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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Vellage.

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Nr. 211 K«»»,pr-ch«»!chl«tz Nr. 605. Donnerstag den 9. September

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Fernsprechanschlittz Nr. 605» 1909

Amtliches.

Landkreis k^anau.

Unter den Schweinen in Hüttengesäß ist die Schweine­seuche festgestellt.

Hanau den 7. September 1909.

Der Königliche Landrat.

V 4960 Frhr. v. Laur.

Die Wahlperiode des Vertreters der Genofsen- schasts-VersammlUNg der Hessen-Nassauischen landwirt­schaftlichen Berufsgenossenschaft und dessen Ersatzmannes läuft mit Ende dieses Jahres ab. Es sind daher gemäß §§ 6 und 7 des Genossenschaftsstatuts vom 4. Dezember 1901 Neuwahlen vorzunehmen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, durch die Gemeindevertretung (in Butterstadt durch die Gemeindever­sammlung) je einen Wahlmann alsbald wählen zu lassen. Der Vertreter und der Ersatzmann werden in einem von mir noch zu bestimmenden Wahltermine aus der Mitte der Wahlmänner gewählt. Der Wahlmann muß Eigentümer oder bevollmächtigter Leiter land- oder forstwirtschaftlicher Betriebe sein.

Die Wahlmänner sind mir bis spätestens -p» 25. dieses Monats unter Angabe des Vor- und Zunamen, Alter, Stand oder Beruf und Wohnort derselben namhaft zu machen.

* Gemeinden, welche diese Frist versäumen, bleiben bei der späteren Wahlhandlung unvertreten.

Vorstehendes findet auch auf die selbständigen Guts» bezirke mit der Maßgabe Anwendung, daß hier die Wahl­männer von dem Gutsvorsteher zu bezeichnen sind. Den Bericht der Herren Gutsvorsteher mit Ausnahme des­jenigen von Pulverfabrik erwarte ich ebenfalls bis zu oben­genanntem Tage. Der Gutsbezirk Pulverfabrik bleibt unver­treten, weil in demselben landwirtschaftliche Betriebe nicht unterhalten werden.

Hanau den 4. September 1909.

Der Vorsitzende des Sektionsvorstandes.

U1964 I. A.: vr. v. Waldo w, Reg.-Assessor.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Handtäschchen (Inhalt Portemonnaie mit 16,75 Mk., Taschenmesser, Schlüssel, Fingerhut, Taschen­tuch, gen Sophie, unb 1 Notizblock mit Bleifeder), 1 kleines weißes Kinder-Stoffhütchen, 1 noch gute Peitsche.

Verloren: 1 Paar kleine frisch besohlte gelbe Kinder- jchuhe, 1 goldene Nadel mit Perlen und Rubin (Schmetter- lingsform).

Versuchung und Reue.

Novellete von Maeiej Wierzbinski. Deutsch von Stefania Goldenring.

(Nachdruck verboten.)

Alfred Mlawski fühlte sich sehr mißgestimmt. Es war ihm etwas recht Unangenehmes zugestoßen. Er, der seit 8 Jahren als Sekretär im Bureau des Edmund Pils tätig war und mit Stolz sagen konnte, daß er seinen Posten ge­wissenhaft ausfüllte, hatte vergessen, dem Vorgesetzten ein wichtiges Telegramm einzuhändigen.

Eine fatale Sache! Er zitterte bei dem Gedanken, wie der Chef dieses Versehen beurteilen würde; dieser hatte eine besonders ruhige und würdevolle Art, seine Unzufriedenheit zu äußern, eine Art, die mehr verletzte als lauter Tadel. Alfred machte sich keine Illusionen, daß er etwa dem durch- dringlichen Blick des Chefs entgehen würde, vor dem alle Beamten zitterten.

War das Leben, das Alfred führte, ein Leben voller Arbeit und Pflichten, so gab es ihm dennoch keinen Anlaß zu Klagen: gehörte er doch zu den ältesten Angestellten, die sich

Betrauens des Chefs erfreuten und ein ganz beträcht- fs^Es Gehalt bezogen. Zu Neujahr erwartete er Zulage, bte ihm die Möglichkeit bot, zu heiraten.

e§ ""ch ihm gegangen, so hätte er seine Braut längst heimgeführt, aber Marynia wollte nicht eher in den heiligen Ehestand treten, als bis ihr zukünftiger Gatte über «in ausreichendes Einkommen verfügte.

Gern wäre er heute zu ihr geeilt, um ihr seine Sorgen anzuvertrauen, doch fürchtete er, sie zu betrüben. Deshalb bestieg er, sobald er sein Mittag verzehrt hatte, einen Omnibus, der ihn auf einer verkehrsreichen Straße absetzte. Er brauchte frische Luft, Ablenkung, Vergessen. Ziellos ließ fr sich von der Menschenmenge tragen, bis drei große xsxktrische Bogenlampen seine Aufmerksamkeit fesselten. Er ^rat einen Vorraum mit weißen Marmorwänden und einen

Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit schwarzen und braunen Abzeichen m. Geschl., mit Halsband.

Hanau den 9. September 1909.

politische Rundschau.

Neuregelung der preußischen Ortsklasten- einteilung. Auf eine vom Bürgerverein der oberschlesischen Stadt Rosenberg an das Staatsministerium gerichtete Ein­gabe um Einreihung Rosenbergs in die dritte Servisklasse hat denOppelner Nachrichten" zufolge der Finanzminister geantwortet, daß für Preußen eine veränderte allgemeine Regelung der Ortsklasseneinteilung im Ministerium erwogen werde; von Anträgen an das Staatsministerium auf Ein­reihung einzelner Orte in eine andere Servisklaste müsse da­her einstweilen abgesehen werden. Wahrscheinlich kommt das neue Gesetz im Herbst in den Landtag.

Der Full Schuck. Das Wölfische Telegraphenbureau meldet: Reichstagsabgeordneter Wilhelm Schack erbat bis zur gerichtlichen Austragung der Triole-Angelegenheit Beurlau­bung von seinen Dienstgeschäften als Vorsitzender des Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverbandes.

Ländliche Wohlfahrts- und Heimutpflege. Dem Landwirtschaftsminister ist folgender vom Landes-Oeko- nomie-Kollegium in seiner letzten Tagung gefaßter Beschluß mit der Bitte um möglichste Unterstützung der in ihm zum Ausdruck kommenden gemeinnützigen Bestrebungen unterbreitet worden: I.Durchdrungen von der Notwendigkeit zur Er­haltung deutschen Volkslebens und deutscher Volkskraft, so­wie einer leistungsfähigen deutschen Landwirtschaft, zielbewußt und umfastend Wohlfahrts- und Heimatpflege auf dem Lande zu treiben, erblickt das Landes-Oekonomie-Kollegium die besten Mittel zur Erreichung dieses hohen Zieles in 1. einmütigem Eintreten für die Bestrebungen des Deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpsiege, Verbreitung seiner Bestrebungen in der Bevölkerung durch Kleinarbeit des ein* zelnen in Wort und Schrift, Gründung provinzieller und örtlicher Zweigvereine zwecks intensiverer, der örtlichen Eigenschaft angepaßter Arbeit; 2. Ausbreitung des genoffen* schaftlichen Gedankens, Vertiefung desselben im Sinne der Bestrebungen des Deutschen Vereins für ländliche Wohl­fahrts- und Heimatpflege, Zusammenschluß aller für die wirtschaftliche, soziale, geistig-sittliche Hebung der Landbevölke­rung tätigen Kräfte unter der Wahrung der vollen Selbst­ständigkeit der auf Spezialgebieten schon erfolgreich arbeitenden Organisationen; 3. kräftiger Unterstützung dieser Bestre­bungen unter Dezentralisierung der staatlichen Fonds in die den örtlichen Verhältnisten nahestehenden Instanzen durch die staatlichen Behörden, durch die kommunalen Ver­bandsorgane (insbesondere die Kreise), durch die berufenen

riesigen weißen Saal, wo ein Geräusch von gedämpften Stimmen, strahlende Lichtfluten und hinter den exotischen Pflanzen hervorfließende Töne ihn umfingen. Eingeschüchtert durch den Glanz und die Pracht der Umgebung, suchte er nach einem abseits gelegenen Platz. Er kam sich wie ein Eindringling vor und freute sich, als er ein Tischchen in einer verborgenen Ecke fand.

Aber auch hier wurde er beobachtet, und zwar von einem älteren Herrn, der sich offenbar nicht entsinnen konnte, wo er ihn schon gesehen hatte. Alfted erkannte in ihm sofort einen Klienten der Firma Pils u. Cie. Bald wurde sein Interesse von einem andern Tisch in Anspruch genommen, an dem ein elegant gekleideter junger Mann mit einem jungen Weib von außerordentlicher Schönheit und Anmut saß. Als er länger hinsah, erkannte er in dem vornehmen Kavalier seinen Schulkameraden, mit dem seinerzeit der größte Spott getrieben wurde. Es ging seltsam in dieser Welt zu!

Während Alfred über das Systemlose in den Menschen­schicksalen nachdachte, näherte sich ein vornehmer, etwa vierzigjähriger Mann im Frack, über dem ein loser schwarzer Mantel hing. Er setzte sich mit lässiger Bewegung, schwer keuchend nieder, als ob er von einem reichhaltigen Diner käme. Auf seinem Gesicht malte sich tierische Befriedigung. Die Musik wirkte auf ihn einschläfernd, denn seine Augen­lider senkten sich, die Zigarette erlosch in seinem Munde.

Plötzlich fuhr er auf, bestellte eine Tasse Kaffee und holte aus seiner Brieftasche einen Geldschein heraus. Der Kellner ging, ihn an der Kasse zu wechseln. Es dauerte ziemlich lange, bevor er wiederkam. Der Fremde war un­geduldig geworden ; als er den Kellner endlich erblickte, warf er die Zeitung auf den Tisch, steckte das Geld in die Tasche und entfernte sich mit eiligen Schritten.

ES wurde spät, aber Alfred saß noch immer unbeweglich, gleichsam hypnotisiert von dem Geräusch deS Menschen­gewimmels, berauscht von der Harmonie der Töne.

Vertretungen der Landwirtschaft. H Die ländliche Wohl­fahrtspflege kommt in erster Reihe dem landwirtschaftliche« Mittelstand und der Landarbeiterschaft zugute. Ihre Förde­rung ist deshalb ganz besonder? die Aufgabe der zur Ver­tretung der Interessen dieser Berufsgruppen berufenen Land­wirtschaftskammern. Letztere müssen behufs Erfüllung dieser Aufgabe a) auf den zahlreichen, die Ziele der WohlfahrtS- und Heimatpsiege berührenden Spezialgebieten ihrer Tätigkeit diese Ziele sorgfältig berücksichtigen; b) im allgemeinen mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln (finanzielle Beihilfen, Besorgung der Bureaugeschäfte, Beilagen zu der Kammerzeit­schrift, Vorträge von Kammerbeamten) die Gründung von Provinzialabteilungen deS Deutschen Verein- für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpsiege und dir Verbreitung deS Interesses und Verständnisse- für feine Ziele unterstützen.

Die Landwirtschaft-kümmern, bemerken dazu die Mitteilungen der Zentralstelle der Preußischen Landwirtschaft-kammern, haben sich in diesem Beschlusse gewissermaßen selber ein Pro­gramm für die Förderung der ländlichen Wohlfahrt-- und Heimatpsiege in ihren Bezirken aufgestellt. Der Beschluß beruht insbesondere auf der Auffassung, daß sich die Land­wirtschaftskammern ebenso als Vertreter der landwirtschaft­lichen Unternehmer wie auch als Vertreter der landwirtschaft­lichen Arbeiter betrachten. Ein« geeignete Organisation der besondern Maßnahmen auf dem Gebiete der Wohlfahrts- und Heimatpsiege in den einzelnen Provinzen wird vor allem in der Gründung von Provinzialverbänden des Deutschen Ver­eins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpsiege nach dem Vorbilde von Ostpreußen und neuerdings Pommern unter enger Angliederung dieser Zweigverbänk an die Landwirt- schaftskammeru zu erblicken sein.

Zentral-erein für deutsche Binnenschiffahrt. Der Zentralverein für deutsche Binnenschiffahrt eröffnet am 23. September seine diesjährigen Winterarbeiten mit einer Sitzung im Stromgebiete des Rheines, indem er einer Ein­ladung der Handelskammer zu Koblenz Folge leistet. Auf der Tagesordnung steht eine Fülle von bedeutungsvollen Fragen, welche insbesondere dir Rheinschiffahrt betreffen, die aber auch für weitere Kreise mannigfache Anregung bieten. DK Fahrwaffertiefe des Rheins wird Rheinstrombaudirektor Geheimrat Müller zu Koblenz behandeln; die heißumstrittene Frage der von der preußischen Regierung mit einem Kosten­aufwand« von 8036 Millionen Mark herzustellendm Schleusenanlag« im Binger Loche und bie Vertiefung deS RhrinfahrwasserS auf der Strecke St. Goar bis Mainz werden Reedereidirektor Fendel zu Mannheim und Syndikus Dr. Bartsch zu Duisburg behandeln, d«r erstere namentlich von dem Gesichtspunkt« aus, inwiefern bie oberrheinische« kommunalen Häfen eine Schädigung erfahren und der letzter» im Hinblick auf bie schwer« finanzielle Belastung, welch« bk

DaS Gefühl von Groll und Bitterkeit verließ ihn jedoch nicht, tim feint trüben Gedanken zu verscheuchen, hob er die Zeitung auf; aber wir war er erstaunt, als er darunter bk Brieftasche erblickte.

Im ersten Augenblick wollte er dem Fremden «achreuaen, daS Personal Herbeirusen, aber eS war, als ob ihn etwas festhielte.

Kein Kellner war in der Näh« . . . Di« Gäste waren ausschließlich mit sich selbst beschäftigt . . . Unverwandt starrte er die auSgestopfte, schwarz« Briestaschr an . . Seine Gedanken arbeiteten rasch . . Der Eigentümer würde seinen Verlust erst morgen früh bemerken ...

Vor ihm lag ein Vermögen! DaS Schicksal wollt« für alles Unrecht entschädigen und schob «S ihm selber zu, er braucht« nur bk Hand auSzustrecken, um reich z» werden . . .

Er fühlte, wie die rasend« LebenSwoge ihn umfing, rott ein Freiheitsdrang in ihm erwachte, wie der unbekannt« Nerv der Lust und Freud« in ihm erbebte ...

Gold gibt Freiheit, erwirbt Freundschaft, erringt Liebe, es ist von allmächtiger Gewalt. Flehend strecken fich Millionen Arme nach diesem Götzen auS. Verdammt ist der­jenige, der diesem Götzen nicht huldigt . . .

WaS für ein anderer Mensch würde Alfted Mlaw«8 mit dieser Brieftasche werben ? Würd« «4 jemand wagen, ihn als Sklaven zu behandeln? Würden die Frauen nicht hundert Eigenschaften deS Herzens und deS Geistes in ihm finden? Würde MaryniaS Lieb« nicht stärker werden?

Seine Hand erbebte... er fuhr mit den zitternde« Fingern über feine heiß« Stirn, den irren Blick in bie Ferm gerichtet.

Das alles war ein ungesunder Traum . . . Stimmer» mehr I Alfred MlawSki war ein ehrlicher Men ... eia ehrlicher Beamter der Firma Pils u. Ci«.

In diesem Augenblick näherte sich ihm der Kellner, al« ob er auf eine neue Bestellung wartete. MlawSki wagt«