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Mittwoch
so. Juli
weder ja noch nein. Das sei eine Angelegenheit der Regierung, die weder heut noch morgen, aber auch nicht niemals sage. Die Regierung werde die weiteste Feinheit walten lassen, die nur beschränkt sein werde durch das Bestreben, nicht wieder out 51t machende blutige Störungen der Ordnung zu ■ vermeiden. Briand gab sodann das Versprechen ab, an die Wahlreform sofort nach Wiederzusammentritt der Kammer heranzutreten und bat die Kammer um vorbehaltloses Vertrauen zu seiner Politik ohne Gewalt, aber auch ohne Schwäche. (Beifall.) Die Tagesordnung, welche besagt, die Kammer spreche der Regierung ihr Vertrauen aus in der Gewißheit, daß sie ein getreuer Dolmetsch der republikanischen Mehrheit sein werde und in der unter Ablehnung jedes Zusatzes die Erklärungen der Negierung gebilligt werden, fand mit 306 gegen 46 Stimmen Annahme.
Paris, 27. Juli. Das neue Kabinett erklärt in der im Parlament verlesenen Kundgebung, eS beabsichtige eine Politik des Friedens, der Reformen und des Fortschrittes in die Wege zu leiten. Es werde dem Bündnisse und den Freundschaften Frankreichs unverbrüchlich treu bleiben und es als seine Aufgabe betrachten, der Würde und den Rechten Frankreichs Achtung zu verschaffen und den Weltfrieden zu wahren. Die Politik deS früheren Ministeriums werde ei weiterführen; diese von der Kammer ständig gebilligte Friedenspolitik habe zur Stärkung des Vertrauens beigetragen, vermöge dessen Frankreich mit wachsender Autorität im Geiste der Versöhnung an der Regelung der internationalen Schwierigkeiten habe Mitwirken können. Diese Autorität entspringe ebenso der Konsequenz seiner Ansichten, wie dem Prestige, das eS seiner moralischen Expansionskraft und seinen Machtmitteln zu Wasser und Lande verdanke. An der Kund, gebung des Kabinetts heißt es weiter, die Regierung sei bereit, die für die Marine gebrachten Opfer durch eine organische Reform wirksam zu gestalten. Dir Kritik an der Marine hätte übrigens niemals auf die Vaterlandsliebe und die berufliche Tüchtigkeit der franzöfischen Seeleute sich erstreckt. Zn erster Linie werde die Regierung für di« Bewilligung des Budgets eintreten. Zn sozialer Hinsicht werde dir Regierung bemüht sein, die Altersversorgungsgesetze für Arbeiter vor Schluß der Legislaturperiode zu verwirklichen und später nach und nach auch die in der Landwirtschaft, Handel und Industrie beschäftigten Angestellten in ein vollständiges System sozialer Versicherungen einzuschließen. Die Regierung werde das Einkommensteuergesetz im Senate nachdrücklich verteidigen. Betreffend die Wahlreform werbe die Regierung die Kammer ersuchen, für die Munizipalwahlen einen methodischen Versuch mit dem Proportionalsystem zu machen. Die Regierung werde weiterhin auf die Annahme des DeamtenstatutS dringen, das den Beamten alle gesetzlichen Freiheiten gewährleisten soll. Die Duldung einer Unterbrechung des öffentlichen Dienstes könne jedoch nicht in Frage kommen. Die Regierung werde die Reformen zum Schatze bei Laienunterrichts weiter fortsetzen und werde die Verkehrsmittel weiter ausbauen. Nach der Ankündigung einiger neuer Gesetzentwürfe besagt die Kundgebung, daß die Zolltartsrevision im Geiste des alten Kabinetts fortgesetzt werden solle und schließt mit der Versicherung, daß die Regierung gewillt sei, an der Organisation der Demokratie zu arbeiten.
Paris, 27. Juli. Im Senat verlas Minister Barthou eine Erklärung der Regierung, die dort nicht so warm wie in der Kammer ausgenommen wurde.
Paris, 27. Juli. Die Kammer und der Senat haben die Marinekredite bewilligt. Darauf wurde di« Session geschloffen.
Die Kämpfe bei McMa.
Das Rif aus der Vogelperspektive.
Rif bedeutet im Arabischen kultiviertes Land, ein Name, den ihm wohl niemand geben würde, wenn er nur die felsigen, kahlen Höhen in der Umgebung Melillas betrachten soldaten geführt haben, auSgefochten wurden; fröhliches Studentenleben durchzog die Straßen der Handelsstadt und stolz schaute der Kaufmann auf den Scholaren und ließ ihn in den ersten Zähren manchen tollen Streich nicht entgelten.
Dank der Fürsprache bei Kaisers Sigismund unterzeichnete Papst Alexandrr V. bereits am 9. September zu Pisa die vestätigungSurkunde der neuen Universität. Am 2. Dezember 1409, morgen« 9 Uhr, konnte daher im Refektorium bei ThomaSklosterS in Gegenwart der beiden Landesfürsten, bei Bischofs von Merseburg, der Kanzler der Universität wurde, sämtlicher Lehrer, Studenten und vieler vornehmer Einwohner Leipzig« die Gründungsfeierlichkeit staitstndm nnd die Urkunde des Papstes verlesen werden. Die beiden fürstlichen Brüder hatten den Prager Auswanderern bei der Organisation der neuen Hochschule völlig freie Hand gr- laffen. Daher hatten bie im UniversitätSleben geschulten Männer, getragen durch die gehobene Stimmung, in die sie bi« Ereignisse versetzt hatten, und begeistert für bie Ibe«, um drrrtwillcn sie soeben große Opfer gebracht hatten, völlig ihren Wünschen nachgehen und jene ganz von innen heraus aufbauen können. Sie hatten, eingedenk bei doppelten Zwecke« der Hochschule, eine lehrende, dann aber auch eine politische Gemeinde zu sein, die Selbstverwaltung aller ihrer Angelegenheiten und eigene Gerichtsbarkeit besitzt, die doppelte Einleitung der akademischen Bürger nach Fakultäten und Stationen geschaffen, wie sie ähnlich in Prag bestanden hatte. An die Spitze der vier einander völlig gleichberechtigten Rationen wurde der Rector magnißeiue gestellt. Der Schlesier Otto von Münstrrberg, der auf dem Zug nach Leipzig der Führer der Auiwanberer gewesen war, war der erste Inhaber dieses höchsten akademischen Ehrenamtes; er hatte ben Vorsitz in allen da« politische Leben, die innere Verwaltung, die Einkünfte, Ehrenrechte u. a. betreffenden Institutionen. Zu der meißnischen Ration zählten die Sachsen und Thüringer, zu der sächsisch« die Norddeutschen
würde. Aber diese Hügelkette, die bei Kap TreS Forcas beginnt, flach! sich allmählich nach dem Malujafluß zu sanfter ab, bis sie dann wieder in den Beuisnassen-Bcrgen eine Höhe von 1000 m erreicht. Das Rifgebiet umfaßt dreißig Amololes (Provinzen), von denen elf am Mittelmeer liegen. Das Klima ist im Sommer recht heiß, im Frühjahr und Herbst sehr angenehm und im Winter milde. Die durchschnittliche Höchsttemperatur beträgt 38, die Mindesttemperatur 2° über Null; die mittlere schwankt zwischen 17° und 18°. Es regnet im ganzen nur an etwa 35 Tagen im Jahr. Hinter dein jetzt so viel genannten Aialayonhügel dehnen sich wohl bebaute Täler und Ebenen aus, wo namentlich Getreide angepflanzt wird. In Nabor, Mesauner und Barracas gibt es aber auch schöne Fruchtgärten, in denen Apfelsinen-, Zitronen-, Apfel- und Feigenbäume gedeihen. Das Kabdanagebiet weist größere Olivenpflanzungen auf mit so prächtigen Bäumen, daß man hier erst recht begreift, wie die Alten Hefen Baum der Pallas Athene weihten. Bei Buigamart gibt es auch Weinfelder. Aus dem ungegorenen und eingekochten Most stellen die Bewohner einen dicken, beinahe zähen, süßen Brei her, den sie Samet Helu nennen zum Unterschied von Samet el Haremi, womit der gegorene Most bezeichnet wird. Die Niflcutc versichern allerdings, daß sie diesen nur als Arzneimittel benutzen; allein cs gibt ungläubige Reisende, die behaupten, daß sie ihn auch gläserweise haben trinken sehen. Die salzigen Ufer des Mar Chica werden teilweise von Dattelpalmen umsäumt, die von den Eingeborenen sehr sorgfältig gepflegt werden, weil sie aus dem Verkauf der Früchte guten Nutzen ziehen. Sie unterscheiden dabei vier durch Größe und Geschmack verschieden« Sorten. Meist gehen sie nach Marseille und werde» gegen Petroleum, Stearinkerzen und Rübenzucker eingetauscht, von dem etwa 3000 Tonnen jährlich nach dem Rif verkauft werden. Jeden Tag ist an einem anderen Ort Markt (Ferra) und einer der bedeutendsten ist der Dienstagsmarkt von Beni Buifrur, wo bekanntlich die jetzt so Heitz umstrittene« Bergwerk« liegen. Gehandelt wird mit Getreide, Häuten, Wolle, Kamel- und Ziegenhaar, Vieh, Butter, Hühnern, Eiern, Honig, Wachs, Kleidungsstücken in lebhaften Farben, ferner mit Kaffee, Tee, Teppichen, Taschen, Schuhen usw. Der Jmparcial bemerkt nicht mit Unrecht: „Die modernen Schnellfeuergeschütze können das Flachland in einem Augenblick vom Feinde säubern, aber man darf nicht vergessen, daß die Einwohner, bie mit den verschiedensten Völkern und Herren gekämpft haben, wohl wissen, daß Allah ihre Heimat auch mit zahlreichen Engpässen ausgestattet hat, die es außerordentlich schwer machen, tapfere Männer, bie ein Bewußtsein von ihrer Würde haben und das Leben zu verachten wissen, einer fremden Herrschaft zu unterwerfen.* In der Tat ist es richtiger, sich darüber von vornherein klar zu sein, als sich in falschem Optimismus zu wiegen!
Madrid, 27. Juli. General Marina hat um Ent» von Torprdobootszerstörern gebeten, um die Riffküste abzupatrourllieren. Nach einer amtlichen Meldung aus Melilla wurde auf der Minenbahn ein Zug mit Lebensmitteln von den Eingeborenen angegriffen, wobei auf spanischer Seite ein Mann getötet und fünf verwundet wurden.
Barcelona, 27. Juli. Anläßlich der Proklamation des Generalstreiks kam ei hier zu Zusammenstößen, wobei ein ©enbarmeriebauptmann, drei Gendarmen und acht Manifestanten getötet wurden. Die Zahl der Verwundeten beträgt etliche zwanzig.
Perpignan, 27. Juli. Aus Barcelona wird vom 26. Juli gemeldet: Der Zivilgouverneur, der die Verhängung bei Belagerungszustandes nicht billigte, nahm seine ât- lassung. In verschiedenen Stadtteilen fanden Zusammenstöße statt. Mehrere Personen wurden durch Schüsse verwundet. Um 4 Uhr nachmittags wurden auf der Rambla Salven ab» gefeuert und zwei Straßenbahnwagen umgestürzt. Die rechts her Elbe und die Angehörigen der nordischen Staaten; zu den Bayern gehörten bie West- und Süddeutschen, sowie alle Ausländer aus Westeuropa, während die polnische Ration die Studierenden aus Polen, Böhmen, Ungarn, Schlesien, Preußen und Rußland umfaßte. Daneben glieberten sich alle Studierenden, besonder» aber die Professoren, Magister und Doktoren des Lehrkörper« nach den bekannten vier Fakultäten. Doch standen die Fakultäten nicht in gleichem Verhältnis nebeneinander, sondern die philosophisch« stand für sich als gemeinsame Grundlage den brei höheren, der Theologie, der Jurisprudenz und Medizin gegenüber; denn nur wer bereits Magister der philosophischen Fakultät war, konnte Doktor einer anderen Fakultät werden. Auch war ei bei Stiftung bei neuen Generalstudiums nicht gleich möglich, die medizinische Fakultät zu organisieren, da eS an einer geeigneten Persönlichkeit, der man den Lehrstuhl für Medizin hätte übertragen können, gebrach. Erst al« «S gelang, den Prof. Gerhard von Hohenkirch zu gewinnen, hielt dieser am 10. Juli 1415 die erste Vorlesung auf dem Gebiete der Therapie. Die sestbrsoldrtm Lehrstellen her neuen Universität waren gering; nur 500 Gulden hatten die beiden Herzöge von Sachsen vorläufig als Gehalt für 20 Magister jährlich bewilligt. ' Davon erhielten einige Professoren her Theologie 60 Gulden, He übrigen Professoren der Philo- sophi« und RechtSwiffenschaft 30 ober gar nur 12 Gulden. Doch stiegen btt Einnahmen der Universität mit der Zeit. Die Einkünfte von 3 Städten und 42 Dörfern würben ihr zur Bestreitung ihrer Ausgaben zuge- wiesen, und reiche Stiftungen besserten dir Lage der Lrhrrr. So schmktr« Papst Johann XXIII. und sein Nachfolger Martin V. bereits wenige Jahre nach Gründung her Hochschule sechs reiche Dompfründen in Meißen, Merseburg, Naumburg und Zeitz für Me sechs ersten Professoren der Theologie und Jurisprudenz. Siele Lehr« waren freilich einzig und allein auf die bei Doktor- Promotionen an ß« M Luiri^teube« Gebühre» und bit
Schienen der Eisenbahn wurden aufgerissen und fortgeschleppt Man erwartet Verstärkungen der Truppen. — Ans Eerbère (Ostpyrenäen) wird gemeldet: Zahlreiche spanische Deserteure kommen hier über die Grenze an.
Die BierprerserhöhttNst.
Der ©efamtuorftemb bei Verbandes der Gast- und Schank» wirke für Berlin und die Provinz Brandenburg nahm am Freitag abend Stellung zu der in der Konferenz der Gast- mirksvcrbünde und Brauereien vereinbarten Dierpreiserhöhung von 5 Mk. pro Hektoliter bezw. 7—10 Pfg. pro Liter. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heutige Sitzung des gesamten Vorstandes des aus 34 Vereinen bestehenden Verbände? der Gast- und Schankwirte für Berlin und die Provinz Brandenburg beschließt nach eingehender Prüfung der Verhältnisse, die herbeigeführt wurden durch die Annahme der Brausteuer sowohl wie auch der übrigen Konsumsteuern, die samt und sonders das Gastwirtsgewerbe auf das schwerste belasten, einstimmig, den Beschlüssen beizutreten, welche die Gastwirtekorporalionen in Gemeinschaft mit dem Schutzverband der norddeutschen Brausteuergemeinschaft am 16. Juli 1909 gefaßt haben. Die Versammlung muß es auf das entschiedenste zurückweisen, daß von verschiedenen Seiten der Versuch gemacht wird, die diesbezüglichen Beschlüsse der Gastwirte so hinzustellen, als ob lediglich die Absicht bestände, sich auf Kosten der Konsumenten zu bereichern. Es ist eine zwingende Notwerrdig- keit, die Ausschankpreise zu erhöhen, da das Gastwirtsgemerbe nicht nur mit den 100 Millionen für die Brausteuer belastet wird, sondern auch noch weiterem. löOMill.Verbrauchssteuern zu tragen hat und somit fast die Hälfte bei gesamten ReichSfinanzreformgesetze? überhaupt auf sich nehmen muß. Ferner lasten auch noch die im Jahre 1909 bewilligten 130 Millionen Brausteuern auf dem Gastwirtsgewerbe. Es sind dirse Vorwürfe gegen das Gastwirtsgewerbe um so weniger zu verstehen, als selbst in der Regierungsvorlage wie auch in den Reichstagsdebatten von fast allen Fraktionen zum Ausdruck gebracht worden ist, daß diese Verbrauchssteuern nicht Steuern für das Gastwirtsgewerbe, sondern Konsumsteuern für das gesamte deutsche Volk sein sollen. Das Gast- wirtsgewerbe kann weitere Belastung nicht mehr auf sich nehmen, da ei am Ende seiner steuerlichen Existenzfähigkeit angelangt ist." Im Reiche ist die Stellungnahme der Brauereien verschieden. Der Aufschlag soll dort 3, 4 auch 5 Mark für das Hektoliter betragen. Der Lokalverband der vereinigten Gastwirtsvereine zu Leipzig erklärt, daß die Berliner Beschlüsse für Leipzig absolut nicht maßgebend sind. Der Lokalverband Leipzig bedauert, daß Gastwirtskorporationen, u. a. der Bund deutscher Gastwirte, Sitz Leipzig, diesen Berliner Vorschlägen zugestimmt haben. Leipzigs Gastwirte werden unter keinen Umständen in dieser Weise einen Aufschlag vornehmen, um so die Steuer einzubringen oder aber gewissermaßen gar eine Ueberoorteilung des bier- trinkenden Publikums herbeizuführen. Die Leipziger Brauer werden im übrigen keinen Aufschlag pro Hektoliter vor dem 15. August d. I. eintreten lassen, obwohl das Drausteuergesetz bereits am 1. August in Kraft tritt.
88 Cassel, 27. Juli. Eine von über 400 Gastwirten der beiden hiesigen Gastwirtevereme besuchte große allgemeine Versammlung beschäftigte sich heute nachmittag bis in die vorgerückte Abendstunde hinein mit der Bierpreisfrage. Die Brauereivereinigung von Cassel hatte am vergangenen Freitag beschlossen, wegen der am 1. August in Kraft tretenden Brausteuer einen PrelSausschlag von 3 Mk. pro Hektoliter Bier ab 1. August eintreten zu lassen, sodaß also künftighin statt 18 Mk. 21 Mk. für das Hektoliter Bier seitens der hiesigen Gastwirte gezahlt werden müßte. Diebeiden hiesigen Gastwirtevereiue Haber daraufhin beschlossen, ihren Mitgliedern und allen übrigen Kollegen zu empfehlen, für vier Zehntel Liter Bier 13 Pfg. zu nehmen, und zwar dort, wo bisher für 13 Pfg. ein voller Schoppen zu fünf Zehntel Litern verschluckt worden ist; für Bier, das übet die Straße verkauft wird, soll 15 Pfg. für fünf Zehntel Liter genommen werben; im Lokal wird das Viertel Liter Bier nur zu 10 Pfg. abgegeben; diese Preise sind die Mindest- autzschankpreise, unter denen nicht verkauft werden darf. Die Versammlung vertrat zu einem Teile die Ansicht, daß «8 besser wäre, wenn man nochmals mit den hiesigen Brauern
Kolleggelder i^er Schüler angewiesen. Der Staat gewährte ihnen nur freie Wohnung in einem der Kollegien- gebâude. Hier nahmen sie dann gegen Entgelt Scholarrn in Kost und Wohnung, da es Vorschrift war, daß sehet Student unter Aufsicht eines Magisters wohnen mußt«. Die jährliche Ausgabe eines Leipziger Studenten au« der Grün- dungszeit der Universität dürfen wir mit etwa 20 Gulden — dem Jahreseinkommen eines einfachen Handarbeiter« jener Zeit — veranschlagen; wer nur 10 Gulden jährlich zu v«- zehren hatte, galt für arm, ihm wurden die hohen Kosten der Doktorpromotion erlassen.
Kam ein Neuling an, der sich dem Studium widm«« wollt«, dann wurde er mit Jubel von den Scholar«« empfangen. Die peinlichen und burlesken Gebräuche der Deposttion wurden vollzogen, er wurde getauft, abaehobelt. und di« ihm aufgesetzten Hörner wurden mit einem Beil abgeschlagen; er war für einige Zeit der Gegenstand eine« keimSweg« anmutigen Kurzweil«. Ueberhaupt liebten die Leipziger Studcntm Mummenschanz und Fastnachtösch««, so daß wiederholte Verbote dm harmlosen Bürger und di« Frauen der Stadt vor ihrem oft derben Mutwillen scbüde« Ä"; cr^ âtm ließe» eS bie Musensöhne nicht « 5 «B fehlen; bereits früh um 5 Uhr begannen bie Vor- Zungen und Disputationen. Abends wurden dagegen all« Gebäude, m denen Stubenten wohnten, um v Uhr a«. chloffen; doch wußten diese den ihnen auferlegten Zwana Iei$t zu umgehen. Die Lebensweise war keine üppige »war ber Durst der Leipziger Studenten scheint seit A». beginn groß gewesen zu sein. Für ihn würbe gut gesorgt, Ä b" ?"?â" Kollegien Bier steuerfrei i« dir Stabt «tnführm durften. Dm von dm Dewohnrr« eines KolleaS gemeinsam eingenommenen Mahlzeiten ließen dagegen manche» zu wünschm übrig, und wiederholt stoßen wir in dm erste« Jahr«» auf Klagen über das öde Einerlei der Speisen ewigen Suppen Mus und Grütze, die Magerkeit de« Fleische«, dm Stümhrit d<« Braten» und dm gâ»M« Maoget 2