Erstes Blatt.
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-ietationtdruck und Verlag der Buchdruckerei de» »nein, e». Watfenhaufts in Hanau.
General-Anzeiger
Amilithes Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrücknngSgebth» t
Die fünf gespaltene Petihrüe oder deren Sem* SO P^ tat SieciLmenteil die Zeil« 30
verantmortl. Redakteur: ». Schrick«« in Hanau.
9?L 84 Fernsprechanschlutz Nr. 605»
Samstag den 10. April
Fernsprechanschlutz Nr. 605» 1909
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©stCFTnoF^en.
Tröstlich schallet von den Türmen Nun der (Osterglocken Thor, Menschenherz und Lerche stürmen Froh erwacht zu Gott empor. Um der Berge goldne Spitzen Ziehen Purpurwolken sacht, Durch des Tannenwaldes Ritzen Glüht der Morgenröte Pracht.
Wie ein leises, sanftes Läuten Klingt’s in Feld und Hain und Hag; Sie ist da, die Zeit der Freuden, Der ersehnte Dstertag.
Allwârts frohes Auferstehen Und ein Grünen weit und breit; Denn es geht ein mâcht'ges Wehen Durch die schöne Gsterzeit.
Durch die Fluren und die Felder Sacht der Gott der Liebe geht, Und die Berge und die Wälder Aünden seine Majestät.
Freundlich streut auf allen Wegen Er der Blumen Fülle aus, Flicht aus Sonne und aus Segen Uns den schönsten Vsterstrauß.
Und wie Blumendüste laben, So labt Vsterwonne mich.
Vb auch Teures ich begraben, Dstertrost, noch hab' ich dich. Strahle denn, o Dstersonne, Strahle deinen hellsten Schein, Vstertrost und Vsterwonne Send in jedes Herz hinein! Heinz Silvanur
Amtliches
Unter den Schweinen zu Fechenheim-Mainkur ist die Schweineseuche erloschen.
Hanau den 8. April 1909.
V 2057
Der Königliche Landrat. v. Beckerath.
Unter den Schweinen in Marköbel ist die Schweineseuche festgestelll.
Hanau den 8. April 1909.
Der Königliche Landrat.
Stadtkreis Hanau
Am Mittwoch de« 14. April 1909, nachmittags
5 Uhr, findet eine
Sitzung der Stadtverordneten
mit der Tagesordnung
anderweite Festsetzung der Gemeindeumlage
Arbeitsuchende in der Zeit vom 3. bis 9. April 190a:
1 Arbeiter, 1 Kartenarbeiter, 2 Haus- burschen, 7 Taglöhner.
Gesucht: 1 Polsterer und Tapezierer.
Hanau den 10. April 1909. 9091
Städtische ArbeitsvermittelungSstelle.
statt.
für 1909
V 2066 ^■■j..".....1
v. Beckerath.
Hanau den 10. April 1909.
Der Stadtverordueien-Vorsteher.
J. V.: Schroeter.
9167
Diciistniichrichtcn lins dem Kreise.
Der Landwirt Heinrich Wilhelm Wörner I. von Eichen ist zum Feldhüter der Gemeinde Eichen bestellt und verpflichtet worden.
Feuilleton
Die AMellM der ntwtr6h6fn FortblldNgs^llle.
(9. bis 12. April 1909.)
In dem vor wenigen Monaten vollendeten geschmackvollen Neubau der gewerblichen Fortbildungsschule ist gestern die Ausstellung von Schülerarbeiten aus dem Jahre 1908/09 eröffnet worden. Da diese Ausstellung, wie das Jahr 1908/09 durch Eröffnung des Neubaues überhaupt, einen Markstein in der Geschichte der Fortbildungsschule bildet, so ist es gewiß im allgemeinen Interesse, auf sie besonders hinzuweisen und namentlich unsere Handwerksmeister zum Besuche aufzwordern. In fünf Räumen des neuen Gebäudes sind die Arbeiten von den 950 bis 10n0 Schülern des verflossenen Schuljahres, welche von 18 Lehrern, von denen 15 hauptamtlich angestellt sind, unterrichtet werden, aufgelegt und in Form eines Lehrganges Zeichnungen und Modelle ausgestellt worden. Die Ausstellung letzt lief) alw nicht zusammen aus augenfälligen zu Ausstellnngszwecken angefertigten Paradestücken, oder aus einer - uolne der besten Arbeiten, sondern an dem ausgestellten einen Beispiel aus einer jeden Klahe w a Al schreiten eines Schülers von der einsamsten
bis zur schwierigeren Aufgabe in seinem Berufe gezergt weroen.
Wenn wir sagten, die Ausstellung bilde einen Markstein in der Geschichte der Anstalt, so ist das so zu verstehen, ah zum ersten Mal das Resultat der von dem letztgen Direktor, . Herrn Architekten Geißler. welcher seit drei .raoren hier
tätig ist, angestrebien Reorganisation des Unterrichts gezeigt wird. Früher war der Unterricht in den Fortbildungsschulen im allgemeinen eine Wetterführung der Volksschulbildung bis atm eigentlichen Fach des Schülers einerseits, während im Zeichenunterricht eine „allgemein-machematische oder allgemein-künstlerische Erziehung" angestrebt worden war. Jetzt steht das Fach des Schülers im Mittelpunkt des Unterrichts. Das sogenannte allgemein bildende Zeichnen ist mit Recht gänzlich ousgeschieden worden und hierfür hat das Zeichnen für den Beruf in den zwei großen Hauptabteilungen, in tvelche die Schule gegliedert ist: den technischen Gewerben und den schmückenden Gewerben, Platz gegriffen. SogenannteFreihandzeichmklassen gibt es nicht mehr. Sofort bei seinem Eintritt in di? Schule lernt der Schüler nur das zu feinem Berufe notwendige Zeichnen und Modellieren und in drei aufsteigenden Jahresklassen sind die Schüler gleicher ober verwandter Berufe untergebracht. ' Das Zeichnen nach Vorlagen ist so gut wie ganz ausgeschlossen, und das Hauptaugenmerk wird nur auf die Ausführung in dèr Praxis, nicht auf die Zeichnung selbst gelegt. Daher soll z. B. der Schreinerlehrling kein Ze'chner für Möbel, der Maurer kein Architekt werden usw. Man könnte fragen und hat auch gefragt, was soll aber z. B. ein Konditorlehrling außer der geschäftlichen Korrespondenz und Rechnen in der Fortbildungsschule lernen? Und nun betrachte man sich einmal die reizenden Modellierungen der Konditorlehrlinge; ja sogar in wirklichem Zucker und ganz in der Art, wie es in der Praxis geschieht, sind die Tortenverzierungen Hergesiellt worden. Es würde viel zu weit führen, auf Einzelheiten hier einstigeren oder einzelne Abteilungen hervorzuheben. Wir haben den
Eindruck gewonnen, daß von jedem Lehrer Tüchtiges geleistet wird. Wohl kommen noch hin und wieder Arbeiten vor, die den Geschmack des Lehrlings eher verbilden, als läutern, z. B. Ausführungen in dem Stil der vor wenig Jahren so hochmodernen, aber den Gipfel der Geschmacklosigkeit darstellenden sog. „Grotesklinie" oder aber in dem Hinneigen zum Malerischen, wo eine einfache richtige Kontur zu bevorzugen, wo also weniger mehr gewesen wäre, u. a. Doch das sind ja ganz geringe Ausnahmen, Kleinigkeiten, die gewiß bald, wenn die Reorganisation ganz vollendet ist, verschwinden.
Jeder, dem das Gedeihen unseres Handwerks, die Ausbildung unseres gewerblichen Nachwuchses am Herzen liegt, möge die Ausstellung besuchen und sich zugleich an dem schönen und praktischen Neubau der Schule, der nach dem Entwurf und unter der Leitung des Herrn Direktors Geißler entstanden ist, erfreuen. Die Ausstellung ist ein Beweis dafür, daß die Anstalt unter dem jetzigen Direktor in den besten Händen ist und daß die großen Opfer, welche die Stadt Hanau bringt, dem Gewerbe und der Industrie unserer Stadt wirklich zugute kommen. Mögen auch manche Handwerks- meister über den Schulzwang ihrer Lehrlinge unzufrieden sein, mögen auch manche unbegabte stumpfsinnige Schüler nach Vollendung der Schulzeit ebenso klug oder unklug sein wie vorher — mit der Dummheit kämpfen ja bekanntlich bic ©Otter selbst vergeblich —, vorurteilslos denkende Handwerks- meister werden den großen Nutzen der Schule unbedingt zu- geben. Jedenfalls ist die Ausstellung ein schöner Erfolg, aus den Hanau stolz sein kann.
E r n st I. Z i m m e r m a n n.