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Diensta«
L7. ZU«
Drahtnachrichten
Ankunft der Kaiserin.
Cassel, 27. Juli. Die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Louise und dem Prinzen Joachim traf gegen acht Uhr mittels Sonderzuges hier ein und begab sich im Automobil nach Schloß Wilhelmshöhe. Prinz Oskar von Preußen war kurz vorher hier eingetroffen.
Englisches Unterhaus.
Äonbott/ 26. Juli. Ellis erklärte, die Regierung betrete eine Bahn, deren Ende niemand vorhersehen könne. Er glaube, daß es auch jetzt noch möglich sein würbe, ein internationales Abkommen wegen der Beschränkung der Rüstungen abzuschließen. Premierminister Asquith wies auf die Bemühungen der Regierung hin, während der letzten drei Jahre die Rüstungen einzuschränken und andere Nationen zu veranlassen, dasselbe zu tun. Auch jetzt noch stehe nicht nur einem internationalen Abkommen noch die Tür offen, sondern die Regierung sei sogar eifrig bestrebt, mit anderen Mächten zu einer Verständigung zu kommen. Die Regierung habe aber das Reich zu sichern gegen Gefahren, die eintretcn könnten, gegen Gefahren, die, wie er hoffe, nicht eintreten würden, aber die, wie die Geschichte lehre, zuweilen in einem Augenblick und von einer Seite eintreten, von der man es am wenigsten erwartete. Würde die Regierung, von dem Wunsche beseelt, dm Frieden und gegenseitiges Verständnis unter den Menschen zu fördern, in dieser Hinsicht ihre Pflicht nicht tun, so würde sie allgemein als vertrauensunwürdig verdammt werden. Er versichere das Haus, daß das fl-lottenprogramm in keiner Weise eine aggressive Tendenz habe und provokatorisch gegen eine andere Nation wirken solle, und daß die Regierung, zwar mit Widerstreben, aber einhellig zu der Ueberzeugung gekommen sei, daß es das Einzige sei, dessen Annahme, sie im Hinblick auf ihre Pflicht gegen das Land und mit Rücksicht auf die Sicherheit des Reiches ehrlich empfehlen könne. Wir müssen berücksichtigen, was Deutschland, Oesterreich, Italien und Frankreich tun. Sie alle sind befreundete Nattonen. Einigen sind wir durch die engsten Bande der Herzlichkeit und Zuneigung verbunden; mit keiner haben wir, glaube ich, einen wirklichen oder wahrscheinlichen Grund zum Streit. In Beantwortung der Ausführungen Leees erklärte Asquith, die Regierung beginne den Bau von vier Schiffen in diesem Jahre mit der Erteilung von Aufträgen. Die Tatsache, daß sie nicht vor April 1910 aus Kiel gelegt würden, beeinflusse nach Ansicht der Regierung nicht im ge- rinsten die Wahrscheinlichkeit, daß diese Schiffe im März 1912 bereit sein würden. Das Programm für 1910/11 würde von diesen vier Schiffen unabhängig sein und müßte mit Bezug auf diese Zeitumstände betrachtet werden. In einer eingehenden Kritik der Reden von Mi Kennas und Asquith erklärte Balfour, die Regierung hätte von der aufgespeicherten Kraft der Marine gezehrt, die ihr von ihren Vorgängern hinterlassen worden sei; ihr Ueberschuß an Kraft sei vor ihren Augen dahingeschwunden. Man wisse jetzt, daß zwei Mittelmeermächte die stärksten Kriegsschiffe bauten, und die Regierung rede, als ob sie für gewisse Gefahren alles auf der Nordsee konzentrieren und das Mittelmeer und die englischen Handelsstraßen außer Acht lassen könne. Der Ueberschuß von Schiffen, der von der Regierung vorgeschlagen werde, sei zu gering bemessen. Trotz Edward Fischers Ausspruchs, daß die Engländer ruhig in ihren Betten schlafen könnten, könnte eint ungeheure Gefahr entstehen, der mau in nicht allzuferner Zeit entgegen treten, müsse. — Hierauf wünschte Dillon zu wissen, was denn noch für eine Rechtfertigung für die vier Dreadnoughts bestände. Mit Bezug auf Deutschland sei schamlose und verwerfliche Sprache geführt worden. Diese Sprache habe die deutsche Regierung veranlaßt und in Stand gesetzt, die riesigen Anstrengungen mit ihrer Marine zu machen. — Barnes (Arbeiterpartei) führte aus, eS schiene stillschweigend zugegeben zu sein, daß die Befürchtung bezüglich der Beschleunigung des deutschen Schiffsbauprogramms durch keine Tatsachen gestützt sei, und daß die einzige Entschuldigung der Regierung für den Bau von Extraschiffen der Umstand sei, daß Italien und Oesterreich an Dreadnoughts dächten. Er sei erfreut, erfahren zu haben, daß unter den deutschen Arbeitern eine Bewegung zugunsten einer Herabminderung der Rüstungen bestehe. In den weiteren Debatten, in denen die Regierung von seiten der Konservativen und auch von einigen Radikalen angegriffen wurde, erklärte Mc Kenna, er nehme kein einziges Wort von dem, was er im März gesagt habe, zurück. Balfour führte aus, daß er für die Regierung stimmen werde, nicht weil er der Meinung sei, daß die Regierung nicht der ernstesten Nachlässigkeit schuldig sei, sondern weil er nicht irgend etwas tun wolle, was in England oder im Auslande die Vermutung aufkommen lassen könnte, daß die Opposition den Parteisinn auf Kosten der Flotte wünsche. Der Antrag Ellis, den Schiffbauetat herunterzusetzen, wurde mit 280 gegen 98 Stimmen abgelehnt. Die Minderheit setzte sich aus den Nationalisten, den Mitgliedern der Arbeiter- Partei und einigen Radikalen zusammen.
Die Lage in Marokko.
Madrid, 26. Juli. Divisionsaeneral Arizon, bisher Militärgouverneur in Granada, wurde an Stelle des Generals Marina zum Oberkommandierenden in Melilla ernannt.
Cholera.
Petersburg, 26. Juli. An der Cholera sind seit gestern 25 Personen erkrankt und 26 gestorben. Die Gesamtzahl der Erkrankten beträgt 728.
Tarifbill.
Washington, 26. Juli. Das Konferensiomiiee für die Tarifbill hat sich dahin geeinigt, die freie Zulassung von Häuten zu empfehlen unter der Voraussetzung," daß das Repräsentantenhaus in eine Herabsetzung der sür Leder und Schuhwaren bestimmten Zollsätze willigt. Eine dahin
zielende Resolution wird voraussichtlich morgen im Repräsentantenhaus eingebracht werden.
MottenauSbau.
Loudott, 26. Juli. In einer Rede, die Handelsminister Curchill in Norwich hielt, erklärte er, daß die Regierung es tief bedaure, dem Lande die Kosten von weiteren vier Dreadnoughts auferlegen zu müssen. Es sei das aber notwendig geworden durcb das Schiffsbauprogramm der größten Militärmacht der Welt, die während der letzten drei Jahre mehr gebaut habe als England.
Beendeter Ausstand.
Butler (Pennsylvanien), 26. Juli. Der Streik der ausländischen Arbeiter der Standard Steel Company ist beendet. 2000 Arbeiter nahmen zu den von der Gesellschaft gestellten Bedingungen die Arbeit wieder auf. Dem offiziellen Bericht zufolge wird den amerikanischen Arbeitern in den Werken der Gesellschaft künftig der Vorzug gegeben.
Scharmützel in Judien.
Londons 26. Juli. Aus Simla wird der „Weekly Dispatch" gemeldet: Ein Trupp der Miliz von Nordwasiristan hatte einen Zusammenstoß mit Aufständischen bei Spina Khaisora im Tochi-Tal. Die Miliz tötete zwei der Angreifer und verwundete einen. Vier andere Aufrührer, die eine Patrouille im Kurzam-Tale angriffen, wurden sämtlich getötet.
Montblanc-Durchstich.
Bern, 27. Juli. Die Gründung einer französischen ; Nationalliga für einen Montblanc-Durchstich steht bevor, s Als Vorsitzender wird genannt der Senator Cäsar Duval, früher Deputierter von St. Julien, und als Sekretär Fernand David, der jetzige Deputierte von St. Julien.
Hagelfchlag.
Trier, 26. Juli. Zahlreiche Ortschaften im lothringischen Ornetal wurden laut „Frkf. Ztg." durch ein furchtbares Hagelwetter heimgesucht. Der an den Weinbergen, den Feldfrüchten und Obstbäumen angerichtete Schaden ist sehr groß.
Glückliche Erben.
Peine, 27. Juli. Ein vor 50 Jahren von hier nach Amerika ausgewanderter Huntemann, der zu großem Vermögen gelangte, ist vor länger denn Jahresfrist ohne direkte Erben verstorben. Vor einigen Tagen wurde nun ein Teil der Erbschaft (180 000 Mk.) an hier wohnende Verwandte des Verstorbenen ausgezahlt. In den Betrag teilen sich fünf Personen. Ein großer Teil des Huntemann'schen Nachlasses besteht auS Immobilien und kommt der Rest der Erbschaft erst später zur Auszahlung. Interessant ist, daß die dem amerikanischen Staat zur Regelung deS Nachlasses erwachsenen Kosten 85 000 Mk. betragen.
Drohung.
New-Nork, 26. Juli. Aus Peking wird vom 26. Juli gemeldet: Der amerikanische Geschäftsträger teilte dem englischen Gesandten und den englischen Finanzleuten mit, daß, wenn die Intrigen, eine Aenderung in dem ursprünglichen Anleiheabkommen für die Hankau-Szechuan-Eisenbahn herbeizuführen, nicht aufhörten, die Vereinigten Staaten dies Vorgehen in dem Sinne auffassen würden, daß die Intrigen von England gebilligt werden.
Kaiserliche Spende.
Nürnberg, 27. Juli. Kaiser Wilhelm spendete neuerdings aus Dispositionsmitteln für die Restaurierung der Lorenzkirche in Nürnberg 10000 Mark.
Verhaftet.
Metz, 27. Juli. In einem hiesigen Hotel wurde gestern ein französischer Leutnant verhaftet, als er sich an dem Hausburschen sittlich verging.
Eine Köpenickiade.
Wien, 27. Juli. Unter der Mask« von Detektiven erschienen gestern in einem hiesigen Hotel zwei Herren, die etwa 20 Personen verhafteten, denselben . ihr Bargeld und sämtliche Wertsachen abnahmen und dann verschwanden. Es fehlt von ihnen jede Spur.
Explosion.
Clermont Ferrand, 26. Juli. Durch eine Explosion schlagender Wetter sind in einer Grube eine große Anzahl Bergleute eingeschlossen. Es heißt, daß 12 Bergleute den Tod gefunden haben.
Opfer des Sports.
Budapest, 27. Juli. In Semlin stürzten gestern beim Fahren vier Fahrer und wurden leicht verletzt. Im Schlußrennen kam ein Fahrer aus der Bahn und stieß mit dem Motor eines anderen Fahrers zusammen. Der Motor lief zwischen das Publikum. Zwei Männer und ein Kind wurden schwer, mehrere Personen leicht verletzt. Der Motorfahrer erlitt schwere Verletzungen.
Unwetter.
Bamberg, 27. Juli. Hier herrschte ein schweres Unwetter. Viele Dächer wurden beschädigt. Bäume in Gärten und Wäldern wurden entwurzelt.
Automobilunfall.
Wien, 27. Juli. Gestern früh ereignete sich auf der Rigstraße ein Automobilunfall. Ein Automobil mit drei Balletteusen stieß gegen einen Baum und wurde zertrümmert. Zwei der Insassen wurden schwer, die dritte leicht verletzt. Der Chauffeur blieb unverletzt; er wurde verhastet, da er an dem Unglück die Schuld tragen dürfte.
Ertrunken.
Görlitz, 27. Juli. Im Neissebade sind am Sonntag zwei Männer ertrunken. Man nimmt an, daß sie das Opfer kalter Strömungen geworden sind.
Naumburg, 27. Juli. In der Saale ertrank beim Baden ein Dachdeckerlehrling. Zwei andere Lehrlinge, die ihn zu retten versuchten, kamen ebenfalls um.
Anklage erhoben.
Paris, 27. Juli. In Le Mans wurde von der Staatsanwaltschaft gegen 19 Personen Anklage erhoben, weil sie an
der Jeanne d'Arc-Feier eine päpstliche Fahne herausgesteckt hatten. Der Friedensrichter sprach die Angeklagten frei, mit der Begründung, daß der Papst trotz des Trennungs« gesetzes und des Abbruches der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem päpstlichen Stuhl den Charakter eines Souveräns habe und deshalb die päpstliche Fahn» nach wie vor zu denen gehöre, deren Benutzung erlaubt sei.
Zusammenstoss.
Pola, 27. Juli. Während eines Nachtmanövers stieß das Torpedoboot „Skorpion" mit den Kreuzer „Erzherzog Karl" zusammen. Ersterer erlitt schwere Havarien. Personen wurden nicht beschädigt.
Folgen einer Schlägerei.
München-Gladbach, 27. Juli. Bei einer Schlägerei wurden zwei italienische Erdarbeiter von einheimischen Ar« beitern verwundet.
Ankauf eines Einstächenfliegers.
Paris, 27. Juli. Aus London wird berichtet, daß man dort durch eine Sammlung die Mittel zum Ankauf des Einflächensliegers Bleriots aufbringen will, um ihn dem Kensington-Museum zu schenken. Ferner wird berichtet, daß Baron Forest 100000 Francs als Preis gestiftet hat für den Engländer, der zuerst mit einem in England erbauten Aero^ plan den Aermelkanal überfliegen werde. — Der Unterstaatssekretär der schönen Künste, du Jardin-Veaumetz, beabsichtigt ein die Szene der Landung Bleriots darstellendes Oelgemülde ausführen zu lassen, um es einem Staats- museum einzuverleiben.
Beim Exerzieren verunglückt.
Tokio, 26. Juli. Beim Geschützerxerzieren explodierte gestern auf dem Linienschiff „Ashahi" ein zwölfpfündiges Geschütz. Vier Mann wurden getötet und fünf verletzt.
Insolvenz.
Dortmund, 26. Juli. Das Bankhaus Ferdinand Greve in Lünen und Dortmund stellte die Zahlungen ein. Infolge ungünstiger Gerüchte erfolgte bereits am Anfang des Jahres ein Sturm aus die Kassen. Der Zusammenbruch wurde aber damals vermieden, weil die Westdeutsche Vereinsbank einsprang. Greve sichert den Gläubigern volle Befriedigung bei ruhiger Abwicklung zu; andernfalls seien große Verluste erwartbar.
In den Ruhestand.
Breslau, 26. Juli. Der hiesige. Oberstaatsanwalt Drescher geht zu Beginn des Oktobers in Pension. Zu seinem Nachfolger wurde der hiesige Erste Staatsanwalt des Landgerichts Müller ernannt.
Beileidstelegramm.
Köln, 26. Juli. Der „K. Z." zufolge ist dem Kommerzienrat Max von Guillaume vom Kaiser folgendes Telegramm zugegangen: „Jacht „Hoheuzollern", 25. Juli. Die Nachricht vom Tode Ihres Schwiegervaters, des von mir sehr geschätzten Mitgliedes des Herrenhauses, Geheimen Kommerzienrat Michels, hat mich aufrichtig betrübt. Ich sprech« Ihnen mein herzlichstes Beileid aus und bitte Sie, gleichzeitig Ihrer Frau und den anderen Hinterbliebenen zu sagen, wie ich mit Ihnen um den verdienstvollen Heimgegangenen trauere".
Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr.
Wiesbaden, 25. Juli. Der Verein zur Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr und zur Förderung des Baues gesunder und billiger Wohnungen im Regierungsbeziek Wiesbaden hielt hier seine Hauptversammlung ab. Nach dem Jahresbericht wurden in den letzten drei Jahren 5431 Mk. Unterstützungen an Kommunen und Private gegeben, um die Ueberweisung Kranker in Heilstätten zu ermöglichen. Die Fürsorgestellen für Lungenkranke, hier und in Biebrich, werden stark in Anspruch genommen, so sind 468 Patienten auf der hiesigen Station unentgeltlich untersucht worden. Die Finanzlage ist keine günstige und es soll deshalb ein Zuschuß von der Landesversicherungsanstalt erstrebt werden. Aus gleichem Grunde mußte auch die Anregung verschiedener Kreisbehörden um Einrichtung von Fürsorgestellen unbeachtet bleiben. (Frkf. Ztg.)
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