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Generaloberst V. d. Goltz. Der Wiedereintritt des Generalobersten Frhr. v. d. Goltz in das türkische Heer ist von der Presse des Landes wie von den Offizierskreisen mit großer Freude willkommen geheißen worden, wobei nament- lich mit Genugtuung darauf Hingeiviesen wurde, daß Frhr. v. d. Goltz keine politische Mission in deutschen Diensten zu erfüllen gekommen sei, sondern sich streng getreu seinem soldatischen Charakter stets von aller Politik fern gehalten habe. Eine für die Auffassung in den Kreisen des Heeres charakteristische Begrüßung hat ihm sein früherer Schüler und Gehilfe Pertew Pascha gewidmet, die wir dem Osmanischen Lloyd entnehmen:Jeder osmanische Offizier strahlt vor Freude, wenn ihm diese Worte ins Ohr klingen:Goltz Pascha kommt/ Das erklärt sich eben durch dieMacht der Persönlichkeit," die gerade in unserm Berufe über allem. steht. Wir lieben und verehren diesen edeln, ritterlichen Menschen, nicht weil er ein Deutscher ist, sondern weil er vor allem ein Mann ist von großem Herzen und vornehmstem Charakter. Das ganze osmanische Heer begrüßt ihn heute aufs freudigste und ist beglückt, diesen hervorragend tüchtigen Kritgsmcister wieder in seiner Mitte sehen zu dürfen. Und wir, seine dankbaren Schüler, welche von ihm ehemals so viel gelernt haben, werben auch diesmal vieles im mili- tärischm Gebiete von ihm lernen, ganz fern von Politik und Parteihaber. Große Männer gehören nicht nur dem eigenen Lande an; sie sind die Zierde der ganzen Menschheit. Bojadjikjöi. Pertew Pascha, Generalleutnant und Ober­befehlshaber der VI. osmanischen Armee.

Unstimmigkeiten zwischen Argentinien und Bolivien. Argentinien hat dem bolivianischen Gesandten seine Pässe zugestellt und auch den eigenen Gesandten in La Paz angewiesen, sofort nach Argentinien zurückzukehren. Es ist in Argentinien übel vermerkt worden, daß der bolivi­anische Präsident in einem Rundschreiben an die Präfekten sich unfreundlich über Argentinien geäußert habe und baß Bolivia sich weigere, den Schiedsspruch des argentinischen Präsidenten in dem Grenzstreit zwischen Bolivia und Peru anzuerkennen.

Hus aller Mett.

Drohende Futternot. Infolge der andauernden Niederschläge erläßt der bayerische Minister v. Brettreich an die Landwirte eine Bekanntmachung, in der es u. a. heißt: Durch die Gefährdung der Futterernte infolge der fort­dauernd ungünstigen Witterung ist der Eintritt an Futter­mangel für einen großen Teil des Landes zu befürchten. Die Verwaltungsbehörden, die landwirtschaftlichen Wander­lehrer und die Tierzuchtinspektoren werden angewiesen, diesen Verhältnissen im Einvernehmen mit den Vertretungskörpern des Landwirtschaftlichen Vereins ihr Augenmerk zuzuwenden. Insbesondere sind die Landwirte aus den. rechtzeitigen An­bau von Futtermitteln auf abgeernieten Feldern und even­tuell auch aus den rechtzeitigen Bezug von Ersatz und Kraft- futtermitteln hinzuweisen. Vor einer überstürzten Verminde­rung der Viehbestände ist nachdrücklich zu warnen.

Ein Raubversuch in der Eisenbahn wurde am Dienstag in dem D-Zug, welcher 12 Uhr 80 Min von München nach Leipzig fährt, verübt. Zwischen Regensburg und Hof betrat ein junger Mensch das Frauenabteil 3. Kl. Und bettelte unter dem Vorgeben, stellungslos zu sein. Ab- gewiesen, zog er einen Revolver und bedrohte damit die Mitreisenden. Diese zogen indes die Notleine, worauf der Zug hielt. Der Mensch wurde mit Mühe überwältigt und in einem Packwagen untergebracht. Ein Fluchtversuch, den der Raubgeselle unterwegs unternahm, mißglückte. In Hof wurde der Mensch von der Polizei in Empfang genommen.

In der Untersuchungshaft freiwillig verhungert. Der 26 Jahre alte Melker Robert Pfamatter war wegen eines Raubmordes vom waadländischen Bezirksgericht Parrou zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden und hatte beim Kantonsgericht Berufung eingelegt. In der Straf- Finger hat die gigantische Größe deS Unglücks jener grau­sigen Nacht an die Herzen der ganzen Menschheit gepocht, daß sie sich öffneten bis auf den tiefsten Goldgrund des Empfindens und Ströme des Erbarmens freilegten. Und jeder trägt sein Scherflein bei zu Linderung des Elends Fürst wie Bauer, Priester wie Sträfling ave, alle . . .

Etwas abseits von der Villa Miranda, mitten im Park, ganz versteckt hinter Lorbeer- und Myrthengesträuch, um­rankt von schwellenden Hecken roter und weißer Rosen, liegt das kleine einstöckige Gartenhäuschen.

An einem der weit offenstehenden Fenster sitzt ein bleiches Mädchen.

Sie hat die schmalen Hände im Schoß gefaltet und blickt hinaus auf das sonnenbeglänzte Meer still, teilnahmslos, fast ohne sich zu rühren.

Vor ihr steht Dr. Röder, eifrig in sie hineinsprechend.

Seien Sie doch vernünftig, liebes Kindl Schütteln Sie diese Melancholie von sich! Sie sollten dankbar sein, daß Sie zu den Wenigen gehören, die mit heiler Haut dem grausigen Schicksal in Messina entrannen 1"

Das Mädchen schüttelt den Kopf.

Wer so etwas durchlebt hat, wie ich -l" murmelt sie ronloS.Die Mutier erschlagen, die kleinen Schwestern vor meinen Augen vor Hunger gestorben, der Vater binnen wenigen Tagen zum Greise geworden und dem Wahnsinn nahe--wie konnte ich nur soviel Leid ertragen?"

Der Mensch ist nur bis zu einer bestimmten Grenze empfindungsfähig, Signorina Clelia," erwidert der Arzt ernst. Dann virsagsn die Nerven, und vollständige Gleichgültigkeit tritt ein."

Das Mädchen schweigt und Dr. Röder tritt ins Neben­kabinett an das Bett des kranken Vaters.

AlS er nach einiger Zeit zurückkshrt, ist sein Gesicht heiterer.

Besser?" fragt Clelia angstvoll.

Ja. Ich hoffe, ihn durchzubringen."

Ein inniger Dankesblick aus Clesiaè traurigen Augen lohnt ihn für alle seine Mühe.

Ach, Doktor! Wenn wir Sie nicht gehabt hätten in dieser Leidenszeit"

Sin gutmütiges Lachen huscht über sein breites Gesicht. (Forts, folgt.)

anstalt Sitten, wo er als Untersuchungsgefangener unterge­bracht war, hat er längere Zeit die Nahrungsaufnahme verweigert, erkrankte und starb schließlich.

Der Ganter-Prozetz. Jede neue Stunde der Verhand­lung gegen Peter Ganter Bringt neue Beweise, daß die ganze Existenz dieses Mannes schwindelhaft war. Er ver­suchte die schwierigsten Finanzoperationen, ohne einen Pfennig in der Tasche zu haben. Er machte einmal den Versuch, ein ostpreußisches Rittergut für eine halbe Million zu kaufen, trotzdem er nicht wußte, wie er-es bezahlen konnte. Mit Stolz erzählte er dem Gerichtshof, daß er mittelbar an der finanziellen Sanierung des Prinzen Radziwill beteiligt war. Ganter bewegt sich in großartigem Ton vor Gericht. Auf die Vorhaltung des Vorsitzenden, daß der AufdruckZweite Auflage" auf den Büchern doch nicht ehrenhaften buch- handlerischen Gepflogenheiten entspreche, antwortete er stolz: Die ganze Art und Weise meiner Idee stellte etwas Außer­gewöhnliches dar, daher mußte ich auch hierin vom bisherigen Gebrauch abweichen.

Vereiteltes Verbrechen. In den letzten Tagen hatten sich einige schlecht beleumundete Burschen in Cannstatt ver­abredet, einen Kassenbeamten, der sich allein auf seinem Bureau befindet, niederzuschlagen, zu knebeln und die Kasse zu berauben. Das Verbrechen sollte am Freitag ausgeführt werden; die Fahndungkpolizei hatte jedoch noch rechtzeitig von denr Plane Kenntnis erhalten und sich an geeigneten Plätzen aufgestellt, um die Burschen in Empfang zu nehmen. Tatsächlich "kamen diese, der Haupträdelsführer mit einem großen Hammer ausgerüstet, auch. Sie wurden von der Polizei festgenommen und unschädlich gemacht. Der Rädels­führer ist ein verwegener Bursche, der schon längere Zeit nichts arbeitet und sich von gestohlenen Feldfrüchten durch­gebracht hat.

Zu der Meldung über die Entdeckung des Blatternbazillus. Aus Rio de Janeiro lag die Meldung vor, daß es drei Aerzten in dem dortigen Gesundheitsamt gelungen sei, den Blatternbazillus zu entdecken. Hierzu ist demHann. Cour." von einer Autorität in Berlin folgende Erklärung abgegeben:Die Meldung, daß der Erreger der Blatternseuche in Gestalt eines Bazillus gefunden worden sei, hat in Aerztekreisen lebhaftes Interesse wachgerufen, da sich seit Jahren die namhaftesten Bakteriologen bemüht haben, den Erreger der Blattern zu finden. Jedoch waren bisher alle Versuche, diesen Krankheitserreger in den Reihen der Bakterien und Bazillen zu suchen, vergebens. Wir sind daher der Ansicht, daß der Erreger der Blattern keinBazilluS ist, und nehmen infolgedessen die Nachricht, daß es den drei

brasilianischen Aerzten oelungen sei, einen Bazillus als Blatternerreger nachzuweisen, nur mit der größten Reserve auf."

Freche Bahndiebstähle konnten

in der letzten Zeit in den Güterzügen auf der elsässischen Bahnstrecke Basel-Mlll-

Hausen-Straßburg konstatiert werden. Man wollte vor einiger Zeit auch beobachtet haben, wie aus einem der hintersten Wagen eines Güterzuges während der Fahrt Güterballen, Säcke und Kisten heraukgeworfen und auf freier Strecke von Leuten sogleich in Empfang genommen und fortgeschleppt wurden. Sofort wurden die Polizeiorgane avisiert, aber ihre Bemühungen waren fruchtlos, und eine Spur von den Dieben wurde nirgends entdeckt. Ein Verdächtiger, der kürz­lich in Mülhausen aus einem Güterwagen floh, konnte nicht dingfest gemacht werden.

Verbotener Bestich von Kinematographen- Theatern. Einer Meldung aus Dessau zufolge hat jetzt die anhaltische Regierung durch Landespolizeiverordnung allen Personen unter 16 Jahren ohne Begleitung ihrer Eltern den Besuch der Kinematographen-Theater verboten.

Mutige Sreltnttgötal. Aus dem pommerschen Ostsee­bad Jershöst wird derBerl. Abendztg." geschrieben: Der während der Ferien in JerShöft tveilende Lehrer Kurth aus Pankow rettete unter eigener Lebensgefahr eine Frau Vehlow aus Berlin. Frau V. war etwas zu weit in die SeehinauS- gefchwommen und wurde von der Strömung ersaßt und fortgetrieben. Herr K. hatte das beobachtet und schwamm rasch zur Hilse herbei. Auf seine Rufe kam eine junge Berlinerin, Frl. v. Gizycki, herangeschwommen: mit vereinten Kräften gelang es nun, die gefährdete Frau, die bereits be­wußtlos geworden war, an den Strand zu bringen und zum Leben zurückzurusen.

Ein herzloses Ehepaar von teuflischer Sinnesart, nämlich die Taglöhnerseheleute Franz Joseph und Anna Oswald von Sonthofen, wurde vor dem Schwurgericht Augsburg abgeurteilt. Als die beiden Leute anfangs 1908 nach Schüttentobel bei Jrnmenstadt kamen, nahmen sie ein Mädchen, das bisher auswärts in Kost und Pflege war, zu sich. Es muß besonders der Frau im Wege gewesen sein, es wurde schlecht behandelt und ist am 11. November v, I. gestorben. An der Leiche sind zahllose Wunden, Beulen und Flecken gesunden worden: der Rücken zeigte auch nicht die kleinste gesunde Stelle. In den letzten sechs Monaten hat es oft tagelang nicht ein Stück Brot bekommen und war in einer dumpfen Kammer eingesperrt. Es hatte saunt Kleider aitJ..£cm ^ib und mußte nachts ans einem mit Hobelspänen gefüllten Rupfensack schlafen. Das Schlimmste waren die Prügel. Die Frau schlug es nicht nur mit den Fäuste», fonbern mit Teppichklopfern, Holzscheiten, Feuerhaken und mit Vorliebe mit einem mehrfach geknoteten Lederriemen so lange, bis sie müde war oder das Kind winselnd am Boden lag und sich Zicht mehr erheben konnte. Der Lederriemen de* Nahe des Kindes, welches fortwährend da- mit bedroht wurde und daher nie aus der Furcht und dem Schrecken heran, kam. ?luch diese fortwährende Nervenan­spannung mag zu dem S-echtum und dem Tode des Kindes beigetragen haben. ^ie Nachbarn hatten dem Büraermeister dem Ortspfarrer und sogar der Gendarmerie von den Grau- fragten bei Slutter bettet. bet Sätet leinen $toaU tot Kenntnis gegeben, allein niemand hat eine Hand aecükrt' das arme Geschöpf seinen Peinigern zu entziehen Die Fest­stellung dieser Tatsache in der Verhandlung ries bei den Richtern und allen übrigen Anwesenden lebhafte Entrüstung hervor. Der Frau billigten die Geschworenen milbernbe Um­stände nicht zu, sie erhielt 6 Jahre Zuchthaus ; der Manii kam mit 5 Monaten Gefängnis davon.

10 Jahre Zuchthaus für eine Kurpfuscherin. Die Arbeiterswitwe Therese Poppe ans Nieder-Kunzendorf zog unter Ausbeutung der Dummheit und des Aberglaubens der ländlichen Bevölkerung unter der Angabe, sie sei einege­lehrte Doktorin", von Ort zu Ort und erklärte, sie habe oèni Kaiser das Privileg zur Ausübung der Arzneipflege. Unter Vorzeigung eines Christusbiides erzählte sie, daß sie dieses Bild von einem Bischof geschenkt erhalten habe, den sie von schwerer Krankheit geheilt habe, nachdem er bereits von allen

Aerzten aufgegeben war. Für jede Krankheitsart besaß bis Pfuscherin einen aus Wiesenkräutern selbst bereiteten Tee, den sie bis zu 20 Mark das Päckchen an die Landbewohner verkaufte. Die Strafkammer Glatz verurteilte sie zu 10 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust, 1500 Mk. Geld­strafe ev. weiteren 100 Tagen Zuchthaus und 2 Wochen Haft. Gegen ihren siebzehnjährigen Sohn, der der Beihilf« angeklagt war, wurde auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und 2 Wochen Haft erkannt.

Stiftungen. Nach einem Telegramm derKölnischen Zeitung" aus Koblenz hat der verstorbene Geh. Kommerzien­rat Spaeter den Armen 10000 Mark vermacht. Frau Spaeter stiftete 50000 Mark; davon werden die Zinsen von 30 000 Mark für Blinde und Augenkranke und die Zinsen von 20 000 Mark für andere Wohltätigkeitszwecke ver­wendet.

Lustmord. In dem Dorfe Cornelymünster wurde gestern morgen auf freiem Felde der neunjährige Wilhelm Stoller, der seinem Vater das Frühstück aufs Feld gebracht hatte, mit durchschnittener Kehle ermordet aufgefunden. An­scheinend liegt Lustmord vor.

Absturz. Bei dem Abstieg von Guglia an Bocca di Brenta verunglückte gestern ein Münchener Tourist durch Reißen des alten Seiles. Die Leiche wurde am Fuß einer 50 Meter hohen Wand alsbald aufgesunden und nach Pin- zolo verbracht.

An den Folgen einer Blutvergiftung starb der Zimmermann Völker aus Desingerode bei Duderstadt. Er hatte in einen verrosteten Nagel gefaßt. Die Wunde wurde anfänglich nicht beachtet und ärztliche Hilse zu spät herbei­geholt.

Ein Automobil in eine Infanteriekompanie ge­fahren. Ein dem Restaurateur Goos in Hamburg ge­höriges Automobil fuhr, von Travemünde kommend, gestern morgen kurz nach Mitternacht auf der Jsraelschaussee bei Lübeck von hinten in die von einer Nachtfelddienstübung zurückkehrende 1. Kompanie des RegimentsLübeck" (3. hanseatisches Nr. 162) hinein und riß eine große Anzahl Soldaten zu Boden, worauf der Kraftwagen gegen einen Baum rannte. Von den Soldaten hat einer einen Bruch des linken BeineS, ein zweiter eine erheblicher« Verletzung am Kopfe erlitten, mehrere andere sind leichter verletzt. Der dem Stoß des Wagens gegen den Baum wurde der Chauffeur Storck herausgeschleudert, doch kam er mit einigen Ver­letzungen davon. Storck behauptet, außer Schuld zu sein. Die Untersuchung ist eingeleitet.

Wieder ein tödlicher Unfall auf dem Schützen­fest ! Auf dem Schützenfeste in Bohmte wurde der 13jährig« Sohn des Hoteliers Richter durch einen Fehlschuß getötet-

Hus Rab und fern.

§§ Caffel, 21. Juli. Drei Fälle von fahrlässiger Brandstiftung als Folge der ausgedehnten Waldbrände in diesem Frühjahr beschäftigten gestern die hiesige Strafkammer. Der Kaufmann W. von hier hatte mit einigen Freunden einen Ausflug nach Wolfhagen gemacht und in der Nähe von Fürstenwald aus Spaß ein Büschel dürren Grases an­gesteckt. Der starke Wind fachte das Feuer an und im Nu brannte eine Fläche von mehreren hundert Meter Wiesen- gelände. Ehe die jungen Leute an Löschen denken konnten, hatten die Flammen den Wald erreicht und hier dreißig­jährigen Fichtenbestand in Flammen gesetzt; mehrere Hektar dieses Waldbestandes wurden total vernichtet, so daß ein Schaden von 8567 Mark 40 Pfg. dem Forstfiskus ent­stand. W. war in vollem Umfange geständig; das Gericht verurteilte ihn zu 200 Mark Geldbuße. Der Landwirt Bl. aus Quentern im Kreise Witzenhausen hatte ein Bündel alter Ginstern angesteckt, um die Frühjahr-arbeiten auf seiner Wiese besser vornehmen zu können. Auch hier griff das Feuer weiter und vernichtete 0,4 Hektar Waldbestand, wo­durch ein Schaden von 154 Mark dem Forstfiskus ent­stand; weiter brannten mehrere Hektar Wiesen aus. Den Schaden hat Bl. voll und ganz ersetzt; er hat zu diesem Zweck eine Wiese und eine Kuh nebst Kalb verkaufen müssen. Die Strafkammer verurteilte t^n zu 20 Mk. Geld­buße. Der Schafmeister Sch. aus Corbach hatte einen brennenden Zigarrenstummel fortgeworfcn. Bei dem leb* haften Winde setzte dieser glimmende Stummel trockenes Gras in Brand, das Feuer pflanzte sich fort und ergriff einen auf der Wiese stehenden Strohdiemen, der total nieder» brannte. i Da man zunächst vorsätzliche Brandstiftung an­nahm, wurde Sch. in Untersuchungshaft genommen und erst nach 14 Tagen auf freien Fuß gesetzt. Die Strafkammer verurteilte ihn zu 30 Mark Geldstrafe, die indes auf die Untersuchungshaft verrechnet wurden.

P. Wiesbaden, 21, Juli. Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammer- tages trat am 9. ds. Mts. in Wiesbaden zu einer Sitzung zusammen, nachdem an den beiden vorangegmlgenen Tagen seine ständigen Kommissionen für das Geiverberecht, für soziale Fürsorge, für Handel und Verkehr und für das Unterrichtswesen getagt hatten. Den hauptsächlichsten Gegen­stand der Beratungen bildete die Feststellung der Tages­ordnung für die 10. Vollversammlung deS Deutschen Hand­werks- und Gewerbekammertages in den Tagen vom 0. bis 11. August ds. Js. Es werden auf der Königsberger Tagung folgende Punkte zur Verhandlung kommen: 1, Die Reichsversicherungsordnung. 2. Die Meisterlehre im Hand­werk. 3. Die Abgrenzung des Handwerks. 4. Die Frau im Handwerk. 5. Die Konkurrenz staatlicher und städtischer Betriebe. Eine weitere Anzahl von Anregungen, die eben­falls auf der Königsberger Tagling verhandelt werden sollten, mußten mit Rücksicht auf den Umfang der auf die Tagesordnung gesetzten Punkt« für die 'weitere Behandlung im Ausschuß zurückgestellt werden. Hierher gehören ins­besondere die Fragen des Genossenschaftswesens und der Lehrlingsstellenvermittlung im Handwerk. Die übrigen auf der Ausschußsitzung zur Verhandlung gestellten Punkte be­trafen teile interne Angelegenheiten deS Ausschusses bezw. des Kammertages, zumteil wurden sie zu einem vollständigen Abschluß noch nicht gebracht. Hinsichtlich der Stellung­nahme des geschäftsführenden Ausschusses zumHansabund'