rs. März _
Ein neuer Millionenschwindel in Paris. In Paris wurde ein kühner Spekulant nach Art des Diamantenschwindlers Lemoine namens Josef Simson verhaftet. Er rühmt sich großer Verwandtschaften in Deutschland und fand Geldgeber für Erfindungen, die er als epochal anpries. Seine Ow'er verlieren über eine Million Francs.
Grosze Unterschlagunfleu eines Postschaffners. In Landshut wurde der verheiratete Postschaffner (Sieglet verhaftet, der eine große Menge von Postpaketen, meist mit Zigarren und Stoffen, unterschlagen und die Waren nach der Wohnung seiner Geliebten geschafft hatte.
In den Flammen umgekommen. Nach dem Brand seines Anwesens ist der Hoibauer Deinzer in Pleß in Oberbayern als verkohlte Leiche unter den Trümmern gefunden worden.
Durch die hervorstehende Eisenschiene eines vorüberfahrenden Güterzuges wurde in Elten am Niederrhein der Bahnwärter Krons so schwer am Kopfe verletzt, daß der Beamte gestorben ist, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.
Durch einen leichtsinnigen Schutz die Mutter getötet. Der Sohn des Besitzers Pierchalla in Schwien- tochlowitz spielte mit einem geladenen Tesching, das sich gerade in dem Augenblick entlud, als seine Mutter ihm die Waffe fortnehmen wollte. Das Geschoß drang der Mutter in den Leib, so daß diese sofort verstarb.
Feier zur Erinnerung an die Hermannsschlacht. Die Vorbereitungen zur Feier der 1900jährigen Wiederkehr der Schlacht im Teutoburger Walde, die im Monat August am Hermannsdenkmal staitfinden soll, sind in vollem Gange. Ein großer Festausschuß hat sich gebildet, um die Feier zu einer würdigen zu gestalten. Beständig mehren sich die Anmeldungen von Vereinen und Körperschaften, die an der Feier teilnehmen wollen.
Referendar von Igel verurteilt. Aus Berlin, 23. März wird berichtet: Der Referendar v. Igel, der seinerzeit den Steinmetzmeister Marschner in Oranienburg erschoß, wurde der sahrlässigen Tötung schuldig gesprochen und zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. 1 Monat wurde auf die Untersuchungshaft angerechnet. Auf Antrag des Verteidigers wurde der Verurteilte aus der Haft entlassen.
Wer hat den Zopf verloren? rief dieser Tage aus Leibeskräften in Jena ein kleiner Junge in der Weimar- Geraer Bahnhofstraße. Die Wirkung der Worte war überraschend : sechs Damen, die in nächster Nähe standen, griffen urplötzlich nach dem Hinterkopf und atmeten dann erleichtert auf. Vergebens hielt der Knabe die dunkle Flechte hoch empor und wiederholte immer wieder seine Worte — aber die Eigentümerin meldete sich nicht und scheint schleunigst von der Bildfläche verschwunden zu sein. Jetzt lagert ber. schöne Zopf in dem Archiv des städtischen Fundbureaus.
Kollision. Die Kaiserjacht „Hohenzollern" kollidierte vorvergangene Nacht infolge dichten Nebels westlich Norderney Feuerschiff mit dem norwegischen Dampfer „Por", der sofort sank. Die Mannschaft ist gerettet. Die „Hohenzollern" erlitt leichte Beschädigungen am Bug und ging zur Reparatur nach Wilhelmshaven. Soweit sich beurteilen läßt, ist die Kaiserjacht in 24 Stunden wieder klar.
Zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht Schweidnitz verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den Knecht Pauer aus Rogau wegen Mordes und schweren Raubes, begangen an dem Gutsbesitzer Schönfelder in Rogau, seiner Frau und seiner Tochter, zum Tode und Ehrverlust auf Lebensdauer, sowie den Pferdejungen Hohberg wegen Beihilfe zu fünf Jahren Zuchthaus und Ehrverlust auf gleiche Dauer.
Enthüllung eines Denkmals für den Dichter der Schleswig-Holstein-Hymne. Aus Altona wird berichtet: Das Denkmal des schleswig-holsteinischen Dichters Matthäus Friedrich Chemnitz, des Verfassers der Schleswig-Holstein- Hymne „Schleswig-Holstein meerumschlungen. . ." wurde gestern vormittag enthüllt. Die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden, sowie die Kampsgenossenschaft und die Kriegernereine mit Fahnen und eine große Anzahl Veteranen von 1848 wohnten der Feier bei. Im Namen des Ausschusses für die Errichtung des Denkmals hielt Senator Kallmorgen eine Ansprache; namens der Stadt Altona übernahm dann Bürgermeister Dr. Schulz das Denkmal; er schloß mit einem Kaiserhoch.
Einbruch bei einem Wunderdoktor. Beim Wunderdoktor Ast in Radbruch wurde gestern nacht ein Einbruch verübt. Die Täter schafften den 500 Pfund schweren Geldschrank des Wunderdoktors, der es vom Schäfer zum Rittergutsbesitzer und Millionär gebracht hat und sich heute noch täglich großen Zulaufes erneut, ins Freie, sprengten ihn und erbeuteten etwa 20 C00 Mark. Die Einbrecher entkamen, werden jedoch mit Polizeihunden verfolgt.
KunTt und Leben.
Richard Strautz' „Elektra". Ueber dieses phänomenale Werk verbreitet sich Prof. Dr. Arthur Seidl in der Monatsschrift „Nord und Süd" sehr eingehend. Er schreibt: Eine der letzten kurzen Vornotizen und stimmungmachenden Entrefilets in der Tagespresse vor der „Elektra"-Anffnh- rung enthielt u. a. den Satz: „Der Komponist weilt seit einigen Tagen bereits in Dresden, um den Proben beizuwohnen, und ist unermüdlich, z. B. der Klytemnästra den allerletzten Trick ihrer schwierigen Partie vorzumachen." (Ich zitiere nach dem Gedächtnis, verantworte jedoch das, worauf es dabei ankommt.) Indem hier das Wort „Trick" fällt und dieser Begriff ohne weiteres einfach eingeschmuggelt wird, entsteht beim Leier unmittelbar die Suggestion der „Misti!" mit allem Drum und Dran, den schönsten Ausblicken auf Variölè und Snobismus. Natürlich ist dem Komponisten derartiges aber nicht im geringsten btigefallen, vielmehr war er nur eben eifrig bemüht, der Vertreterin jener Partie die besondere, letzte Ausdrucks- Nuance für ihre Darstellung nach seinen künstlerischen Intentionen beizubringen. Das aber hat ein Wagner, mimend und agierend, zu Bayreu-H oder anderweitig auch getan. Oder: einer spricht mit guter Berechtigung von „Raffinement" der Strauß'ichen Orchester-Technik; er meint das allerdings dann ganz anders, als es sofort begierig von den Vertretern der „öffentlichen Meinung und Bewahrern der privaten Denkfaulheit aufgegriffen wird. Räm- • lich durchaus nicht in dem Sinne eines absichtsvollen „Zynismus" der bewußten Formgebung, eines ohne
Donnerstag
Enthusiasmus „kühl bis ans Herz hinein", den Effekt als Selbstzweck nur eben kuckenden Kalküls. Denn nicht um ein rein mechanisches Verfahren, um eine freie, verkünstelte Aktivität handelt es sich dabei, sondern um eine organische, historisch notwendige, besonders künstlerische Konstellation, der alle geistig fortschreitenden, technisch weiterarbeitenden Orchester - Komponisten seit Berlioz und Wagner, also auch ein Richard Strauß, naturgemäß und mehr passiv, nolens volens unterliegen. Nicht sie raffinieren, komplizieren, differenzieren, exaggerieren und sublimieren bewußt, sondern sie stehen in einer natürlichen Evolution des Raffinierens, Komplizierens, Differenzierens, Exaggerierens und Sublimierens, der sie sich nicht entziehen können, so sie mitarbeiten am „Webstuhle der Zeit". Tut nichts, der Jude wird verbrannt! — denn es bleibt nun einmal schon ausgemacht, daß es sich hier um einen kalt übertreibenden, bewußt-bizarren Orchester-Virtuosen handelt, der ohne allen Gemütsanteil, fern jeder natürlichen Empfindung, „Zerebral-Musik" nur schreibt. Du lieber Himmel 1 Es ist ja auch so unsäglich leicht, bei den reinen Äußerlichkeiten der Oberfläche, die man eben noch versteht, einfach stehen zu bleiben und die modernen Schlagwörter: dekadent pathologisch, hysterisch, „Revolution der Sinne und Nerven" oder „Neuro-Mantik" (Wortspiel für „Neu-Romatt- tik") bequem mit allem Behagen darauf anzuwenden; so unendlich schiver hingegen, den organischen Schaffensprozeß eines sich entwickelnden und läuternden Künstlers innerlich nachichaffend zu' verfolgen, seinem konsequenten Muß mit Ernst nachzugehen, seiner geistigen Verfassung und seiner inneren Form behutsam nach- — kurz in aller Sorgfalt auf,zuspüren, was eiwa nur technische Vor-Studie, wichtigere Skizze und was dann voll ausgereiftes Meisterwerk sei. (Das interessante Märzheft von „Nord und Süd" enthält wiederum eine Fülle hervorragender Beiträge, von denen gleich an erster Sielle der Beginn eines neuen humoristischen Romans von Klirt Aram: „Die Hagestolze" zu nennen ist. Ferner ist das Heft mit zahlreichen Kunst- und Musikbeigaben ausgestattet, wodurch es sich ganz besonders wertvoll präsentiert.)
Zur Sprengung der Bank von Monako veröffentlicht der berühmte Romanschriftsteller Kurt Aram in der Monatsschrift „Nord und Süd" ein geistreiches System. Er überlegt folgendermaßen: „Bei jeder meiner Serien will ich dreißig Franken grwinnen. Nun zerlege ich diese dreißig in folgende drei Zahlen:
5
10
15
und setze das Minimum von fünf Franken auf Rot. Gewinnt Not, so habe ich eo ipso fünf Frauken gewonnen, was mich nicht weiter interessiert, da es für mein System nicht in Betracht kommt. Mein System tritt erst in Aktion, wenn ich verliere. Die fünf Franken gehen also verloren, denn nicht Rot, sondern Schwarz kommt heraus. Das schreibe ich mir folgendermaßen auf:
5 10 15 5
Die letzte Zahl bedeutet die fünf Franken, die ich verloren habe. Nun zähle ich die oberste und die unterste der vier Zahlen zusammen, macht zehn Franken, und setze also jetzt zehn Franken auf Rot, denn ich bleibe bei der einmal gewählten Farbe. Wieder verliere ich. Wieder schreibe ich die Zahlen untereinander, sodaß ich jetzt folgende Reihe erhalte:
5
10 15 5 10
Wieder addiere ich die oberste und die unterste Zahl und setze also fünfzehn auf Rot. Diesmal soll Rot gewinnen. Dann streiche ich die oberste und unterste Zahl, so daß noch bleibt:
10
15 5
Wieder addiere ich die oberste und unterste Zahl und setze also fünfzehn aus Not. Schwarz gewinnt. Meine Reihe lautet jetzt:
10
15 5
15
Ich setze nun -fünfundzwanzig auf Roi. Not gewinnt. Meine Reihe lautet nun also:
15
5
Ich setze also zwanzig Franken auf Rot. Rot verliert.
■ Meine Reihe heißt jetzt:
15
5 20
Ich setze fünfunddreißig aus Not. Not gewinnt. Ich verdopple die bleibenden fünf und setze zehn mi' N t. ? l warz gewinnt. Meine Reihe lautet jetzt:
5
10
Ich setze fünfzehn auf Rot und Rot gew mit diesmal. Dann habe ich bei dieser meiner Serie dreißig Franken gewonnen.
Zählen wir nach. Verloren habe ich:
5
10
15 20
10 Franken.
Macht zusammen 60 Franken. Gewonnen habe ich r
15
35
15 Franken.
Macht zusammen 90 Franken. Hol mich der Teufel, ei stimmt.
Diese Argumentationen finden sich in Kurt Arams neuestem Roman, der „Die Hagestolze" betitelt ist und im Märzheft von „Nord und Süd" soeben zu erscheinen beginnt. Der reizende Roman weist auch an anderen Stellen originelle Ueberlegungen und Sentenzen auf und ist von einem prächtigen Kolorit drastischen Witzes erfüllt. Außerdem enthält das Heft wiederum eine Fülle interessanter Beiträge, von denen wir nur nennen möchten: Josef Kainz von Hermann Bang, Richard Strauß von Arthur Seidl, Religiöse Grundgedanken und moderne Wissenschaft von den Universitäts- Professoren Dr. Max Dessoir, Dr. Bassermann, Dr. Döring, Dr. Rawitz, Dr. Bornhak und Geh. Regierung-rat Dr. Münch u. v. a. Die reichlichen Kunst- und Musikbeigaben machen das Heft ganz besonders wertvoll.
Die englische Südpolarexpeditio«.
London, 24. März. Das Telegramm bei Südpolarforschers Shackleton an die „Daily Mail" berichtet weiter, daß ein Teil seiner Expedition den großen arktischen Vulkan „Erbus" bestieg. Der Krater dieses Vulkans hat einen Durchmesser von einer halben englischen Meile und ist 800 Fuß tief. Er stößt Wasserdämpfe und Gase auS. Di» Höhe des Vulkans beträgt 2000 Fuß. Die Expedition bewegte sich 400 Meilen südwärts über das EiS der See. Sie verließ Cape Royal am 29. Oktober und rückte unter beständiger Todesgefahr über die Decke von weichem Schnee vor, die sich über Abgründe spannte. Di« kleinen mandschurischen Pferde litten an Schneeblindheit. Mehrere mußten erschossen werden. Auf den letzten drei Graden ihre» Vorrückens mußte die Expedition ihre Tagesrationen auf 20 Unzen herabietzen. Sie hatte mit heftigen Schneestürmen zu kämpfen. Die Kälte erreichte 27 Grad Fahrenheit, so daß die Mitglieder der Expedition in ihren Schlafsäcken sehr unter Frost zu leiden hatten. Am 26. Dezember befand man sich unter 88 Grad 23 Min. südlicher Breite auf einer Hochebene von 10 000 Fuß über dem Meere. Auf btt Rückreise litten die Mitglieder der Expedition infolge bei Genusses von Pferdefleisch unter Dysenterie. Am 27. Febr. wurden zwei Teilnehmer in einem Lager zurückgelaffen. Shackleton und ein Begleiter gingen weiter, um den „Nimrod" aufzusuchen, den man mit Hilfe bei Heliographen auffand. Shackleton glaubt, daß der Südpol auf einer 10 000 Fuß über dem Meere befindlichen Hochebene liegt. Die Expedition hat auch eine neue Reihe von Küstenbergen entdeckt, die unter 69 Grad 48 Min. südlicher Breite und 166 Grad östlicher Länge liegen. Unter Skorbut hatte die Expedition überhaupt nicht zu leiden. Ein anderer Teil der Expedition hat die Küste von der Mac Murdo-Straß« bis zum Drygalski-Glrtschrr trigonometrisch fest gestellt
Hus Hanau Stadt und Cand.
Sana«, 25. März.
* Die neue Gewerbeinspektion in Hanau. Am 1. April 1909 wird für den Regierungsbezirk Cassel eine neue Gewerbe-Inspektion mit dem Amtssitz in Hanau errichtet. Gleichzeitig werden die Bezirke der Gewerbeinspektionen des Regierungsbezirks Cassel wie folgt abgegrenzt: 1. Gewerbeinspektion in Cassel, umfassend den Stadt- und den Landkrei» Cassel und dir Kreise Frankenberg, Fritzlar, Wolfhagen, Hofgeismar und Grafschaft Schaumburg.
2. Gewerbeinspektion in Fulda, umfassend die Kreise Schlüchtern, Gersfeld, Fulda, Hünfeld, Hersfeld, Ziegenhain und Herrschaft Schmalkalden. 3. Gewerbeinspektion in Eschwege, umfassend die Kreise Homberg, Melsungen, Witzenhausen, Eschwege und Rotenburg. 4. Gewerbeinspektion in Hanau, umfassend den Stadt- und den Landkreis Hanau und die Kreise Gelnhausen, Marburg und Kirchhain.
* Stadttheater. Auf die heute zum Gedächtnis Ernst von Wildenbruch's stattfindende Aufführung seines Schauspieles „Die Rabensteinerin" sei nochmals besonders hinge- lviesen. Das treffliche Werk, welches als EröffnnngS-Vor- stellnug der vorjährigen Spielzeit zur Darstellung kam, ist eines der wirkungsvollsten Stücke der letzten Jahre. Auch heute wird es seinen Hörern wieder einen genußreichen Abend bieten. Es sei nochmals erwähnt, daß in der Rolle des .„Nunnenmacher" Herr Joh. Burau vom Stadttheater in Bonn gastiert und als „junger Welser" Herr Fritz Horsting vom Stadttheater in Speyer. Beide Gäste bewerben sich für nächste Spielzeit um Engagement. Die Vorstellung findet bei kleinen Preisen statt und beginnt um halb 8 Uhr. — Morgen Freitag geht als 11. Vorstellung der 6. Abonnements-Serie die Operette: „Der tapfer« Soldat" in Szene. — Am Sonntag nachmittag wird „Die goldene Eva", bas reizende Verslustspiel Schön- than und Koppel-Ellfelds, bei kleinen Preisen nochmals gegeben. Am Sonntag abend findet die Uraufführung der Operette: „D e r betrogene Sultan", Text von Wilhelm Hausmann, Musik von Hanus Pick, in Gegenwart beider Autoren statt.
* Gast Piel des Wissenschaftliche« Theater- für Meereskunde. Am Montag wird das Wissenschaft» liche Theater für Meereskunde von der Deutschen Schiffbau- Ausstellung in Berlin ein einmaliges Gastspiel im hiesigen Stadttheater mit dem Vortrage: „W i e Schiffe ent» stehen und vergehen" absolvieren. Die vorzüglichen farbigen Lichtbilder und kinematographischen Darstellungen hab n bei der Ausstellung in Berlin eine kolossale Anziehungskraft ausgeübt, sodaß die Gastspielreise durch Deutschland überall das größte Interesse erweckte.
* Mit Erfolg! Die Aufführung von Knöfel» Saftigem Drama „Der Mann im Mond" «rzieltr auch