Bette 10 .
...........................,,..»—. ..I .......... -n...... IIII— Notierung sich um 6 Mk. höher stellte, wirkte vor allem der Umstand anregend, daß die hiesigen Preise gegenüber der Parität mit den Auslandsnotierungen stark zurückstehen. Roggen hatte lustlosen Verkehr. Ladungen waren genügend vorhanden und verkauften sich schwer. Vielfach wird über schlechte Qualität des diesjährigen Roggens geklagt, und Lokoware fand teilweise selbst 11 bis 12 Mark unter dem Preise der Durchschnittsqualität keine Käufer. Die Notierungen für Lieferung stellten sich aber unter dem Einfluß der Weizenhause gegen die Vorwoche etwa? bester. Gerste wurde bei sehr kleinem Angebot sowohl für Lokoware wie auf Lieferung sehr fest. Hafer zog infolge höherer Forderungen Rußlands etwas im Werte an. Die Preise für Lieferung im Dezember stellten sich schließlich wie folgt: Weizen 220,25 Mk., Roggen 173,50 Mk., Hafer 156,50 Mk., Mais 153,00 Mark.
Preise des städtischen Schlachtvieh-MarkteS. L Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 75 bis 80 Mk., b) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 67 bis 72 Mk., c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 57 bis 63 Mk., d) gering genährte jeden Alters 54—58 Mk. II. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlachtwertes 70 bis 72 Mk., b) vollfleischige jüngere 64 bis 68 Mk., c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 57 bis 61 Mk., d) gering genährte 53 bis 56 Mk. III. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes — bis — Mk., b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt, 65 bis 70 Mk., c) ältere ausgemästete und weniger gut entwickelte jüngere Kühe 58 bis 62 Mk., d) mäßig genährte Färsen und Kühe 54 bis 57 Mk., e) gering genährte Färsen und Kühe 49 bis 53 Mk., f) gering genährtes Jungvieh (Fresser) 45 bis 52 Mk. IV. Kälber: a) Doppellender feiner Mast 111 bis — Mk., b) feinste Mast- (Vollmilchmast und beste Saugkälber 84 bis 89 Mk., e) mittlere Mast- und gute Saugkälber 75 bis 83 Mk., d) geringe Saugkälber 62 bis 70 Mk. V. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 82 bis 84 Mk., b) ältere Masthammel 72 bis 77 Mk., c) mäßig genährte Hammel und Schafe (Märzschafe) 60 bis 70 Mk., d) Marschschafr und Niederung-schafe —,— Mk. VI. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebendgewicht — bis — Mk., b) vollfleischige, der feineren Rasten und deren Kreuzungen über 2l/» Zentner Lebendgewicht 75 bis 78 Mk., c) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen bis 2*/» Zentner Lebendgewicht 74 bis 76 Mk., d) fleischige 71 bis 74 Mk., e) gering entwickelte 68 bis 70 Mk., f) Sauen 70 bis 72 Mk.
BckMK«-
Mai-August 44'/«. Zucker, Rohzucker 88°/o loco 28*/«, weißen Zucker Nr. 3 per 100 Kilogr., Ott. 31—. Nov. 31'/», Jan.-April 32—, März-Juni 32'/,. Leinöl per Jan--April 63-. Talg 73-
Budapest, 15. Oktbr. Weizen Ott. 14.56 G., 14.57 B., Avril 14.37 G., 14.38 B. Roggen Okt. 9.81 G., 9.82 B., April 10.23 G.. 10.24 B. Hafer Okt. 7.70 ®., 7.71 B., April 7.65 G., 7.66 B. M a i s Mai 6.93 G., 6.94 B.
Kurs-Bericht.
14. Oktt. | 15. Okt. 14. Okt. I 15. Okt.
Provinzial- und Kommnnal-Obl.
4°/o Rheinprovinz
101.30
101.30
4°/» Hanauer Stadt-Anleihe
101—
101-
4°/o Lissaboner
80.10
80.10
Lose.
3'/,»/« Köln- Mind. Lose
136.20
136.20
4’/o Mein. Prâm.- Pfandbriefe
137.20
136—
4°/o Oesterr. v. 60
27i°/o Raab Graz.
108.90
Ungar. Ü. (Guld.) 100 Lose
366. -
366—
Deutsche Staatspapiere.
40M D. Reichsanl.
102.10
102—
3'/-°/° 3 °/°
98.70
93.50
83.90
83.90
Aktien v. Transport- Nnternehmungen.
Kahlgrund E--D. Hamburg-Amerika
Paket Norddeutsche Lloyd Oesterr. Staatsbahn Oesterr. Südbahn (Lombard.) Baltimore u.Ohio Sch.
130.70
102.20
160.80
24.20
118—
102'25
160.90
24.25
von 7865 auf 9509 Millionen Mk.: nehmen wir dazu noch die Milliarde des entsprechenden deutschen Geschäfts ausländischer Gesellschaften, so kommen wir für Deutschland auf einen Betrag von weit über 10 Milliarden Mk. Versicherungssumme allein in der großen Lebensversicherung. In der Feuerversicherung hoben sich die bei den deutschen Unternehmungen versicherten Summen von 93 auf 112 Milliarden Mark. In der Unfallversicherung stieg diePrämieneinnahm« des deutschen Geschäfts von rund 34 auf 42 Millionen Mk., und in der Haftpflichtversicherung war die Zunahme noch auffälliger, nämlich von fast 26 auf über 40 Millionen Mk., wovon allein auf das einzig« große Gegenseitigkeitsinstitut in diesem Zweige, den Allgemeinen Deutschen Versicherungs- Verein in Stuttgart, an 13 Millionen entfallen. Aehnlich ist die Entwicklung in den übrigen Zweigen der privaten Versicherung, eine Erscheinung, bie schon von rein wirtschaftlichem Standpunkt betrachtet, um so bedeutungsvoller ist, wenn wir neben dem unschätzbaren Wert der Versicherung für die Nächstbeteiligten an bie Wichtigkeit der Anlage so gewaltiger Summen für den Kapital- und Hypothekenmarkt, wie an die immer steigende Zahl der im Versichemngsgewerbe beschäftigten Personen denken. P.
Qanctel, Gewerbe and Verhebt*
Berlin, 15. Oktbr. Weizen Okt. 223,50, Dez. 218.—, Mai 220.—. Roggen Ott. 170.50, Dez. 171.50, Mai 176.75. Hafer Dez. —.—, Mai 162.—. Mais Dez. —.—, Mai —.—. Rüböl Dezember 55.40, Mai 54.20. Weizenmehl 27.00—30.25. Roggenmehl 21.00 bis 22.90.
Hamburg, 15. Oktbr. Kaffee good average Santos Ott. 34V», Dez. 34V», März 34'/« Mai 34'/« Psg. Rohzucker Okt. 11.22*/», Dez. 11.17'/,, März 11.35-, Mai 11.45—, August 11.60—. Amerikan. Baumwoll e Ott. 69-, Dez. 69-, März 69'/« Br.
Mannheim, 15. Oktbr. Weizen Ulka 9 p. 25 M. 177-, Ulka 9 p. 30 Mk. 175, Ulka 10 p. Mk. 177. Rumänischer 77/78 Ko. Mk. 180.—. Laplata Okt.-Abl. Bah- Blanka 80 Ko. Mk. 176.—. Red. Winter II Okt.-Abl. Mk. ——. Russischer Roggen 9 p. 10/15 Mk. 132—. Mais Laplata Mk. 115'/,.
Paris, 15. Okt. Roggen Ott. 16.25, Nov. 16.50, Nov.-Febr. 16.75, Jan.-April 16.65 Weizen Okt. 23.30, Nov. 23.35, Nov.-Febr. 23.60, Jan-April 23.95. Mehl Okt. 30.00 Nov., 30.20, Nov.-Febr. 30.45, Jan.-April 30.80. Rüböl Ott. 60'/«, Nov. 61-, Nov.-Dez. 61'/,, Jan.-April 62*/*. Spiritus Okt. 44—, Nov. 43*/«, Jan.-April43'/-,
4°/o Preuß. Kons.
102.10
102—
3’/» %> „ „
93.70
93.50
3°M „
83.70
83.90
3'/,o/n Bayern
93.10
93,10
4°/o 1899er Hessen
«-— ,---
101.40
4o/o 1906er „
101.40
101.40
4°/o 1909er „
101.80
101.80
3'/,°/«
EM».--
92.90
3%
81.70
81.60
Ausländische
Staatspapiere.
4°/oDeRerr.@t>lbr.
99.30
99—
5°/o 1903er Rum.
— —
102—
4% Rum. amort.
convert.
90.50
90.50
4V»’/o Russen
99.10
99.20
4°/o 1902er Russen
88.50
88.60
4°/o Serben
81.50
81.30
4°/»Ungarn(Gold)
94.90
94.80
4°/o „ Kronen
92.20
92.20
5°/o Chinesen
102.40
102.40
Bank-Aktie».
Berliner Handels-
ges.-Aküen
181—
181.30
Darmstädter Bank
137.80
138—
Disk.-Koimn. A.
197.70
198.90
Dresdner Bank-
Aktien
160.60
160.40
Mitteldeutsche
Kreditbank
123.30
123.25
Oesterreichische
âedit-Anstalt
208.60
208.60
Aktien industriell. Unternehmungen.
Frkf. Henninger Br. Hanau Nicolay-Br. Badische Anilin- n.
Sodasabrik Deutsche Gold- und Silber-Scheideanst. Höchster Farbwerke Allgem. Elektr^Aktien Lahmeyer Schuckert-Aktien Siemens n. Halske Niedcrrh. Leder, Spier Adlerwerke Kleyer Westd. Jutespinnerei
Bergwerks-Aktie«
Bochumer
BuderuS Eisenwerk Harpener
Vr. König. Laura
Prioritäts-Obligat.
5% Oesterreich. Südbahn (Lomb.)
4°/o Oester. Südb. 4°/o Oesterr. Staatsb.
von 1883 4°/o Russ. Südost. 4°/o Rybinsk E.-B. 5°/o I. Anatolier 3% Salonigue
Monastir-Anl.
Pfandbriefe.
4°/» Franks. Hypoth.-
Bank, S«. 20
4»/<>Frankf.Hypothek.-
Kredit-Ver., Ser. 48 4°/o Meininger Hypothekenbank, Ser. 13l
131 —
131.-
428.60
519—
443.75
243.10
114.50
137.10
234-
189.80
384.50
127—
430.—
517.80
449_ 245*10
114.75
137.60
235.—
191.—
383.—
127—
252.20
119.80
206—
102—
85.50
98.30
87—
102'.90
66.—
101—
100.80
100.50
253.80
120.50
208.10
102.10
85.75
98.50
86.40
86.40
102.80
66.—
101—
100.80
100.50
Die Entwicklung des deutschen Privatverstcherungs- Wesens in dem Jahrfünft 1902—1906 ist vor kurzem durch eine bedeutsame Veröffentlichung des Kaiserlichen Aufstchts- amts für Privatversicherung beleuchtet worden. Es ergibt sich daraus ein beständiger kraftvoller Aufschwung, der nicht etwa nur der günstigen wirtschaftlichen Lage dieses Zeitraumes zu verdanken ist, da die Entwicklung in gleich er« sreulicher Weise auch während der letzten beiden wirtschaftlich minder glänzenden Jahre weitergegangen ist. Interessant ist die Feststellung, daß sich das Versicherungsbedürfnis der Bevölkerung in der Weise gehoben hat, daß 1902 auf 9 Personen der Reichsbevölkerung eine Versicherung kam, 1906 aber bereits ans 7 Personen; bei der sogenannten großen LebenS- versicherung fiel die entsprechende Zahl von 23 auf 21, bei der Volksversicherung gar von 15 auf 11 Personen. Die versicherten Summen stiegen in der großen Lebensversicherung
Hus aller Mett.
Hochzeitsgeschenk. Meistens pflegt ein Hochzeitsgeschenk am Hochzeitstage feierlich überreicht zu werden, und als sich der deutsche Kronprinz mit der mecklenburgischen Prinzessin Cecilie verlobte, beschloßen auch bie treuen preußischen Städte, ihre Gabe zum Feste darzubringen. Es sollte ein riesiger Silberschmuck sein von 480 Gegenständen, die Wappen und Insignien des Kronprinzenpaares und der schenkenden Städte tragen. Am Hochzeitstage waren bie Sachen natürlich nicht fertiggestellt, zum Trost wurde vorläufig eine Adresse überreicht. Nunmehr geht in diesen Tagen, wo erst ganz kürzlich dem Kronprinzenpaar der dritte Junge geboren worden ist, durch die Presse bie Nachricht, daß daS Geschenk — nicht überreicht, sondern — erst zum nächsten Frühjahr fertig werde.
Der Selbstmord des Hauptmanns Hildebraud in Hannover, über den wir mehrfach berichteten, scheint seinen Grund doch darin zu finden, daß den Verstorbenen feit jenem unglücklichen Duell in Insterburg, bei dem er den Oberleutnant Blaskowitz kurz vor dessen Hochzeit erschoß, Ge- wiffensbiffe quälten. Hildebrand hatte damals, wie daS „Hann. Tagebl." erfährt, angssichtS der ganzen Sachlage vorbeischießen wollen und seinen Gegner ohne Absicht getroffen. Jedenfalls hat der Offizier den schlimmen AuSgang des Duells stets tief bebauen, und er war schon vor mehreren Jahren, alS er in Verden in Garnison stand, so schwermütig und menschenscheu geworden, daß seine Freunde in ihn drangen, sich versetzen zu lassen. Schließlich hat ihn die Erinnerung an den Tod deS Blaskowitz jetzt, wo er selbst vor seiner Hochzeit stand, in momentaner Geistesverwirrung in den Tod getrieben.
Ueber Beamtengehälter, Arbeitslöhne und Leben»- kosten in Japan schreibt den „Hamb. Nachr." ihr asiatischer Mitarbeiter: „In Japan hat trotz der durch zwei groß« Krieg« und den industriellen Aufschwung verursachten Der- Koppelung der Kosten des Lebensunterhaltes seit 1892 feine Aufbesserung der Gehälter stattgefunden, sodaß die Beamten die Aufgabe, die Ausgaben entsprechend den Einnahmen zu gestalten, nicht mehr zu lösen wissen und vielfach Waren- und Geldkredit in Anspruch nehmen. Die Leihhäuser sind überfüllt; die Halsabschneider, die kleine Beträge bis zu 50 Jen (100 Mark) leihen, werden mehr als je ausgesucht; die Manufakturwarenhändler klagen, daß heiratende Töchter seit 1908 meist nur noch mit einem neuen Kleide auSgestattet werden. Die Arbeiter dagegen haben von Zeit zu Zeit durch Streiks daS Gleichgewicht zwischen Ausgabe und Einnahme herzustellen gewußt. Gerade während des Krieges sind sie in den staatlichen Werkstätten hoch bezahlt worden. Daß bie Steigerung der Löhne in den letzten Jahren nicht höher gewesen ist, liegt an dem wirtschaftlichen Tiefstand. Die Kosten für Wohnung und Lebensmittel sind seit dem Ausbruch des Krieges gegen Rußland um 60 Prozent gestiegen. Ist doch der Salzpreis in den letzten sieben Jahren um 117 Prozent gestiegen! Die Beamtenschaft zerfällt in Japan nicht, wie bei uns, in drei, sondern in zwei Gattungen. Die oberen Staatsbeamten erhalten ein
Sie MM, ihr Wtz will ihre Gestaltung.
Eine Studie zum Internationalen Landschaftsschutzkongreß in Paris, 17. bis 20. Oktober.
Von Dr. Heinrich Neugebauer.
(Nachdruck verboten.)
Am 17. d. M. tritt in Paris zum ersten Male ein Internationaler Kongreß zum Schutze der Landschaft zusammen. Damit tritt die Bewegung zur Erhaltung der Schönheit der Landschaft insofern in ein neues Stadium, als sie die nationalen Grenzen überschreitet und sich als eine allgemeine Sache der Kulturwelt organisiert. Und in der Tat verdient sie in diesem Lichte betrachtet zu werden. Wohl gehört unser Herz zunächst unserer Heimat, wohl leiden wir am meisten darunter, wenn der von den Vorfahren uns überlieferte Schatz an heimatlicher Naturschönheit leichtfertig angegriffen oder vergeudet wird; aber seit der Ueberwindung der Entfernungen und dem engen geistigen Zusammenschlusse und Wechselverkehre aller Kulturvölker kann doch der Kulturmensch mit einem gewissen Rechte die ganze Welt als seinen geistigen Besitz bezeichnen. Wenn man den Wald von Fontainebleau verunstaltet, wenn man die schöne Landschaft Toskanas entstellt, wenn man den Reiz eines norwegischen Wasserfalles beeinträchtigt, so empfinden wir das als einen persönlichen Verlust. Jedenfalls aber kann die Bewegung zum Schutze der Naturschönheit an Autorität und Stoßkraft durch eine internationale Organisation nur gewinnen.
Alr die Heimat dieser Bewegung ist England anzusehen. Ruskin war es, der hier die ersten Warnrufe ausstieß. Er beobachtete das erschreckende Vordringen der Jndustricalisierung Englands, womit eine völlige Zerstörung des Landschaftsbilde» Hand in Hand ging. In überaus beredten Worten hat er seinen Landsleuten die ganze Gefahr, die ihnen durch diese Entwicklung drohte, vor Augen geführt. Schon bot die Umgebung von Städten wie Birmingham, Manchester oder
Sheffield, fürchterliche Beispiele der Naturzerstörung. Ruskin zog aus der Beobachtung dieser Zerstörung einen beinahe fanatischen Haß gegen die moderne Industrie überhaupt; er ging darin so' weit, daß er die Druckbogen seiner Bücher lieber selbst im Handwagen zur Stadt beförderte, als daß er sie dem schmutzigen Dampfroß anvertraute.
Schrullenhaft, wird man sagen. Gewiß, das war eine Schrulle von Ruskin, und jedermann sieht seinen Fehler: daß er nämlich die wirtschaftliche und soziale Notwendigkeit der modernen Industrie glatt ignorierte oder doch ableugnete. Aber nichts ist" gefährlicher, als Vogel-Strauß-Politik treiben, und darum muß offen ausgesprochen werden, daß wir, wenn wir auch Ruskins Schrullen nicht übernehmen, doch der Frage der Industrialisierung der Landschaft im Grunde noch heute ebenso hilflos gegenüberstchen, wie er. Ja in einem gewissen Sinne selbst noch hilfloser — insofern nämlich, als wir eben heute nickt mehr kurzsichtig genug sind, die innere Notwendigkeit und Berechtigung der modernen industriellen Entwicklung zu leugnen. Und nun sehen wir überall diese rauchenden, häßlichen Fabrikkomplexe sich in das Land schieben, sehen gewisse Teile unseres Vaterlandes, wie den rheinisch-westfälischen ober den oberschlesischen Industrie- bezirk, schon furchtbar entstellt. Gewiß, so manches wäre bei industriellen Anlagen besser zu machen gewesen und noch besser zu machen. Durch taktvolle Platzwahl, gesunde und bescheidene Nutzbauweije, geschickte Gruppenbildung ließe sich manches Häßliche umgehen, selbst hier und da eine gefällige Wirkung erreichen. Und doch: der Kern der Schwierigkeiten bliebe derselbe, indem wir auch bei Berücksichtigung dieser Anforderung nicht darauf hoffen können, daß industrielle Anlagen der Landschaft zum Schmucke gereichen. Wie stehen eben hier vor einer völlig neuen Erscheinung. Die Entwicklung einer Riesenindustrie auf verhältnismäßig engem Raum, der Kahlenschmutz, der von der modernen Fabrik unzertrennlich ist, dies und noch so manches andere erzeugen Gestaltungen, denen wir âstlhetisch zurzeit noch nicht gewachsen
sind. Die wirtschaftliche Großartigkeit der modernen Industrie können wir noch nicht iu ästhetische Werte umsetzen. Es gibt da gelegentlich Ausnahmewirkungen; ich erinnere mich, wie an einem schönen Sommerabende baS Kraftwerk an der unteren Oder mit der ungeheuren Wucht einer phantastischen Riesenwerkstätte wirkte und daß die wirtschaftliche Monumentalität mir da bereit- sich mit ästhetischer Monumentalität zu berühren schien. Doch, wie gesagt, da« bleibt eine Ausnahme, und mehr als den Rat zu möglichster Vorsicht und Bescheidenheit vermögen wir heut dem Vordringen des Industrialismus in die Landschaft gegenüber noch nicht zu geben.
Aber die Wahrheit ist, daß die Industrialisierung noch gar nicht der schlimmste Feind der Landschaft ist. Stehe ich vor der dampfenden Fabrik, so habe ich jedenfalls das Gefühl des Nützlichen und Braucharen, und dies Gefühl wirkt immer bis zu einem gewissen Grade versöhnend. Wodurch aber unsere Heimat am schlimmsten entstellt ward und wodurch sie dauernd am schwersten gefährdet ist, das ist just das ganz Unnütze, das Ucberflüjstge. Leichtsinn, Geschmacklosigkeit und Pedanterie haben sich zusammengetan, um die Landschaft zu entstellen. Ich will als Beispiel nur auf die Wirtshausseuche Hinweisen. Es ist schon schlimm, daß unser deutsches Land mit einer ganz unverhältnismäßigen Zahl von Wirts- und Gasthäusern gesegnet ist. Kein Aussichtspunkt, kein stilles Tal, kein See ohne Wirtshaus; man könnte fast auf den Gedanken kommen, daß der Deutsche die Natur als einen Vorwand für Wirtshäuser ansieht. Das Schlimmste aber ist, daß diese Wirtshäuser sich nicht, wie das redlich wäre, als einfache bejcheidene Nutzbauten gebärden, sondern daß sie „Stil haben müssen" und eine protzige Monumentalität vorläuschen. Was die Schönheit des Nheiutales beeiuirächtigt, das ist meines Erachtens viel weniger die Eisenbahn und die Fabriken. Die haben ja doch eine gewisse eigene Schönheit, die man freilich fühlen muß, die Schönheit der Regsamkeit, der Arbeit, der Kraft.