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WotäSbrack und Serlag d«r Buchdruck«« »< ewta» M Waisenhauses in Hemem.

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Amtlicher ®t|6i fit Stadt- M Falldkreis Kakaa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der S«m- und Feiertage, mit belletristischer Benage.

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Montag den 9. August

beruft rechanschlittz Nr. 665. 1909

Amtliches.

Stadtkreis Hanau Bekanntmachung.

Nachdem der Kluchtlinienplan für das Gelände zwischen Kastanienallee, Weihergraben, Salisweg und r^riedhofstraste zu Hanau-Kesselstadt durch Beschluß vom 27. Juli d. Js. förmlich sestgestellt worden ist, wird er auf Grund des § 8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 von nun an im städtischen Vermessungsbureau, Rathaus, Zimmer21, während der Geschäftsstunden zu jedermanns Einsicht offen gelegt.

Hanau den 3. August 1909.

Der Magistrat.

_________________ Hild. 18234

Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.

Der Taglöhner Wilhelm Hild I. in Bruchköbel ist zum Feldhüter bestellt und verpflichtet worden. A 3487 Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 weißer Damengürtel.

Verloren: 1 braunledernes Portemonnaie mit etwa 1,30 Mk. Inhalt und 1 kleinen Hausschlüssel, 1 Paketchen mit 2 Paar weißen Handschuhen.

Hanau den 9. August 1909.

Kreta.

Die kretische Frage ist an einem gefährlichen Punkte an» gelangt. Am Freitag hat der türkische Gesandte in Athen eine Note übergeben, deren Forderungen die griechische Re­gierung ohnè schwere Demütigung nicht wird akzeptieren können. Die Türken verlangen nämlich eine schriftliche Er­klärung, in welcher die griechische Regierung die Agitation der christlichen Kreter für den Anschluß der Insel an Griechenland mißbilligen und hinzufügen soll, daß sie selber keine Annexionsabsichten hat. Die Türkei verlangt baldige Antwort auf ihre Note und droht andernfalls, ihren Ge­sandten in Urlaub gehen zu lassen. Die griechische Regie­rung will sofort antworten und hat sich eiligst an die Mächte gewandt, um ihre Intervention zur Vermeidung eines end­gültigen Bruchs zu erbitten.

Dies ist im Augenblick die Lage. Wie hat sie sich ent­wickelt ? Bald nach der Annexion. Bosniens und der Her­zegowina und der bulgarischen Unabhängigkeitserklärung glaubten auch die Kreter den Augenblick gekommen, ihren Anschluß an Griechenland zu vollziehen. Die Griechen

Ihr Einziger.

Novelle von Tarrner-Ferr»«.

(Fortsetzung.)

Frau von Arnold an ihren Sohn.

Gellingshausen.

Mein lieber Heinz!

Ich freue mich so, daß Du sofort nach Deiner An­kunft meiner gedenkst nicht nur, sondern mir auch ein sicht­bares Zeichen dieses Gedenkens sendest. Deine Briefe sind ja fast die einzigen Unterbrechungen meines einsamen Lebens. Denn es ist sehr einsam. Du nimmst, sobald Du fortreisest und dann in Berlin bist, andere Eindrücke, ver­änderte Bilder in Dich auf, ich bleibe zurück in der stillen Häuslichkeit, in der ich niemand LiebeS zu umsorgen habe.

Ich sitze auf meinem gewohnten Fensterplatz und durch­lebe jede Stunde wieder mit Dir, ich höre Deinen Schritt auf der Treppe und kann mich so hineinversetzen, daß ich denke, die Tür muß sich öffnen und Du Hereintreten. Und wenn es dann still bleibt und leer um mich, dann kommt das Erwachen, daß ich wieder einmal geträumt

Ach frage mich auch oft, ob es wohl noch einmal auf der Welt Mutter und Sohn als zwei so gute Kameraden gibt, und ich danke Gott, daß er mir Dein Vertrauen gab und ganz unbeschränkt erhalten hat bis heute. Daß er es mir ferner erhält, das ist ja der einzige Wunsch, den ich für mein ferneres Leben noch habe. Ich bin sonst so wunschlos, daß ich oft einen Schreck darüber habe, wenn ich andere Frauen meines Alters sehe.

Und dann muß ich darüber lächeln, daß Du schreibst, Du hättest eine schöne, jugendliche Mutter. Schön war ich nie, und was mich jugendlich erhielt, war meine Liebe zu Dir, war unsere Kameradschaftlichkeit, der ich damals ein zweites Liebesglück klaglos geopfert habe. Ach,

griffen aber damals nicht zu, hauptsächlich auf Abraien der vier Kretaschutzmächte England, Frankreich, Rußland, Italien, die weitere Komplikationen im Orient be­fürchteten, aber auch in der Erkenntnis, daß der günstige Mommt bereits verpaßt war und die Annexion den Krieg mit der Türkei bedeutet hätte. Seitdem hat sich in der Türkei der nationale Stolz noch weiter entwickelt, und kein türkisches Kabinett darf es jetzt wagen, Kreta an die Griechen herauszugeben. Der Rest von Hoheitsrechten, den die Türkei auf Kreta bewahrt hat, bildet für sie eine hinreichend feste Rechtsbafis. Das Heer uud die Jungtürken scheinen gleich fest entschlossen, es auf einen Krieg ankommen zu lassen. Der militärischen Ueberlegenheit sind sie sicher, und einen kriegerischen Erfolg können namentlich die Jungtürken zur Befestigung des neuen Regimes und ihrer Stellung darin nur zu gut gebrauchen.

Die Griechen hatten auf ein selbständiges Vorgehen ver­zichtet, weil sie glauben konnten, dir Insel würde ihnen im Laufe der Dinge ganz von selber zufallen. Auf eine all­mähliche Vorbereitung dieses Ereignisses war auch die Politik der Schutzmächie eingerichtet. Sie hatten dabei nicht in Rechnung gestellt, daß die Türken, anstatt fich mit einer schmerzlosen Abtrennung dieses schon ver­loren geglaubten Gliedes zufrieden zu geben, die Ren­befestigung ihrer Herrschaft über Kreta zu einer nationalen Ehrensache machen würden. Die Kretenser selbst haben ihnen durch Nebereilung und Uebermut in die Hände ge­arbeitet. Anstatt ruhig abzuwarten, haben sie den Abzug der fremben Besatzung aus Kreta, bet den Griechen für Jnki versprochen war und unter Hinterlassung von Stationsschiffen auch ausgeführt wurde, zu einer Kundgebung benutzt, bi« nun jetzt verhängnisvoll zu werden droht. Sie haben näm­lich unter Mißachtung der türkischen HohettSrechte auf öffent­lichem Platze die griechische Flagge gegißt und auch durch andere Akte bekundet, daß sie sich von jetzt an als Griechen­land zugehörig betrachten. Die türkische Aufforderung an die griechische Regierung, diese ganze Bewegung jM desavouieren, ist nun die Folge gewesen.

Die Griechen haben sich bisher in allen Kreta betreffen­den Fragen hinter die Schutzmächtt zurückgezogen. Die Türkei scheint aber jetzt entschlossen, geradeaus zu gehen und die Sache mit Griechenland direkt zu erledigen. Wie die Schutzmächte sich nunmehr stellen wollen, ist noch nicht zu erkennen. Sie haben eine schwere Aufgabe, weil sie Ver­pflichtungen nach beiden Seiten übernommen haben. Die nicht beteiligten Mächte, Deutschland und Oesterreich-Ungarn, sind bisher aus ihrer streng beobachteten Reserve nicht herauS- getreten. Hoffentlich gelingt es den Schutzmächten, noch einen Weg zur Erhaltung de« Friedens zu finden.

Heinz, warum mußtest Du in diesem Briefe noch einmal «n jen« Zeit mich mahnen, die ich für immer gern be­graben wissen möchte? Ich weiß heute gar nicht mehr, ob Dein Widerstreben gegen meine zweite Heirat so kür- disch-egoistisch war, ich weiß nur, daß ich Dich dann, ver­loren haben würde, und daS hätte ich nicht ertragen. Wes­halb fragst Du mich nun heute in Deinem Briefe, ob ich nicht« entbehrt habe? Und wenn ich etwas entbehrt hätt«, so war es ja mein Will« gewesen. Weil Du aber, lieber Junge, noch einmal an diese Stelle rührst und weil wir eben kein Geheimnis haben, sondern Vertrauen gegen Ver­trauen, und weil Du mich heute besser verstehst als vor vier Jahren, darum kann ich Dir heute sagen: Hölzner und ich wir hatten uns herzlich lieb, und wir haben in unserer Vereinigung ein schönes, reiches Glück zu finden gehofft, ein Glück, daS die Treue und Liebe, mit der ich Deines Vaters Frau war, niemals beeinträchtigt hätt«. Du kannst sehen, wie edel und großherzig Holzner war, daß er mit keinem Wort« gegen Dich sprach, mit keinem Worte mich umzustimmen versuchte, als wir uns sprachen zum letzten Male.

Er verstand mich als Mutter das war rührend zart von solchem stolzen, energischen Manne, und er hatte mich zu innig lieb, um mir meinen Frieden zu nehmen.

Die Q-rau, die er sich gewählt, sie war jünger als ich und eine verwaiste Offizierstochter, ist sehr glücklich mit ihm geworden. Ich freue mich, daß er nicht allein blieb ; ich hatte ja Dich einsam sein, ganz einsam das ist furchtbar.

Vor solcher Einsamkeit hütet mich Deine Liebe, denn ich bin mit meinen vierzig Jahren nicht alt genug, ganz ein­sam zu sein.

Ueber DeinBummelleben", wie Du es zu nennen be­liebst, beunruhige ich mich nicht mehr, wenn ich auch ge­stehe, daß ich auch diese Ruhe habe erlernen oder besser erkämpfen müssen.

Politische Rundschau*

Der Kaiser traf gestern morgen 7.35 Uhr auf dem Lehrter Bahnhof ein.

Kaiserbesttch in Cleve. Im Gefolge M Kaisers auf seiner Reise nach Cleve, Hohensyburg und WilhelmShöb« werden sich befinden: Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg, Generaloberst v. Plessen, General Frhr. v. Marschall, Major v. Neumann-Cosel, Äibarzt und Generalarzt Dr. v. Jlberg, der Chef deS Militärkabinetts Generalleutnant Frhr. #. Synke, und der Chef deS ZivilkabinrttS v. Valentini. Im Gefolge der Kaiserin werden sich befinden: der Dizeoberzeremonien- meister Exzellenz v. d. Knesebeck, HofstaatSdam« Fräulriu v. Gersdorff, sowie die Gräfin v. Baffewitz.

Eine kerndeutsche Rede deS bayerische« Thronfolgers. Prinz Ludwig, der bayerische Thron­folger, hat zum Schluß des bayerischen Turnfeste« in Ingol­stadt in der bei Sehlhei« belegenen BefrriungShall» eine bemerkenswerte Rede gehalten. Er bezeichnete sich als den ältesten Enkel seines Großvater«, König Ludwigs I., und Erben seiner Gesinnung. Der Prinz verwies sodann aus di« vielen in der Befreiungshall« verewigte« österreichischen Namen und fuhr fort: »Lesen Sie dies« Namem König Ludwig L war ein Deutscher in viel weiterem Sinne, als es viele Deutsche jetzt find. Deutschland war nach seinen Begriffen und bett meinigen daS Land, das so weit geht, wie die deutsche Sprache, wie Arndt es gesagt hat, wie das deutsch« Lied erklingt. Es ist daS ein« Sache, die nie ver- gissen werben soll, und am wenigsten hat sie König Ludwig I. vergesftn. DaS schließt aber nicht auS, daß wir die sogen, alldeutsche Bewegung unterstützen, ohn« daß wir jedoch unsere außerhalb des Reiches wohnenden Brüder auffordern, Hoch­verrat zu treiben und von ihrem angestammten Lande abzu- faßen. Wir wünschen, daß fit gerade so gut deutsch bleiben wie wir, auf daß es ihnen in ihi«m Lande gut gehen möge. Und daß gerade in ber letzten Zeit diese Gesinnungen wieder überhand genommen habe«, daS haben wir vor wenigen Monaten erfahren, als ein Krieg Oesterreich bedrohte und damit auch uns. Di« großen Gedanken, bit König Ludwig I. für die Einheit der Deutschen hatt«, habt« unS dies«« Kritg erspart. Möge, wie «S früher war, es auch in der Zukunft wieder sein und fich. das Wort König Ludwigs I. bewahr- Hriten: »Möchten di« Deutschen nie vergessen, was d«n^ Be­freiungskampf nötig macht« und wodurch fit gesiegt !* Man wird sich gewiß überall, wo man gut deutsch denkt und fühlt, solcher Wort« aus dem Munde des bayerischen Thronfolgers herzlich freuen.

Eucharistischer Kongretz. Den Abschluß und den Höhepunkt des eucharistischen Kongresse« in Köln bildete gestern eine große Prozession, di« sich vom Dom auS durch

Wenn wir Frauen unser Herz so innig an etwas hängen, wie ich das meine an Dich, da haben wir leicht Angst, dieses »Etwas* könnt« uns verloren gehen.

Aber das ist überwunden, wir find ja gute Kame­raden, auch auf Wegen, bie ich nicht mit Dir gehen kaa« und darf. Du wirst Dich allezeit zu mir zurückfinde«, das

weiß ich.

Grüße Frau Sterling von mir und schreib« mir bald und ausführlich, aber, mein lieber Jung«, nie mehr etwas

von Hölzern. .

Das muß vergessen sein, wenn ich ganz Frieden haben soll, und ich denke, Deiner Mutttr Frieden gilt Dir mn.

Gott befohlen.

Dein« Mutter.

Vier Jahr« später.

Heiru von Arnold an seine Mutter.

Berlin.

Liebste Mutter!

Mein Telegrainm mit der Nachricht vom glücklich be­standenen Staatsexamen hast Du schon gestern abend be- konimen, und neben aller Freude wirst Du D,ch gewundert haben, daß es Dir nicht auch gleich meine Ankunft bei Dir meldete.

Was wirst Du aber erst sagen, wenn rch Dir nun heut« schreibe, daß der gestrige Tag aus zwiefachen Gründen der wichtigste meines Lebens war, ja, daß das Staatsexamen für mich an Wichtigkeit verliert neben dem andern wichtigsten Ereignis meines Lebens meiner Verlobung.

Du, meine liebe, gute Mittler, sollst natürlich die Erst« sein, die erfährt, daß ich seit gestern glücklicher Bräutigam bin und daß Du nun außer DeinemEinzigen" auch noch eine Tochter hast, die Dich lieben und verehren wird und die Du, so hoffe ich fest, mit Deiner ganzen, großen Mutter­liebe an Dein Herz nehmen wirst, sobald Du sie erst nährr kennen gelernt. Als ick Dick im Frühjahr so sehr bat,