Erstes Blatt.
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Die ffajfty Nummer kostet 10 Ug,
Hetâadrmr u«d vrrlag d« Buchdruck«! des «â 0, Waffe-hauch« ix Hamm.
General-Anzeiger
Amtlicher Organ für Mt- nad Fin-Kreis Kana«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 177 N-r»spr<chanschl«h Mr. 605.
Samstag bett 31. Juli
Fernsprechanschluß Nr. 605. 1909
Die ieitiseNmuin mW miet ü.MtthMMest
14 Seiten.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Gemäß Artikel 4 des Gesetzes zur Abänderung des Schaumweinsteuergesetzes vom 15. Juli 1909 und der dazu von dem Bundesrat erlassenen Schaumwein-Nachsteuer-Ordnung unterliegt Schaumwein, der sich am 1- August 1909 außerhalb der Erzeugungsstätte oder einer Zollniederlage befindet, einer Nachsteuer.
Die Nachsteuer wird nicht erhoben a) für Schaumwein aus Fruchtwein, b) für Schaumwein aus Traubenwein, der sich außerhalb der Erzeuguugsstälte oder einer Zollniederlage unversteuert oder unverzollt unter amtlicher Ueber- wachung befindet und c) für Schaumwein aus Traubenwein im Besitz von Eigentümern, die weder Ausschank noch Handel mit alkoholischen Getränken betreiben, sofern seine Gesamtmenge nicht mehr als zehn ganze Flaschen oder eine entsprechende Menge kleinerer oder größerer Flaschen beträgt. Befindet sich in dem Falle zu c) ein größerer Vorrat im Besitz eines Eigentümers, so ist der gesamte Vorrat nachzuversteuern. Konsumvereine, Kasinos, Logen und ähnliche Vereinigungen gehören nicht zu den von der Nachsteuer befreiten Eigentümern. Mehrere Eigentümer, die Schaumwein gemeinsam aufbewahren, werden hinsichtlich der Nachsteuer- xsticht als ein Eigentümer angesehen.
Der hiernach der Nachsteuer unterliegende Schaumwein ist von den Personen, die ihn im Besitz oder Gewahrsam haben, spätestens am 5. August 1909 bei der Bezirkssteuerhebestelle (Hauptzollamt, Zollamt) mittelst eines bei dieser Stelle erhältlichen Musters schriftlich anzumelden.
Die Richtigkeit der Anmeldungen unterliegt der amtlichen Nachprüfung durch Feststellung der angemeldetcn Vorräte an Schaumwein. Der Nachsteuer unterliegt auch Schaumwein, der in der Zeit vom 1. August d. Js. ab bis zur Feststellung der nachsteuerpflichtigen Vorräte verbraucht worden ist. Veränderungen des angemeldeten Vorrats sind den Beamten, bevor sie mit der Nachprüfung beginnen, mitzuteilen und auf Erfordern nachzuweisen. Bei den Nachprüfungen sind von den Anmeldungspflichtigen den prüfenden Beamten die für die amtliche Feststellung erforderlichen Hilfsdienste zu leisten oder leisten zu lassen.
Hinterziehungen der Nachsteuer und sonstige Verletzungen der gegebenen Vorschriften werden nach Maßgabe der hinsichtlich der Besteuerung des Schaumweins getroffenen Strafbestimmungen geahndet.
Cassel den 29. Juli 1909.
17703 Königliche Oberzolldirektion.
Bekanntmachung.
Infolge des Artikels IT des Gesetzes, betreffend Aenderungen im Finanzwesen (Erhöhung des Kaffee- und Teezolles) vom 15. Juli 1909 wird folgendes zur öffentlichen Kenntnis gebracht:
8 3.
Wer am 1. August 1909 im freien Verkehre befindlichen Kaffee oder Tee im Besitz oder Gewahrsam hat, muß die Waren spätestens am 5. August 1909 bei der Zollstelle seines Bezirkes schriftlich unter Angabe der Art, der Menge und des Aufbewahrungsraumes anmelden. Kaffee oder Tee, die sich am 1. August 1909 unterwegs befinden, sind vom Empfänger anzumelden, sobald sie in dessen Besitz gelangt sind.
Kaffee und Tee, die gemäß § 1 Abs. 2 der Nachver- zollung nicht unterliegen, bedürfen der Anmeldung nicht.
Zur Anmeldung sind Vordrucke nach Muster a zu benutzen, die von der Zollstelle unentgeltlich geliefert werden.
§ 1-
Der Nachzoll wird nicht erhoben:
a) für Kaffee im Besitze von Haushaltungsvorständen, die weder Kaffee verarbeiten, noch mit Kaffee oder daraus hergestellten Getränken Handel treiben, wenn die Gesamtmenge nicht mehr als zehn Kilo- gramui beträgt;
b) für Tee im 'Besitze von Haushaltungsvorständen, die nicht mit Tee oder daraus hergestellten Getränken Handel treiben, wenn bi^ Gesamtmenge nicht mehr als zehn Kilogramm beträgt.
§ 2.
Konsumvereine, Kasinos, Logen und ähnliche Vereinigungen gehören nicht zu den von dem Nachzolle befreiten Haushaltungsvorständen. Mehrere Haushaltungsvorstände, die Kaffee oder Tee gemeinsam aufbewahren, werden hinsichtlich der Verpflichtung zur Entrichtung des Nachzolls für die gemeinsam aufbewahrten Waren als ein Haushaltungsvorstand angesehen.
Hanau den 30. Juli 1909.
17701 Königliches Hauptzollamt. __
Eandkrets Hanau. Bekanntmachung.
Das Proviantamt kauft Wiesenhen und Roggenstroh zu den gangbaren Tagespreisen.
Neben Flegel- und Maschinenstroh wird bis auf weiteres auch Preßlangstroh angenommen, wenn die kurzen Strohteile, sogenannte Spreu, Keile oder Spelzen nicht mit eingepreßt sind.
Die Einlieferung kann ohne vorherige Anmeldung und, mit Ausnahme der Samstagnachmittage, an jedem Wochentage von 8—12 Uhr vormittags sowie von 2—4 Uhr nachmittags erfolgen.
Hanau den 30. Juli 1909.
Königliches Proviant-Amt.
Wird veröffentlicht.
Hanau den 30. Juli 1909.
Der Königliche Landrai.
V 4308 J. V.: Hartmann, Kreissekretär.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 24. bis 30. Juli 1909:
1 Etuismacher, 2 Hausb, irfchen, 1 Heizer und Maschinist, 1 Schlosser, 1 Schuhmacher, 4 Taglöhner, 1 Weißbinder.
Hanau den 31. Juli 1909. 17679
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Bekanntmachung
Folgende Straßen haben Bezeichnungen erhalten:
Straße 6: „Scharnhorststraße"
Straße 24; „Barbarossastraße".
Hanau den 27. Juli 1909.
Der Magistrat.
Hild. 17681
Ein unbrauchbares Pferd der Frau Friedrich
Lapp II. Witwe in Dörnigheim soll
Mittwoch den 4. August 1909, nachmittags 71/* Nhr zum Schlachten öffentlich meistbietend beim Unterzeichneten verkauft werden.
Ravolzhausen den 30. Juli 1909.
17729 Clauß. Bürgermeister und Vorsitzender des Pferde-Versicherungs- Vereins für den Landkreis Hanau.
Kreissparkasse zu Hanau.
Die Kreissparkasse verzinst Spareinlagen mit 33/* °/o.
Die in den ersten drei Tagen eines Monats bewirkten Einlagen werden vom 1. des betr. Monats ab verzinst und Einlagebücher kostenfrei ausgestellt.
Der Borstand. 9
politische Rundschau,
Für die Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Landsberg a. Warthe-Soldin, die durch den Tod des bisherigen Äbg. Böning notwendig geworden ist, beabsichtigen die Konservativen, den Landtagsabgeordneten Rittergutsbesitzer und Major a. D. von Kalckreuth auf Hohenwalde, Kreis Landsberg, als Kandidaten aufzustellen. Die Liberalen und Sozialdemokraten haben schon früher ihre Kandidaten nominiert, erstere den Generalsekretär des Wahlvereins der Liberalen Weinhausen, letztere ihren früheren Kandidaten Paetzei, der bereits im Jahre 1907 in dem Wahlkreise kandidierte und in die Stichwahl kam.
Bei der Reichstagsstichwahl in Neustadt a. d. H. entfielen auf Huber (Soz.) 12 719 Stimmen.
Dr. Oehler (nat.-lib.) 11 765 Stimmen, ungültig find 312 Stimmzettel. Huber ist somit gewählt.
Die erste Million von Rentnern, die auf Grund des Jnvalidenversicherungsgesetzes Renten beziehen, ist erreicht. Nach dem neuesten Ausweise des Reichs-Derstcherungsamtes gab es am I. Juli d. J. 877 269 laufende Invaliden-, 104 931 laufende Alters- und 18 819 laufende Krankenrenten, zusammen 1 001019 laufende Renten auf Grund bei JnvalidenverficherungSgesetzes. Die Alters- und Jnvalidi- tätsverstcherung ist am 1. Januar 1891 eingeführt worden. Es hat demgemäß eines Zeitraumes von 181/* Jahren gebraucht, ehe die erste Million laufend« Alters- und Invalidenrenten erreicht war.
In der Finanzkommission der württem» bergischen Zweiten Kammer machte heute Finanz- minister v. Geßler die Mitteilung, daß infolge der bisherigen Beschlüsse zum Etat der zu deckende Defizitrest auf 2 620 469 Mark zusammengeschmolzen sei und daß eine durch alle Rubriken durchgeführte Steuererhöhung um 5 Prozent 2 750 000 Mark ergeben wird, so daß nvch ein Neberschuß von 157 000 Mark bliebe. Ursprünglich war eine 12proz. Steuererhöhung vorgesehen. Die Kommission beschloß mit 12 gegen 3 Stimmen der Sozialdemokraten diese öprozentige Steuererhöhung bei der Einkommensteuer, sowie bei der Grund-, Gebäude-, Gewerbe- und Kapitalsteuer.
Diamantenfunde. Einem Telegramm des kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch-Südwestafrika zufolge sind nach mehreren von Prospektoren gleichzeitig gemachten, vom Distriktamt Warmbad und vom Bezirksamt Lüderitzbucht als zuverlässig erklärten Meldungen nahe dem Gouchassib-Revier östlich vom Fischfluß Aiais im Bergwerksgebiete d« South African Territories reichliche Diamanten gefunden worden. Ueber 1200 Felder sind schon belegt. Der Vertret« bet South African TerritorieS hat dem Distriktamt Warmbad gute halbkarâtige Steine vorgezeigt.
Der Aufruhr in Spanien.
Barcelona, 30. Juli. Das Reiter-Regiment Mont» juich weigerte sich, als das Kommando Feuer gegeben wurde, auf das Volk zu schießen. Der Generalkapitän von Katalonien hat die Bürger von Barcelona aufgefordert, 24 Stunden lang ihre Wohnungen nicht zu »«lassen, da das Heer mit den Rebellen furchtbar abrechnen werde. Katalonien ist unverkennbar in vollem Aufruhr. Die Frauen sind die Hauptkämpferinnen. Sie greifen die Polizei wie Furien an. Wenn in den Dörfern die Gendarmen mit Ein- berufungsschreiben kommen, treten ihnen die Frauen an der Schwelle mit Flinten oder Sensen entgegen und bedrohen sie mit dem Tode.
Cerbère, 30. Juli. Ein Zug aus Gerona ist heuN angekommen. Die Reisenden hatten sich zur See von Barcelona nach San Felice begeben und von dort zu Fuß Gr- rona erreicht. Als sie Barcelona verließen, war die Revolution in vollem Gange. Alle Klöster, mit Ausnahme dessen in Calle Caspre, wurden in Brand gesteckt. Die Artillerie schoß ein VolkshauS zusammen. Zehntausend Bewaffnete kämpften unter der Leitung eineS Rrvolutionskomitees.
Cerbère, 30. Juli. In Figueras ist die Ruhe wird« hergestellt. 22 Aufrührer wurden gefangen gesetzt, mehrere andere entkamen über die Grenze. In San Sebastian und Taragona schloß sich die große Masse der Bevölkerung der revolutionären Bewegung nicht an. Da der Eisenbahnverkehr unterbrochen ist, begeben sich viele Reservisten zu Fuß zu ihren Truppenkörpern. In Saragossa brachten die getroffenen Vorsichtsmaßregeln die Ausstandsbewegung zum Scheitern. In Madrid herrscht Ruhe. Die Regierung verfügte die Schließung des Volkshauses. Der Führer der Sozialistenpartei, Pablo Iglesias, wurde mit vielen anberen Sozialisten, die den Generalstreik vorbereiteten, verhaftet.
Die Lage in Marokko.
Paris, 30. Juli. Die „Agence Havas" meldet au« Malaga: Nach Privatnachrichten vom 28. Juli aus Melilla, die amtlich nicht bestätigt sind, werden die spanischen Der- luste auf 20 Offiziere tot oder verwundet, 200 Mann tot und 800 verwundet angegeben. Es ist jedoch nicht bekannt, ob diese Angaben eine Berichtigung der bereits gemeldeten Verluste im Kampfe vom 27. Juli bedeuten oder ob es sich dabei noch um einen neuen Kampf handelt.
Fez, 30. Juli. Die Nachrichten vom Riffgebiet scheinen den Machsen nur deshalb zu beunruhigen, weil er der Ansicht ist, daß sie eine Rückwirkung auf den Schatz deS Sultans haben werden, wovon Spanien die Wiedererstattung der Kosten des Feldzuges fordern werde. Zwischen El Roghi und den Truppen des Sultans wurden dir Kämpfe wieder ausgenommen.