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Hstânldrsck uno Verlag der Buchdruck«« dS «reis, r». Waljeuhaujes in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Zanas.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fünfzespalteur Betitzeil« oder der« Statt W ^ im Sreklamenteil die Zeit« Sh Pfg.
verantmorü. Rrdâ«: «. «chricker M Hatt«,
Nr. 91 F-rnsprechanschlutz Nr. 605.
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Amtliches.
Landkreis F)anau.
Der bisherige stellvertretende Fleischbeschauer und Trichinenschauer Johann es Meerbott in Marköbel ist zum Fleischbeschauer und Trichinenschauer und der Wagner Heinrich Stroh daselbst zum stellvertretenden Fleischbeschauer und Trichinenschauer für die Gemeinde Marköbel auf Widerruf bestellt worden.
Hanau den 19. April 1909.
Der Königliche Landrat.
V 2264 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.
Zwangsversteigerung.
Zum Zwecke der Aufhebung der Gemeinschaft, die in Ansehung der in Hanau belegenen, im Grundbuche daselbst Band 32 Art. 2031 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau des verstorbenen Graveurs Gustav Sichrer, Amalie geb. Otter, zu */2 und der Kinder des verstorbenen Gustav Sührer:
») Ehefrau des Goldarbeiters Emil Leloug, Auguste geb. Sührer, in Hanau,
b) Eduard Daniel Sührer, Goldarbeiter, in Hanau, beide zu je 1/t eingetragenen Grundstücke:
P 136 — 2 ar 36 qm, Lothringerstraße Haus Nr. 13,
a) Wohnhaus mit Seitenbau rechts (A) nebst Hofraum und
P 137 = 4 ar 72 qmi
P 138 = 37 qm / Hausgarten,
b) Querbau CB), c) 2 Seitenbau rechts (C),
— Gebändesteuernutzungswert: zu a) — 420 Mk., zu b) = 150 „ zu c) — 150 „ —
P 270/127 = 23 qm Hausgarten am Wallweg,
— Gebäudesteuerrolle Nr. 1082 a—c —
— Grund'steuermutterrolle Art. 789 — besteht, sollen diese Grundstücke
am 4. Juni 1909, vormittags IO1/» Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — Marktplatz Nr. 18, Zimmer Nr. 14 — versteigert werden. Hanau den 23. März 1909.
Königliches Amtsgericht Abt 2. »731
Bekanntmachung betr. die Erhebung der Handelskammerbeiträge.
Auf Grund der Vorschriften im § 31 Abs. 1 des Gesetzes über die Errichtung der Handelskammern vom 24. Februar
Feuilleton.
A. W. Iffland.
Zu des Künstlers 150jährigem Geburtstage.
1759 - 19. April — 1909.
(Nachdruck verboten.)
Es gehört immerhin zu den Seltenheiten, daß ein Künstler sowohl als Theoretiker wie als Praktiker sich eines hohen begründeten Ansehens erfreut. Am meisten freilich finden wir auf dem Gebiete der Musik beides, Theorie und Praxis, vereint. Wir brauchen nur an Felix Mendelssohn-Bartholdy, dessen>hundertjähriger Geburtstag kürzlich in der ganzen Welt begangen wurde, zu denken: er stand nicht nur als Komponist unerreicht da, sondern war auch als ausübender Künstler, namentlich auf dem Klavier und der Orgel, bewunderter Meister. Am seltensten aber begegnen wir auf dem Gebiete der dramatischen Kunst Theorie und Praxis in einem Künstler vereinigt und dramatische Dichter, die zugleich tüchtige Schauspieler waren, werden nicht allzuhäufig gefunden. Von Goethe ist ja bekannt, daß er gelegentlich in seinen jüngeren Jahren auf dem Weimarer Liebhaber- theater als Schauspieler mit hervorragendem Erfolge auftrat, 8- B. bei der ersten Aufführung seiner,',Iphigenie" als Orestes, und öfters.
Dagegen nimmt August Wilhelm Iffland, der zu Hannover am 19. April 1759 als Sohn angesehener und wohlhabender Eltern geboren wurde, sowohl als dramatischer Dichter wie als hervorragender Schauspieler einen der ersten Plätze in der Geschichte der darstellenden Poesie ein. Freilich an der Wiege war ihm ein solches Los nicht gesungen worden, und nach der Eltern Wunsch hätte unser Dichter wohl von Kanzeln der Kirche zu den Gläubigen einer kleinen Gemeinde, nutzt aber von den weltbedeutenden Brettern herab zur Ge- memde kunstbegeisterter Verehrer predigen sollen. Aber der lunge Mann fühlte zu allem andern als zur Theologie den Beruf in sich. Hatte er doch schon als fünfjähriges Kind einer
Dienstag den 20. April
1870, 19. August 1897, hat die Handelskammer beschlossen, zur Beschaffung ihres Aufwandes für das Rechnungsjahr 1909/10 zehn Prozent der Gewerbesteuer von den beitragspflichtigen Firmen ihres Bezirkes zu erheben. Denjenigen Gemeinden, in welchen beitragspflichtige Firmen ihren Sitz haben, werden die von der Handelskammer auf Grund der Gcwerbesteuerlisten festgestellten Hebelisten überwiesen, soweit die Handelskammer die Beiträge nicht selbst einzieht.
Die Gemeinden bewirken die Erhebung der Handels- kammerbeiträge und führen die eingezogenen Summen durch Vermittelung der Königl. Kreiskaflen an die Handelskammer ab.
Die Handelskammerbeiträge sind öffentliche Lasten. Rückständige Beiträge werden in derselben Weise eingezogen, wie Gemeindeabgaben.
Einsprüche gegen die Heranziehung zu den Handelskammerbeiträgen sind innerhalb zweier Wochen nach der Zahlungsaufforderung bei der Handelskammer anzubringen, welche darüber beschließt. Der Einspruch hat keine aufschiebende Wirkung. Einsprüche, welche sich gegen den dem Handelskammerbeitrage zu Grunde liegenden Satz der staatlich veranlagten Gewerbesteuer richten, sind unzulässig.
Hanau den 19. April 1908.
Die Handelskammer. Canthal.
Der Syndikus.
9777 Dr. phil. Grambow.
Politische Rundschau*
Der Kampf um die Nachlatzsteuer. Für eine Erbanfallsteuer hat sich auch der Konservative Verein für Kiel und Umgegend ausgesprochen. Er beschloß, nach der „Soff. Ztg.", eine Eingabe an die konservativen Parteien des Reichstages zu richten, die folgenden Wortlaut hat: Die Reichsfinanzreform ist eine nationale Frage allerersten Ranges, sie muß deshalb von den nationalen Parteien, und zwar in der laufenden Tagung, gelöst werden. Neben den auf den Massenverbrauch zu legenden Abgaben ist eine ausgleichende Steuer von den Besitzenden zu erheben; diese darf aber nicht in die finanzielle Selbständigkeit der Einzelstaaten eingreifen, wie es jede Form einer Besteuerung des Einkommens oder Vermögens, sei es durch das Reich unmittelbar, sei es für das Reich durch die Bundesstaaten, tun würde. Vielmehr erscheint als der einzig gangbare Wèg der Belastung des Besitzes eine erweitert« Erbanfallsteuer, der auch Kinder und kinderlose Ehegatten unterliegen müssen. Wir erwarten von den konservativen Parteien, daß sie einer solchen Steuer, als einer Notwendigkeit, ihre Zustimmung nicht versagen werden.
theatralischen Aufführung beigewohnt, die einen unvergeßlichen Eindruck auf ihn machte. Als er dann zwei Jahre später die mustergültigen Aufführungen der berühmten Seylerschen Theatergesellschaft sehen durften lebte und webte der Knabe ganz in der Theaterwelt, die sein ganzes Wesen erfüllte. Freilich war der Eindruck der Predigten I. A. Schlegels, des Superintendenten seiner Vaterstadt, nicht minder gewaltig, sodaß der Jüngling sich entschloß, sich dereinst dem Studium der Theologie zu widmen. Aber vergessen wir das eine nicht: nicht der Inhalt der Predigt, die evangelische Heilsverkündigung, war es, die ihn zunächst zu diesem Studium führte, sondern der Vortrag, das öffentliche Auftreten, das ihm Gelegenheit geben sollte, die Macht der Beredsamkeit zu erproben. Aber schließlich siegte doch das angeborene Talent, und zwar zu seinem Heile. Denn keine Wissenschaft verlangt so dringend eine völlige Herzensüberzeugung und Herzenshingabe, wie die Theologie und wer nur aus äußeren Gründen sich ihr widmet, der ist nur, um mit dem Apostel Paulus zu sprechen, ein „tönendes Erz" und eine „klingende Schelle". Das Auftreten der Ackermannschen Gesellschaft in Hannover fühte endlich zur Katastrophe. Es begeisterte ihn derart, daß er sich mit gleichgesinnten Jünglingen zu thearra- lischen Aufführungen verband, bei denen er ein entschiedenes Talent an den Tag legte. Da er dabei natürlich seine Berufsarbeiten vernachlässigte, kam es wiederholt zu unerquicklichen Austritten mit dem streng gesinnten Vater. Ja, das eine Mal wurde er sogar während einer Aufführung unmittelbar aus dem Theater nach Hause geholt.
Jetzt sah der kunstbegeisterte Jüngling, daß er von seinem Vater nie die Erlaubnis, zum Theater zu gehen erhalten würde, und er beschloß, auf eigene Faust zu handeln. Er entwich also heimlich bereits am folgenden Tage (22. Februar 1777) und begab sich nach Gotha, wo er sogleich ein Unterkommen am herzoglichen Hoftheater fand. Hier war es nun vor allem der berühmte Ekhof, der des achtzehnjährigen Jünglings hervorragendes Schauspielertalent nicht nur erkannte, sondern ihm auch tatkräftig mit Rat und Tat zur Seite stand. Auch mit den damals schon bedeutenden Schauspielern Beck und Beil schloß er innige Freundschaft, so daß er allmählich seinen Ruf als hervorragender Mime vergrößerte;
Fernsprechauschlutz Nr. 605.
1909
Sämtliche Mächte haben sich nunmehr mit der Auf- Hebung des Artikels 25 des Berliner Vertrages einverstanden erklärt; hiermit ist die bosnisch-herzegowinische Angelegenheit auch formell endgültig zum Abschluß gebracht.
Die Säuberung des südwestafrikanischen Schutzgebietes wird weiter eifrig betrieben sowohl durch Patrouillen der Schutztruppe wie durch die Landespolizei. Meist handelt es sich um die Verfolgung von Vieh- und Wilddieben. U. a. war eine Patrouille des Oberleutnant- Petter gegen Simon-Copper-Leute erfolgreich. Er nahm ihnen nach kurzem Feuergefecht von den gestohlenen 20 Ochsen 14 wieder ab. Die flüchtigen Hottentotten wurden dann noch von Oberleutnant von Boemken verfolgt. Bei den dauernden starken Regenfällen ist es, wie die heute hier eingetroffene „Deutsch-südwestafrikanische Zeitung* meldet, außerordentlich schwer, die Spuren d«r Hottentotten, die sich hauptsächlich in das Sandkeld geflüchtet haben, zu halten. Trotzdem gelang es der Patrouille Kaufmann, 24 HereroS gefangen zu nehmen. Auch von Waterberg auS wurden erfolgreiche Pa:rouillenstreifen unternommen, die zum Teil mit sehr erheblichen Strapazen verknüpft waren. Die Patrouillen mußten meistens zu Fuß gemacht werden, da die Reittier« in dem tiefen Durchschlag stecken blieben. Erwähnt sei hier noch, daß zum erstenmal eine Durchquerung der südlich«» Namib von Bethanien aus nach der Spencer-Bai gelungen ist. Führer dieser Patrouille war Hauptmann von Rappard. Hierbei bewährten sich wieder ausgezeichnet die Kamele, die 13 Tage ohne Wasser aushalten mußten; nur ein einziges Tier ging kurz vor Lüderitzbucht zu Grunde. — Mit dem Dampfer „Bürgermeister* sind am 18. März für 500 000 Mark Diamanten, die erste größere Sendung, durch die Post nach Deutschland verschifft worden. Dem Schutzgebiet erwächst daraus eine Einnahme von 160 000 Mk. (33^rpCt. vom Werte).
Ein Schwindel. Die „Nordd. Allg. 3tg/ schreibt: Die „Germania* hat sich unter dem 14. d. Mts. eine alberne Erzählung über Tränen, die der Reichskanzler vor dem Kaiser vergossen haben soll, von gut unterrichteter Seite mit dem Beifügen bestätigen lassen, daß Fürst Bülow „wie ein Schloßhund geheult habe". In den deutschen Blättern ist diese Leistung der „Germania* bereits nach Gebühr gewürdigt worden. Da ausländische Zeitungen auf die Angaben der „Germania* hereingefallen sind, wollen wir ausdrücklich frst- stellen, daß es sich um einen ganz gewöhnlichen Schwindel handelt.
Das englischrnssische Borgehen in Persien. Dem Rcuter'schen Bureau zufolge sind die Einzelheiten bei gemeinsamen englisch-russischen Programms bezüglich Persiens nunmehr in Petersburg zwischen dem englischen Botschafter und dem Minister des Auswärtigen Iswolski festgelegt
vor allem war es die Lebenswahrheit seines Spieles, die Naturtreue, wenn man will, die an ihm gerühmt wurde, und die bekanntlich noch heute einen Hauptvorzug deS dar- stellenden Künstlers bildet.
Bereits im Jahre 1778 löste sich mit EkhofS Tode das Hoftheater in Gotha auf, und Iffland erhielt einen Ruf nach Mannheim, dem er mit den oben erwähnten beiden jungen Freunden gern folgte (1779). Von hier auS verbreitete sich Ifflands Ruhm, man kann sagen, über ganz Deutschland, wozu noch häufige Gastspiele, z. B. in Frankfurt und im nördlichen Deutschland, das Ihrige beitrugen. Allein den Gipfel seiner Triumphe erreichte er erst in Berlin, wohin er im Jahre 1796 als Direktor des Nationaltheaters übersiedelte. Zerwürfnisse mit dem Intendanten sowie die drohenden Kriegsereignisse, die natürlich wegen der Nähe des Kriegsschauplatzes besondere Gefahren für die Ausübung des Künstlerberufes bargen, hatten ihm die Stellung in Mannheim verleidet. In Berlin erwarb sich Iffland'sowohl als Leiter des Theaters wie als Schauspieler solche Verdienste, daß er im Jahre 1805 zum Generaldirektor der Königlichen Schauspiele ernannt und mit einem hohen Orden ausgezeichnet wurde, letzteres damals noch etwas ganz Unerhörtes.
Als Schauspieler war Iffland weniger in hochtragischen und heroischen Rollen — dazu stand ihm sein Aeußeres hindernd im Wege — als vielmehr in komischen und gemütvollen, rührenden bedeutend; überall aber ergriff die durchweg vornehme, bis ins einzelnste sorgfältig durchgeführte Darstellung des Künstlers. Er starb am 22. September 1814, erst 55 Jahre alt. Aber auch als dramatischer Dichter leistete Iffland Bedeutendes. Er ist vor allem trefflicher Sittenmaler, und die mannigfaltigen Sitten der verschie- denen Stände des Volkes und der Zeit verstand er mit der größten Wahrheit auszufassen und meisterhaft zu schildern; auch die Kunst, Charalteure zu zeichnen, war ihm in hohem Grade eigen, und seine Personen sind meist frisch, lebendig und wahr. Am gelungensten sind seine idylisch-hüuslichen Szenen, denen ein leiser humoristischer Anhauch nicht fehlt, und fast in jedem seiner Stücke begegnen uns solche. Freilich konnte es bei der eben angedeüteten Ausmaül und B«-