Einzelbild herunterladen
 

BtaMiS(rH4 1,80 TtL, msnatli^ 80 W|~ sfr M* fetift Sbonnenttu eit dem betretenden Poftaufschl«,, Die einzelne Stummer teilst 10 Pf^

General-Anzeiger

Ifotafoelbrwt um 8 erlag bet Buchdruckers bet Ne*, au 8eifem&miiei ia Hau«.

Awllithts Organ für Stadt- uni Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EiurSckmtgSgeSLHr t

Die jüafzrsp alten« jktitjetle »der bereu Stemm M Wh» im iRetlameatefl die *5 Pks>

8er<niiwotiL Redakteur r. Schrecker *1 Ha«».

Kernsprechanschlits; Nr. 605

Donnerstag den 6. Oktober

^ernsprechanschluß Nr. 605

1910

Amtliches.

Eandkreis Hanau

Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg Nr. 28 von Station 4,6 bis Station 7,0, d. i. zwischen Wachenbuchen und Hochstadt für die

Zeit vom 7. bis einschl. 15. d. Mts. für Fuhrwerk von mehr als 20 Zentner Ladegewicht, sowie für Kraftfahr­zeuge aller Art polizeilich gesperrt.

Hanau den 6. Oktober 1910.

V 5753

Der Königliche Landrat.

J. V.: vr. v. W a l d 0 w.

Dicnstnachrichten aus dem Kreise.

In der Gemarkung Großkrotzenburg ist die Schweine seuche sestgestellt worden.

Hanau den 3. Oktober 1910.

V 5681

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 1 Mk., 1 Peitsche (Stahlpeitsche).

Verloren: 1 Granatbröschchen in Form eines Stief­mütterchens.

Hanau den 6. Oktober 1910.

Parlamentarisches.

mb. Die Strafprozestkommission verhandelte gestern zunächst über einen sozialdemokratischen Antrag, nach welchem das Gericht nicht nur gegen den Verteidiger, der sich in der Sitzung einer Ungebühr schuldig macht, sondern im gegebenen Fall auch gegen den Staatsanwalt eine Ord­nungsstrafe festsetzen können soll. Der Antrag wurde abge­lehnt. Desgleichen ein Antrag, der Beschwerde gegen eine Ordnungsstrafe aufschiebende Wirkung beizulegen. Bei § 187 des Gerichtsverfassungsgesetzes führte ein Antrag des polni­schen Vertreters zu einer lebhaften Polendebatte. Der An» trag, wonach die Erklärung einer beteiligten Person, der deutschen Sprache nicht mächtig zu sein, zur Zuziehung eines Dolmetschers verpflichten soll, wurde abgelehnt. Zum § 195 der Vorlage ist bestimmt, daß außer den zur Entscheidung berufenen Mitgliedern nur die dem Gerichte zur juristischen Ausbildung oder Beschäftigung" überwiesenen Personen an der Beratung und Entscheidung teilnehmen sollen. Die Worteober Beschäftigung" wurden durch die Kommission gestrichen. Nach § 200 des geltenden Gerichtsverfassungs- geietzts sind Schöffen und Geschworene verpflichtet, über den Hergang bei der Beratung und Abstimmung Stillschweigen zu beobachten. Die Vorlage ändert daran nichts. Es wurde

Der Bergcii-fcl.

Skizze nach dem Norwegischen von HanS Guenther.

(Nachdruck verboten.)

Im Gebirge, nicht weit von dem Gipfel des Klaraberges geboren, hatte der Sekretär nur einen Lebenstraum: in der Nähe dieses Berggipfels zu sterben, in einem Hause, das er sein eigen nennen konnte. Um diesen Glückstraum zu ver­wirklichen, hatte er in der großen Stadt von Morgens bis Abends gearbeitet. Bei einer Arbeitszeit von täglich vier­zehn bis fünfzehn Stunden hatte er es dahin gebracht, daß er den Haushalt, der aus ihm, seiner Frau und seinem Sohn Karl bestand, kümmerlich versorgen, sie und sich vor dem hunger schützen konnte.

In jedem dritten oder vierten Jahr nahm er, wenn die Zeiten günstig gewesen waren, einen einwöchigen Urlaub. Dann ging er zu Fuß in seine Heimat und fragte nach dem Preise eines jeden Hauses, das Aussicht nach dem Berge hatte. Aber was für unerhörte Summen sie verlangten! Zehntausend, zwanziglausend Mark für ein ganz unbedeu­tendes Häuschen, von dem aus man den Klaraberg mit seinem schneebedeckten Gipfel sehen konnte, der wie eine Tirchenkuppel zum blauen Himmel ragte.

Eines Tages fand er jedoch ein kleine? Haus an einem Gebirgsbachs für das nur dreitausend Mark verlangt wurden. Auf zehn Meilen sah man den Gipfel des Klarabergs sich über alle anderen Berge erheben, und Kolbes Augen strahl­ten bei diesem Anblick.

Dreitausend Mark, das ist nicht zu viel", sagte er zu dem Eigentümer.Ich werde wiederkommen, hier ist meine

Verkaufen Sie es nicht, ohne es mich wissen 31t lassen."

Hab begeistert fuhr er zu seiner Arbeit zurück. Und wie arbeitete er! 0'e Feder flog nur so übers Papier. Und be- kam er den Krampf in die Hand, so hörte er ein Weilchen quj zu ich reiben, und entwarf mit dem Bleistift Zeichnungen von der Aussicht, die sein zukünftiges Häuschen bieten wurde.

Das ist die Aussicht von unserem kleinen Hau? tu

aus der Kommission heraus beantragt, bas Schweigegebot auch auf die Richter und die bei der Beratung und Abstim­mung zugelassenen Personen zu erstrecken. Dagegen wurde geltend gemacht, daß damit Besprechungen der Richter über die einzelnen Rechtsfälle ausgeschlossen würden. Der Mehr­heit der Kommission schien aber die Einbeziehung der Richter doch notwendig. Der Antrag wurde daher angenommen. Im übrigen wurde das Gerichtsverfassungsgesetz nicht weiter geändert. Die Beratung des Gerichtsverlassnngsgesetzes wurde zu Ende geführt, so daß mit der Erledigung des Ein- sührungsgesetzeS, die in der heutigen Sitzung erfolgen wird, die erste Lesung der Justizkommission beendet sein wird. Auf Wunsch der Regierung wird sich die Kommission baun heute

auf drei Wochen vertagen, damit die Justizverwaltung Beginn der zweiten Lesung zu denjenigen Beschlüssen ersten Lesung, die gegen den entschiedenen Widerspruch Regierung erfolgt sind, Stellung nehmen kann.

mb. Die Neichsverstchcrungs - Kommission

vor der der

er»

ledigte gestern zunächst die Bestimmungen über die land- wirtschaftliche Unfallversicherung. § 1012 wurde folgende von konservativer Seite beantragte Bestimmung eingefügt: Bestimmt die Satzung, daß die freiwillige Versicherung außer Kraft tritt, wenn der Beitrag nicht rechtzeitig bezahlt worden ist, und daß eine Neuanmeldung solange unwirksam bleibt bis der rückständige Beitrag entrichtet worden ist, so ist in dem Auszug oder der Zustellung darauf hinznweisen. Auf konservativen Antrag wurde weiter bei § 1021 bestimmt, daß für die landwirtschaftliche Unfallverhütung und Ueber» wachung die Verpflichtung zur Anstellung technischer Auf« sichtsbeamten nicht besteht. Mit der Volkspartei und den Sozialdemokraten stimmten auch zwei Centrumsvertreter gegen den Antrag. Mit § 1036 beginnt der dritte Teil des Buches über die Unfallversicherung, der die See-Unfall­versicherung behandelt. Auf Antrag der Sozialdemokraten wird der Kreis der Versicherten dahin erweitert, daß neben den auf deutschen Seefahrzeugen in inländischen Häfen be- schästigten Personen auch diejenigen der Seeunfallversicherung unterliegen, die auf den Seefahrzeugen auf Kanälen und Flüssen beschäftigt sind. Nach § 1041 gilt für Seeschiffahrts­und andere unter die vorhergehenden Paragraphen fallenden Betriebe, die als wesentliche Bestandteile anderer Betriebe der Unfallversicherung unterliegen, die See-Unfallversicherung nicht. Auf nationalliberalen Antrag wird hinzugefügt:sofern diese Bestandteile nicht über den örtlichen Verkehr hinausgreifen." Bei § 1042 wird ein von der Volkspartei und den Polen unterstützter Antrag der Sozialdemokraten abgelehnt, der auch die klimatischen Krankheiten als Betriebsunfälle gelten lassen wollte. Dagegen wurde ein Antrag der Sozialdemokraten angenommen, wonach bei der Bemessung der Rente für die in Schlepp- und Leichterbetrieben beschäftigten Personen die Bestimmungen der Gewerbeunfallversicherung Geltung er«

meiner Heimat, die schönste Aussicht der Welt. Sie werden uns doch besuchen, wenn es erst mir gehören wird?" fragte er seine Bekannten.

Inzwischen arbeitete er bis um drei Morgens; dann waren seine Augen am nächsten Tage so müde; daß er kaum fünfzig Schritte weit sehen konnte.

Eines Tages war er mit seinem Sohn für ein paar Stunden ins Freie gegangen.

Sieh doch, Vater, wie herrlich der Kirchturm von hier aussieht!" rief Karl.

Wie Du kannst den Kirchturm von hieraus sehen?" fragte der Vater erstaunt.

Ja gewiß, ganz deutlich."

Kolbe sah keinen Schimmer davon, und e? wurde ihm bang ums Herz. War er im Begriff, blind zu werden? Hatte er zu hart gearbeitet, um je das Ziel seiner Sehnsucht zu erreichen? Vielleicht würde er den Anblick des geliebten Klaraberges nicht mehr genießen können, wenn er die drei­tausend Mark gesammelt hätte!

Endlich hat Kolbe die dreitausend Mark beisammen, aber seine Begeisterung für ihren Zweck ist erloschen er ist er­blindet.

Aber wir kaufen das Haus trotzdem", sagte er zu seinen Angehörigen, und Tränen entströmten seinen matten Augen. Ihr könnt sie wenigstens genießen, all die Schönheit, wenn ich es auch nicht mehr vermag."

Der Sohn ist mittlerweile ein erwachsener Mann ge­worden, und nun ist er es, der die Schreibarbeiten seines Vaters besorgt und den notwendigsten Unterhalt der Familie erwirbt. Und obwohl er die Lieblingsidee seines Vaters unnütz und kostspielig findet, führt er hinaus, um das Haus zu kaufen. , _

Aber es ist nicht mehr käuflich. Der alte 9 starten. .mb fein Hau« ist - mie bie anderen ^der^ von wohlhabenden Großstädtern ° ®, aOt g,6enS« gekauft worden. Dazu kommt, daß d ^§ einzige, mittel dort draußen ungeheuer g^ Hütte im £al _ was Karl erstehen konnte, ist eine sie

"to«'Ä »«' Hebt und also mât «iS. wo

halten. Nach § 1078 kann die Zweiganstalt daS Heilver­fahren selbst übernehmen. Auf Antrag der Nationalliberalen wird diese Bestimmung dahin ergänzt, daß die Gemeinde oder der sonst zur Gewährung von Krankenpflege Ver­pflichtete den hierdurch bedingten Aufwand der Zweiganstalt zu ersetzen hat. Als Ersatz gilt die Hälfte deS Betrages, der für Heilanstaltpflege am Sitze der zuständigen Sektion aufzuwenden wäre. Auf Antrag der Nationalliberalen werden die Bestimmungen über die Ausländer in der See-Unfall­versicherung denen bei der Gewerbe-Unfallversicherung ange» paßt. Auf Antrag der Sozialdemokraten wird dem § 1187, der Verstöße gegen Unfallversicherungsvorschriften mit Strafe bedroht, die Bestimmung hinzugefügt: Die Bestrafung eine# Versicherten erfolgt nicht, wenn er in Ausführung eines Be­fehls seines Vorgesetzten den Vorschriften zuwidergehandelt hat. Die Kommission führte heute, ohne weitere Aende­rungen, die Beratung der See-Unfallversicherung und damit des ganzen Buches über die Unfallversicherung zu Ende. Es ist nunmehr wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß eS gelingen wird, die erste Lesung der gesamten Reichsversiche­rung bis zum Zusammentritt des Reichstags am 22. November und die zweite Lesung bis Weihnachten zu beenden.

Fortschritte im Unterscebootswesen.

Zwei Ereignisse sind es, die in den letzten Wochen bai Interesse weiterer Kreise von neuem auf die Unterseeboote hingelenkt haben, nämlich die Dauerfahrt des französischen TauchbootesArchimède" und die erfolgreichen Versuche zur Anwendung der Funkentelegraphie auf englischen Unter­seebooten.

DerArchimöde", der übrigens das größte vorhandene Unterseeboot ist und bei 64,5 m Länge, 6,8 m Breite und einer Wasserverdrängung in aufgetauchtem Zustande von 580 t die Mehrzahl der französischen Torpedobootzerstörer an Größe übertrifft, hat die Strecke von Cherbourg nach der Girondcmündunz, von dort nach Rustingen » Feuerschiff (zwischen Calais und Dünkirchen) und zurück nach Cher­bourg, im ganzen 1400 Seemeilen, in fünf Tagen zurück­gelegt. Das ist gewiß eine anerkennenswerte Leistung, ob­gleich es sich hierbei keineswegs, wie der Laie anzunehmen geneigt ist, um eine ununterbrochene Unterwafferfahrt handelt. Diese dauerte nur sechs Stunden, während der übrigen Zeit fuhr das Boot aufgetaucht. Nur über Wasser kann das Unterseeboot, das abweichend von den rein zylindrischen Formen seiner ersten Vertreter in neuerer Zeit immer mehr eine für die Überwasserfahrt günstigere schiffsähnliche Ge­stalt angenommen hat, einen größeren Aktionsradius er» reichen und se ne Geeignetheit als Hochseefahrzeug für längere Unternehmungen darlun. Das hängt zum Teil mit de» Lebensverhältnissen für die Besatzung, in allererster Linie aber

das Häuschen steht, faßt er einen raschen Einschluß und kauft eS.

Sobald er für die notwendigsten Möbel gesorgt hatte, brachte er den Vater hinaus. Das Antlitz des Blinden strahlte vor Freude bei dem Gedanken, daß er nun den Klara­berg vor sich hatte mit seinem weißen, zum Himmel ragen­den Gipfel.

Wie ist es doch herrlich", sagte er und wies nach da vermuteten Richtung.

Ja, es ist sehr schön", erwidert« der Sohn in mildem Ton.

Liegt noch Schnee rings auf dem Berg?"

Ja, leuchtend weißer Schnee."

Und sieht man die Häuser des Dorfes?"

Ja!"

Und rechts die Kluft?"

Eine weiße Wolke liegt darüber."

Und stehen die Föhren noch da?"

Ja. ja!"

Ach' diese Aussicht!" sagte der alte blinde Mann. Es ist der schönste Anblick der Erde".

Karl fuhr nach der Stadt zurück an seine Arbeit

Da erhielt er eines Tages einen Brief von dem Vater

mit folgendem Inhalt:

M.rt m das! |V geteilt werden können. Komm sofort, d wmken on! Dich, nm 6ie Operolwn o°r>un-hm-n."

* Der junge Kolbe war innig erfreut über btefe Bot­schaft Doch in seine Freude mischte sich eine schwere Sorge: Was wird der arme alte Mann sagen, wenn er sein Augenlich wiederbekommen und erkennen wird, daß ich ihn hintergangen habe? Armer Vater! Wie enttäuscht wird er sein, wenn er nicht den Klaraberg vor seinem Fenster sehen wird.

Wenn Karl Geld gehabt hätte, so würbe er um jeden Preis sofort ein anderes Haus zu kaufen versucht haben. Doch so war es unmöglich.

Er fuhr hinaus. Die Operation wurde auSgeführt imb