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Gekeral-Anzeiger

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Al. 179 ffernsprechanschlusj Nr. 605.

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Mittwoch den 3. August

Aernsprechanschluk Nr. 605. 1910

PolitiTcbe RandTcbaa.

Der Kaiser empfing vorgestern in Swinemünde am späten Abend noch den Besuch des Großherzogs von Olden­burg, der mit seiner JachtLehnsahn" dort eingetroffen war. Gestern vormittag machte der Kaiser einen Spaziergang in Begleitung des Reichskanzlers. Gegen Mittag traf Geheim­rat Strempel, der Stellvertreter des Chefs des Zivilkabinetts, ! - zum Vortrag ein und nahm auf derHohenzollern" Wohnung. Zur Frühstückstafel an Bord derHohenzollern" war der Großherzog von Oldenburg mit seiner Familie geladen. Nachmittags reiste der Reichskanzler nach Hohenfinow und Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter nach Berlin zurück. Unter dem Befehl des Vizeadmirals Rollmann wurde in Wilhelmshaven das aus sechs Linienschiffen der Reservedivifion »t! bestehende dritte Geschwader gebildet.

Ein Beileidstelegramm des Kaisers zum Tode des Generals von Spitz. Der Kaiser hat anläßlich des Todes des Generals v. Spitz an di« Witwe deS Ver- rf storbenen folgendes Telegramm gerichtet:3u dem schweren Verluste, den Sie, verehrte gnädige Frau, durch den Tod Ihres Herrn Gemahls erlitten haben, spreche ich Ihnen meine herzlichste Teilnahme aus. Der Entschlafene war ein im Krieg p und Frieden bewährter tapferer Soldat. Seine als Vorstand des Deutschen Kriegerbundes erworbenen Verdienste machten ihn mir besonders lieb und wert. Ich werde ihm ein treues Andenken bewahren. Wilhelm."

Vorbereitungen sürdenKaiserbesuchinBrüssel? Eine Privatmeldung aus Brüffel verbreitete die Nachricht, daß sich der deutsche Gesandte v. Flotow zum politischen Dienst beim Reichskanzler nach Hohen-Finow begebe. Herr v. Flotow werde im September wieder in Brüssel eintreffen und unter öi anderem den in der zweiten Hälfte des Oktober stattfindenden Besuch des Kaisers vorbereiten. Wie dièNeue Pol. Korr." bemerkt,.find diese Angaben nicht ganz genau. Der Gesandte v. Flotow wird allerdings demnächst beim Reichskanzler in Hohen-Finow zur Dienstleistung eintreffen, jedoch nicht vor dem 10. August. Was die Reise nach Brüssel betrifft, so ist zweifellos, daß der Kaiser den^Besuch des Königspaares am Berliner Hofe erwidern wird, und zwar vermutlich noch im Laufe dieses Jahres. Ueber den genauen Zeitpunkt find aber noch keine näheren Vereinbarungen getroffen worden.

Die Reichstagskandidatur Bassermann. Aus Heidelberg, 2. Aug., wird gemeldet: Reichstagsabge- ordneter Bassermann wird im 12: badischen Reichstagswahl- freife (Heidelberg-Eberbach-Mosbach) an Stelle des Reichs­tagsabgeordneten Beck, der schon seit längerer Zeit amtsmüde ist, kandidieren. Der Wahlkreis gilt als sicherer Besitzstand der Nationalliberalen.

Verschieden. Der frühere Reichstags- und Landtags­abgeordnete Geh. Kommerzienrat Lucius ist gestern früh in Erfurt gestorben. Geh. Rat Ferdinand Lucius, geb. 10. Mai 1830 in Erfurt, vertrat mehrere Jahre hindurch den Wahl­kreis Erfurt-Schleusingen-Ziegenrück im Reichstag und den Wahlkreis Erfurt im Abgeordnetenhause. Er gehörte der freikonservativen Partei an.

Lohnbewegung der Metallarbeiter der Ham­burger Wersten und Reedereien. Die Hamburger Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiterverbandes hat an die Hamburger Werften und Reedereien mit eigenen Reparaturwerkstätten die Forderung um Einführung einer rinstündigen und Samstags einer zweistündigen Verkürzung der Arbeitszeit gerichtet; ferner wird verlangt eine erhebliche Lohnaufbesserung, die Einführung fester Einstellungslöhne für die einzelnen Berufe und die Zusicherung eines Mindest­verdienstes von 331/* Proz. bei Akkordarbeiten. Der Verein Deutscher Seeschiffswerften, dem sich die Reedereien hierin anschließen, hat die Forderungen abgelehnt, sich jedoch bereit uklârt, in eine Besprechung einzutreten.

Reise des Zaren nach Deutschland. Die Zaren- familie traf gestern abend um 7 Uhr in Peterhof ein, wo entgegen den früheren Dispositionen nur bis zum 23. August zu verbleiben gedenkt. An diesem Tage wird der Zar mit seiner Familie die Reise nach Darmstadt antreten, u der Reise wird Zar Nikolaus eine Begegnung mit Kaiser Wilhelm II. haben, außerdem wird er in Homburg den Statthalter des Kaukasus, Grafen Woronzow Daschkow, Äuge empfangen. Der Darmstädter Aufenthalt der sarenfamilie ist auf zwei Monate angesetzt, nach deren Ab- direkt nach Zarskoje Selo zurückkehren wird.

fei Der internationale Friedenskongres; in «tocrholm hat gestern folgend« Resolution angenommen: - er Kongreß ist glücklich, daß die Periode der aktiven t ttarischen Operationen Frankreichs und Spaniens in Marokko aufgehört hat. Er erinnert daran, daß die Alge­

ciras-Konferenz eine Einschränkung der effektiven Ueber- wachungstruppen beschloß und hofft, daß die Entwicklung friedlicher, normaler Beziehungen zwischen den Europäern und der marokkanischen Bevölkerung eine progressive, baldige Zurückziehung der Truppen ermöglicht."

Englisches Oberhaus. Auf eine Anfrage Lord Lansdownes erklärte Kolonialsekretär Earl os Crewe, die indische Regierung halte es angesichts der beunruhigenden Lage in Tibet für notwendig, genügende Streitkräfte an der Grenz« aufzustellen, um nötigenfalls die englischen Handels­agenturen zu sichern. Diese Streitkräfte, deren Zusammen­setzung Crewe angab, sollen die tibetanische Grenze nur über­schreiten, wenn es zum Schutze der englischen Beamten er­forderlich sein sollte und würden, sobald es die Lage ge­stattet, wieder zurückgezogen. Keinesfalls aber sollten die Truppen sich in die chinesisch-tibetanischen Streitigkeiten ein­mischen.

die

Has Dab and fern.

29. Mittelrheinisches Kreis-Turnfest.

Kreuznach, 81. Juli.

Ein urecht deutsches Turnerfest, schon überwältigend durch großen Linien seiner schmucken Gesamterscheinung, durch

seinen vorzüglichenTruppengeist" überhaupt, durch sein lebensvolles und doch vom Zauberstab turnerischer Ordnung bis zum letzten Glied beherrschtes Getriebe' war es, daS den zweitgrößten Turnverband der deutschen Turnerschaft in diesen Tagen zusammenführte. Es ist ein Stelldichein, ein Fest, dessen Hauptwert nicht im vorübergehenden Genuß, im flüch­tigen Begeisterungsrausch, sondern in dem liegt, wovon nach­her das Herz des Turners voll ist, wenn er auS dem Fest­gepräge wieder in den Ernst des Alltags zurücktritt und daheim wieder an der alten Turnstätte strebt. Die Eröff­nungsfeier am Samstag abend in der Festhalle zog schon einen gewaltigen Massenbesuch an. Ein ungeheurer Jubel löste sich, als der greise Führer der deutschen Turnerschaft, Dr. Götz, eintraf. Eine ungewöhnliche freudige Bewegung ging durch die Reihen, als derselbe die Rednertribüne bestieg. Er hielt, nachdem die laute Begeisterung verstummt war, folgende kernige Ansprache, die mit großer Begeisterung aus­genommen wurde:Hochverehrte Festversammlung l Ich brauche wohl nicht erst zu sagen, daß es mir eine rechte Herzensfreude ist, bei dem 29. Mittelrheinischen KreiSturnfest anwesend sein zu dürfen. Als die Tagung der Turnerschast in Straßburg stattfand, stand ich vor der Frage: Möchtest Du wohl nach Kreuznach zum Kreisturnfeste fahren? Ich sagte mir: Die Kerls haben Dir zwar oft den Kopf warm gemacht (Große Heiterkeit), aber es find doch brave Men­schen. Als ich mich nicht entscheiden konnte, kam mir di« Koblenzer Zeitung" in die Hände und darin stand zu lesen: Der alte Götz kommt nach Kreuznach!" Was wollte ich da machen! (Stürmische Heiterkeit.) Drüben sitzt mein Reise­begleiter, der Leiter der Turnzeitung, den hat mir meine'Frau zur Aufsicht mitgegeben. (Erneute stürmische Heiterkeit.) Ihn habe ich mit so manchem Tropfen Pilsener umgestimmt, bis er mit mir gefahren ist. (Heiterkeit.) Er sagte mir, wenn Du nach Kreuznach zum Kreisturnfeste fährst, dann mußt Du erst nach Münster zur Ebernburg reisen, dorthin, wo deutsche Männer zuerst für deutsches Volkstum und deutsche Freiheit eingetreten sind. (Beifallssturm.) Und so bin ich denn hergekommen und herzlich ausgenommen worden, wo ich bei meinem Alter dem Ende meines Lebens nahe bin. (Oho!"- Rufe.) Es ist mir aber auch eine angenehme Aufgabe, Dank und Anerkennung auszusprechcn für die Leistungen, die dieses Fest zustande gebracht haben. Die Geschichte des Mittel­rheinkreises geht ja etwa 50 Jahre zurück. Da wurde das Samenkorn gelegt, aus welchem der Kreis als ein mächtiges Glied in der deutschen Turnerschaft hervorgewachsen ist und und es liegt der Turnerschaft ob, zum Heil des Vaterlandes und zum eigenen Heil freudig und ausdauernd weiterzu­arbeiten. Die deutsche Turnerschaft hat schwere Zeiten durch­machen müssen, sie ist vielfach bekämpft worden und doch nicht fortzumachen gewesen. Und heute nach 50 Jahren können wir sagen, wir haben das Heft in der Hand! Die deutsche Turnerschaft ist ja sogarhoffähig" geworden. Aber am Ziele sind wir noch lange nicht! Jahn hat gesagt, daß das Turnen zum breiten Strome, ja zum allumfassenden

Meer« werden müßte. Ein breiter Strom der Turnsache geht zwar heute durch das deutsche Vaterland, aber wir wollen nicht verkennen, daß noch mancherlei Klippen da sind. Da gilt es festzustehen und treu zu bleiben bis z"'« letzten Augenblick. Es ist keine Kunst, in der Jugend mitzuturnen , wir sollen auch ausharren und, wenn wir uh

ttu """- * * , . anderen an- Georg Jtiwi

können, uns doch der deutschen I 19. Paul P Hauptaufgabe. (Beifall.)

nicht mehr betätigen können nehmen. Das ist die H*'

Turnerschaft drohen verschiedene Gefahren. Man möchte von einer Seit« aus die drutsche Turnsache in konfessionelle Bahnen drängen, von einer andern Seite will man dir Turnsache in den Dienst der Politik stellen und hat un­politisch organisierte Turnvereine gegenübergestellt. Da» Turnen ist Sache der Menschheit und vor allem eine deutsche Sache, und wer kein Herz für das Vaterland im Dusen trägt, der ist überhaupt kein rechter Mann. (Beifall.) Wir sehen Unternehmungen, Liebhabereien, die nicht dazu geeignet sind, di« Jugend zu erziehen. Wer nur dafür eifert, der hat kein Interesse mehr für das öffentliche Leben, für da» Gute und Schöne, der geht in Kleinigkeiten auf. Aber wir wollen die Jugend so erziehen, daß sie Herz und Sinn für alles Große und Gute des Lebens hat und auch für die sittlichen Güter einzutreten bereit ist. Also, liebe Turngenossen, bleibt deutsch, bleibt treu, nicht nur in dem Begeisterungsrausch, sondern treu für das ganze Leben! So mögen meine Worte denn ausklingen in einem dreifachenGut Heil I" für den Mittelrheinkreis und die deutsche Turnerschaft l" Der Sonn­tag brachte zunächst den Dreikampf, an dem 516 Bewerber teilnehmen, von denen 61 Sieger blieben. Im darauf­folgenden Vereinswetturnen beteiligten sich 203 Verein«. Nach dem Festzug, in welchem 318 Verein« marschierten, wurden die allgemeinen Keulenübungen vorgenommen, an denen ca. 2500 Turner teilnahmen. Voll Bewunderung verfolgten Tausende und Abertausende, wie eine so riesige Turnerschar auf den Wink eines Einzelnen, des Leiters (KreiSturnwart Volze-Frankfurt a. M.) minutiös gehorchte und einen herrlichen unbeschreiblichen Eindruck durch die Keulenübungen bot.

Der dritte Festtag am Montag war vom Wetter be­günstigt. 478 Turner traten morgens zum Sechskampf an. Um l1/» Uhr fand ein von mehreren hundert Herren und Damen besuchtes Festbankett mit Militârkonzrrt in der großen Halle statt, wobei Turninspektor Schulrat Schmuck, der Kreisvertreter des festgebenden Kreises, zuerst das Wort ergriff, um im Namen des 9. Kreises alle Anwesenden herz­lich willkommen zu heißen. Am Schluffe seiner Ansprache forderte er zu eifriger Mitarbeit auf, nicht nur die Feste mitzumachen, sondern auch auf den Turnstätten zu erscheinen, zu der Kleinarbeit. SeinGut Heil" galt dem Vaterland. Professor Milan gedachte mit besonderem Dank deS Frst- turnwartS Wenzel. In den Gulheil-Ruf für Festturnwart Wenzel und die Damen stimmte die Versammlung begeistert ein. Gauvertreter Schill- Osthofen toastete auf den Fest­ausschuß mit Herrn Beigeordneten Andriano an der Spitz« und auf die gesamte Bürgerschaft. Prof. Bender- Frank­furt a. M., Gauvertreter des Frankfurter GaueS, feierte di« deutschen Turner. Der nächste Redner war Herr Beige­ordneter Andriano, der seine Liebe zur Turnerei zu er­kennen gab. SeinGut Heil" galt der Jugend. Ein aus­wärtiger Pressevertreter ergriff zum Schluß das Wort, um besonders dem Preßausschuß zu danken, die Bedienung der Presse sei eine vorzügliche gewesen und man habe selten einen so eifrigen Leiter gefunden, wie den Herrn Vorsitzenden deS Ausschusses Professor Brechtel. Sein Hoch galt dem Preßausschuß mit Herrn Professor Brechtel an der Spitze. Damit schloß da» eindrucksvolle Bankett gegen 3 Uhr nach­mittags. Der Nachmittag brachte Schaufechten, Sonder­vorführungen, Wettspiele, Spielvorführungen, HinderniS- laufen, Turnen der geübteren Turner deS Mittelrheinkreisrs auf der Bühne im Freien, bis endlich um 7l/t Uhr die Verkünd igung der Sieger im Sechskampf er­folgte; außerdem erfolgte die Bekanntgabe vom Sonder- wetturnen am Sonntag und vom Eilbotenlauf. Das Er­gebnis ist folgende»:

Sech Skampf.

Ehrensteger wurde mit 1317« Punkten Josef Lindner be»

Frankfurter Turngemeinde.

1. Preis Ludwig Müller, Bockenheim To.Vorwärts"; Ludwig Beppler, Gießen To. 127 Punkte. L. P-t-r Mischarb, Marburg To.; August Angel, Koblenz Tgs. 125*/«. 3. Richard Bojen, Idar 2».; Peter MM-r. S^urt r°. ^ ; Paul Neumüller, St. Johann Turnerschaft 123 /*. Bethe, Bockenheim Tgm., Wilh. Atz, M^^ 122V,. 6. Heinr. Frey, -- M. , Bockenheim To. »Vorwärts ^Seuhaus-n 121^ 8. burq Tv.; Georg Arnhei^ , $ Lorenz Fink, Wies- Lothar Reiner Offenbach T^ ^ von 181/ baben 2^ 120'/.. ia To. 12. Arthur 119V8- ân^To^ 13 Ernst Moosmann, Oberstem To.

® Oberstein T- u. F.-Kl. 15. Iulius er Keffelstadt To.; Max Gaß, Niederrad Tv.; Walter Ludwig. Sossenheim Tv. 16. Herm. Silberrertz, Unterliederbach Tgm. 17. Christ. Groß. Bieber Tv. 18. Georg Knodt, Niederrad Tv.; Hans Bullig, Offenbach Tgs. Löschke, Trier Tv.Germania" ; H. Kötschau. Ecken-