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AÄrft Dülow «ns der Kaiser. Der „Berliner Lokalanz." schreibt: „Nach den aus Wiesbaden vorliegenden Z^rchrichten hat der Reichskanzler wiederholt Gelegenheit gehabt, dem Kaiser über die Fragen der inneren und äußeren Politik Dortrag zu halten. Diese Vorträge haben bestätigt, daß Fürst Bülow für die von ihm für notwendig erachteten politischen Richtlinien nach wie vor die volle Zustimmung der Krone besitzt."
Der Zav hat an seinem Geburtstage Stöffel und Nebogatom begnadigt. Beide haben die Peter-Pauls-Festung «erlassen.
A«ssta«dsb-wegimg.
Paris, 20. Mai. Der heute in Paris zusantmen' getretene Kongreß der eingeschriebenen Seeleute nahm eine Tagesordnung an, in der die eingeschriebenen Seeleute der großen und kleinen Häfen aufgefordert werden, die Arbeit aus Solidarität mit den Postbeamten und den eingeschriebenen Seeleuten von St. Nazaire und Duenkirchen, die sich gegenwärtig im Ausstande befinden, unverzüglich einzustellen.
Paris, 20. Mai. Zn einer gestern abend abgehaltenen Versammlung beschlossen 300 Dekorateure, mit den Postbeamten in den Solidaritätsstreik zu treten, die Hutmacher faßten einen ähnlichen Beschluß. — Der Allgemeine Arbeiter- verband sichtete an die Provinzialorganisation ein Manifest, in dem erklärt wird, zahlreiche Pariser Arbeiter seien in den Ausstand getreten, und weitere würden folgen. Alle provinzialen Verbände würden deshalb aufgefordert, in ganz Frankreich einen Generalstreik zu Gunsten der Postbeamten zu organisieren.
Paris, 20. Mai. Heute nachmittag kam es nach einer in der Saint Paul Turnhalle abgehaltenen stürmischen Versammlung, in welcher mehrere Tausend Bauarbeiter über die Frage des Gesamtausstandes beraten hatten, in der Rue Saint Antoine zu einem Zusammenstoß zwischen Arbeitern und Schutzleuten. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Leichtverwundete. Schließlich trieben berittene Kürassiere und berittene republikanische Garden die Ruhestörer auseinander.
Paris, 20. Mai. Das unter den Gasarbeitern veranstaltete Referendum ergab eine überwiegende Mehrheit gegen den Ausstand; trotzdem wird in der Gewerkschaft der Elektriker die Agitation für den Gesamtausstand eifrig fortgesetzt.
Mies, 20. Mai. Die gesamte Belegschaft des West- böhmischen Vergbau-Aktienvereins im Bezirke Mirs ist in den Ausstand getreten. Die Belegschaft umfaßt 11 374 Mann. Die Einigungsverhandlungen sind gescheitert, da die Forderung eines Minimallohnes abgelebt wurde. Die Ruhe wurde nigends gestört.
Aus Hanau Stadt und Eand*
Harrait, 21. Mai.
B-amten-Personalnachrichten.
Ernannt: der Pfarrer extr. Baumgard zu Fritzlar zum Pfarrer in Hombressen, Klaffe Gottsbüren, der Pfarrer extr. Plannet zum Inspektor des Predigerseminars in Hofgeismar und zum Hilfspfarrer der Parockie Gesundbrunnen, die Rechtskandidaten Appelkamp, Nolte und S ch u st e r zu Referendaren.
B e st e I l t: der Pfarrer extr. Hartwig zum Gehilfen des Pfarrers Herwig in Morshausen.
Beauftragt: der Pfarrer extr. Möller mit der Versehung der Hilfâpfarrei AsmuShausen, der Pfarrer extr. Bötte alS Gehilfe deS Superintendenten Schüler in Oberkaufungen, der Pfarrer extr. Weiß als Gehilfe deS Pfarrers Hildebrandt in Oberellenbach.
Verliehen: dem Arzt, Sanitätsrat Dr. H a r t in a n n in Hanau der Charakter als Geheimer Sanitâlsral.
* Himmelfahrtsfest. Sonnenschein und Frühlings- Herrlichkeit bereitete uns das gestrige Himmelfahrtsfest, daS
Vorträge der Frankfurter Gängerschar unter Leitung des Professor Fleisch, der auch im hohen Rate der Preisrichter für den Wettstreit sitzt. Lebhaft applaudiert wurden vor allem die Volkslisdervorträge und das unter Orchester- und Orgelbegleitung vorgetragcne „Niederländische Dankgebet". Zum Schluffe brachte Oberbürgermeister Dr. AdickeS, der Vorsitzende deS Festausschusses, ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Prorektor des Festes, den deutschen Kaiser, aus.
Heute begann dann um 12 Uhr mittags, der erste Preisgesang. Schon frühzeitig war die weite Sängerhalle in allen ihren Teilen dicht besetzt. In den Logen sah man die ge= samte Aristokratie SttdwestdeutschlandS und das Frankfurter Patriziat, an seiner Spitze die Freifrau d'Orville, die sich an der Stiftung von Ehrenpreisen für den Wettstreit beteiligt hat. Im Publikum sah man unsere bekanntesten Gesang- neretnSbirtgenten und viele von Vereinen, die sich diesmal am Wettstreit nicht beteiligten, z. B. Wohlgemut-Leip^ig. Das Kaiserpaar wurde bei seinem Erscheinen in der prächtigen Mittellvge lebhaft begrüßt. Vom Sängerpodium her ließen die in altdeutschen Kostümen ausgestellten Herolde Fanfaren ertönen und das Publikum erhob sich von den Sitzen. Gleich darauf erschien der erste Gesangverein, der Oberbarmer Sängervercin. Zur Rechten des Kaisers hatte sich inzwischen das gesamte Gesolge, zur Linken das Preis- richterkollegium, an seiner Spitze der Dresdener Generalmusikdirektor v. Schuch aufgestellt. Der von Wiesbaden herübergekommene Generalintendant v. Hülsen gab hierauf das Zeichen zum Beginn der Gesänge, und die Barmer brachten nunmehr alè erster Verein ben Preischor zu Gehör, zu dessen Einstudierung den Sängern bekanntlich 6 Wochen Zeit gelassen worden war. Zum PreiSchor ist bekanntlich Geibels „Rheinsage" gewählt worden ; als Komponist wurde der Dirigent des Kölner Mannergesangvereins v. Othegraven genannt.
..Asi« zogen die ersten Klänge durch ben weiten Raum. All- nmyuct) schwoll der Lhorgesang an. Die schwierigen Tenor- gelangen den Barmenr besonders gut." Nach der ^^.n?1!0?^ Mnc d^ Sänger um einen halben, am Schlüsse des ganzen Chores um einen ganzen Ton gestiegen.
Anreiz bot, binauszuwandern in Gottes wunderbare Natur, in Wälder und Felder, aus die Berge und in die Täler. Daß auch die Konzerte in WilbelmSbad und am Forsthaule gut besucht waren, darf wohl als selbstverständlich angenommen werden.
* Club Eoncordia Hanau. Wir verweisen hiermit nochmals auf den am kommenden Sonniag staitfindenden Familien-Ausflug nach Groß-Auheim (Gasthaus zum Anker). Für Unterhaltung und Tanz ist bestens Sorge getragen. (Näheres siehe heutiges Inserat.)
* Gesangverein „Tonblüthe". Am 19. d. Mts. waren 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Schlossermcister Ignaz Peleler dem Gesangverein „Tonblüthe" als Mitglied angehört. Aus diesem Anlaß beehrten ihn seine Sanges- freunde am Vorabend durch ein Ständchen. Der Vorstand überbrachte dem allseits geehrten Jubilar am Jubiläumstage namens des Vereins die herzlichsten Glückwünsche nebst einem sinnigen Geschenk. Durch ein selten reges Vcreinsinirreffe, treue Pflichterfüllung, sowie durch seinen biederen Charakter und sein stets freundliches Wesen hat es der Jubilar während der »ersoffenen 25 Jahre verstanden, sich die Liebe und Achtung aller Mitglieder zu erwerben. Möge eS dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange Zeit an der weiteren Förderung des Gesanges und gedeihlichen Entwickelung des Vereins „Tonblüthe" regen und tätigen Anteil zu nehmen. Noch weitere, in aller Kürze im Gesangverein „Tonblüthe" bevorstehende 25 jährige Vereins-Jubiläen, werden die Mitglieder demnächst zu einer gemeinsamen Feier im Vereinslokal versammeln.
* Die katholisch- Arbeiterschaft von Hanau und Groß-Auheim, insbesondere die beiden Arbeitervereine werden noch einmal zu dem am Sonntag den 23. d. Mts in Fechenheim stattfindenden Bezirkstag eingeladen. Die Delegierten- veriammlung ist mittags von 1—3 Uhr im Gasthaus „zum weißen Löwen". Jeder Verein sendet zu dieser für jedes angefangene Viertelhundert einen Delegierten. Unser kathol. Arbeitersekretär wird referieren 1. über den Stand und die Arbeit in den einzelnen Vereinen; 2. was muß unser Verband tun, um die jugendlichen Arbeiter sür unsere Vereine zu gewinnen und um die christliche Geiverkschafisbrwcgung mehr zu fördern. Bei dieser Gelegenheit wird der Verbandsbeitrag für 1909 abgeliefert. Jeder Verein zahlt nach den Statuten pro Mitglied 5 Pfg. Darauf folgt Festgoüesdienst mit Predigt des Herrn Dr. Meffert um 3 Uhr. Thema: „Christentum und Arbeit". Dann ist große kathol. Arbeiter- versammlung um 4 Uhr. Ms Redtier treten auf: 1 Herr Dr. Meffert-M.-Gladbach: „Darwinismus und Arbeiterfrage". 2. Herr Redakteur Geis-Aschaffenburg: „Die nächsten sozialpolitischen Forderungen des Arbeiterstandes". Es ist Ehrenpflicht eines jeden unserem Verbände angeschloffenen Vereins, bis auf den letzten Mann zu dieser wichtigen Tagung zu erscheinen. Die katholische Arbeiterschaft von Frankfurt und dem Offenbacher Bezirk ist ebenfalls herzlichst willkommen und eingeladen.
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X Langendiebach, 20. Mai. (Stenographenverein.) Der erst im vergangenen Jahre hier neu gegründete Gabelsberger Stenographenverein nimmt an Mitgliedern zu. An dem Verbands - Wettschreiben in Fechenheim, an dem sich über 200 Mitglieder beteiligten, nahmen auch einige hiesme Mitglieder teil und erhielten Preise Fräulein Minna Gruber, Adolf Hofmann und Gustav Edel. Es ist dies für den jungen Verein ein recht erfreuliches Resultat, das sicher ein weiterer Ansporn für alle Vereinsmitglieger sein wird.
H- Enkheim, 21. Mai. (M i s si o n 8 f e st.) Das alljährlich am Himmclfahrtstage in unserer Gemeinde stattfindende Missionsfest der Klaffe Bergen versammelte auch diesmal, besonders begünstigt durch das schöne Wetter, wieder eine reichlich große Zahl von Freunden der Mission aus nah und fern. Nach einleitendem Vorspiel des Posaunenchors und Gemeindegesang hielt Herr Pfarrer Vater im Elisa-
Sie endeten in FiS-Dur. Das Publikum applaudierte für die allgemein vortreffliche Leistung in der üblichen Weise, und der Kaiser stimmte lebhast in den allgemeinen Beifall ein. Dann, sangen die Oberbarmer „Reiters Morgenlied" von Hauff. Das einfache Volkslied, mit großem Wohlklang und herzlicher Innigkeit vorgetragen, feierte hier seinen Triumph. Rein und voll durchdrang es den weiten Raum. Da «8 keine Fortestellen aufweist, blieb ihm auch das ungemein störende Echo fern, daS sich infolge der ungünstigen Akustik, bei dem Schlußvortrage der Barmer, Lachners „Allmacht" in ähnlich störender Weise geltend machte. Aber all das konnte nicht hindern. daß das lebhafteste Interesse der Zuhörer die Süngerschaar bis zur letzten Strophe begleitete. Man hatte eben den Eindruck, einen erstklassigen Chor vor sich zu haben, der vorzüglich vorgearbeitet hatte und brillante Tenöre und Bässe besitzt. An zweiter Stelle erschien dann der Münnergelangverein Düsseldorf auf dem Podium. Es fehlte ihm aber die nötige Frische, und dazu endigte auch er einen ganzen Ton zu hoch. Bei dem Vortrage des Wahlchors „Weihe des Liedes" von Silchcr, einer überaus schwierigen Komposition, ließ der Dirigent der Düsseldorfer diese in As-Dur statt in A-Dur beginnen, wohl um nicht allzu tief zu enden. Allein am Schluffe waren sie doch um einen ganzen Ton gesunken und so haben die Sänger der schönen Gartenstadt keine allzu große Aussicht, in den engeren Wettbewerb zu kommen. — Das gleiche Los scheint den folgenden Sängern, der „Freundschaft" (Pforzheim) beschieden zu sein. Wohl fangen sie mit schönem Timbre, daS sie weit von dem dunkelgefäcbten Stimmenmaterial der rheinischen Konkurrenten entfernte. Aber auch ihnen fehlte die Dynamik und die nötige Sicherheit und Schärfe der Tenöre. Den Preischor schlossen auch sie in FiS-Dur und Ser Chor „Nachtlust" von Angerer vermochte keinen tieferen Eindruck zu macken. Den Pforzheimern folgte wieder ein rheinischer Verein, „Philomelo" (Düsseldorf), der beim PreiSchor seinen Einsatz aber nicht einhielt und auch die Tempi überhastete. So kam er mit einem ganzen Ton zu tief zum Schluß. Seinen Wahlchor sang er noch schlechter als den PreiSchor. Hieraus trat wieder ein Wupperthaler Verein, der Barmer Sängerchor, ein, der unter Leitung deS
betenftift zu Enkheim, der 20 Jahre lange in Indien btë vor einem Jahre gewesen, die Festpredigt und zwar unter Zugrundelegung des Textes Röm. 1, 18—16. In diesem bezeichnet der Apostel Paulus, der größte Missionar unter den Heiden, das Evangelium als eine Kraft, die unS selber rettet und uns antreibt, andere zu retten. Er hat sie selbst erfahren auf dem Wege nach Damaskus und auf seinen Be- kehrungsreisen. Tausendfach hat seitdem das Evangelium seine Kraft erwiesen in der Mission unter den Heiden. Aber diese Kraft muß sich auch erweisen an den Christen in der Christenheit, für die 3 Worte von Bedeutung sind: Gehe, Gebe und Bete ! Um 5 Uhr fand dann im Becker'schen Garten eine Nachversammlung statt, die gleichfalls gut besucht war. Nach einleitendem Gebet und Ansprache des Herrn Pfarrer Weber gab Herr Missionar Diehl in Togo aus seiner langjährigen Tätigkeit dort — er wird demnächst wieder auf seine Station zurückkehren — ein anschauliches Bild über die Arbeit unter den dortigen Negerstämmen. Außerdem sprach noch Herr Pfarrer Palme« aus Frankfurt über das Werk der Hridenmiision.
Weitere Berichte „Ans Stadt und Land" in der Beilage.
Ocssciitlichcr Wetterdienst.
(Beobachtungen deS Physikalischen Vereins, Frankfurt.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 81. Mai bis zum nächsten Abend.
Warmes Wetter, vereinzelt Gewitter, meist heiter.
Has Hab and fern.
* Gelnhausen, 20. Mai. Erhebende, festlich« Tag« waren unserem Gemeinwesen beschert. Die stolze Glocke, bie der Kaiser vor 2 Vs Jahren unserer Marienkirche verheißen, ist mitsamt den beiden ebenbürtigen Schwesterglocken, die der Opferwilligkeit unserer ganzen Bewohnerschaft entsprungen sind, kürzlich hier angenommen und die Einholung deS mächtigen und gewichtigen Geläutes vom Bahnhöfe gestaltete sich bereits zu einem Festtage, der seine Fortsetzung fand am heutigen Himmelfahrtstage, dem Tage der kirchlichen Weihe der neuen drei Glocken. Die Stadt prangte heute wiederum in herrlichem Festesschmucke, die gesamte Einwohnerschaft nahm freudigen Anteil an der Feier der evangelischen Gemeinde. Das Gotteshaus, die Marienkirche, war überfüllt, von allen Seiten par man herbeigekommen, um teilzunehmen an der Weihefeier, die sich im Vormittagsgottesdienst vollzog, Die Predigt hielt Pfarrer Schilling, den Weiheakt vollzog Metropolitan Schäfer durch Ansprachen und Gebet unter dem Läuten der zur Weihe bestimmten Glocken. Zuerst wurde die Friedens-, dann die Luther- und zum Schluffe die Kaiserglocke geweiht. Die Ausgestaltung deS Gottesdienstes durch Solovortrag (Meister-Solo aus Rombergs Lied von der Glocke), und Darbietungen deS gemischten KirchsnchorS trug zur Erhöhung der Feier wesentlich bei. Packend gestaltete sich der Schluß bet Feier. Stehend uni unter dem Geläute sämtlicher Glocken fang die Sémtnbe unter Posaunenbegleitung den Choral „Nun danket alle Gott". — Der Kaiser hatte als seinen Vertreter den Generaladjutanten und General der Kavallerie z. D. v. Deines aus Hanau entsandt, als weitere Ehrengäste waren anwesend Regierungspräsident Graf v. Bernstorff, Konsistorialpräst- dent Frhr. Schenk zu Schweinsberg aus Cassel und Graf Gustav zu Asenburg-Büdingen aus Meerholz.
W. Darmstadt, 20. Mai. Gestern nachmittag ertrank beim Baden im großen Woog der die hiesige Mittelschule besuchende Sohn des Bahnasststenten Hoffmann. Er ging, obwohl er des Schwimmens ganz unkundig war, an einer 4 Meter tiefen Stelle ins Wasser und ging sofort unter.
W. Neustadt a. d. H., 20. Mai. Der Gründer und Direktor des hiesigen Konservatoriums für Musik, Philipp Bade, wurde heute nach Frankenthal ins Untersuchungsgefängnis des Landgerichtes abgeführt unter der Anschuldigung, zu Schülerinnen in unerlaubten Beziehungen gestanden zu haben.
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Komponisten Neumann stand und zu Beginn deß PreiSchor- gesangeS unter der Unaufmerksamkeit des Publikums, daS lebhafteren Anteil an den Vorgängen in der Hofloge nahm, zu leiden hatte. In der Hofloge hatt« sich der Kaiser erhoben, war zu den Preisrichtern getreten und unterhielt sich mit diesen anscheinend über daS Resultat der bisher zu Gehör gebrachten Gesänge. Allein die Barmer verstanden «S bald, die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken, da sie sowohl den Preischor wie ihren Wahlchor „Die beiden Särge" von Friedrich Heaar in geradezu musterhafter Weise zu Gehör brachten. In den dann loSbrechenden stürmischen Beifall stimmte der Kaiser freudig erregt ein und daS Publikum ruhte nicht eher, als bis der Dirigent deS DereinS sich nochmals gezeigt hatte. Hin und her wogte bet Meinungsstreit, welcher von den Vereinen bester gesungen habe und man einigte sich schließlich in dem frohen Gefühl, zwei so tüchtige Chöre in einer Stadt beisammen zu wissen. Inzwischen waren die Barmer Sänger abgezogen und langsam und feierlich trat der Kölner Mannergesangverein auf dem Podium zusammen. DaS allgemeine Interesse war ihnen schon von vornherein sicher. So neidisch man ihren (Kasseler Erfolg und die Erringung des KaiserpreifeS seinerzeit vielfach betrachtet hatte, so nahe ist allen Sängerkreisen ihr« Demütigung im Jahre 1903 durch den Berliner Lehrer- gesangverein gegangen und so konnte man bei ihren rheinischen Freunden schon vor Beginn des PreièchoreS den Angstschweiß auS allen Poren bringen sehen. Nun, sie haben niemanden enttäuscht, die braven Kölner, unter denen manch weißhaariges Haupt bei den ersten Strophen merklich zittert«. JhrPreischor war über alles Lob erhaben und donnernd braust« der Beifall durch bie weite Sängerhall«. Bis in den letzten Winkel der Partitur waren sie hineingekrochen und holten auS dem PreiSchor heraus, was nur irgendwie herauszuholen war. All die Finesten in der Tongebung, der Dynamik ukw. beherrschten sie vollkommen, und keine Unreinheit, kein Abweichen vom Tou störte die Harmonie. Denselben Erfolg' hatten die Kölner mit ihren zwei
Wahlchören, Kirchl's „Abschied" und dem von Rietz vertonten Eichendorsffschen „Morgenlied", die sie mit vortrefflicher Wirkung zum Bortrag brachten. Der Kaiser hatte sich, nachdem