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General-Anzeiger

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 172 F-rnspr-chanschliitz Nr. 605»

Montag den 26. Juli

Fernsprechanschltttz Str. 605» 1909

Amtliches.

Stadtkreis I)anau«

Nachdem das Stratzenkreitz Attheimerweg- Leipzigerstratze zwischen Stadtgraben und Waldstraße nunmehr gepflastert worden ist, werden die Anlieger an der Straßengabelung auf die Vorschriften der Polizeiverordnung vom 3. Juli 17 90 und 28. Mai 1909 betr. die Straßen- reinigung in Hanau aufmerksam gemacht. Hiernach müssen die Straßen Mittwochs und Samstags nachmittags, soweit eines jeden Haus reicht, gereinigt werden. Verantwortlich sind die Eigentümer der Häuser oder diejenigen, welche solche in Miete haben.

Die Verpflichtung zur Straßenreinigung beginnt mit dem Tage dieser Veröffentlichung.

Hanau den 23. Juli 1909.

Königliche Polizei-Direktion.

P 7948 I. A.: Hartmann, KreisZekretär.

Eandkreis Hanau.

Unter den Schweinen in Ravolzhausen ist die Schweine­seuche erloschen.

Hanau den 24. Juli 1909.

Der Königliche Landrat.

V 4182 I. V.: Hartmann, Kreissekretär.

Unter den Schweinen in Eichen ist die Schweineseuche sestgestellt.

Hanau den 24. Juli 1909.

Der Königliche Landrat.

V 4180 I. V.: Hartmann, Kreissekretär.

Stadtkreis Hana«. Bekanntmachung.

Die Ausgabe netter Zinsscheinbogen zu bet An­leihe der Stadt Hanan vom 1. Oktober 1889, Serie II, mit Zinsscheinen Nr. 120 für die Fälligkeits­termine vom 31. März 1910 bis 30. September 1919 findet von heute ab bei der Stadthauptkasse gegen Rück­gabe der alten Erneuerungsscheine statt.

Hanau den 23. Juli 1909.

Der Magistrat.

17375 B o d e.

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen der Kaufmanns Konrad Hestermann in Hanau, Inhaber der Firma Koch &

Die letzten Tage von Messina.

Roman von Erich Friesen.

(8. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Zwar spürt Clelia nicht die mindeste Lust, den wüsten Burschen zu sehen.

Doch sie mag der armen Alten die Bitte nicht abschlagen. Sind Sie nicht Leidensgenossen?

Sie folgt langsam der voranhumpelnden Frau in die Hütte.

Drinnen liegt auf einem fadenscheinigen Sofa ein junger Bursche. Er ist fast zum Skelett abgemagert. Aber sein Gesicht trägt noch denselben verschlagenen, hinterlistigen Aus­druck, den Clelia von früher her an ihm kennt.

Beppo, mein Herzblatt!" ruft die Alte schon auf der Schwelle.Besuch I Vornehmer Besuch !"

Erschrocken fährt der Bursche auf, während seine kleinen stechenden Augen unstät nach der Tür flackern.

Wer wer--?" stößt er geängstigt heraus.

Sieh nur hin! Die schöne Signorina Clelia! Die Tochter des Signor Morgano"

Der angstvolle Ausdruck in Beppos Gesicht macht trium­phierendem Lachen Platz.

»Ah, die Signorina bemüht sich selbst ruft er, mdem er aufzustehen versucht. r x

Doch mit einem leisen Schmerzenslaut sinkt er wieder aufs Sofa zurück.

Sofort macht die Alte sich um ihn zu schaffen. Jeder ihrer Blicke, jede Bewegung beweist, daß die Liebe zu ihrem Sohn ihr ganzes Herz aussüllt.

Clelia ist wieder gegangen. , t ,

Fast bewegungslos liegt der Bursche da und starrt auf die Tür, hinter der die schlanke Gestalt verschwunden ist. Ein häßliches Lachen verzerrt seine Sippen.

Nicht achtet er der Lobeshymnen über diegute, schone Signorina", in denen seine Mutter schwelgt.

Sein erfinderisches Hirn brütet einen Plan aus, durch oessen Ausführung er sich endlich, endlich rachen lann an dem verhaßten Bernardo Morgano.

An ihm und seiner Tochter Clelia . - *

Hestermann in Hanau, ist heute am 24. Juli 1909, nachmittags 5 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Rechtsanwalt Dr. Nußbaum in Hanau ist zum Konkurs­verwalter bestellt. Offener Arrest und Anzeigepflicht, sowie Termin zur Anmeldung bis zum 24. August 1909. Erste Gläubigerversammlung am 25. August 1909, vor­mittags It Uhr, Prüfungstermin am 8. September 1909, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amts­gericht 5 hier, Marktplatz Nr. 18, Zimmer Nr. 5.

Hanau den 24. Juli 1909. 17419

Der Gerichtsschreiber Kgl. Amtsgerichts 5.

In dem Konkursverfahren Wer das Vermögen:

1. der Witwe des Kaufmanns Wilhelm Schlingloff,.

Margarete geb. Brochhausen, verwitwet ge- wesene Willermann in Hanau, Inhaberin der Firma Wilhelm Schlingloff in Hanau,

2. des Bäckermeisters Jean Corvinus in Hanau, Nordstraße Nr. 56 werden zwecks Bestellung eines anderen Verwalters von Amtswegen Gläubigerversammlungen berufen auf den

4. August 1909, vormittags 11 Uhr.

Hanau den 24. Juli 1909.

Königliches Amtsgericht 5. 17377

Zugelaufen: 1 gelber Hund mit MessinghalS- band, w. G.

Mittelbuchen den 22. Juli 1909.

17369 Bürgermeisteramt.

PolitiTd>$ RtindTcbati.

Vom Hansabund. Wie derHansabund" mitteilt, sind nunmehr alle großen deutschen Verbände der Hand­lungsgehilfen im Hansabunde teils offiziell vertreten, teils in der Form, daß sich viele ihrer Ortsvereinsvorsttzenben und zahlreiche andere Mitglieder dem Bunde angeschlossen haben. Dieser wird somit binnen kurzem eine nahezu lückenlose Ver­tretung von Deutschlands Gewerbe, Handel und Industrie einschließlich der kaufmännischen Angestellten darstellen.

Ueber das neue Kabinett in Frankreich schreibt dasB. T." : Man wird das neue Kabinett, daS eine An­zahl sehr hervorragender und auch sehr wohlmeinender Männer zu seinen Mitgliedern zählt, nur mit Sympathie begrüßen können. Das Kabinett ist ein Kabinett aufgeklärter Reformfreunde, und seine Zusammensetzung verbürgt, soweit das irgend möglich ist, nach außen hin eine friedliche, ver­ständige und maßvolle Politik.

Zum amerikanischer» Zolltarif. Wie amtlich be- kanntgegeben wird, hat das Konferenzkomitee Häute auf den

8.

Der Marchese Ludovico Martinelli hat nie in seinem Leben gewußt, was es heißt: arbeiten, um sich sein Brot zu verdienen.

Von Kindheit an verzogen als einziger Sprosse eines alten reichen Messinaer Adelsgeschlechtes, genoß er schon früh sein Leben nach allen Richtungen hin.

Wegen einer wenig eleganten Affäre, in der eine Tänzerin die Hauptrolle spielte, hielt er es vor etwa zehn Jahren für gut, Messina auf einige Zeit zu verlassen.

Wo er sich damals herumtrieb kein Mensch erfuhr eS. Man wußte nur, daß er in der weiten Welt umhergondelte, und nahm mit Recht an, daß er da draußen sein ungebun­denes Leben nach Kräften fortsetzte.

Bis er urplötzlich, nach beinahe sechs Jahren, in Messina wieder auftauchte.

Sofort bildete er aufs neue den Mittelpunkt einer Gesell­schaft von eleganten Bummlern und Tagedieben, die in dem zynisch-blasierten weitgereistenKavalier" ihr Ideal erblickten, dem nachzueifern ihr höchstes Streben war.

Nur wenn er von seinen Reisen erzählen sollte dann wurde er einsilbig und etwas wie Verlegenheit malte sich in seinen verlebten Zügen.

Seine einzige, um wenige Jahre jüngere Schwester Erminia, die seit dem Tode ihres Gatten, des Grafen Arturo Doria, in Palermo lebt, mied den Bruder ersichtlich.

Nur selten sahen sich die Geschwister und jedermann aus ihrem näheren Bekanntenkreise fällt es auf, daß die Contessa Erminia nach der Rückkehr des Marchese fast nie mehr nach ihrer Vaterstadt Messina kam, die sie früher so leidenschaftlich liebte.

Wenn man sie nach dem Grunde fragt, zuckt sie schweigend die Achseln.

Böse Zungen behaupten, es müsse ein Zerwürfnis zwischen den Geschwistern gegeben haben. Oder die gutherzige, aber willensschwache Dame wolle sich dem dämonischen Einfluß, den der Bruder von jeher auf sie ausübte, entziehen.^

Sicher ist, daß die ruhig heitere Stimmung der Contessa seit der Anwesenheit des Marchese in der Villa Miranda einer gewissen Nervosität gewichen ist, die zunimmt, je mehr

Zolltarif gesetzt und alle bestehenden Zölle auf Äderware« wesentlich ermäßigt.

Am praktischen Sinn Der amerikanischen Ar« beiterschaft scheitern die sozialdemokratischen Utopien, das zeigte sich wieder einmal in einer Rede, die der Vorsitzende der amerikanischen Gewerkschaften GomperS, der nach Europa gekommen ist, um die Lage her Arbeiter zu studieren, in Paris in einer vom Arbeitsbunde veranstalteten Versammlung hielt. Darin warf er den französischen Kameraden vor, daß sie Träumer und Theorettker seien, die vom gewaltsamen Umsturz daS Heil erwarten. Die amerikanische Arbeiterschaft hielte sich nicht bei Theorien auf. Sie verfolge unmittelbar praktische Ziele. Sie erstrebe sofortige Besserung ihrer Lage. Sie sei nicht für Revolution, sondern für Evolutton. Er trete gewiß auch für die allgemeine Völkerverbrüderung ein,, aber er wünsche nicht die Entwaffnung seines Vaterlandes,' sondern wolle, daß eS stark bleib«. In der heutigen Welt­lage sei der Antimilitarismus eine sündige Torheit. WaS sagen die deutschenGenossen" dazu?

diene Streiche des Operettenprinzei». Kurz vor der Abreis« deS Königs von Serbien nach Ribarka Banja verlangte Prinz Georg kategorisch di« Einberufung der Skupschtina, damit sie ihn von Neuem zum Thronfolger erklären solle. Andernfalls will Prinz Georg sich an das serbische Volk wenden. Er will öffentlich mitteilen, wie er von den Ministern Cari« und Dr. Milowanowitsch verleitet worden sei, auf die Thronfolge zu verzichten. Zugleich teilte der Prinz d«m Ministerpräsidenten Nowakowitsch mit, daß er eine schriftlich« Derzichtleistung seines Bruders Alexander auf die Thronfolge in Händen habe. Die Minister Nova- kowitfch und Ribarae unterstützen die Wünsche des Prinzen. ES verlautet ferner, daß sich die überwiegende Mehrheit des Offizierkorps schriftlich für den Prinzen erklärt habe.

Die Kämpfe in Marokko.

Paris, 25. Juli. AuS Madrid wird gemeldet, die spanischen Offiziere seien über die Vollkommrnheit der Waffe« und den Ueberfluß an Munition erstaunt, welche den Riff­leuten zur Verfügung stehen. ES sei zweifellos, daß dieses Kriegsmaterial von Häfen Europas aus nachts an die Riff­küste geschmuggelt worden ist.

Melilla, 25. Juli. Gestern nachmittag würd« wieder Geschützfeuer aus den spanischen Stellungen gehört. Die Schiffsbesatzungen sind gelandet. Die Harka soll bedeutend« Verstärkungen auS dem Zentralriff erhalten haben.

Malaga, 25. Juli. Hier eingetroffene Reisende er­zählen : In Melilla herrscht Panik. Der gestrige Kampf soll furchtbar gewesen sein. Die Zahl der gefallenen und ver­wundeten Spanier übersteigt 280; dir Mauren haben die dreifachen Verluste. Die Harka der Kabylr« versuchte, die Verbindungen der Stellung bei Atalayon mit Melilla zu

sie beobachtet, in welch lebhafter Weis« sich ihr Bruder füt daS junge schöne Mädchen dort hinten im Gartenhaus« interessiert.

Schon in Messina war das Herz des blasierten Lebemannes in heftiger Leidenschaft für Clelia Morgano entflammt vielleicht, weil die unberührte Unschuld deS kindlichen Ge­schöpfs für ihn etwas ganz Neues bedeutete.

Als reichem, vornehmemKavalier" wurde «S ihm leicht, in all den Häusern Zutritt zu erhalten, m denen di« Morganos verkehrten.

Daß Clelia bereits verlobt war - wie man sich zuflüsterte, ohne von der Gewißheit dieses Gerüchtes überzeugt zu sein hätte den Braven in seiner Werbung nicht im germgsten gestört. Aber das junge Mädchen wußt« sich mit einer solchen Mauer von hoheitSvoller Unnahbarkeit zu umgeben, daß jeder Versuch, sich ihr zu nähern, erfolglos biieb.

Nun auf einmal will ihm das Geschick wohl. ^§ stellt ihm das schöne Wild in den Weg, ohne daß er etwas dazu getan hätte.

Und der Marchese Ludovico Martinelli ist mcht der Mann, der es sich entschlüpfen läßt.

Freilich sind auch jetzt seine Annäherungsversuch« ohne jeden Erfolg geblieben. . _

Aber der Marchese gibt die Hoffnung nicht auf. Stets versucht er von neuem, durch zarte Aufmerksamkeiten ihr Herz zu rühren, und er ist nach Art deS Don JuanS fest überzeugt, daß es ihm über kurz oder lang gelingen wird.

Mit zunehmendem Bangen beobachtet Erminia ihren Bruder.

So wenig sie auch mit ihren Schützlingen dort hinten im Gartenhaus in nähere Berührung kommt, so fühlt sie doch, daß Clelia kein Mädchen^ist, dem sich ein Mann in unlauterer Absicht nahen darf. Sie hält eS deshalb für ihre Pflicht, ihre Scheu vor ihrem Bruder zu bezwingen und ihn eines Mittags, als beide an der reichgedeckten Tafel einander gegenüber sitzen, auf das Verwerfliche seines Vorhabens auf­merksam zu machen.

Was fällt Dir ein!" fährt er auf. ihr einen bösen Blick zuwerfend.Wie kommst Du darauf, daß ich die Signora nicht genügend respektiere?"