Erstes Blatt.
General-Anzeiger
Bezugspreis;
Merisisöhrsich 1.80 Mk.. monatlich 60 Psg.. fOr ane» eotlrttge Abonnenten mit dem betreff Postaujschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Einrilckungsgebühri
Rotationsdruck und Verlag der Vuchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die ^gespaltene Petit-eile oder beten Raum 20 $f$ im Reklamentell die Zeile 45 Pfg.
Verantwort!. Reöakteur: (5. Schrecker in Hanau,
Nr. 285
tymih’redHHiidihtft Nr. 230.
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1910
Die ieilllllk Zimmer mW «6« k.NrtchâyNltv
14 Seiten.
Amtliche?.
Der Snntcustiuid Mitte Novnnücr 1910.
Negirruugybezirk Cassel, Land-Kreis Hanau.
Vegutachluilgâziffcru (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 8 = mittel (durchschnittlich^, 4 — gering, 5 — sehr gering.
Fruchtarten usw.
Durch- 'chnitrsnoten
für
den
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten.
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1 >1-2' 2 |2—3I 8 Iß—4| 4 |4—5 | 5
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«Dinkel) Winterroqgm Wimerrabs- n.
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2,4
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3,0
2
4
2
3
1
2
2
3
Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.
Dr. Blenck, Präsident.
V 6948
Gefunden im Rathaus: 1 Portemonnaie mit den Anfangsbuchstaben C. F. (Inhalt: 1 Radfahrkarte rc.). Abzuholen auf dem Geschäftszimmer der Armenver- .1 Wallung. 27015
Hanau den 5. Dezember 1910.
Politische Rundschau.
Dreibundfreundlichkeiten. Die halbamtliche „Nordd. Allgemeine Zeitung" schreibt: In der jüngsten Sitzung der italienischen Kammer ist der Minister des Auswärtigen Marchese di San Giuliano auf die vorangegangenen Ausführungen verschiedener Redner zurückgekommen und hat sich über die allgemeinen Gesichtspunkte, die für die italienische Staatskunft maßgebend sind, sowie über das Verhältnis Italiens zum ottomanischen Reiche eingehend geäußert. Die Darlegungen des Leiters der auswärtigen Geschäfte Italiens sind durchaus geeignet, das Vertrauen zu bekräftigen, das man auch in deutschen politischen Kreisen der sympathischen Persönlichkeit des italienischen Staatsmanns und seiner ruhigen und auf-
richtigen Politik entgegenbringt. Wie in seinen Entschließungen hat sich dieser Charakter der von Marchese di San Giuliano geleiteten Politik in der Offenheit gezeigt, die die Aussprachen zwischen den Staatsmännern der drei verbündeten Mächte beherrschte, und auf der ihr alle Teile befriedigendes Ergebnis beruht. Mit besonderer Befriedigung nimmt man bei uns Kenntnis von den Erklärungen des Ministers, in denen ein erfreulicher Fortschritt in den Beziehungen Italiens und Oesterreich- Ungarns zueinander festgestellt wird. Diese Entwicklung ist wesentlich auch auf den persönlichen Meinungsaustausch zwischen dem Grafen Aehrenthal und Marchese di Can Giuliano, zurückzuführen. Sie hat den Geist des Dreibundes neu belebt, von dem der italienische Minister erklärte, daß er die feste Grundlage der auswärtigen Politik Italiens sei. Als allgemeines Ziel der Politik Italiens bezeichnet Marchese hi San Giuliano die Aufrechterhaltung des Friedens für das Königreich und für die andern Staaten und daher die Erhaltung des territorialen Status quo. Insbesondere betonte der Minister diesen Grundsatz mit Bezug auf die Balkanhalbinsel und auf das gesamte ottomanische Reich. Daß dieses in vollem Umfange erhalten, und daß Tripolis für immer türkisch bleibe, sei der Wunsch der italienischen Politik, die nur Gewicht darauf legen müsse, daß in Tripolis kein anderer fremder Einfluß vorherrschend werde. Vom Standpunkte des allgemeinen Friedens, vom Standpunkte der damit in vollem Einklang stehenden deutschen Intereßen kann man die Darlegung des italienischen Ministers nur mit rückhaltlosem Beifall begrüßen.
In Dresden tagte vorgestern der konservative Landesverein Sachsens. Es wurde u. a. eine Resolution angenommen, die sich gegen das Vordringen sozialdemokratischer Tendenzen in der Lehrerschaft ausspricht. Finanzminister a. D. Dr. v. Rüger wurde zum Ehrenmitglied des Landesvereins ernannt.
Vom Hansabund. Der Direktor des Hansabundes, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, gab in einer Versammlung des Hansabundes in München zu den letzten strittigen Fragen die Erklärung ab, daß im Hansabund alle Parteien, mit Ausnahme der Sozialdemokratie, Platz haben könnten, wenn sie Handel, Gewerbe und Industrie die ihnen zukommende Vertretung in den parlamentarischen Körperschaften einräumen wollten. Diese Erklärung ist deshalb wichtig, weil darin ausdrücklich darin der Satz enthalten ist, mit Ausnahme der Sozialdemokratie. Man wird sich erinnern, daß die letzten Austritte aus dem Hansabund, so vor allem des Direktors der Bayerischen Handelsbank, Freiherrn v. Pechmann, geschehen sind, weil der Hansabund
keine bestimmte Stellung zur Sozialdemokratie nehmen zu wollen schien.
Passive Resistenz bei der Pilsener Staatsbahn. In dem Pilsener Staatsbahn-Dircktionsbezirk droht eine passive Resistenz der Eisenbahnangestellten auszubrechen. Die Eisenbahnbeamten hielten am Sonntag eine Versammlung ab und beschloßen, falls ihre Forderungen nicht bis zum 10. Dezember erfüllt seien, die nötigen Gegenmaßregeln zu ergreifen.
Kolonial-Wirtschaftliches. Die soeben erschienene Dezembernummer der Zeitschrift „Der Tropenpflanzer", Organ des Kolonial-wirtschaftlichen Komitees, Berlin, Unter den Linden 43, enthält an erster Stelle einen längeren Artikel über die Sojabohne und ihre Verwertung von Profeffor Dr. F. Honcamp-Rostock. Der Verfasser beschreibt zunächst eingehend die verschiedenen Varietäten der Sojabohne und behandelt dann ausführlich ihre Verwendung als Nahrungsund Genußmittel, zu technischen Zwecken und als Futtermittel. Bei der großen Bedeutung, welche die Sojabohne in den letzten Jahren gewonnen hat, dürften die umfassen* den Mitteilungen des Verfassers sowohl für die Fellindustrie wie für landwirtschaftliche Kreise von großem Interesse sein. In einem weiteren Artikel beschreibt Geheimrat Prof. Dr. Gruner-Berlin einige charakteristische Bodenarten aus Südwestafrika. Ferner teilt Moritz Schanz-Chemnitz eine ungehaltene Rede von Booker-Washington, dem berühmten Negerführer der Vereinigten Staaten mit, in welcher die Lebensbedingungen und die Aussichten des amerikanischen Negers in kurzen Zügen behandelt werden. Unter den ständigen Rubriken „Aus deutschen Kolonien", „Aus fremden Produktionsgebieten", „Vermischtes" rc. finden sich weitere Abhandlungen über Zapfversuche an Kautschukbäumen in Togo, Mahagoni in Mexiko, über Ananas sowie eine Menge kleinerer Mitteilungen über tropische Nutzpflanzen und handelsstatistische Angaben.
Ein großer Wahlumzug nach altem historischen Brauch fand in der irischen Stadt Cork statt. Hunderte von singenden und schreienden Frauen und Mädchen in Nationaltracht, über Kopf und Nacken den Schal, mit bloßen Armen und den nationalen Eichenknüttel schwingend, umschwärmten die Kandidaten und suchten sie zu küffen. Dreitausend Männer, alle mit dem irischen Knüttel in der Hand, folgten mit zahlreichen Musikbanden. Im Zuge wurden brennende Teer- fässer mitgeführt. Kinder überreichten den Kandidaten Blumen. Alle Häuser, auch die der Aermsten waren illuminiert.
Die Wklinß te Kmm KiiiistvmiiiS
Dr. 5 r i e b Lübbecke.
Aufs Neue lädt der Kunstverein zu Hanau zum Besuche seiner Iahresausstellung ein. Und sie verdient zahlreichen Besuch! Hatten im vorigen Jahre mehr Werke zweiten Ranges gezeigt werden können, so beweist die diesjährige Veranstaltung, daß die deutsche Künstlerschaft Vertrauen den neuen Bestrebungen des Hanauer Kunstvereins ent- gegenbringt. Die Künstler aller Bilder dieser Ausstellung sind geladen worden. Zur Ueberraschung des Vorstandes sind dieser Einladung selbst Künstler gefolgt, deren Werke sonst nur auf den bedeutenden Ausstellungen der internationalen Kunststädte zu finden sind.
, $as W nicht nur hocherfreulich für Hanaus Kunstleben, «andern auch für sein Kunstgewerbe, da die Bekanntschaft einer Stadt im großen Kunstleben vielfach von der Vorliebe der Künstlerschaft abhängig ist. Erinnert sei nur an Darm stabt und seine große Möbelindustrie, deren Blüte einsetzte ^^lul9 der modernen Kunst durch Ernst Ludwig
, Hanaus Bürgerschaft wird es liegen, ob sich die jüngsten Gäste zu ihr zurückgezogen fühlen werden, oder ihr spater wieder fernbleiben.
Doch zu den Werken selbst! Die Ausstellung darf als Ganzes von vornherein den Anspruch auf sehr ernste Ve- achtung erheben. Denn sie ist stark an wirklich hervorragenden Arbeiten. Gewiß finden sich unter den vielen Kunst- lverken einige schwächere Leistungen, besonders konnte die velmlsche Künstlerschar in manchem den Wettbewerb mit
Gasten nicht aufnehmen. Trotzdem dürfte gerade bi eh für das gebotene Vergleichs- und Studienmaterial nicht unbantbar lein.
Das Schwergewicht der Ausstellung beruht in der Vertretung der Malerei. Drum sei ihr der Vortritt gegönnt. Bei ihr ist der Anfang schwer. Man könnte gleich mit einer Reihe führender Namen aufwarten, mit denen der gewohnheitsmäßige Ausstellungsbesucher bereits einen festen Begriff verbindet, z. V. mit Ludwig Dill, Ludwig v. Hofmann, Eugen und Arthur Kampf. Sie mögen einstweilen hinter der Hervorhebung der Leistungen zurückstehen, aus denen eine starke Zukunft spricht. Da sei an erster Stelle Heinrich Brüne genannt. Drei Bilder zeig die Ausstellung von ihm: Bildnis seines Vaters, Akt im Lehnstuhl und Domino. Die beiden ersten bideten unbestritten den Höhepunkt der diesjährigen internationalen Elaspalast- ausstellung in München, sind deshalb dem unterrichteten Leserkreise schon bekannt. Das letzte Werk, Domino, wird hier in Hanau zuerst gezeigt; es ist zweifellos das stärkste Werk, das je dem Künstler gelang. Er ist nur Maler. Aus Farben baut er allein seine Bilder auf, das Dargestellte ist ihm im gewiffen Grade Nebensache. Darum vergißt selbst das künstlerisch ungeschulte Auge vor einem Bilde wie dem Domino über den Jubel der Farben sehr schnell das etwas Gewagte des Vorwurfs. Diese Farbengebung ist scheinbar verwandt mit der der meisten Mitglieder der Münchener Scholle, wie Erler, Putz, Eichler u. s. f. Scheinbar! Wenn man diese nur oberflächlich kennt. Was Brüne weit über diese stellt, ist die Farbenmodellierung, die wir bei der mehr dekorativen Auffassung der Scholle so oft vermissen Diese weven aus Licht und Farben, Brüne formt in ‘ wirken seine Gebilde plastisch, während re ’ „näcfien, malten Freilichtsakte eAntlich ^ non Brüne erscheinung der Körper hrnwegkam Schönheit des lebt in seiner körperlichen Nu^ lassen.
Lichtes in seiner Akte Lovis Samit gebt Brune auch £ ^er Plastik das Spiel des Lich'tes^t bleibt. ^NiLt als R°-°luti°»ä- lt-bt B-ime vor
UNS, vielmehr als gesunder Künstler, der auf der breiten Grundlage der heutigen Kunst besonnen und genial zugleich die neue Entwicklung anbahnt. Oft wurde er in letzter Zeit mit Leibl und seinen Anfängen verglichen. Dieser Vergleich erscheint vor seinen Werken etwas mißlich, da Leibl vom französischen Impressionismus seine stärksten Anregungen empfing, während Brüne gerade diesen, vielleicht unbewußt, durch seine neue Formensprache begegnet. Neben Brüne darf IosuGossens gestellt werden. Auch er strebt nach einer ähnlichen Formenauffaßung, ohne jedoch Brünes feines Farbenempfinden zu besitzen. Seine Arbeiten sind trotzdem höchst ansprechend, da Kraft und gesundes Gestaltungsvermögen sich in ihnen offenbaren. Besonders reizvoll ist seine „kleine Holländerin", die trotz breiter Pinselführung nirgends das farbige Gleichgewicht vermißen läßt. Den Arbeiten dieser zwei sind kaum andere der Ausstellung verwandt. Zum Vergleich sei ihnen das große Bild Arthur Kampfs: das störrische Pferd gegenüber gestellt. Als Monumentalmalerei eine glanzende âvenr Der riesige Gaul und sein starker Bändiger sind prächtigm ibrer stürmischen Bewegung erfaßt, genial in den Raum acfebt sodaß man sie gern in Bronze übertragen sahe. Ein S S 'Smer steht hinter diesem Bilde, kein großer Maler denn seine Farbe hebt nicht, sie ist auch gleichgültig. Möchte man ein Bild von Brüne oder Gossens in Bronze übertragen sehen? Dem störrischen Pferde von Kampf hängt ein fast gleich großes Bild von Ludwig Dett« mann gegenüber. Im Katalog heißts: Morgen ist Feiertag: im Bilde sehen wir zwei Menschen, Mann und Weib, die gewaltige Glocke läuten, die in offenem Stuhle über der Ebene wirbelnd schwingt. Durch den sonndurchglühten Abend ziehen Herden im Hintergrund. Ein wahrhaft großes Bild, trotz seiner äußeren Größe, die so oft die hohen Frachtspesen bei anderen äußerlich gleich gewaltigen Nichtigkeiten bedauern läßt. In ihm vereinigt sich die Größe der Auffassung mit einer herrlichen Durchführung des Match,