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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 304 F-rnspr-chanschltttz Nr. 605.

Mittwoch den 29. Dezember

Fnrrfprechanschlutz Nr. «05. 1909

Amtliches.

Stadtkreis k)ana«. Polizei-Verordnung

hettesscud die Arbeiterfürsorge auf Bauten im Stadtkreise Hanau.

Auf Grund der SS 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867, die Polizeiverwaltung in den neu er» wordenen LandeSteilen betreffend und der §§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesoerwaltung vom 30. Juli 1883 wird nach Anhörung der Hessen-Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft und im Einverständnis mit dem Magistrat folgende Polizeiverordnung für dm Stadt­kreis Hanau erlassen.

§ 1.

Für die an Bauten beschäftigten Arbeiter muß zur Be­nutzung während der Arbeitspausen und bei ungünstiger Witterung, sowie zur Aufbewahrung von Kleidern, Lebens­mitteln und Eßgeschirr ein allseitig dicht umschlossener, mit Fenstern genügend versehener, lüftbarer Unierkunftsraum ge­schaffen werden, der im Mittel mindestens 2,20 m im Lichten hoch und dessen Grundfläche derart bemessen sein muß, daß auf jeden am Bau dauernd beschäftigten Arbeiter (§ 6) eine Fläche von wenigstens 0,75 qm entfällt.

Der Unterkunftsraum muß mit festem Dielenfußboden versehen sein; er ist bei einer Außentemperatur von 4" 5° Celsius und weniger zu heizen. Für die dauernd auf dem Bau beschäftigten Arbeiter sind in den Unterkunftsräumen Sitzplätze^ zur Verfügung zu stellen. Auch muß ihnen auf wer âusèâW^WeGMgedW MyOl tränke zu erwärmen.

Baumaterialien irgend welcher Art dürfen in den Unter» kunftsräumen nicht gelagert werden.

Bei Tiefbauten müssen diese Räume so belegen sein, daß der Beschäftigungsart eines jeden Arbeiters von der Unter­kunftsstätte der Regel nach höchstens 750 m entfernt ist.

Für schwimmende Unterkunftsräume findet die Vorschrift über die notwendige lichte Höhe keine Anwendung.

S 2.

Bei Dausausführungen (vergl. $ 6) müssen für die Ar­beiter Aborte in solcher Anzahl vorhanden sein, baß ein Sitz (Brille) für höchstens 25 Personen dient.

Zwischen mehreren Sitzen sind Scheidewände anzubringen.

Für am Bau beschäftigte Frauen sind besondere Bedürfnisanstalten zu errichten.

Die Aborte müssen möglichst entlegen von den Unter» kunftsräumen (§ 1), der Regel nach mindestens 6 m davon entfernt, aufgestellt werden; sie müssen genügend hell und derart eingerichtet sein, daß von außen nicht hineingesehen

werden kann. Erforderlichenfalls sind vor den Türm Blenden anzubringen.

Die Aborte dürfen keine durchlässigen Gruben erhalten. Tie sind entweder an eine öffentliche Entwässerungsanlage vorschriftsmäßig anzuschließen oder eS müssen wasserdichte Tonnen, welche nach Bedarf fortzuschaffen und durch leere, mittels Kalkanstrichs desinfizierte Tonnen zu ersetzen find, aufgestellt werden.

Die Tonnen find durch Sitz- und Stoßbretter zu verdecken.

Bei freier, von Wohngebäuden entfernter Lage der Bau­stelle« kaun die Herstellung einer Erd grübe gestattet werden.

$ 3.

Bei dm für die Arbeiter bestimmten Aborten ist ein Pissoir anzulegen. Außerdem ist in jedem Geschosse der Bauausführung ein Urineimer aufzustelleu.

S 4.

Die UnterkunftSräume und bie Aborte find stets in rein­lichem Zustande zu erhalten.

Die Urineimer und die Behälter für die Pissoirs find nach Bedarf, mindestens aber täglich, zu entleeren. Die Aborte und Pissoirs find nach Erfordernis zu desinfizieren.

5 6-

Auf jeder Baustelle ist gutes Trinkwass« bereitzuhalten.

8 s.

Die Bestimmungen der §§ 1 bis 6 finden Anwendung a) bei Hochbauten, wenn einschließlich der Polier« und Lehrlinge mehr als 10 Personen zurzeit der Rohbau- auSführung gleichzeitig auf dem Bau beschäftigt find. Während der Rohbauausführung vorübergehend be­schäftigte Arbeiter, wie Zimmerleute und Staker, werden in dieja Mi^- 1 £4 rPM«i»â

b) bei Tiefbauten, welche von Unternehmern auSgefShrt werden, wenn an einer bestimmten Stelle des Baues mehr als 10 Personm länger als 1 Woche gleichzeitig beschäftigt sind.

$ T.

Vom 1. November bis zum 1. April dürfen Stuckateur-, Maler-, Putzer-, Installation»- und Hafnerarbeiten in Neu­bauten nur dann auSgeführt werden, wenn die Räume, in denen gearbeitet wird, durch Türm und Fenster ver­schlossen sind.

Die nur vorläufige Anbringung derartiger Verschlüsse ist für genügend zu erachten.

$8.

In Räumen, in denm offene Koksfeuer ohne Ableitung der entstehenden Gase brennen, darf nicht gearbeitet werden. Solche Räume sind gegen andere, in denen gearbeitet wird, dicht abzuschließen. Sie dürfen nur vorübergehend von den die Kokskörbe beaufsichtigenden Personen betreten werden.

Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Polizei-Verordnung werden mit Geldstrafe bi» zu dreißig Mark, im UnvermögenSfalle mit Haft bis zu drei Tagen be­straft, sofern nicht nach dm bestehenden Gesetzes tim härter» Strafe verwirkt ist.

5 io.

Diese Polizei-Verordnung tritt m3 dem Tage ihrer Ver­öffentlichung in Kraft.

Hanau den 24. Dezember 1909.

Städtische Polizei-Verwaltung,

Der Oberbürgermeister» _ _

Dr. Grbeschu». WLW

Bekanntmachung.

Di« im Stadtschloß (Friedrichsbau) gleich« Erd« be­findliche Wohnung, bestehend au» 5 Zimmern und Zubehör ist vom 1. April 1910 ab zu vermieten.

Auskunft wird erteilt iw Rathaus Zimmer Nr. ML Hasan dm 24. Dezember 1909.

Der Magistrat.

Dr. GebeschuS. 29217

Hanauer Ortskrankenkaffe.

Die Auszahlung de» Krankengeldes findet diese Woche Freitag den 31. Dezember, vormittags vo« S bis 1 Uhr statt. Nachmittags u» s Uhr wird bie Lass» geschlossen.

Der Vorstand.

Stefer, L Vorsitzender. «9287

Angeboten

von Weizen- ttnd Hafer. Stroh sieht entgegen

Proviantamt Hanan. 29029

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gesunden: 1 Kneif« mit Horneinfassung.

Verloren: 1 braune» Portemonnai« mit 20 Pfg^ 1 Pakttchm (enthaltend Strümpfe, Krawatten, Handschuhe und Haarbänder), 1 gelbbraune» Cigarrenetui», 1 grau­grüne» Herren-Cape», 1 silberne» HalSkettchen.

Abhanden geko mmen: 1 kleiner rund« Mülleimer.

Eingefangen: 1 Stallhase.

Hanau dm 29. Dezember 1909.

WeNma (Eine Vision).

28. Dezember 1908.

Von H. Knöfel-Hanau.

Hatte in der Braut von Messina gelesen, Und stützte den Kopf in die heiß»', fiebernde Hand Es trug mich der Träumer beflügeltes Wesen Nach jener Insel, meeresumspülrem Strand, Wo in Gärten von Pinien überdacht In dunkeler, sternenloser Nacht, Die Gänge huschen hinaus und hernieder Die Schatten der beiden .feindlichen Brüder" Hinter der Schwester im weißen Gewand . . .

Leis wirbelt der seine silberne Sand . . .

Die im Windhauch seufzenden Erpressen Können daS Schreckliche nicht vergessen. Bon den Wolken verhüllt sind Mond und Sterm Und dumpf grollt das Meer in weiter Ferne.

Zwischen Erd' und Himmel der kalten nordischen Nacht

Geht die schwindelnde sinnverwirrende Jagd Ueber die eiSumstarrten Alpen immer nach Süden, LeiS weht schon der Duft von Orangenblüten.

Einen Augenblick. Einen Atemzug, So hoch über der Erde ist mein Flug, Daß ich der Sterne leuchtende Streifen, Könnte fast mit den Händen greifen . . . Dann unter mir wieder im Mondenscheine Typressen, Orangen- und Lorbeerhaine.

Eine Stadt, die im nächtlichen Schlummer liegt, Ein Tempel von gleißendem Marmor gefügt, Umweht vom Dust der Orangenblüten Ammer nach Süden, immer nach Süden. Said aber kämpft' ich und ring' ich nach Lust, Erstickend den süßen Orangenduft Ziehn über das Meer nach des Festlands Gestaden Des Aetnakraters giftige Schwaden . . . Ach hatte träumend mir anders gedacht, Die schönüeitLevriesen« italische Nacht.

Denn dort, wo sonst der Morgen erwacht In blutroter Lohe steht die Nacht. Und schwül ist», eS regt sich kein Windhauch mehr, Wie Blei liegt auSgegossen daS Meer. Wie vor unseren Hochlandgewittern

Geht durch die Runde ein Grauen, ein Zittern, Mir in Banden schlagend die wachen Sinne.

Halte dennoch im Flug nicht inne;

Bis ich nach öden Strecken, nach toten Seh' in der Ferne Siziliens Boden . . . Schon durch die Schwaden, dichter und dicht« Zucken vereinzelte trübe Lichter.

Einen Augenblick, einen Atemzug

Und über Messina geht mein Flug, In eines Hügels graugrünem Garten Will ich des kommenden Morgens warten.

Zahle die schleichenden Stunden, die bangen,

Harre und harre vergebens voll Bangen ;

Wieder hör' ich die Glocken schlagen 1 Will es noch immer, noch immer nicht tagen? Statt des Lichtes daS blutige Rot Rings die Welt zu entzünden droht!

Warum springt ihr nicht aus den Betten, Euch vor dem drohenden Unheil zu retten ? Auf ihr Schläfer I Macht Licht, macht Licht! Es naht das Ende, das jüngste Gericht.

Aber zu jenen vom Traum umfangen, Kann mein Angstruf nicht gelangen.

Es ist alck ob ein Alp mich quäle,

ES kommt kein Ton aus meiner Kehl«.

Seid ihr Menschen denn taub und blind?

Hört nicht im Stalle daS rasende Rind?

AlS ob er die Zeichen verstanden hätte, Der Hofhund heult und zerrt an der Kett».

In den Zweigen ein ängstlich Geflatter, Zischend über den Weg springt eine Natter. Dann wieder ein grauenerregendes Schweigen' Mein Blut stockt, statt es zum Herzen rollt

Unter der Erd«, d« Donn« grollt I Höher kommt er herauf au» den tiefte

Wo Titanen gefesselt schliefen.

Die jetzt «wacht unter Toben und Fluch» Gegen des Kerkers Wänd« schlugen. Daß di« Erde erzittert im Kern« . . . Ueber mir keifen de» Himmels Sten» Oben und unten die ganz« W«lt Au» der ewigen Ordnung fällt!

Wie an Sonn- vnd Feiertagen

Di« Glocken beginnen anzuschlagen, Baum . . Baum . . Ist das das SterbegefSttN Messina'S, der Stadt voll Licht und Freuds Wo ich den Oelbaum umklammert halt* Donnernd öffnet sich ein« Spalt«.

Aus der Erde geöffnetem Bauch Steigt eine Wolke von Staub und Rauch.

Aber was unten im Tal« gescheh'n, Läßt mich die Finsternis nicht fth'n . . , Hat sich Himmel und Meer verschworen, Was noch steht in den Grund zu bobteef Aus der Wolken sich öffnendem To^ Ströme Wassers brechen hervor Einen sich mit der brandenden Wu^ Der vom Meere sich wälzend en Flut . . - Halbbekleidet mit flatternden Haaren, Stürzen vom Wahnsinn gepeitschte Schatt» Durch die Felder und Gärten quer, Lautlos wie ein gespenstisches Herr. Können weder schreien noch klagen, Rennen wie mit Blindheit geschlagen« In bie Risse und in die Spalten, Drüber, die andren ohn' aufzuhalten.

Wenn die Erde erbebt und kracht, Zeigt sich der menschlichen Seele Nach^ Zeigt der Sanfteste Raubtierkrallen, Gnade Gott denen, die da fallen.

Dort wo die Mauern seewärts gezogn« Und sich noch brechen bie MeereSwogen Stürzen sich andr« mit aräLlichrm Lack«»