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Drahtnachrichte«

Stuttftart, 28. Mai. Wie derSchwäbische Merkur^ von maßi'itbeitbtT Stelle erfährt, beabsichtigt Graf Zeppelin, mitZ II." einstweilen nur kurze Versuchsfahrten über dem See zu machen. Erst nach erfolgter Erprobung verschiedener Neuerungen sollen größere Fahrten unternommen werden.

Köln, 29. Mai. Ein Berliner Telegramm derKöln. Zeitung" besagt, der Bericht derTribuna" über einen im Hafen von Neapel an Bord des deutschen DampfersNeckar" oorgekommenen Schmuggel, wegen dessen der Kapitän zu 72 000 Lire Strafe verurteilt sein soll, stellt sich als eine arge Uebertreibung heraus. ES handelt sich anscheinend nur um unbedeutende Zollformalitäten, die mit unerheblichen Spesen erledigt sein werden.

Paris, 28. Mai. Der Ausschuß der Allgemeinen Post- beamrenvereiniaung erhob gegen den Beschluß de« Aus­schusses des Syndikats der Postbeamten, betreffend den Beitritt zum Allgemeinen Arbeilerverband, entschieden Ein­spruch.

Paris, 28. Mai. DemEcho de Par'S" zufolge dürfte an Stelle des zum Artillerie - Direktor in Havre er­nannten Obersten Laguies der Artillerieoberstleutnant Pellè zum Militâr-Attachâ in Berlin ernannt werden.

Paris, 28. Mai. Die republikanische Vereinigung de« Senat« beschäftigte sich mit dem umstürzlerischen Treiben de« Allgemeinen Arbeiterverbandes und beauftragte einen Ausschuß, zu prüfen, ob der Verband gesetzliche Grund­lage habe.

Paris, 28. Mai. Mehreren Blättern wird au« Bourge« gemeldet, daß unter den Reservisten des 29. und 95. Znfanterie-RegimentS, welche gegenwärtig im Lager von Avord ihre Dienstübungen ableisten, ernste UnbotmÜßigkeiten vorgekommen seien; eine Fahne soll hierbei zerrissen worden sein.

Paris, 28. Mai. DemMatin" zufolge dürfte die Lyoner Staatsanwaltschaft beauftragt werden, gegen die Gesellschaft von Uniox wegen versuchter Bestechung eines Beam.en des MarineministeriumS die Untersuchung einzuleiten.

Paris, 28. Mai. Ueber die Beschlüsse des höheren Marinerates werden u. a. noch folgende Einzelheiten be­richtet: Frankreich müsse in den Jahren 1910 bis 1920 33 Panzerschiffe von je 22500 Tonnen bauen und die sechs Panzerschiffe vom TypDanton" vollenden. Hierzu kommen noch die sechs anderen Schiffe vom TypPatrie", sodaß die französische Flotte im Jahre 1920 45 Panzerschiffe besäße. Als Ausrüstung werden für jedes Panzerschiff 12 800 Milli­meter Kanonen und 18 45 Millimeter Kanonen vorge­schlagen. Die Gesamtkosten werden auf 1 Milliarde 450 Millionen FraneS veranschlagt.

Zur Erkrankung des Kardinals Kopp.

Breslau, 27. Mai. Auf die Benachrichtigung von der schweren Erkrankung des Kardinals Kopp ließ der Kaiser, wie dieSchlesische Zeitung" meldet, dem Erkrankten gestern ein Blumen-Arrangement mit den besten Wünschen für seine Genesung überbringen.

Ein Rabenvater.

Bromberg, 28. Mai. Der Hausbesitzer Jehrke wurde verhaftet als dringend verdächtig, seinen 7jähriqen Sohn

vorsätzlich vom Wagen gestoßen zu haben, sodaß er über­fahren und getötet würbe.

Verbrecherischer Anschlaft.

Breslau, 28. Mai. Zwischen Kurtwitz und Groß- Kerniegitz demolierten Verbrecher das aus sehr starken Bohlen bestehende Geländer der Eisenbahnbrücke. Sie legten die Bohlen über die Schienen und nagelten sie an den Schwellen fest. Glücklicherweise gelang es dem Lokomotivführer eines Personenzuges, vor der gefährlichen Stelle zu halten. Die Täter sind noch nicht ermittelt.

Kranzniederlegung.

Wien, 28. Mai. Lueger legte am Grabdenkmale Haydns in Eisenstadt namens der Stadt Wien einen Kranz nieder und sagte, er begrüße auf ungarischem Boden daS Grab des Komponisten, der uns die heilige Volkshymne geschenkt hat, die auf diesem Boden verachtet wird. Die Deputation lehnte eine Einladung in Esterhazys Schloß für die Wiener Gemeindevertretung âb.

Ehrendiplom.

Berlin, 28. Mai. Die Morgenblätter melden: Bei der gestern nachmittag stattgehabten Begrüßung des Kongresses der olympischen Spiele erhielt u. a. Graf Zeppelin ein Ehren­diplom.

Ausstand

Brüssel, 28. Mai. Wegen der Konkurrenz durch die Motordroschken trat ein Teil der Pserdedroschkenkutscher in den Ausstand. Am Nordbahnhof veranlaßten Zusammen­stöße von Kutschern und Chauffeuren ein Einschreiten der Polizei, die mehrfach Verhaftungen vornahm.

Der AuSstand der Seeleute.

Parts, 27. Mai. Der Marineminister und der Minister der öffentlichen Arbeiten und des Postwesens Barthou hatten heute eine Besprechung über die durch den AuSstand der eingeschriebenen Seeleute heroorgerufenen Schwierigkeiten. Minister Barthou wird die Frage prüfen, welche Land- bezw. Seewege zur Beförderung der nach China, Japan, Australien und Amerika bestimmten Post be­nutzt werden sollen. Für Algerien würde eine längere Fortdauer des Ausstandes großen Schaden bedeutn,, da be­trächtliche Mengen von Erstlingsgemüse und Früchten, die der Beförderung nach Frankreich harren, dem Verderben preis- gegeben wären.

Marokko.

Paris, 27. Mai. In der feierlichen Audienz der marokkanischen Gesandtschaft beim Präsidenten Fallières hielt der marokkanische Gesandte eine Ansprache, in der er aus- führte, er sei vom Sultan Muley Hafid beauftragt worden, die freundschaftlichen Gesinnungen zu bestätigen, die der Sultan bereits dem französischen Gesandten in Tanger zum Ausdruck brachte. Der Sultan sei entschlossen, alle Bestim­mungen der Akte von Algeciras zur Ausführung zu bringen. Präsident Fälliges gab in seiner Erwiderung seiner Be­friedigung darüber Ausdruck, daß beide Regierungen von demselben Wunsche beseelt seien, die guten Beziehungen apf- recht zu erhalten. Die aus der von den Mächten aner­kannten besonderen Lage Frankreichs in Marokko entspringen­den Interessen befänden sich glücklicherweise in Uebereinstim­mung mit denen der anderen Staaten. Präsident Fallières versicherte, keiner Macht sei mehr an der Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit des scherifischen Kaiserreiches gelegen alS I Frankreich.

Paris, 27. Mai. Aus Tanger wird von heute ge­meldet : Der spanische Gesandte überreichte dem Vertreter

des Sultans in Tanger, El Gebba«, ein Schreiben bt* spanischen Ministers des Aeußern, in dem dieser dem Sultan Muley Hafid mitteilt, der König könne infolge der von ihm gt- troffenen Reifedispositionen die marokkanische Gesandtschaft nicht empfangen.

Tragisch.

Berlin, 28. Mai. Die gestrige Beerdigung des Lehrer- Hahn, der beim Sängerwettstreit in Frankfurt a. M. vom Schlage getroffen wurde, hatte ein tragische« Nachspiel. Der Drechslermeister Lendeke, ein Teilnehmer an dem Begräbnis, wurde von einem heftigen Unwohlsein befallen. Er erlag auf dem Wege nach dem Krankenhause einem Schlaganfall«.

Schiffsnachrichten.

Bremen, 24. Mai. Der Dampfer de« Norddeutschen LloydFranken" ist gestern in Colombo eingetroffen.

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Sabbath-Ausgang 9 Uhr 20 Min. Wochengottesdienst: Von Sonn­tag, 30. Mai an: morgens 6 Uhr Min., nachm. 7 Uhr 15 Mn.