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Gam-tag

24. Amt

Heidelberg, 22. Juli. Alt-Heidelberg hatte sich in diesen Tagen geschmückt zur Feier des 60jährigen Stiftung«- festes des KorpS Rhenania und der Einweihung deS von Hof- baurat Drvlllnger-München erbauten neuen KorpshauseS, das sich auf derselben Stelle erhebt, wie das erste vom KorpS im Jahre 1882 begründete neue Heim. Zn geräumigem Garten, mit wunderbarem Blick auf die Schloßruine gelegen, bietet der Dau dem aktiven KorpS nicht nur ein mit künstlerischem Geschmack vornehm und doch einfach ausge- statteteS trauliches Heim, sondern ist auch geeignet, wie der Verlauf bei Festes glänzend bewiesen hat, größeren festlichen Veranstaltungen zu dienen. NeberauS zahlreich hatten sich die alten Rhenanm, zum großen Teil in Begleitung ihrer Damen, aus allen Gauen eingefunden. DaS Festmahl im Hotel Prinz Karl vereinigte 225 Teilnehmer, darunter die stattliche Zahl von 65 Damen. Auf dem Kommers in der Hirschgass« bracht« Oberbürgermeister Spiritus-Bonn daS Hoch auf den Kaiser und den Großherzog von Baden aus; Landgericht-direktor Douquö-Essen gedachte der Stadt und der Universität; auf daS KorpS sprach OberregierungSrat Rudolph-Tassel. Bei dem Festmahl stierte Staatsanwalt Dr. FringS-Düffeldorf die'Damm. Dem zu der Einweihungs­stier, dem Kommer- und dem Festmahl als Gast erschienenen langjährigen Nachbarn der Rhenarren, Prinz Wilhelm zu Sachsen-Weimar, dankte Geheimer Rat und Reiâsrat der Krone Bayern v. Lavale-Ludwigshafen für dir gute Nach­barschaft sowie eine dem Korpshause zum Schmuck ge­reichende Spende. Vom schönsten Wetter begünstigt war der Frühtrunk auf dem Schloßaltan, die festliche Auffahrt, die Reckarfahrt und bit Schloßbeleuchtung. Alte und junge Rhenanen schieden voneinander mit dem Bewußtsein, eine unverg eßliche Erinnerung für das Leben rütznnehmen.

Weitere BerichteA«S Nah rrnv Fer«" im zweite« Blatt.

Marktbericht.

Hanau, 24. Juli. (LebenSmittelpreise.) Geflügel: Tauben, daS Pärchen 0.00 bis 0.80 Mark; ein alter Hahn. Mark; ein junger Hahn 0.90 bi» 1.20 Mark; ein Huhn 1.501.80 Mark; eine Ente 2.00 biS 2.30 Mark; eine Gans 0.00 bis 0.00 Mark; GanS, gerupft, Pfennig, ^» Kilogramm. Fische: gewöhnliche Sorte 40 Pfg., bessere Sorte 50 Pfennig, Aal 80100 Pfg., Hecht 120 Pfg., Bresem 80 Pfennig, Barben 60 Pfennig, Barsch 70 Pfennig, Karpfen 0.00 Mk., V» Kilogramm. Gemüse: Meerrettich die Stange Pfg., Spargel, Pfd. 0000 Pfg., Blumenkohl d. St. 2060 Pf., Kopfsalat b. St. 35 Pf., Endivien, St. 510 Pfg.; Rettich, das St. 56 Pfg.; Ober- Kohlrabi S5 Pfg.; Unter-Kohlrabi das Stück Pfg., Wirsing, das Stück 1020 Pfg; Weißkraut, da» Stück 2034 Pfg., Rotkraut das Stück Pfg., Sellerie, Pfg., Gurken, das Stück 1534 Ps., Gurken zum Ein­machen, b. Hdt. 78 Mk., gelbe Rüben, Bündel 58 Pf., Neue Erbsen, Port. 20 Pf., Neue Bohnen, Port. 25 Braunkohl, Pfd. Pfg., Rosenkohl, daS Pfund bis Pfg., Schwarzwurzeln, 1 Pfd. Pfg., Spinat, 1 Pfd. 00 Pf. ; Lattig, Port. Pfg. ; Schmalzkraut, die Portion Pfg.; Kartoffeln, neue, Kilogramm 910 Pf. Obst: Kirschen, da» Pfd. 1220 Pf^ Stachelbeeren, das Pfund 1520 Pfg., Johannistrauben, daS Pfd. 1820 Pfg., Trauben, Pfund 60 Pf., Erdbeeren, Pfd. 0.000.00 Mk., Himbeeren, das Pfd. Pfg., Heidelbeeren das Liter 1820 Pfg., Aepfel, daS Pfund 30 Pfg., Birnen, daS Pftmd 1550 Pfg., Pflaumen, da» Pfund 30 Pfg., Zwischen, b. Pfund Pfg.; Nüsse, das Hundert Pfennig ; Pfirsiche, Pfd. 4060 Pfennig, Citronen, daS Stück 56 Pfg., Apfelsinen das Stück 8 Pfennig; Paradiesäpfel, das Pfund 40 Pfennig. Verschiedenes: Butter, das Pfd. 1,15-1,40 Mk.; Käse, 1 Stück 4-5 Pfg. Pg.; Eier, das Stück 59 Pfg.; Gänsreier, Stück bi» Pfg., Zwiebeln, 1 Pfd. 1215 Pf.; Welschkorn, 1 Pfd. Pfg., Radieschen, Bündel 5 Pf. ; Kastanien, Pfd. Pfg.; Weizenmehl, 1. Sorte Pfennig; 2. Sorte

Pfg., 3. Sorte Pfennig.

Kunst und Leben.

Der Kampf gegen die Schundliteratur nimmt erfreulichen Fortgang. Nachdem kürzlich, wie erwähnt, der Börsenverein der deutschen Buchhändler" sich einstimmig zu diesem Kampf bekannt hat, ergreifen auch kommunale Ver­waltungen Maßregeln, die sich in gleicher Linie bewegen. In Rixdorf z. B. wurde mit Heranziehung der Polizei, der Richter, der Lehrer und der Inhaber von Buchhandlungen und Schreibwarengeschäften eine Gruppe der Gesellschaft zur Verbreitung guter Jugendschriften begründet. Weiter erließ dir Regierungen Düsseldorf eine Verfügung, die mit Rück­sicht auf die wachsende Verbreitung der Schundliteratur unter der Schuljugend und deren schlimmen Einfluß auf die Er­ziehungsarbeit die Lehrer zur Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild auffordert. Als Mittel dazu wird. u. a. die Belehrung der Jugend und der Eltern, eine planmäßige Aus­stattung der Schulbüchereien und eine zweckmäßige Gestaltung der Leseunterrichts und um der Lesewut der Schüler ent« gegrnzuwirktn die Pflege des Spieles und Sportes empfohlen. Derartige Maßnahmen müßten in allen Städten getroffen werden, in denen sich die Schmutzliteratur breit macht. Diesem WiftgcwächS kann nur durch einmütige zielbewußte Arbeit aller Freunde unseres Volke« und nament­lich unserer Jugend der Nährboden entzogen werden. Ganz besonder» aber sollten die Eltern sich dessen bewußt sein, daß alle Mittel versagen, wenn die häusliche Erziehung nicht ihre Schuldigkeit tut.

Drahtnachrichten

Zmn Ableben Detlevs d. Lilieneron.

Alt-Rahlstedt, 28. Juli. Im Trauerhause Lilienerons treffen fortgesetzt Beileidstelegramme ein. Der Kaiser ließ dnrch seinen Geheimen Kabinettsrat an Freifrau v. Lilien- eron depeschieren:Seine Majestät der Kaiser und König haben die Meldung von dem Hinscheiden Ihres Gatten, des gottbegnadeten Dichters, in schmerzlichster Teilnahme ent« gegengenommen und läßt Ihnen zu dem schweren Verluste Allerhöchst ihr Beileid aussprechen." Auch Fürst Bülow sprach in einem Telegramm aus Norderney sein herzlichstes Beileid au«.

Die deutschen Seeleute in Spanten.

Ferrol, 23. Juli. Der Generalkapitän lud die Offi­ziere der hier vor Anker liegenden deutschen Kriegsschiffe zu einem Frühstück, bei dem Trinksprüche auf Kaiser Wilhelm und König AlfonS, sowie auf Deutschland und Spanien ausgebracht wurden.

Serbisch-bulgarische Reibereien.

Belgrad, 23. Juli. Der serbische Gesandte in Sofia, Simitsch, teilte seiner Regierung mit, daß ihm beim letzten diplomatischen Empfange vom bulgarischen Minister des Aeußern, General Papricow, Vorhaltungen über das Ver­halten der serbischen Konsuln in Macedonien gemacht worden seien. Die Konsuln hätten die Serben zur Ermordung von Bulgaren angestiftet. Die bulgarische Regierung sei nicht geneigt, auch weiterhin dieses Treiben der Konsuln zu dulden. Man könne nur annehmen, daß die Konsuln von ihrer R«- gierung instruiert waren. Der serbische Ministerrat bewilligte daraufhin dem Gesandten Simitsch einen Urlaub auf unbe­stimmte Z«it.

Festtage in Konstantinopel.

Konstantinopel, 23. Juli. Mit Ant ruch der Dunkel­heit wurden alle Stadtteile reich illuminiert, besonder» bie Ufer des Bosporus, der Jildizflügel und bie Sultanspaläste. In den Straßen wogte eine zahlreiche Menschenmenge. Die Ordnung wurde nirgends gestört. An dem von dem jung­türkischen Komitee veranstalteten Diner nahmen der Groß- wester und da« gesamte Ministerium, Schefket-Pascha, die Spitzen der Geistlichkeit, zahlreiche Offiziere, Abgeordnete und Journalisten teil. Das Diner fand in dem ehemaligen DiplomatenkioSk statt. Der Großwesier, bie Präsidenten des Senate» und der Kammer und andere Redner feierten die Einführung der Verfassung und mahnten die Bevölkerung zur Einigkeit. Der Sultan hat eine Amnestie erlassen, wo­nach bisher nicht vollstreckte Todesurteile der Kriegsgerichte aufgehoben werben und keine weiteren Verfolgungen Reaktio­närer eingeleitet werden tollen.

Beschädigt.

Portsmouth, 24. Juli. Das Torpedoboot Nr. 13 wurde heute früh eingeschleppt; es erlitt während der Nacht­manöver im Solent schwere Beschädigungen. Die Mann­schaft ist unverletzt.

Kongreß.

Bern, 24. Juli. Der siebente Kongreß deS inter­nationalen Instituts für Soziologie beendete seine Be­ratungen. Der nächste Kongreß findet voraussichtlich 1911 in Rom statt.

Die türkische Antwort auf die Kretanote.

Konstantinopel, 23. Juli. In der Antwort auf die Kreta-Note, die gestern abend den Botschaftern der Schutz- mächte übergeben wurde, erklärt die Pforte, daß sie die Ver­sicherung der Mächte über die Wahrung der Hoheitsrechte des Sultans sowie der Rechte der Mohammedaner zur Kenntnis nehme, und spricht die Ueberzeugung aus, daß da­mit auch die Bürgerrechte der Mohammedaner gemeint seien. Die Pforte erblickt die einzige Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Fixierung einer Form der Autonomie für die Insel, erklärt aber den heutigen StatuSquo für eine Verletzung der Souveränitätsrechte deS Sultan« und de« Völkerrecht«. Die Einmischung eines dritten Staates in die Verwaltung der Insel könne nicht mehr geduldet werden. Nur wenn die Einmischung aufhöre, könne die Pforte in Verhandlungen über ein autonomes Regiment auf der Insel auf Grund ihrer Souveränitsrechte eintreten.

Neue Unruhen in Persien.

Petersburg, 23. Juli. DieNowoje Wremja" meldet neue drohende Unruhen in Persien. Der Emir Mofakhan raubte 3000 Flinten und einige Kanonen, besetzte die Berge bei Teheran und bedroht jetzt die neue Regierung. Aus Täbris soll Nakhim Khan gegen die neue Regierung aus­rücken. Bei Schachabad fand ein blusiges Scharmützel statt.

Spione auf einem englischen Schlachtschiff!

London, 23. Juli. An Bord des Schlachtschiffes Bellerophon", das während der Flottenparade in Southend ankert, sind zwei Fremde wegen Spionage festgenommen worden. Sie sollen heimlich in den Maschinenraum geschlichen sein und die neuen Parsonsturbinen und Signalapparate photographisch ausgenommen haben. Die Geschichte klingt einigermaßen mysteriös. Die Jingoblättrr dürften morgen konstatieren, daß die Spione in liefen, gutturalen Tönen mit teutonischem Akzent sprachen.

Grotzfeuer,

Zittau, 24. Juli. In der Baumwollspinnerei von Tischauer brach Großfeuer aus, wobei für etwa 10 000 Mk. Vorräte verbrannten.

Fehlbetrag.

Petersburg, 24. Juli. Für den Staatshaushalt nächsten Jahres wird ein Fehlbetrag von mindestens 50 Millionen Rubel erwartet. Zur Deckung desselben wird die Einführung einer Einkommensteuer und einer sechsprozentigen Gewerbe- und Handelssteuer in Aussicht genommen.

Das nette Kabinett.

Paris, 23. Juli. Briand teilte heute abend dem Prä­sidenten Fallières mit, daß er die Bildung des neuen Kabi­netts übernehme, das sich wie folgt zusammensetzen wird: Präsidium, Inneres und Kultus Briand; Aeußere« Pichon; Finanzen Cochery; Unterricht Doumergue; öffentliche Arbeitra, Posten und Telegraphen Millerand: Handel Dupuy; Acker­bau Ruan ; Kolonien Trouillot; Arbeit und soziale Fürsorge Viviani. Das Portefeuille des Krieges soll General Brun, das der Marine Admiral Bou^ de Lapeyrère angeboten worden sein. Unterstaatssekretär der Finanzen wird Renault, des Krieges Cheron, der Marine Sarraut und der schönen Künste Dujardin-Baumez. Das neue Ministerium wird morgen seine erste Sitzung abhalten und sich am Montag oder Dienstag der Kammer vorstellen.

Eine Zolltarisrede des Premierministers ASguith

London, 23. Juli. In einer Versammlung von Kauf­leuten der City hielt heute Premierminister ASguith ein« Rede über das Budget, in der er u. a. sagte: Er wisse nicht, waS bie Freunde des Schutzzolles über ihre jetzigen Aus­sichten denken, er weise aber darauf hin, daß zwei groß« Länder, Englands größte Rivalen auf dem Gebiet« deS HandelS, gegenwärtig einen Zolltarif auf Fabrikat« erprobten. Ein zollentwickelter, auf wissenschaftlicher Grundlage be­arbeiteter Tarif sei zwei Jahre lang in Deutschland in Wirk­samkeit gewesen, und Der^schlands Defizit sei viel größer, als baß englische und habe den Sturz einer der ge­waltigsten Staatsmänner Europa» ver­ursacht. Die Deutschen sähen nach einem Mittel auß, um bie heutigen, trotz wissenschaftlichen Tarifs bestehenden Lücken auk- zufüllen. Asguith sprach sodann über die Revision beS amerikanischen Zolltarif«, den amerikanische Männer selbst al» einen Triumpf der Sonderinteressen über die Interessen der Allgemeinheit ansähen, und sagte, er wolle nicht gering­schätzig, noch selbstgefällig über die Schwierigkeiten der Nach­barländer sprechen, aber da der Generaltaril als^Heilmittel für die fiskalischen Schwierigkeiten Englands empfohlen worden sei, so glaube er berechtigt zu sein, auf die Erfahrungen hin­zuweisen, die Englands Nachbam mit ihren Zolltarifen ge­macht hätten. Dafür, daß England im Begriffe sei. sich zur Annahme deS Zolltarif» zu bekennen, sehe er keine Anzeichen.

Die BorgSnge in Marokko.

Melilla, 23. Juli. Nach dem Bericht beS Generalstab» richtete sich der Kampf gegen die Stellung deS Generals Isa vornehmlich gegen Sidi Moussa. Die auß 6 Komvanien und einer Abteilung Artillerie bestehend« Kolonn« warf den Feind zurück und verfolgte ihn zwei Kilometer. Die spanischen Truppen besetzten die Linie der vorgeschobenen Posten. Ein Oberst, ein Hauptmann und zwei Leutnant» sind gefallen, 13 wurden verwundet. DaS Gewehrfeuer dauerte bis nach­mittag« an. Nach einer späteren amtlichen Meldung gaben die spanischen Truppen die vorgeschobenen Stellungen, die sie im Laufe beß gestrigen und heutigen Kampfe« besetzt hatten, wieder auf, weil es unmöglich war, sie wirksam zu befestigen.

Aus Portugals PairSkammer.

Lissabon, 23. Juli. In her PairSkammer wurde von selten der Regierung erklärt, daß sie eine Politik verfolgen werde, die auf die Beruhigung des Landes hinziele. Da» Kabinett werde von liberalem Geiste erfüllt sein. Der Minister deS Auswärtigen werde es sich angelegen sein lassen, den Handelsvertrag mit Deutschland und baß Uebereinkommen bezüglich des Sanatoriums auf Madeira zur Annahme zu bringen.

Die Ausführungsbestimntunge» zu de« neuen Steuergesetze».

Berlin, 23. Juli. Der Bundesrat beschäftigt sich, wie gemeldet, gegenwärtig mit den Ausführungsbestimmungen zu den neuen Steuergesetzen. Aller Voraussicht nach werden diese noch in der ersten Hälft« der nächsten Woche im Zentralblatt für das Deutsche Reich" zur Veröffentlichung gelangen.

Zum Bau der englischenDreadnoughts.

London, 23. Juli. Nach einem Telegramm aus New- Castle werden die Aufträge für die vier Eoentual-Dread- noughts verbesserten Typs in allernächster Zeit vergeben werden.

Nach Fechenheim. Ja.

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