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Mt. 173 Fernsprechanschlttß Nr. 60&
Dienstag den 27. Juli
Fer«sprecha«schltttz Nr. 605» 19OS
Amtliches.
Stadt- und Candkreis F)anau.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises mach« ich auf die von dem Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel unter dem 21. Juni d. JS. A III 2196 in Nr. 29 des Amtsblattes veröffentlichte Polizeiverordnung betreffend die bauliche Anlage, die innere Einrichtung und den Betrieb von Theatern usw. hierdurch aufmerksam.
Dem Muster der Polizeiverordnung sind verschiedene erläuternde Anlagen beigefügt, bie nicht im Amtsblatt mit veröffentlicht sind. Das Muster nebst Anlagen ist zum Vorzugspreise von 1.50 Mk. aus dem Verlage von Wilhelm Ernst und Sohn in Berlin, W. 66, Wilhelmstraße 90, bei rechtzeitiger Anmeldung zu beziehen. Falls einige solcher Druckstücke gewünscht werden, so ersuche ich mir dies binnen längstens 5 Tagen anzuzeigen.
Hanau den 26. Juli 1909.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
V 8689 I. V.: Hartmann, Kreissekretâr.
Bekanntmachung.
Hiermit bringen wir zur öffentlichen Kenntnis, das die Ortsdurchfahrt Kletn-Steinheim für den Durchgangsverkehr wieder freigegeben wird, mit dem Anfügen, daß die Fuhrleute während den noch auszuführenden Straßenbauarbeiten den Angaben des Straßenbaupersonals Folge zu leisten haben.
Offenbach den 23. Juli 1909.
Großhcrzogliches Kreisamt Offenbach.
_______________Lochmann.__________V 4211
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Witwe des Bäckermeister« Jakob Herz, Marie geb. Ullrich in Hanau, ist zur Prüfung der nachträglich ange- meldeten Forderungen Termin auf den 11. August 1909, vormittags 10'/- Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht in Hanau, Marktplatz 18, anberaumt.
Hanau den 24. Juli 1909. 17469
Der Gerichtsschreiber Kgl. Amtsgerichts 5.
Konkursverfahren.
In dem Konkursverfahren über das Vermögen:
1. der offenen Handelsgesellschaft in Firma Gebr. Vial in Hanau, Inhaber die Bijouteriefabrikanten Heinrich und Eonrad Vial in Hanau,
Dem Gedächtnis Lilienerons.
t 22. Juli 1909.
Es stand ein Eichbaum! Noch gestern nacht War ich Gast bei ihm: aufrauschte er schwer. Und kam der Sturmwind herangelacht, Lauter noch lachte er, rauschte noch mehr I Wolken verfingen sich fetzengrau
In den Aesten: die reckten und dehnten sich starr. Um die Krone zuckte rin grelles Blau Heimlichen Leuchtens . . . Hei, Sturm, du Narr, Brich nur herein in das Blättergewog!
Und ob deine Blitzaxt ihn tausendmal traf r Der nie sein Haupt deinem Dräuen bog, Feststeht er auch j e tz t -: „Lewwer duad üs Sklav - Hurra das Leben! ..."
So ging ich fort.
Es klang sein Rauschen noch lang mir nach, So hell und stark, wie einst das Wort „Es werde!" ins Dunkel der Schöpfung brach . . .
Es stand ein Eichbaum! Noch gestern nacht War ich Gast bei ihm: aufrauschte er schwer. Mir wars, als hört ich mit Wucht und mit Macht „Wilheimus von Nassauen" aus ihm daher, *) Als schmetterte zwischen Staub und Dampf Der schönste Reitermarsch der Welt, Des großen Kurfürsten**) . * • Rossegestampf! Dragonerfarben im Weizenfeld! . . .
Hurra das Leben! Tief hinein,
O tief hinein in Nacht und Not: Wer wird des Kampfes Sieger sein — Nebel oder Sonne? Leben oder vOb .
*) Lilienerons Lieblingslied.
**) Lilienerons LieblinaSmarsch.
2. dr« Bijouteriefabrikanten Heinrich Vial,
3. des Bijouteriefabrikanten Conrad Vial, bndr in Hanau, wird das Konkursverfahren, nachdem der Zwangsvergleich vom 4./5. Juni 1909 rechtskräftig bestätigt und der Schlußtermin abgehalten ist, aufgehoben.
Hanau den 21. Juli 1909.
__________ Königliches Amtsgericht 5. 17439
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Stück weißleineneS Tuch, 1 weißgestrickter Gürtel, 1 silbernes Bröschchen mit 8 Glöckchen, 1 kleines Portemonnaie mit 1.15 Mk., 1 gelber Damen- Schirmgriff, 1 weißer Damenhandschuh (linker), 1 rosa Perlen-Halskette.
Verloren: 1 silberne Brosche mit Photographie, 1 gelbes Damenportemonnaie mit 60 Pfg., 1 Portemonnaie mit 9.30 Mk., 1 Portemonnaie mit 2.84 Mk.
Entlaufen: 1 gelber großer Pinscher.
Hanau den 27. Juli 1909.
Politische Rundschau.
Neue Grundsätze für die WertzttwachSstetter. Für die Einführung von Wertzuwachssteuerordnungen in Gemeinden und Kreisen find nach der „Norddeutschen Allgemeine« Zeitung* von den zuständigen preußischen Ministern neue Grundsätze ausgestellt worden. Dor allem soll verlangt werden, daß in den Ordnungen die persönlichen Steuerbefreiungen vorgesehen werden, wenigstens aber die Befreiung des Fiskus des Reichs und des preußischen Staates. Ohne Ausnahme soll bestimmt werden, daß alle Erwerbungen von Todes wegen oder auf Grund einer Schenkung unter Lebenden im Sinne des Reichserbschaftssteuergesetzes sowie alle Besitzverânderungen, denen sich die Beteiligten aus Gründen des öffentlichen Wohls zu unterwerfen gesetzlich verpflichtet sind, von der Wertzuwachssteuer frei zu lassen sind. Bei den Enteignungen soll eS keinen Unterschied machen, ob sie selbst durch Enteignungsbeschluß oder durch freiwillige DeräußerungSgeschäfte bewirkt werden. Die Wertzuwachssteuer darf 25 v. H. des steuerpflichtigen Wertzuwachses nicht übersteigen. Für den Fall der Vertragsschließung zwischen einer nicht befreiten Person ist dafür Sorge zu tragen, daß die befreite Person in ihrem Vorrecht sicher gestellt wird und sie dies nicht durch Abwälzung der Steuer auf den Gegner wieder einbüßt. Für die Rückwirkung der Wertzuwachssteuerordnungen wird empfohlen, diese Bestimmung aufzunehmen, durch welche die Erfassung eines vor Erlaß der Steuerordnungen einge- tretenen Wertzuwachses in angemessener Weise beschränkt wird,
Einschlief ich dann. In meinen Schlaf
Wie fernher läutendes Jauchzen klangs:
„Lewwer duad üs Sklav! Lewwer duad üs Sklav I" „Wilhelmus von Nassauen" klangs und sangs . . . Der Morgen glüht; der Tag wacht auf.
Wie klingend-klar sein Goldhaar weht.
In Fieberhaft den Berg hinauf, Ob noch mein stolzer Eichbaum steht--
Gestürzt! Recke du mit der Panzerfaust, Du: L e b e n s e l b st! Wie Eisen stark I
Wie hat dichs so jäh dahingesaust I Wie unv e rseh rt ist noch dein Mark!
Und darum: dennoch Heil dir, Heil I
Wer so wie du dem Leben trutzt,
An dem hat doch der Tod kein Teil,
O d h i n selber, der Träumende, stutzt:
Gibts solcher Heldenherzen mehr, So frühlingsstark und lebensrot?
Wohlauf: dann, Frigga, reich den Speer !
Dann siegte noch nicht ganz der Tod!
Dann auch aus Helheims Schrund und Schreck
Erlösen wir Balder, meinen Sohn.
Auf denn: ein neues Ragnaröck I Und du voraus uns, L i l i e n e r o n!
Marburg i. H. Karl Eng-Ihard.
Das Schattenspiel.
Humoristische Skizze aus dem Militärleben von Max Jenmer.
„Die Unteroffiziere zur Parole."
Feldwebel Kunze ließ seine Augen noch einmal rechts und links über die auf dem Korridor des Kompaniereviers ausgestellten Korporalschaften schweifen, dann zog er die umfangreiche Brieftasche hervor und begann de« versammelten, ihn im Halbkreis umstehenden Unteroffizieren kie Parole zu
etwa derart, daß wenigstens der Teil einer Wertsteigerung, der länger als 10 Jahre vor dem Inkrafttreten der Ordnung entstanden ist, von der Besteuerung ausgenommen bleibt. Für den Fall besonderen örtlichen Bedürfnisse- kann dies« Frist entsprechend verlängert werden. Einer Umgehung der Steuer soll dadurch vorgebeugt roerben, daß sie auch beim Wechsel im Personenbestande von Gesellschaften mit beschränkter Haftung, Kommanditgesellschaften, Gewerkschaften, eingetragenen Genossenschaften und eingetragenen Vereinen sowie offenen Handelsgesellschaften entsprechend erhoben wird. Die Gesichtspunkte sollen bei der Genehmigung von Wertzuwachssteuerordnungen im Auge behalten werden.
Der „Drsschgrsf" Pückler - Kl.-TMir«e, von dem man eine zeitlang nichts mehr gehört hatte, nachdem ihm ein weiteres Auftreten in potitischen Versammlungen vom Minister deS Innern untersagt worden war, hat in diesen Tagen gemeinsam mit seinem Bruder, dem Grasen v. Pückler (Rogan) in Glogau über den Verkauf seines Guter Klein-Tschirn« Verhandlungen gepflogen, desselben Gute«, auf dessen Bauernschaft er sich seinerzeit eine „Leib- garde* gebildet hatte, mit der er unter Doranritt einer Musik- kapelle scherzhaft« Fehden mit den Bauernschaften anderer Rittergüter zum Austrag bracht«. Graf Pückler, der bisher sich in einem Sanatorium befand, brabsichtigt angeblich, fick in Brasilien anzusiedeln und damit dem undankbar«» Vater- lande, das seine politischen Verdienste nicht anerkrun«« will, für immer den Rücken zu kehren.
Die Aussperrung in Stockholm, wovon bisher 13000 Arbeiter betroffen wurden, hat eint weitere Ausdehnung angenommen. Zwei Holzschleifereien, die dem Papierfabriksverbande angehören und die Fabriken des Textilindustrie- und Sägewerksverbandes haben ihre Arbeiter ausgesperrt. Am 2. August wird diese Maßregel auf der Eisenwerksverband ausgedehnt. Falls auch dieser Schritt erfolglos bleibt, werden die Aussperrungen nach den Be- ftimmungen des schwedischen ArbeitgebervereinS erfolgen. Die Zahl der heute ausgrsperrten Arbeiter beträgt 40 bis 50 000. Das Landessekretariat der Fachvereine teilte abends dem Arbeitgeberverein mit, daß beschlossen worden sei, an die Mitglieder sämtlicher Landesorganisationen eine Proklamation zu senden, in welcher zur Arbeitsniederlegung im ganzen Lande am 4. August aufgefordert wird.
Die Vorgänge in Persien. Wie da, Reutersche Bureau erfährt, ist die Regierung bereit, dem entthronten Schah ein Jahresgehalt von 5000 Pfd. Sterling zu gewähren unter der Bedingung, daß er sofort außer Landes geht.
Der türkische Minister der öffentlichen Arbeiten beantwortete gestern in der Kammer eine Jntrrpellation, die berechnet war, seinen Sturz herbeizuführen. Di« Kammer
diktieren. Leises Sprechen in der am rechten Flügel stehenden Korporalschaft ließ ihn plötzlich innehatten.
„Zum Kuckuck! Wer spricht denn da fortwährend im Gliede ? — Natürlich ist eS wieder bei der ersten Korporalschaft; — Hätte ich mir übrigens auch denken können. Ihre Leute, Sergeant Bosch, haben eS wohl nicht nötig, bei der Paroleausgabe die Schnäbel zu halten? — Aber das sage ich Ihnen, hört mir die Bummelei in Ihrer Korporalschaf! nicht bald auf, so melde ich di« Sach« dem Herrn Hauptmann. ES ist doch wirklich unerhört, daß Sie mit den paar Leuten nicht fertig werden können!"
Sergeant Bosch nahm die Rüge deS Feldwebels schweigend hin. Er wußte, daß sie ungerechterweise erteilt war. Seme Korporalschaft war eine der besten der Kompanie; ihr Führer, Hauptmann v. Oheim, hatt« es ihm schon oft genug versichert. Deshalb machte dir Drohung des Feldwebels nur geringen Eindruck auf ihn; einer Meldung konnte er mit aller Ruhe entgegensetzen. Etwas anderes war es jetzt mit den allabendlich wiederkehrenden Vorwürfen, die bald seiner Person, bald seiner Korporalschaft galten, und die den pflicht- getreuen Unteroffizier aufs tiefste kränkten.
Bosch wußte wohl, wem er dies alles zu verdanken hatte, und der Blick, den er feinem Gegenüber, dem Unteroffizier Welling, zuwarf, zeugt« gerade nicht von freundschaftlichen Gefühlen. Welling, der erst vor kurzem von seinem Kommando beim Lehrbataillon in Potsdam zurückgekehrt war, hatte es verstanden, die „Mutter bet Kompanie" von seinen eminenten Vorzügen, die ihn kompetent für alle militärischen Fragen machten, zu überzeugen. Die Feindschaft Wellings hatte sich Bosch zugezogen, als Geheimrats Mieze, das schönste und flotteste Mädchen der Garnison, ihr Herz erkannt hatte und dem glücklichen Sergeanten ihr Jawort gab. Welling, der ge- alaubt hatte, daß nur seine Person hier in Frage kommen könnte, schwor seinem vom Glück begünstigten Nebenbuhler Rache und lag nun seit seiner Rückkehr von Potsdam seinem