Erstes Blatt.
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vtxtchLhrtich 1^0 Ml„ m»natlich 60 Pfg., für au» »artige Mounatten mit dem bnrestmden P«st<msschUi»
Die einzelne Nummer teilet 10 Pf»
R»tatl»»kdrack und Verlag bet Buchdrucker« bei eeceüu e», Waijenhausri in Hanau.
Getteral-Anzeiger
Amtliches Organ fit Ml- und FaMms gam.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die ftaf gespaltene Petit,«!« »ber beten Stau« W Pf» im ateOamentcii die Zelle « Pfg.
BaaKtwortL Bebntanrt «. e4u«(t N -Mm.
Nr. 124
Fernsprechauschlutz Nr. 605
Samstag bcii 29. Mai
Fernsprechauschlutz Nr. 605
1909
Vfingskmsiemeik
——
Das ist ein wundervolles Blaun
Von Himmel, Luft und Höhen.
Von Berg zu Bergen, welch ein Schaun! Tief drunten grüne Wiefenaun, Rings frischer Winde Wehen.
Gin Geist wie sanften Trostes Hauch Streicht über Blütenlande.
In Knospen steht der Rosenstrauch, Gs treibt der Weinftoef Aug' an Aug', Das Leben sprengt die Bande.
Nur wenn uns Jesus seinen Geist Gibt, sproßt in uns das Leben, Die starre Herzensrinde reißt, Und warm es durch die Adern kreist Wie Saft in grünen Reben.
Doch eines Hähern Lebens Arast Nluß uns das Herz durchdringen, Soll sich aus der Gefangenschaft Die Seele frei und lerchenhaft, Gottfröhlich aufwärts schwingen.
Gin Grosthauch nicht von dieser Welt Berührt Her; und Gemüte,
Viel schöner prangt uns Wald und Feld, Und jeder Pfad wird uns erhellt
Vom Lächeln seiner Güte.
F. St.
Die iMeNamm amfufit «litt H.HettrljiiIhiitiiiMiti
18 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 22. bis 28. Mai 1909:
1 Bauschlosser, 1 Eisendreher, 2 Former, 3 Kausburschen, 1 Keizer, 1 Kellner, 2 Maschinenschlosser, t Monatsfrau, 5 Tagelöhner. Hanau den 29. Mai 1909. 13533
_ Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Dicnstmchrichten aus dem Kreise.
Der Ackermann Johannes Dörr in Rüdigbeim ist zum Beigeordneten der Gemeinde Rüdigheim gewählt und bestätigt worden.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit etwas über 3 Mk. und 3 Konsummarken, 1 Schlüsselring mit 4 Schlüsseln, 1 gelber Damenhandschuh (rechter).
Verloren: 1 viereckiges goldenes Medaillon (innen eine Photographie), 1 grau gestreifter Gummiqürtel.
Hanau den 29. Mai 1909.
Zum Pfiiigstscstc.
Jm natürlichen Kreislauf des Jahres bildet Pfingsten den Glanz- und Höhepunkt. Ein Schein der Verklärung ist über die weiten Lande ausgegossen; im Blumenschmuck und dem tausendstimmigen Sângerchor der Vögel feiert die Erde den Triumph der Liebe, die auch deren festgefügte Gesetze und Ordnungen durchhaucht, und weckt in der Menschenbrust ein lautes, beglückendes Echo. Bei diesem wundervollen Aufleuchten der Natur regt in der Seele sich wirklich die Sehnsucht nach einer neuen Offenbarung, und sie lauscht, ob nicht ein Rauschen des Geistes aus der Höhe sich vernehmen lasse, das ihr eine lang erwartete, noch nicht gehörte Frohbotschaft verkündige.
Mehr den je geht der Zug des Suchens und Sehnens durch unsere Tage. Und gerade wir Deutschen stehen besonders in seinem Bann. Wir spüren es, daß wir auf der Grenzscheide einer alten und einer neuen Zeit stehen; jene eine abgeschlossene, nicht wiederkehrende Periode der politisch- geschichtlichen Entwicklung, der Poesie und der bildenden
Kunst, ja selbst der Philosophie, und somit Abschluß einer ganzen Weltanschauung; diese eine völlige Um» und Neuorganisation staatlicher, künstlerischer, wissenschaftlicher und insonderheit sozialer Ideen und Probleme, deren Bild trotz allen fieberhaften Eifers doch noch unfertig und selbst dem geistigen Fernblick verschleiert dasteht und um dessen Vollendung wir uns mühen mit tastenden Organen. Daher denn auch der völlig schwankende Boden einer unfertigen und ungeklärten anderen Weltanschauung, von der man sich verspricht, daß sie zugleich zu stolzen Höhen geistiger Gesamterkenntnis führen werde.
Da Weltanschauung und Gottesanschauung innig mit einander verknüft sind, werden wir uns nicht wundern dürfen, wenn die Stürmer und Dränger der neuen Zeit nicht bloß die Welt, sondern auch — Gott verbessern wollen. Und wie der radikale Flügel aller Neuerer von jeher das Allheil in Revolution, der Vernichtung des Bestehenden, erblickt hat, so machen auch jetzt diese Ultras den alten Versuch, Gott zu „reorganisieren", indem sie ihn streichen. Solche krankhasten Wallungen werden, wie zu allen Zeiten, so auch jetzt wieder bald am gesunden Sinn der Nation zerschellen. Aber gerade zu Pfingsten sollten auch edlere Sucher sich klar werden, daß auf göttlichem Gebiet immerdar das Neueste der „alte Gott" bleiben wird, denn Gott ist ewig, und somit un» abhängig von jedem Wechsel menschlicher Zeiten und Anschauungen.
Der Prüfstein des w irklichen Fortschritts, der inneren Reife dieser Anschauungen kann nur der sein, ob sie das ewige Wesensbild Gottes immer leuchtender für die Menschheit herausstellen. Und auch hier ist seit den Tagen Jesu von Nazareth nach einer Richtung für immer der Höhepunkt der Erkenntnis erreicht. Denn seitdem wissen wir, daß Gott die Liebe ist, und für Zeit und Ewigkeit gibt es nichts Größeres als die Liebe! Nach einer anderen Richtung aber hat allerdings das pfingstliche Sehnen und Harren unserer Tage seine Berechtigung. In voller Schöne und Klarheit wird die neue Welt- und Gottesauschauung erst dann sich entschleiern, wenn sie, immer voller vom Geiste göttlicher Liebe erfüllt, zu immer vollkommeneren Taten der Liebe am Volksganzen wie allen Einzelnen führt. Und in der Hoffnung solcher Erfüllung wollen wir freudig und fröhlich Pfingsten feiern I
Hus Banau Stadt und Eand*
Kana«, 29. Mai.
* Redaktionell. W* Des hl. Pfingstfestes wegen erscheint die nächste Nummer unseres Blattes erst Dienstag den 1. Juni zu gewohnter Stunde.
* Berliehen wurde von St. Königs. Hoheit dem Groß- i tag vormittag non ll-i2^
Herzog von Hessen das Ritterkreuz II. Klasse mit Schwerirrn i haben keinen Zutritt 9 2
am Kriegsbande des Verdienstordens Philipps des Grost- ' * Das
wütigen dem Oberveterinär C. Schmidt im Thüringische» Ulanen-Regiment Nr. 6.
• Evangel. Männer- und Jünstlingsveretn. Wie schon öfters an den hohen christlichen Feiertagen, wird auch diesmal am Morgen des ersten heil. Pfingstfeiertags während der Pausen des Festgeläutes von 6—7 Uhr bei evangel. Männer- und Jünglingsverein unS mit einigen Pfingstchorälen vom Turm der Johanniskirche aus erfreuen.
* Misfionsfest. Der Verein für äußere Mission in der Diözese Hanau feiert alljährlich abwechselnd in den einzelnen Klassen der Diözese sein gemeinsames JahreSfest. In diesem Jahre gedenkt derselbe dies Jahresfest in der Klasse Bockenheim zu feiern und zwar am S o n n t a g d « n 15. August, nachmittags 3 Uhr, in der Kirche zu Bockenheim. Die Festpredigt hat Herr Pfarrer Palmer von der Matthâuskirche in Frankfurt übernommen.
* Zur Sonntagsruhe. Am ersten Pfingstfeier, t a g e ist: a) der Handel mit Back- und Konditoreiwaren, mit Fleisch und Wurst, Vorkostartikeln und mit Milch von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags — jedoch ausschließlich der für den Hauptgottesdienst festgesetzten Unterbrechung — zugelassen, b) der Handel mit Kolonialwaren, mit Blumen, Tabak, Bier und Wein, Zigarren während zweier Stunden v o r Beginn der Pause für den Hauptgottesdienst und nicht über 12 Uhr mittags hinaus, die Zeitungsexpedition aber wie an sonstigen Sonn- und Festtagen gestattet. Für den Milchhandel ist außerdem im ganzen Regierungsbezirk an Sonn- und Festtagen noch die Nachmittagsstunde von 6 bis 7 Uhr freigegeben. Für den zweiten Pfingstfeiertag gelten die für einen gewöhnlichen Sonntag zutreffenden Bestimmungen.
* Meisterprüfungen. Im Laufe des Monat» Juni d. Js. wird für den Bezirk Hanau eine Meisterprüfung ab» gehalten werden. Handwerker, welche sich derselben unter» ziehen wollen, haben sich bei dem Vorsitzenden der Meister- prüfungskommiisionen, dem Direktor der gewerblichen Fortbildungsschule hier, unter Vorlage der erforderlichen Papier« zu melden. Hierüber gibt der Vorsitzende, Architekt Geißler, jederzeit Auskunft. Die bestandene Meisterprüfung grwährt das Recht zur Anlernung von Lehrlingen und zur Führung des Meistertitels. Zur Vorbereitung ist der Besuch eine! Meisterkurses sehr zu empfehlen; in Hanau wird voraussichtlich im Herbste d. Je. ein derartiger Kursus al« Vor- bereitung zu den im Winter stattfindenden Prüfungen veran- staltct werden.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Ge- öffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis l/»l Utjr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt "^.^stattet. — „Museum des Hanauer Geschichtsvereins" lAltstädter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet jeden Sonn-
Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.