrat.
V 5229__________Frhr. Laur.________________
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 schwarzer Damen-Gummigürtel, 1 Fahrrad-Schraubenschlüssel, 1 silberner Herren-Ring mit Onix.
Verloren: 1 schwarze Damen-Handtasche mit Portemonnaie und 58 Mk., 1 Herrenschirm mit gebogenem Silbergriff (am 4. d. Mts. in Wilhelmsbad), 1 Damenschirm.
Hanau den 8. September 1910.
Politische Rundschau.
Der Termin für die Ankunft des Deutschen Kaisers in Wien ist jetzt endgültig festgesetzt. Kaiser- Wilhelm trifft am 20. September in den Morgenstunden in Wien ein, wird vom Kaiser Franz Josef auf dem Bahnhof erwartet und nach Schönbrunn begleitet. Kaiser Wilhelm nimmt in Wien einen zweitägigen Aufenthalt. Der Kaiser wird während seiner Anwesenheit in Wien eine Deputation des Husarenregiments Nr. 7, dessen Inhaber er ist, in Schönbrunn empfangen. Im Programm Kaiser Wilhelms befindet sich auch ein zweimaliger Besuch der Jagdausstellung. UeberdieS wird der hohe Gast auch einem Fest auf der deutschen Botschaft beiwphnen.
80. Geburtstag. Der Reichstagsabgeordnete von Strombett in Berlin feierte gestern seinen 80. Geburtstag in voller Rüstigkeit und geistiger Frische. Geheimer Justizrat von Strombeck gehört als Mitglied der Zentrumspartei dem Abgeordnetenhaus seit 28 Jahren, dem Reichstage seit 26 Jahren an, und zwar als Vertreter deS überwiegend katholischen Eichsfeldes (Kreise Heiligenstadt und WorbiS).
Der Bund vaterländischer Arbeitervereine hat in Braunschweig seine Hauptversammlung abgehalten. ES wurde am Schluffe der Tagung eine recht bemerkenswert« Resolution angenommen, in der es u. a. heißt: „Der Bund vaterländischer Arbeitervereine verurteilt einstimmig und mit aller Schärfe den Gedanken, zwischen bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie Wahlbündnisse herbeizuführen. Er erblickt in solchen Bündnissen eine Verwischung des tiefen Gegensatzes zwischen der vaterländisch-bürgerlichen und der international-sozialdemokratischen Weltanschauung, eine schwere Schädigung der Interessen des Vaterlandes und eine poli- iische Kurzsichtigkeit, die sich an denjenigen Parteien rächen muß, die auf diese Weise die Sozialdemokratie fördern helfen. Der Bund nimmt mit Bedauern Kenntnis davon, daß ein badischer Staatsminister in Verkennung des innersten Wesens ^i Sozialdemokratie dieser ein Verdienst um die Befreiung vierten Standes zugeschrieben hat. Einen vierten Stand gibt es im Deutschen Reiche nicht. Wenn man aber von der früheren Befreiung der handarbeitenden Stände sprechen io ist diese vollzogen worden durch Staatsakte, an denen E Sozialdemokratie keinen Anteil hatte, wie die allgemeine Schulpflicht, die Stein-Hardenbergische Gesetzgebung und die Verfassung des Deutschen Reiches. Die Früchte dieser Er- lungenschaft aber werden in Frage gestellt durch den Miß- vrauch, den die Sozialdemokratie mit den Freiheiten des bcuileben Volkes treibt, durch die terroristische Fesselung der Albeiikrschaft, die einem großen Teil der Arbeiter nicht nur 'e Freiheit der Erwerbstätigkeit raubt, sondern auch die Gedankenfreiheit, die Freiheit, vaterländisch ju fühlen und IM bandeln. Wir lassen uns in der Hoffnung nicht beirren,
Donnerstag den 8. September Ferusp«echankchr«K «». eos. 1910
daß ein immer größerer Teil der deutschen Arbeiterschaft sich zu der Erkenntnis durchringen wird, daß gerade ihr Wohl direkt abhängt von der politischen Machtstellung des Reiches und dem gleichmäßigen Gedeihen aller Teile unserer Volkswirtschaft".
Deutsche Offiziere als Instrukteure für Brasilien. Der brasilianischen Gesandtschaft nahestehende Pariser Blätter behaupteten, die brasilianische Heeresverwaltung habe den Gedanken aufgegeben, deutsche Offiziere zu Lehrern zu berufen. Marschall da Fonseca, der früher für die Berufung war, sei jetzt überhaupt gegen die Anstellung ausländischer Offiziere als Instrukteure in Brasilien, welcher Nationalität sie auch seien. Wie die „Doff. Ztg." demgegenüber erfährt, hat die brasilianische Regierung die zuständigen deutschen Stellen tatsächlich um die Entsendung deutscher Offiziere zur brasilianischen Armee ersucht. Es sollen vorläufig ein Stabsoffizier und etwa zehn Offiziere niederen Grades in die brasilianische Armee übertreten. Der spätere Rücktritt in die deutsche Armee bleibt ihnen gesichert.
Folgen einer Beamtenmatzregelung. Oberpost, assistent Zollitsch, der ehemalige Vorsitzende des Verbandes der mittleren Reichspostbeamten, der wegen verschiedener Ver- öffentlichungen in dem Verbandsblatt, für das man ihn als Vorsitzenden mit verantwortlich machte, gemaßregelt wurde, hat nunmehr, wie die „Bayer. Verkehrsblätter" melden, seine Entlassung aus dem Reichspostdienst genommen. Eine Subskription zu seinen Gunsten ergab die Summe von 50 000 Mark.
Die b ayerischen Nationalliberalenüber Reichs- tagswahlbündnisie. Der geschäftsführende Ausschuß der nationalliberalen Landespartei in Bayern hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, auf dem bevorstehenden nationalliberalen Parteitag in Cassel mit Bezug auf die Reichstagswahlen folgenden Standpunkt zu vertreten: Es sei wünschenswert, wenn in Cassel eine Großblockpolitik mit der Sozialdemokratie abgelehnt würde. In erster Linie mochten Wahlbünd- Nisse mit der Fortschrittlichen Volkspartei angestrebt werden, aber daneben, wenn möglich, auch mit den rechtsstehenden Parteien. Nach rechts wie nach links soll jedoch Wahlunterstützung nur gewährt werden, wenn der betreffende Kandidat die Gewähr dafür bietet, daß er weder eine einseitige Agrarpolitik, noch eine Politik des Freihandels vertritt.
Zur Fleischnot. Der Wiener Gemeinderat faßte gestern in der Fleischfrage einen Beschluß: Er fordert in der Erkenntnis, daß die Einfuhr überseeischen Fleisches unter den gegenwärtigen Verhältnissen das einzige Mittel zur Behebung der Fleischnot ist, auf, die Einfuhr von argentinischem Fleisch sofort zuzulassen. Der Gemeinderat erklärte, daß der Regierung die Folgen einer ablehnenden Haltung zugemessen werden müßten.
Die böhmische Berftändigungsaktion. In der Konferenz beim Ministerpräsidenten Bienerth wurde vereinbart, daß die Vorbesprechungen wegen der Flottmachung des böhmischen Landtages in Prag in der Woche nach dem 18. September, wahrscheinlich am 19. September, stattfinden. Einladungen sollen vom Oberstlandmarschall an den Statt
halter, an den Oberstlandmarschallstellvertreter Urban und je zehn Landtagsabgeordnete der beiden nationalen Parteien, darunter je zwei Großgrundbesitzer, ergehen. Die Auswahl derselben soll den Landesausschußbeisitzern Eppinger und Skarda überlassen bleiben, welche zu diesem Ende das Gutachten ihrer Parteigenossen einholen werden.
Präsident Fallières ist gestern im Automobil trotz des regnerischen Wetters von Thonon in Savoyen nach Chamonix aufgebrochen. Die Polizei bewacht scharf in Thonon den Anarchisten Casteu, der unlängst in der Schweiz
wegen eines heftigen Artikels gegen den Präsidenten Fallières, überschrieben „Mörder", ausgewiesen worden war.
Die Spionensache. Der in Portsmouth wegen Verdachts des Spionierens im Osfizierkasino des Forts Pur- broot unter Aufsicht eines Offiziers aufgehaltene Deutsche ist der Leutnant im 21. Pionierbataillon Helm. Er wurde von Offizieren deS genannten Forts entdeckt, als er eine Skizze des FortS Wildley in den Plan von Portsmouth eintrug, einen Plan, der im Buchladen für ein paar Schilling käuflich ist. Das Fort Wildley ist eine ganz veraltete Befestigung, aus der Panikzeit, wo ein französischer Ueberfall befürchtet wurde und in Portsmouth unter der Bezeichnung „Palmerstons Folly" bekannt. Dem Verfertiger der Skizze war die 12 m hohe, über hundert Jahre alte Ziegelmauer des Wildley zugekehrt. Der Plan enthielt auch Skizzen anderer veralteter, auf der Laitdseite von Portsmouth liegender BefestigungiN. Warum er sich die Mühe gab, diese izzen anzufertigen, da Photographieren viel bequemer im l »eiefe« â, ist lchw-r d,gr°if«ch. ^'t^ ' ^ laden ein Dutzend guter Photographien dieser Be.estiguugen
für 6 Pence kaufen können. Die Gebäude werden nur als Kasernen benützt und sind aller Verteidigungsmittel längst entblößt. Freilich will die „Times" wissen, daß jüngst vorgeschlagen wurde, diese ursprünglich gegen Angriffe von der Landseite errichteten Befestigungen für die Verteidigung gegen einen Angriff seewärts zu verwerten. Der Missetäter war in Begleitung einer Dame, als er betroffen wurde. Er wird als Offizier behandelt.
Eine Revolte rumänischer Bauern in Ungarn. Ueber den Zusammenstoß, der vorgestern zwischen Bauern und Gendarmen in Czelna stattfand, wird folgende amtlich« Darstellung gegeben: Der Zusammenstoß erfolgte wegen Tragens von Kokarden in den Landesfarben deS Königreichs Rumänien, wozu der im Wahlkampf unterlegene und seither unablässig agitatorisch tätige Abgeordnete Vajda die rumänische Landbevölkerung angestiftet hatte. Die Aufforderung der Gendarmen, die gesetzlich verbotenen Kokarden abzulegen, beantworteten die Landleute, indem sie eine drohende Haltung einnahmen und die Gendarmen angriffen, die zur Abwehr auf die gegen sie vorgehende Menge feuerten und zwei Personen töteten. In der Gemeinde Stracsa kam eS aus derselben Veranlassung ebenfalls zu einem Zusammenstoß, bei dem ein Gendarm von der Menge getötet wurde. Da in jener Gegend (der Wahlkreis deS erwähnten Abgeordneten Vajda) Ausschreitungen und Brandstiftungen an der Tagesordnung sind, ist in die bedrohlichen Gemeinden eine starke Truppenabteilung entsandt und die Gendarmerie verstärkt worden.
Europäer und Amerikaner in Persien. Der französische radikale Deputierte Louis Martin beklagt« in den „Mitteilungen des Pariser französisch-persischen Vereins" den Rückgang des französischen Einflusses in Persien und weist darauf hin, daß Deutschland alles tue, um seinen Einfluß in Persien zu vermehren. So habe die deutsche Regierung der deutschen Schule in Teheran eine sehr bedeutende Unterstützung gewidmet.. Geradezu als eine beißende Ironie müsse es angesehen werden, daß einer der Hauptunterrichtsgegen- stände dieser Schule aber die französische Sprache sei. — AuS Teheran wird berichtet: Der Medchlis hat fast einstimmig im Gegensatz zu einer früheren Entscheidung beschlossen, zu Ratgebern des Finanzministers anstatt Fran- zosen Amerikaner zu berufen.
Die Pforte ließ den Kretamächten eine Mitteilung zugehen, in der sie deren Aufmerksamkeit auf die beabsichtigt« Ersetzung der ausgedienten griechischen Offiziere der kretischen Miliz und der Gendarmen« durch andere griechische Offiziere lenkt und die Mächte auffordert, diesen neuen Uebergriff gegen die türkischen Souveränitätsrechte zu verhindern.
Die Türkei hat nach zuverlässigen Informationen augenblicklich an der bulgarischen Grenze achtzigtausend Mann und dreihundertfünkzig Kanonen an der griechischen Grenze, in den Vilajets Saloniki und Monastir zusammen 125 000 Mann.
Ein interessanter Vergleich.
Im „ReichSarbeitSblatt" wird ein interessanter Vergleich über die Arbeiterversicherung in Deutschland und im Auslande angestellt, dem wir folgendes entnehmen. Für die Krankenversicherung haben außer Deutschland auch Oesterreich-Ungarn und Norwegen das Zwangsversicherungsprinzip, allerdings mit einem sehr eingeschränkten Versicherungskreis. Während in Deutschland
von 16 Millionen Lohnarbeitern 13,2 Millionen versichert sind und die Leistungen der Kaffen 321 Millionen Mark
(pro Erkrankten 58 Mark, pro Krankentag 3 Mark) betragen, sind in Oesterreich von 10 Millionen Lohnarbeitern nur 3,4 Millionen versichert, die Leistungen betragen hier nur 49,2 Millionen Mark (für einen Erkrankten 28.58 Mark, für einen Krankentag 1.63 Mark). In Ungarn find von 3,2 Millionen Lohnarbeitern nur 0,8 Millionen versichert, die Leistungen betragen 13,3 Millionen Mark (für einen Erkrankten 36.20 Mark, für einen Krankentag 2-60 Mark). Die übrigen Länder haben das Prinzip der freiwilligen Versicherung. In F r a n k r e i ch unterliegen nur die Bergleute bis zu 2000 Mark Einkommen dem D-^ sicherungszwang. Sonst ist in diesem Lande die Zahl der Versicherten sehr gering. Die Leistungen hört ^ntKn den unsrigen nicht verglichen werden. In Groß- b r i t a n n i e n si.id von 13,5 Millionen Lohnarbeitern, 6,1
Millionen versichert.
Bezüglich der Unfallversicherung hat Oester- re i ch nach deutschem Muster den Versicherungszwang eingeführt, schließt aber die Landwirtschaft aus und nimmt einen geringeren Jahresverdienst als Deutschland, das 3000 Mark als obere Grenze annimmt, zur Grundlage. Die Leistungen Oesterreichs betrugen nur 15,8 Millionen Mark,