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Amtliches Organ für Stabt« mb Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Montag den 3. Oktober

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1910

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14 Seiten.

Amtliches.

Eandhreis Fjanau.

Mit der Erledigung meiner Rundverfügung vom 30. März 1899 V 3243 betreffend Ausräumung der Flut-, Entwäßerungs- und Abzugsgräben, ist noch eine Anzahl der Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände. Ich bringe dieselbe daher mit einer Frist von 8 Tagen in Erinnerung.

Hanau den 1. Oktober 1910. V 3714

Der Königl. Lairdrat.

F r h r. L a u r.

St adtkreis Fjanau.

Kirchwcihe in Hanair-Keffclstadt.

Dienstag den 4. Oktober d. J., nachmittags 4 Uhr, wer­den auf den sogenannten Bleichwiesen am Salisweg in Keßelstadl für die Dauer der Kirchweihe, beginnend am 6. Oktober d. I., eine Anzahl Plätze zur Aufstellung von Schaukeln, Schau-, Schieß- und Photographiebuden sowie sonstigen Verkaufsständen öffentlich an die Meistbietenden versteigert. Das Platzgeld ist von dem Meistbietenden sofort zu entrichten. Nähere Bedingungen werden im Termin be­kannt gegeben.

Hanau den 20. September 1910. 20739

Der Magistrat.

Hild.

Ausschreiben.

Für die Armenverwaltung sind ungefähr 100 Malter Kartoffeln zu liefern.

Angebote mit Proben find bis zum 6. Oktober in Zim­mer 2 der Armenverwaltung einzureichen.

Hanau den 29. September 1910. 21403

Der Magistrat.

Hild.

Gefundene nnd verlorene Gcnenstiinde re.

Gefunden: 1 Brötchenbeutel (gez. A. Sch.) mit 9 Brötchen, 1 China-Denkmünze, 1 Rabatt-Sparbuch von J. Rosenberg für Frau Otto, 1 grauer Beutel mit 9.15 Mk. und 3 Schlüsseln.

Verloren: 1 Leder-Eeschäftsmappe.

Hanau den 3. Oktober 1910.

Der Nationalliberale Parteitag.

Gaffel, i. Oktober.

Während der Nachtstunden und in der Frühe des heu­tigen Tages sind nunmehr von allen Seiten in Scharen weitere Vertreter zum Nationalliberalen Parteitag hier eingetroffen. Es entwickelt sich in dem großen Saal des Stadtparks schon geraume Zeit vor Beginn der Versamm­lung ein lebhaftes Treiben und Wogen, es hält schwer, diesen großen Parteitag unterzubringen. Man muß auf die Aufstellung von Tafeln verzichten. Alle Führer der Partei sind anwesend, die Parlamentarier im deutschen Reichstag und in den Landtagen der Bundesstaaten sind mit weit über 100 Herren vertreten. Ihre Namen zu nennen, heißt ungefähr die Fraktionsverzeichniße abzuschreiben. Die Fest­stadt Cassel stellt heute, nachdem das Wetter sich aufklären begonnen hat, sauber ihre Schönheit dar, und der künst- lerisch ausgestattete Führer, den der rührige Ortsausschuß den Vertretern überreicht hat, wird vor und nach den Ver- Handlungen lebhaft benutzt werden. Bald nach 10 Uhr eröffnete, wie derKöln. Ztg." berichtet wird, Ernst V as s e r m a n n den Parteitag. Zum Vorsitzenden wurde gewählt der Geheime Iustizrat Dr. K r a u s e, Vizepräsident des preußischen Abgeordnetenhauses. Zum zweiten Vor­sitzenden wird Geh. Regierungsrat Reichstagsabgeordneter -Or. Paasche, zum dritten Vorsitzenden Prof. v. Hebel aus Cassel gewählt. Am Vorstandstisch nehmen u. a. die Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses des Zentral- oorstandes Platz, man sieht dort die Abgeordneten Dr. Friedberg, Schiffer, Dr. Röchling, Bartling, Junck, Dr. rot* Hemze, Dr. Beumer. Der Führer der Partei Ernst Bassermann weist einleitend auf die ernste Stunde hin, in welcher der Parteitag zusammentritt:Ehe wir in' die Tagesordnung eintreten, erfüllen wir eine patriotische Pflicht. Wir richten unsere Blicke empor zu dem Schirm­herrn des Deutschen Reiches, unserm Kaller, dem wir unsere

Huldigung darbringen. Er lebe hoch." Die Versammlung stimmt begeistert in den Ruf ein. Geheimrat Dr .Krause übernimmt den Vorsitz mit einer Ansprache, in der es heißt: Wenn wir uns versammeln, ist es wahrlich nicht deshalb, weil es heute eine Lust ist, zu politisieren. Wir wollen eine Pflicht gegen das Vaterland erfüllen in einer Zeit, wo der Mißmut wächst und der deutsche Hader wieder mächtig wird. Wir wollen der Unzufriedenheit entgegentreten, müssen aber besonders auch von der Regierung verlangen, daß sie ihr entgegentritt. Sie kann solche Wahlen der Extremen verhindern durch eine wahrhaft volkstümliche Politik im liberalen Geist. (Stürmischer Beifall.) Wenn wir das ver­langen, müssen wir aber zunächst unter uns einig und stark sein. (Lebhafter Beifall.) Wir brauchen es nicht erst von unsern Gegnern zu hören. Wir wißen als politisch geschulte Männer, daß Meinungsverschiedenheiten bestehen. Die zu ertragen, muß eine politische Partei stark genug sein. Unter dem Zeichen der Duldung wollen wir arbeiten. Dazu aber

muß, wenn die oberste Parteiorganisation gesprochen hat, eine straffe Disziplin treten. (Beifall.) Ohne eine solche kann eine Partei nicht geleitet werden. Also tagen Sie heute unter den Merkworten: Duldung und Disziplin. Dann wird unser Banner auch weiter über die Lande

wehen. (Beifall.) Zu Schriftführern werden die Abge­

ordneten Dr. Schröder-Cassel, Fuhrmann, Heinze und Dr. Röchling, Generalsekretär Westenberger und Fischer-Caßel gewählt.

Ernst Bassermann über die politische Lage.

Als hierauf der Parteiführer Ernst Bassermann sich der Rednertribüne nähert, dauert es lange, bis er zu sprechen beginnen kann. Ein Sturm der Begeisterung braust zu seiner Begrüßung durch den Saal. Bassermann wirft zunächst einen Rückblick auf die Parteigeschichte und sagt:

Denken Sie an die 70er Jahre. Bismarck hatte das Reich gezimmert und neben ihm stand eine große mächtige Natio­nalliberale Partei. Noch 1879 waren wir 106 Mitglieder im Reichstag. Dann beginnt das Bestreben der Sezession beim Streit um die Zolltarifteform. Die süddeutschen Schutz­zöllner, Völk, Schauß und Genoffen trennten sich von der Partei. Völk hatte Bennigsen angegriffen. Er sollte sich ent­schuldigen und weigerte sich. Wenn Sie die Geschichte Bennigsens von Oncken durchblättern, finden Sie aus dieser Zeit den tiefen Schmerz Bennigsens über diese Absplitte­rung ausgedrückt. Da er die Zerbröckelung der Partei sah, wollte er aus dem politischen Leben scheiden. Auf Zureden seiner Freunde hat Bennigsen darauf verzichtet, aber der Rückgang der Partei hat sich weiter vollzogen. Die Gruppe um Rückert schied aus, und von da ab stand Bennigsen nur noch an der Spitze einer kleiner gewordenen Partei und mußte zu seinem Schmerz sehen, daß die große Zeit der Partei vorüber war, und nur noch 45 Mandate hatten wir im Reichstag. Im Jahre 1883 ist Bennigsen zurückge­treten und bis 1887 aus dem parlamentarischen Leben ausgeschieden. Der Kampf zwischen Freihandel und Schutz­zoll hatte die Sprengung verursacht, und der große liberale Gedanke hatte sein Antlitz verhüllt. Materielle Jntereßen waren stärker, und vergebens ist der Warnruf Bennigsens verhallt. Dann kam die Periode des Heidelberger Pro­gramms, von dem in den jüngsten Tagen ja auch manches Richtige und Falsche gesagt worden ist. Davon kann ich einiges berichten, weil ich als junger Politiker in die Be­wegung eintrat. Aus Süddeutschland kamen die Versuche, den weiteren Verfall aufzuhalten, die an den Namen Miquel anknüpfen, und es kam zu dem Heidelberger Pro­gramm. Was war dieses Programm? Es war das Bekennt­nis zu Bismarck? So steht es in meiner Erinnerung. Wir wollten das Bekenntnis in den Fragen der Wehrkraft des Reiches, auch zu seiner Sozialpolitik, und schließlich sollte der Zollstreit beendigt werden. Das war 1884. Ein Protest gegen das Manchestertum lag in dieser Erklärung. Ein über­mäßiger Zuwachs ist danach nicht eingetreten und die Pe­riode bis 1887 war die der politischen Verelendung in Deutschland. Ich nenne die Namen Windthorst, Richter, Grillenberger. Und nun schob sich 1887 mit einem Male die mächtige nationale Frage in den Vordergrund. Begeiste­rung hat das deutsche Volk über die Wehrvorlage erfüllt, übermächtig ist das patriotische Empfinden des deutschen Volkes aufgewallt und hat den Kartellreichstag gebracht,

an den wir uns alle mit Freude zurückerinnern. Die Kriegs­gefahr ist vorübergegangen. 100 Mandate hatten wir im Reichstag. Ein dauernder Erfolg ist nicht eingetreten, und Rudolf Bennigsen hat damals schon die große Schwierig­keit empfunden, mit den Konservativen die Potrn zu machen. Es wurde Mißtrauen im Volke erwe . l liberale Gesinnung angezweifelt und woh

Bestand der Reichstagsfraktion mit rund 40 Mandaten war die Folge, also ein Verlust von 60 Mandaten und doch eine Verlade, in der wir ehrlich und fest gehalten an unserm

nationalen und liberalen Programm. Eine Partei des sozialen Fortschritts und des warmen Empfindens für unsern stark beschwerten Mittelstand, für eine Beßer- stellung unserer Bauernschaft durch Ausgestaltung der Zoll­gesetzgebung. So haben wir auch 1903 und 1906 die Aner­kennung bei den Wahlen durch Zunahme wenigstens der Wählerstimmen gefunden. Dieser Rückblick auf die große Zeit der Partei bietet uns die Nutzanwendung auf die heutige Zeit. Nur die Einigkeit macht stark, und das eini­gende Band unserer Partei als Mittelpartei muß sein unser altes Programm (Beifall), das Festhatten an den nationalen Grundlagen unserer Partei und der liberalen Weltanschauung, die uns alle einigt. In unerquicklicher Zeit leben wir heute in Deutschland. Das Jahr 1906 hat uns die Reichstagsauflösung gebracht nach den scharfen Zu­sammenstößen Mischen der ultramontanen Partei und dem Staatssekretär Dernburg. Da ging ein Aufatmen durch die Natton. Wir wollen uns doch dieser Dinge in unserer rasch vergeßenden Zeit, dieser markanten Stelle in unserer Poli­tik, immer wieder erinnern. (Sehr gut.) Es war ein Auf­atmen, daß er in mutiger, tapferer Rede gegen diese Zen­trumseinfluß sprach und sagte, er ruhe nicht, bis diese Eiterbeule aufgestochen sei. Und da trat Fürst Bülow, der gute Volkdpsychologe; auf den Plan. Er hielt den Moment für die Auflösung für richttg, und sie ist gekommen. Zu meinem Erstaunen habe ich in einer nationalliberalen Zeitung gelesen, jene Auflösung sei mißlungen. Er habe das Zentrum gemeint und die Sozialdemokratte getroffen. Ich habe mit dem Fürsten Bülow damals oft gesprochen und kann sagen: So naiv war Bülow nicht, er war ein zu guter Rechner. Er hat von Anfang an darauf gerechnet, in dem Bundesgenossen des Zentrums das Zenttum zu treffen. Und das ist glänzend gelungen. (Beifall.) Zum ersten Male machte er das Experiment, den Liberalismus in allen feinen Schattierungen zusammen mit den konservattven Richtungen und Weltanschauungen in den Dienst der vaterländischen Polittk gegen Zenttum und Sozialdemokratte zu stellen. Jubelnd ist diese Polittk bei uns und bei den Freisinnigen begrüßt worden. Wie hochgemut war jene Zeit. Ich er-- innere mich daran, wie man daran dachte, der Sozialdemo­kratte das letzte Mandat in dem roten Königreich Sachsen abzunehmen. Wie haben wir den Freisinn begrüßt, der so lange abseits stand, als er eintrat in die positiv arbeitenden Machte in unserem Staat. Und heute? Versunken, ver­gangen, vertan, ein großer Aufwand schmählich vertan, und die alte Misere in Deutschland. Die Grundlage der tiefen Unzufriedenheit im Lande ist die Finanzreform, die die Ge­bote des sozialen Ausgleichs verletzt hat. Ich erinnere Sie an unsere Resolution von Berlin. Sie kennzeichnet besser als andere die Ursache der Mißsttmmung. Die Regierung ließ sich unter Verzicht auf die Aufrechterehaltung ihrer Autorität (Sehr richtig!) die Finanzreform von Zentrum und Konservativen aufzwingen. Als ich damals sprach von der Notwendigkeit einer Auflösung, da habe ich manches mitleidige Lächeln gesehen. Nun, gar manchem ist es wohl mittlerweile klar geworden, daß wir in dieses politische Elend heute nicht hineingekommen wären, wenn man da­mals aufgelöst und den Kampf ausgenommen hätte. (Lebh. Beifall.) Es ist eine unendliche Schwäche der Regierung, daß sie sich gebeugt und sich teilhaftig der Schuld der Konser­vativen und des Zentrums gemacht hat, mitterantwortlich für eine Situatton, die in ihreer ganzen Schwere vielleicht noch gar nicht zu übersehen ist. Fürst Bülow ist gestürzt, eine neue Situation hat begonnen, und dann kam die ver­fehlte Wahlrechtsvorlage neuer Stoff für die Unzufrie­denheit der Maßen und auch hier hat man sich den Kon­servativen gebeugt und verzichtet, obwohl auch hier klar war, daß dadurch die Scharen der Sozialdemokratie ver­mehrt werden müßen. Diese Wellen der Unzufriedenheit fließen reichlich und dazu kommt noch manches andere hinzu. Das Volk lebt heute unter dem Eindruck, daß der schwarz­blaue Block heute in Deutschland dominiert, unter dem Ein­druck ich will nicht untersuchen, ob er mit Recht oder Un­recht unter den Wählern vorhanden ist, daß die Re­gierung nur das ausführende Organ dieser Parteien ^ft unö mir in schlichtem Sinne mitten im parlamentarischen System stehen. (Lebhafter Beifall.) 1890 schrieb Bennigsen an Miquel:Ein Regierungsexperiment, gestützt auf Konser­vative und Zentrum, ist für Preußen und Deutschland lebensgefährlich." (Beifall.) Im preußischen Abgeordneten­hause hat unser Freund Friedberg die schwere Anklage er­heben müssen gegen das konservative Parteiregiment in Preußen, und der Abgeordnete Schmieding hat ausgeführt, es wäre doch wünschenswert, Aufklärung darüber zu er­halten, daß seit geraumer Zeit der liebe Gott die Begabung speziell den Konservativen gegeben hat. (Große Heiterkeit und Beifall.) Eine solche einseitige Bevorzugung einer Parteirichtun« führe zur Stagnation und Entfremdung des