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General-Anzeiger

AMiilhes Organ für Stadt- und Landkreis Kasan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, S-lletristisch« Beilage.

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JJr« 126 Fernfprcchanschlutz Nr. 605»

Donnerstag den 2. Juni

K«rnsprechanschl«k Rr. 605. 1910

Amtliches.

Landkreis Ranau.

Wegen Vornahme von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg Nr. 40 von Langenselbold nach Nieder­gründau und der Landweg Nr. 39 von der Nieder- gründaner Grenze bis Baumwieserhof und zwar vom 4. bis einschl. 13. Juni d. I. für Kraftfahr­zeuge jeglicher Art, sowie für durchgehendes Fuhrwerk mit mehr als 20 Ztr. Ladegewicht polizeilich gesperrt.

Hanau den 1. Juni 1910.

Der Königliche Landrat.

3320 Frhr. Laur.

LMmrWstlècher Kreisserei« gwu.

Seitens deS landwirtsch. Kreisvereins findet am Sonn­tag den 5. Juni d. Js. eine Besichtigung von landwirtschaftlichen und anderen Betrieben in Dörnigheim, Bischofsheim, Fechenhein und Koch- fladt, sowie der Maschinenfabrik von Mayfarth & Comp. bei Mainkur statt.

Treffpunkt der Teilnehmer aus Hanau um 1 Uhr nach' mittags an der Wirtschaftzum goldnen Löwens Vorstadt Nr. 1 bierselbst, für die übrigen Teilnehmer um l1/8 Uhr in Dörnigheim bei der Wirtschaftzum weiften Noß."

Wegen der Bereitstellung von Fuhrwerken wollen die hiesigen Teilnehmer ihre Beteiligung an der Bereisung als­bald dem Schriftführer des Vereins, Herrn Domänen­rentmeister Reinhardt hierselbst, mitteilen.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt zu macken.

Hanau, den 24. Mai 1910.

Der Vorsitzende.

Frhr. Laur, Königlicher Landrat.

Politische Rundschau.

Die sgesirige Frühfahrsparade der Berliner Garnison auf dem Tempelhofer Feld wurde in Vertretung des Kaisers vom Kronprinzen abgenommen. Der Parade wohnten u. a. die Kaiserin, sowie der König und die Königin von Belgien bei.

Kin Aufsehen erregender Zwischenfall im Lustgarten. Die Tat eines unzurechnungsfähigen Russen rief gestern mittag nach der Rückkehr des Kronprinren vom Paradefelde unter der Bevölkerung eine gewisse Aufregung hervor. Als der Kronprinz zu Pferde den Lustgarten passierte, schleuderte ein Unbekannter eine Blechbüchse auf den Fahr- dämm. Sofort wurde er von der Menge ergriffen und zur nächsten Polizeiwache gebracht, wo sich herausstellte, daß der Täter ein geisteskranker Russe ist. DaS .sonderbare Wurf- geschoß war eine gewöhnliche Konservenbüchse. Neber den Vorfall liegt folgende amtliche Mitteilung vor:Als der Kronprinz heute mittag nach Schluß der Parade über den Schloßplatz durch den Lustgarten zum Schloß ritt, wurde von einem offenbar geisteskranken Mann eine leere Konserven­büchse geworfen, die vor die Füße eines Schutzmanns fiel. Der Mann wurde sestgehalten und wird auf seinen Geistes­zustand untersucht werden." Es handelt sich um den 46« jährigen israelitischen Kaufmann Abraham Eierweiß, der im Jahre 1890 aus Rußland nach Berlin zog, in der Kaiser Wilhelmstraße ein Partiewarengeschäft eröffnete und in der Meyerbeerstraße wohnte. Den' Behörden ist E. bereits seit vielen Jabren als geistig nicht normal bekannt.

Der Kaiser gegen den Luxus der Einjährig- Freiwilligen. Auf den preußischen Truppenübungsplätzen wird jetzt eine Maßregel allgemein durchgeführt, die bisher wohl nur bei den Fußtruppen üblich war. Sämtliche Ein­jährig-Freiwillige werden während des Aufenthalts ihres Truppenteiles auf den UebungSplätzen mit den übrigen Mannschaften zusammen in den Baracken oder Zelten unter­gebracht. ES ist ihnen künftig nicht mehr erlaubt, sich in den benachbarten Gasthöfen oder in Privathäusern auf eigene Kosten einzumielen. Sie gereimten so durch die enge Be­rührung mit der Mannschaft einen besseren Eindruck in deren LebenSgewohnheiten und Denkweise, als es bisher der Fall war. Diese Anordnung ist auf eine kaiserliche Willens­äußerung zurnckjuführen, die den in manchen Regimentern von den Einjährigen getriebenen Luxus jeder Art aufs nach­drücklichste eingeschränkt wissen will. Wie beim Offizier, so W erst recht bei den Einjährig-Freiwilligen eine einfache

Lebensführung die Grundlage guter dienstlicher Leistungen. Auf gleichen Ursprung zurückzuführen ist wohl auch das jetzt an die Einjährigen ergangene ausdrückliche dienstliche Verbot, ihren Vorgesetzten Geschenke irgend welcher Art zu machen oder sich ihnen gegenüber in anderer Weise freigebig zu er­weisen. Wer künftig diesem Verbot zuwiderhandelt, hat Be­strafung wegen Ungehorsams, wenn nicht gar wegen Be­stechungsversuchs zu gewärtigen.

Reichstagsersatzwahl' in LandeShut Jauer- Bolkenhain. Bei der gestrigen Reichstaqsersatzwahl im 8. Liegnitzer Wahlkreis (LandeShut-Jauer-Dolkenhain) für den verstorbenen freisinnigen Abgeordneten Dr. Hermes er­hielten : Oberbürgermeister a. D. Geh. RegierungSrat Buechte- mann (Fortschr. Vp.) 6600, Major a. D. Strosser (kons.) 3716, Rechtsanwalt Herschel (Zentr.) 3768 und Arbeiter- sekretär Proll (Soz.) 6870 Stimmen. ES fehlen noch die Resultate auS einigen kleineren Wahlbezirken, die aber an dem Resultat: Stichwahl zwischen Buechtemann und Proll, nichts ändern können. Bei der Hauptwahl im Jahre 1907 erhielten: Lissel (Reichsp.) 5050, Dr. Hermes (Fr. Vp.) 5728, Stephan (Zentr. 4307), Krätzig (Soz.) 5019 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte Dr. Hermes mit 9340 gegen 7495 Stimmen, die auf den Reicksparteiler entfielen.

Die finanzielle» Beziehungen der Einzel- staaten zum Reiche sind durch die Verfassung derart geregelt, daß die Ausgaben, die nicht aus der ReichSkasse selbst gedeckt werden können, durch Matrikularbeiträge von den Einzelstaaten aufzubringen sind. Den Matrikular- beitrügen stehen seit dem Ende der siebziger Jahre de­vorigen Jahrhundert- in UeberweisungSsteuern vom Reiche an die Einzelstaaten gegenüber, die im Laufe der Zeit manche Aenderung erfahren haben. Zwischen UeberweisungSsteuern und Matrikularumlagen feste Beziehungen herzustellen, ist schon verschiedentlich angestrebt, ein Erfolg ist diesen Ver­suchen bisher nicht beschieden gewesen. Seit einiger Zeit ist man daran gegangen, durch Vereinbarungen Besserungen auf diesem Gebiet« herbeizuführen. Es ist ja bekannt, daß Bundesrat und Reich-tag einig darin find, daß ebenso, wie nach dem letzten Finanzgesetze im Jahre 1909, in den nächsten Jahren die Einzelstaaten an ungedeckten Matrikularbeiträgen 80 Pfennige auf den Kopf der Bevölkerung an das Reich zahlen. Bei dieser Regelung war nun aber doch bit Mög­lichkeit gegeben, daß die Reichskasse die 48 Millionen Mark, die sich daraus ergeben, nicht voll erhielt, nämlich in dem Falle, daß die UeberweisungSsteuern mehr ausmachten, aI6 im Etat von ihm erwartet wurde. Dann hätte das Mehr an die Einzelstaaten gezahlt und darum der Matrikular- beitrag gekürzt werden müssen. Auch dieser Möglichkeit soll vorgebeugt werden. Wie nämlich der preußische Finanz­minister jüngst im Herrenhause mitgeteilt hat, haben sich die Einzelstaaten bereit erklärt, auf eine solch« etwaige Mehr- Überweisung-steuer zu verzichten und dem Reiche diese Mehr- überweisung zu überlassen. Selbstverständlich wird in Jahren, wo die UeberweisungSsteuern hinter dem Etatsansatze zurück­bleiben, auch die Differenz vom Reiche getragen werden müssen, weil sonst die von den Einzelstaaten zu zahlenden Matrikularumlagen entsprechend erhöht werden müßten. Da­mit hat sich wieder das Reich einverstanden erklärt. Ueber- steigen also im laufenden Finanzjahre die Einnahmen aus der Branntweinsteuer 180 Millionen Mark, so kommt die Differenz nicht den Einzelstaaten, sondern dem Reiche zugute, und dieses erhält die 80 Pfennige für den Kopf der Be­völkerung von den Einzelstaaten außerdem. Bleibt der Er­trag hinter den 180 Millionen zurück, so fällt die Differenz dem Reiche zur Last; dieses erhält aber auch in letzterem Falle den fixierten Matrikularbeitrag. Dadurch würde unter allen Umständen wenigstens ein gleichmäßiger Matrikular- beitrag verbürgt sein. Hoffentlich gelingt eS auf diesem Wege, auch zu einer gesetzlichen Regelung der Beziehungen zwischen Matrikularumlagen und Ueberweisungen zu kommen und da, mit die lang ersehnte Sicherheit in die finanziellen Be­ziehungen zwischen Einzelstaaten und Reich zu bringen, die für beide Teile von Vorteil wäre.

Die Uebersüllung in alle» akademischen Be- rufsklassen macht sich zurzeit in Hessen in einer Art und Weise fühlbar, die nicht nur die jungen, auf Anstellung wartenden Akademiker selbst, sondern auch unsere leitenden Staatsmänner mit ernster Besorgnis erfüllen dürfte. In allen Berufsarten, namentlich aber .im Juristen- und Philologenstande, harren hunderte von Anwärtern, Referendar« und Assessoren, auf die erste dienstliche Verwendung, resp, ihre Anstellung im Staatsdienste. Die meisten müssen sich, nachdem sie das kostspielige Universitätsstudium beendet und ihrer einjährigen Dienstpflicht beim Militär Genüge geleistet haben, jetzt noch auf eine mehrjährige unbezahlte Wartezeit gefaßt machen, resp, sich dem Hojpitantendirnste unterziehen,

was für die meisten wieder mit sehr erheblichen Kosten ver­knüpft ist. Gar manchem jungen Manne sind diese weiteren Ausgaben ohne Aussicht auf baldige Verwendung einfach un­erschwinglich, und so greifen viele zu dem gewiß nicht will- kommenen Mittel, eine Privatstellung anzunehmen oder in anderen deutschen Bundesstaaten eine Anstellung zu suchen. Erst in den letzten Tagen meldeten sich wieder mehrere junge Lehramt-assessoren für den preußischen höheren Schuldienst. Es ist jedoch zu befürchten, daß auch hier in absehbarer Zeit sich Schwierigkeiten beim Nebertritt in den preußischen Staat-- dienst ergeben werden. Trotz dieser trostlosen Aussichten zeigen die hessischen höheren Lehranstalten von der Realschule an bis zur Universität eine immer steigende Frequenz. Ein überaus ungesunder Zustand da-, der sich in allernächster Zeit schon nach dem Urteil einsichtiger Fachleute zu einer folgenschweren Kalamität auSwächst.

S. M. S.von der Tan»". Nähere Angabe« über den Großen Kreuzervon der Tann", der in diese« Tagen von der Bauwerft Blohm u. Doß in Hamburg zu seiner endgültigen Fertigstellung nach der Kaiserlichen Werft Kiel übergeführt worden ist, werden durch da- soeben er­schienen« Juni-Heft derMarine-Rundschau" bekannt. Da­nach hatvon der Tann" eine Wasserverdrängung von etwa 19 000 Tonnen, übertrifft also an Größe die Linienschiffe derNassau" -Klaffe noch um einige hundert Tonnen. Bei einer Länge von 171 Meter ist er bei weitem das längst» Schiff unserer Marine und etwa 20 Meter länger al- der Große KreuzerBlücher". Die Breit« beträgt 26,5 Meter, der Tiefgang 8,1 Meter,von der Tann" ist da- erst« große Schiff unserer Marine, da- mit Turbinen als An- triebSmittel ausgerüstet ist. Bisher hatten nur di« Kleine» KreuzerLübeck",Stettin",Dresden",Mainz" undKolberg" sowie ein« Anzahl von Torpedobooten Turbinen, und zwar verschiedener Systeme.von der Tann" erhält Pärson- Turbinen von 41000 Wellen- Pferdestärken, die dem Schiff «in« Geschwindigkeit von über 24 Seemeilen in der Stund« geben sollen. Wie inzwischen bekannt geworden ist, hat das Schiff bei den von der Bauwerft abgehaltenen vorläufigen Probefahrten diese Geschwindigkeit ganz erheblich überschritten. Den er­forderlichen Dampf liefern 18 engrohrige Marinekessel. Der Kohlenvorrat beträgt unter gewöhnlichen Verhältnissen 1000 Tonnen, jedoch fassen die Bunker im ganzen 2800 Tonnen Kohlen. Dir Armierung besteht au- acht 28-Ctm.-, zehn 15-Ctm.- und sechzehn 8,8-Ctm.-Schnellladegeschützen. Die schweren Geschütze find in vier Doppeltürmen ausgestellt in einer Anordnung ähnlich wie auf den englischen Panzer­kreuzern derJnvineible"-Klafle, und zwar stehen der vor­dere und der achter» Turm in der LângSschiffSachse, die beiden übrigen Türme seitlich nach der Bordwand zu herauSgerückt, der Steuerbord-Turm weiter nach vorn, der Backbordturm weiter nach achtern. Durch diese Aufstellung wird e- er­möglicht, daß alle vier Türme nach beiden Seiten und je drei Türme nach vorn und nach hinten feuern können. Dir Geschütz« der Mittelartillerie stehen in einer gepanzerten Zentralkasematte. Das Schiff erhält zwei leichte Pfahlmaste« und zwei Schornsteine.

Die Vieheinfuhr aus Dänemark wurde am Mittwoch wieder eröffnet, nachdem drei Monate lang Kassation eines großen Prozentsatzes von Tieren wegen Tuberkulös« eingetreten war.

Der italienische Minister -e- Aentzer» Sa« Giuliano hat gestern Berlin wieder verlassen.

Roosevelt ist wegen unvorsichtiger kritischer Aeuße­rungen über das englische Regiment in Aegypten bei der englischen Presse in Ungnade gefallen.

Die kretische Regierung beharrt bei der Absicht eines Anschlusses an Griechenland.

Die amerikanische Regierung und die Revo« lution in Nicaragua. Die amerikanische Regierung lehnt eS ab, die Anhänger deS Präsidenten Madriz und bei Generals Estrada für etwa- anderes anzusehen als einfach für Parteien, deren jede sich im Besitze der tatsächlichen Herrschaft über bestimmte Teile in Nicaragua befindet. Di« Einnahme Bluefields durch Madriz berühre da- Recht Estradas, die Zolleinnahmen von Bluefields zu verwalten, in keiner Weise.

Marokko. Das diplomatische Korps, das dem Sultan den 1. Juli als Frist für den Beginn der Tätigkeit bei Schulden-Koinmission gesetzt hatte, erhielt von El Guebba- ein Schreiben, in dem er mitteilt, daß er von Fez keine In­struktion erhalten habe, die ihm gestatteten, in dieser B«. Ziehung etwas zu tun. Der ganze Zolldienst sei von heut« ab der Verwaltung der marokkanischen Anleihe angegliedert, da alle Einnahmen als Garauüe für die neue Änleihe in Betracht kämen.