Die Korfu-Cvmpagny vor Gericht.
(itaber. Nachdr. derb.) S. a. H. Köln, 7. Iâ
Unter dem Vorsitze des Landgerichts direktor Dr. Casper begannen heute vor der ersten Strafkammer des hiesigen Landgerichts die Verhandlungen in dem Monstreprozeß gegen die Gründer und Manager der sogenannten Korfu-Compagny. Wie schon mitgeteilt, hatte vor einigen Jahren die Firma Darguenne in Namur von den Behörden der Insel die Konzession erhalten, moderne Bade- und Spieleinrichtungen zu schaffen. Die Konzession ging schließlich an die in Brüssel gebildete Korfu-Compagny über, die in ihren Reklamen die tollsten Versprechungen machte, um Käufer für die Aktien der Compagny heranzulocken. So wurde behauptet, die Aktien würden an der Brüffeler Börse gehandelt, während in Wirklichkeit nur einmal zwei Aktien im Börsengebaude freihändig versteigert morben sind. Auch redete man den Reflektanten auf die Aktien vor, daß in Korfu eine Spielbank erstehen würde, obwohl das Glücksspiel in Griechenland gesetzlich verboten ist, und daß die glücklichen Aktienbesitzer an ähnlichen Millionen-Gewinnsten, wie sie die Spielbaren in Monte Carlo, Palermo, Ostende und früher in Homburg und Baden-Baden einheimsten, partizipieren könnten. Die treibenden Kräfte der Korfu-Compagny waren die heutigen Angeklagten. Es sind dies die Kaufleute Hermann Haucke und dessen Sohn Paul Haucke, der Verlagsbuchhändler Ulrich Kracht-Berlin, Kaufmann Träger-Berlin, der Bergwerksdirektor a. D. Sonnenschein-Köln, Kaufmann, Kröger-Friedenau, Handelskammersekretär a. D. Kaminsky. Kaufmann Zimmermann, Oberkellner Jsfording, Agent Jungmann sämtlich aus Köln, KaufmannDume-Dortmund Kaufmann Oberreiter-Godesberg.
Es sind 80 Zeugen und Sachverständige geladen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Minde. Die Verteidigung führen die Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Julius Meyer «'Berlin) sowie die Kölner Rechtsanwälte Hiedemann, Dr. Holle und von Cöllen. Da es sich ausschließlich um Wechsel- und andere Geldgeschäfte handelt, verfallen die Verhandlungen bald nach Eröffnung tätlichster Langweilichkeit, die wohl auch die nächsten vierzehn Tage, die der Prozeß wahren soll, anhalten wird. Einleitend wurde von den Verteidigern für eine Anzahl Angeklagte der Einwand der Unzuständigkeit geltend gemacht. Das Gericht lehnte diesen Einwand aber ab, da es der Meinung war, daß nach der vor der Verhandlung erfolgten Ausscheidung einzelner Fälle die An- kladepunkte 'zusammengehören und gegen alle Angeklagten in Gesamtheit verhandelt werden könnte. — Der Eröffnungsbeschluß wirft den Angeklagten vor: Betrug, Urkundenfälschung, Unterschlagung und Vergehen gegen des Aktien- gesetz in etwa 60 Fällen. Die sehr langwierigen Vernehmungen der Angeklagten zur Personalfeststellung wurden durch einen Zwischenfall unterbrochen, da ein Photograph mit seinem Apparat im Zuhörerraum erschien, um photographische Aufnahmen zu machen. Er wurde vom Vorsitzenden aus dem Saale verwiesen. Dann begann die Vernehmung der Angeklagten, die die nächsten zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen dürfte. Die Angeklagten behaupten sämtlich, sich in keiner Weise gegen die gesetzlichen Bestimmungen vergangen zu haben. — Wir werden über die weiteren Verhandlungen Zusammenfassend berichten.
Aus alter Melt.
Fürst Eulenburg wird in dem österreichischen Bade Gastein durch einen preußischen Kriminalbeamten überwacht. Dieser hat den Patienten, laut „Berl. N. N.", ständig zu beobachten. Die Berichte des Kommissars sollen dem Oberstaatsanwalt die Ueberzeugung gegeben haben, daß das Befinden des Fürsten ©Ulenburg einer demnüchstigèn Wiederaufnahme des Verfahrens keine unüberwindbaren Bedenken mehr entgegengestellt. Da auch das Gutachten der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen den Fürsten als vernehmungsfähig bezeichnet, so dürften in dessen Angelegenheit bald neue Schritte getan werden.
' Das Spielen mit Streichhölzchen und die leidige Unsitte, bei der Lampe im Bett Zu lesen, hat in Köln zwei blühende Menschenleben gekostet. Dort zündete beim Spielen mit Zündhölzern ein sechsjähriges Kind daS Bett seines jüngeren Schwesterchens an, wodurch das arme Wesen
die Einsprengung mit duftenden Wassern zur Auschauung bringen. Von den Israeliten sei nur erwähnt, daß der Prophet Ezechiel ausdrücklich vom Schminken spricht. Im ganzen ist unzweifelhaft der Orient als die eigentliche Heimat des Gebrauchs der Toiletten- und Schönheitsmittel anzusehen. Dafür spricht auch die Tatsache, daß bei ihrem Vordringen nach Europa dann lange Arabien das eigentliche Mittler- land wurde, das die begehrten wohlriechenden Stoffe der europäischen Kultur Zuführte. Von den Wohlgerüchen Arabiens spricht ja noch Shakespeares Lady Macbeth. Der Weihrauch-Spezereienhandel, der über Arabien seinen Weg nahm, hat zeitweise außerordentliche Dimensionen angenommen ; und noch heute zeigen die Giraßenanlagen und die Denkmäler in den Straßen, die dieser Handel ging, welche wirtschaftliche Bedeutung er einstmals gehabt hat. Arabische Schriftsteller sind es auch, bei denen wir die ersten Nachrichten über das Moschusparfüm finden, das den Griechen und Römern noch unbekannt gewesen zu sein scheint, während es ja in der neueren Zeit manchmal zur Verwendnng gelangt ist Die Araber haben eS jedenfalls schon gekannt, und die Chinesen auch; sie haben die Moschusdüfte der chinesischen Tusche beigemischt. , „ .
Aus dem Orient fand der Gebrauch der Toiletten- und Schönheitsmittel feinen Weg nach Griechenland. auS Griechenland nach Rom. Die Griechen pflegten ihr Waschwasser mit Veilchen und Rosen zu parfümieren und waren überhaupt große Freunde der Wohlgerüche. ES wurde ein großer Luxus in diesen Dingen getrieben ; die Athener gingen so weit, daß sie für diè verschiedenen Teile des Körpers verschiedene Parfüme und Salböle gebrauchten. Der Nacken sollte zum Beispiel nach Thymian, die Arme nach Minze duften, während das Gesicht mit Palmöl eingeneben wurde. In den Parfümerieläden von Athen trafen sich die Gecken der Stadt und vertrieben sich die müßigen Stunden durch Geschwätz. Von den Schminken, deren sich die schönen Frauen Athens bedienten, sind uns noch heute Proben erhalten, und zwar sowohl von roten, wie von weißen Schminken. War der Luxus schon in Griechenland groß gewesen, so steigerte er sich in dem Rom der Kaiserzeit^biv zum Unsinnigen. Erzählt man doch, daß bei dem Leichen
Mittwoch
elendiglich verbrannte. Auf dieselbe Art kam ein Dienst- mödchen um, das bei Licht im Bett gelesen hatte und ein» geschlafen war.
Geburts- unv Gelbavel. Auf Schloß Siebenstern in Niederösterreich werden gegenwärtig Verhandlungen über eine eheliche Verbindung des Prinzen Franz Jose? von Branganza mit einer Tochter Vanderbilts geführt. Prinz Franz Josef ist Patenkind und Neffe des Kaisers und stellt im 27. Lebensjahre. Die Morgengabe der Braut soll 240 Millionen Kronen betragen.
Ji» WeAengrabe. Wie aus Newyork telegraphiert wird, ereignete sich in dem Städtchen Mondeville im Staate Mississippi ein schwerer Unglücksfall. Ein Vergnügunas- dampfer wollte bei einer Landungsbrücke anhalten, welche dicht mit Menschen besetzt war, stieß aber so heftig an, daß die Brücke zusammenstürzte. Die Leute, die auf ihr standen, stürzten ins Wasser, neunzehn sind ertrunken, viele wurden verwundet.
Eine Einbrechergesellschaft von Schülern hatte sich vor dem Landgericht Deffaüzu verantworten. JmVorjahre wurde in der anhaltischen Residenz fortgesetzt eingebrochen, ohne daß es gelang, der Spitzbuben habhaft zu werden. Schließlich kam die Polizei infolge des Selbstmordversuches eines 16jährigen Burschen dahinter, daß man die Spitzbuben in Schülerkreisen zu suchen habe. Als Haupt der 14köpfigerr Einbrecher- und Hehlerbande wurde ein 16jähriger Handelsrealschüler festgenommen, dessen Untergebene und H^'^ers- helfer meist 15' bis 16 Jahre alte Kunstgewerbe- und Hand- werkerschüler, Schlosser- und Buchdruckerlehrlinge waren. Der Hauptangeklagte, dem nicht weniger als 30 vollendete bezw. versuchte schwere und einfache Diebstähle nachgewiesen wurden, erhielt 2 Jahre Gefängnis, seine Mutter, die gestohlenes Geld von ihm angenommen hatte, 3 Monate Gefängnis; die übrigen Angeklagten 1 Jahr 9 Monate bis 1 Tag Gefängnis. Die Angeklagten waren, wie wieder einmal sest- geste^t wurde, infolge des Lesens von Schundromanen auf den Weg des Verbrechens geraten.
^um Raubmord am Brocke». Der Erste Staatsanwalt in Halberstadt hat telegraphisch die Haftentlassung des in Sollstedt verhafteten Bäckergesellen Kämpf verfügt und die Freilassung ist am SamStag sofort erfolgt. Der Mann war, wie gemeldet, unter dem Verdacht, den Mord in den Schnselöchern begangen zu haben, verhaftet. Bei seiner Festnahme erklärte er, es sei schon das dritte Mal, daß er unter diesem Verdacht festgenommen werde, man werde ihn bald wieder laufen lassen.
Ein Aufsehen erregender Diebstahl von Denkmals- Dekorationen hat sich in Petersburg zugetragen. Kurz vor der Enthüllung des Alexander-Denkmals erschienen eine Anzahl Leute und begannen, die wertvollen Dekorationen zu entfernen und auf Wagen davonzuführen. Die Polizei nahm an, daß sie Angestellte der liefernden Firma seien, und ließ sie ruhig gewähren. Erst als der Unternehmer den fertigen Denkmalsschmuck besichtigen wollte, kam der Diebstahl ans Licht. Die Täter aber sind bisher noch nicht ermittelt.
Es gibt noch Amazonen in München. In einer Weinwirtschaft an der Schommerstraße gerieten dieser Tage die Büfettdame und die Kellnerin in Streit, in dessen Verlauf die Kellnerin mit einem Stuhl auf die Büfettdame ein« schlug. Die letztere erlitt so schwere Verletzungen, daß sie ältlicher Hilfe zugeführt werden mußte.
' Ein gefahrvoll treibendes Wrack ist unmittelbar im Kurse der Dampfer in der Näh, des Borkumer Feuerschiffs festgestellt worden. Der dänische Dampfer Egison, Jörgensen in Grimsby, stieß an dieser Stelle auf einen etwa vier Fuß aus dem Wasser ragenden Mast, der an einem unter Wasser liegenden Wrack festsaß.
Ltebesdrama. Der Bahnbeamte Josef Binder und die Kellnerin Grethe Tötsch sind in der Nähe von Innsbruck mit durchschossenen Schläfen tot aufgefunden worden. Es handelt sich anscheinend um ein Liebesdrama.
Erdbeben. Der Seismograph auf der Königsstuhl- Warte verzeichnete gestern früh ein starkes Fernbeben, baß um 7 Uhr ansing und um 7 Uhr 42 Min. seinen Höhepunkt erreichte.
Zu der bevorstehenden neuen Verhandlung gegen Renard, den Tafeldecker des ermordeten Bankiers Remy, der, wie erinnerlich sein dürfte, des MordeS an seinem Dienstherrn beschuldigt wird, meldet ein Telegramm auS Paris, daß ein Sträfling, bet Zellengenosse deS verstorbenen
begängnisse der Poppäa, der Gemahlin Neros, mehr Weih- railch verbrannt wurde, als Arabien in zehn Jahren hervorbringen konnte. Caligula gab ungeheure Summen für Parfüme aus. Otho ist nach Juvenal mit einem ganzen Arsenal von Essenzen, Salben und Oelen zu Felde gezogen. Das Pfund einer der beliebtesten wohlriechenden Salben/bie aus Lilien, Boynenöl, Honig, Zimt und Safran zusammengesetzt war, kostete nicht weniger als 300 Mk. Die Salben- und Parfümhändlet (ihre Läden waren durch ein Salbei- büchsel gekennzeichnet) hatten gute Tage. Zu den Salben und Oelen gesellten' sich Verschönerunasmittel ohne Zahl. Die Römerin von Welt legte zur Erhaltung und Verschönerung ihres Teints einen Teig aus Brotkrumen und Milch auf, den sie nur ablegte, wenn sie ausging. Poppäa hatte einen eigenen Hautüberzug erfunden, den sie des ■ Nachts benutzte. EfASmilch galt als sehr wirksam zur Haut- j pflege; selbst in die Verbannung nahm die Poppäa doch noch 50 Eselinnen mit, die ihr die Milch zu dem gewohnten Bade zu l eiern hatten. Das Schminken war eine raffinierte Kunst geworden, auch Schönheitspflästerchen wurden nicht verschmäht.
Ganz treffend hat man bemerkt, daß mit dem Untergänge der alten Welt eine Ernüchterung des Geruchssinnes sich vollzog. Drängte doch überhaupt das Christentum die i Pflege des sinnlichen Menschen zurück. Deswegen waren dem Mittelalter aber doch Toiletten- und Schönheitsmittel nicht etwa unbekannt. Freilich mehr zum Zwecke der Befriedigung der Eitelkeit, als zur Pflege der Reinlichkeit. Zahnpulver kennen wir erst an5 dem späteren Mittelalter, wenigstens in Deutschland, und ein ^ahmvasser bereiteten die deutschen Bader nach Heyne erst im lo. Jahrhundert. Zahnbürsten, die bereits die Römer gebraucht hatten, sind im Mittelalter nicht vorhanden. Wohl aber pflegten sich die Damen die Zähne mit wohlriechenden Wassern zu spülen, wie aus Italien berichtet wird, und in der Zeit der Verweltlichung der Geistlichkeit machte man auch vielen Klerikern reichlichen Gebrauch der Parfüme zum Vorwürfe. Einen Umschwung veranlaßten dann die Kreuzzüge. Im Orient lernte die abendländische Welt wieder die dort altheimische Kunst der Herstellung und Verwendung der Toiletten- und Schönheitsmittel kennen,
Kammerdieners Courtois gewesen ist, folgende Aeußerung Courtois zu Protokoll gegeben hat: „Ich allein war eß/ bei unseren armen Herrn ermordete, ich ganz allein!" Dieses neue Faktum wird wesentlich dazu beitragen, die neue Verhandlung interessant zu gestalten. Die Geschworenen werden zu beurteilen haben, ob anzunehmen ist, daß Courtois auf dem Sterbebett gelogen hat, als er seinem Vater wiederholt und nachdrücklich den Renard als Haupturheber des Morde» bezeichnete.
Eine Duellaffäre zwischen Amtsrichter un» Rechtsanwalt bildete den Inhalt eines Prozesses nor. der Stendaler Strafkammer. Der Rechtsanwalt Dr. Wohlfahrt aus Genthin begab sich vor längerer Zeit in das Amts- zimmer des Amtsrichters Weidemann in Jerichow, um sich vorzustellen. Weidemann soll nun die Vorstellung des Dr. Wohlfahrt nicht genügend, höflich beantwortet haben, und es entstand ein Streit, in dessen Verlauf der Richter den Anwalt aus seinem Zimmer wies. Dr. Wohlfahrt ließ nun den Richter durch den Mitangeklagten Referendar Herrmann zu einem Pistolenduell fordern. Der Richter lehnte du Forderung ab, da sich der Konflikt in Ausübung seines Amtes ereignet habe. Dr. Wohlfahrt wurde zu 2 Monaten Festungshaft und sein Kartellträger zu 3 Tagen Festungshaft verurteilt.
Ein verhängnisvoller Umzug. Während eines kirch lichen Umzuges in Neapel gerieten sechs Kamorristen in Streit. Sie zogen ihre Revolver und begannen aufeinander zu schießen. Die Priester und Frauen ergriffen die Flucht. Ein zufällig vorüber fahrender Kutscher wurde in den Rücken getroffen. Zwei der Kamorristen wurden verhaftet.
In ven Ringarawasserfall gestürzt hat sich die Gattin eines gewissen Louis Cohen aus Newyork in Gegenwart ihres Mannes und ihrer drei Kinder. Der Gatte sprang nach, eine Stunde hielt er sich über Wasser, dann verließen ihn die Kräfte, und es gelang ihm nur noch, sich selbst zu retten. Eine halbe Stunde später warfen die Niagarafälle die Leiche der Selbstmörderin anS Ufer.
Der Fremdenverkehr in Tirol und Vorarlberg hat im vergangenen Jahre bedeutend zugenommen und ist von 824 562 Personen im Jahre 1907 auf 857 770 Personen im Jahre 1908, also um 33 208 Personen gestiegen.
Grotzfeuer.
Berlin, 8. Juni. Zu einem Großfeuer, daS gestern am Kottbuser Damm ausgebrochen war, rückten etwa 40 Fahrzeuge aus. Es galt vor allen Dingen ein Ueberspringen deS Feuers nach dem hinter dem Brandderde gelegenen Industrie- gebäude der Neuen Bodenaktiengesellschaft, in dem 30 Fabrikbetriebe untergebracht sind, zu verhindern. Ein großer Teil eines wertvollen Holzlagers wurde zerstört.
Verfahren gegen Frau Stöffel.
Petersburg, 8. Juni. Die Frau des Generals Stöffel soll zur Verantwortung gezogen werden, weil sie während ihres Aufenthalts in Port Arthur 15 000 Rubel Wohltätigkeitsgelder einkassierte, ohne über deren Verbleib Beläge beizudringen.
EuftTport
Essen (Ruhr), 8. Juni. Die am Sonntag zur AuS- scheidungSfahrt für das Gordon-Bennett-Rennen aufge- ftiegenen 13 Ballons sind nunmehr alle glücklich gelandet. Das vorläufige Endergebnis ist folgende»: erster Ballon: „Hildebrandt", Führer Dr. Bröckelmann, gelandet in Kehl (Baden); zweiter Ballon: „Otto von Guericke", Führer Leutnant Holthoff von Hahman, gelandet TauberbischofS- Yeim; dritter Ballon: „Elberfeld", Führer Meckel, gelandet bei Würzburg; vierter Ballon : „Schlesien", Führer Dr. Kempken, gelandet Weneck bei Kitzingen; fünfter: „Hamburg", Führer Hauptmann v. Abercron, gelandet südlich von Kitzingen; sechster: „Abercron", Führer Oberleutnant von Goltzheim, gelandet bei Gräfenberg in Oberfranken; siebenter: „Schröder", Führer Schröder, gelandet bei Miltenberg in Unterkonten. Die übrigen Ballons, die eine weniger weite Fahrt machten, landeten wie folgt: „Dresden" bei Nieder- urfel (Frankfurt a. M.); „Riedinger" bei Ruppertshofen unweit St. Goarshausen; „Bamler" bei Frankfurt a. M., „Overstolz" in Schönau a. b. Saale (Unterfranken); „Zähringen bei Limburg; „Segler", Führer Erbslöh, bet Breit- Hardt unweit Schwalbach.
und so drang aus dem Orient die Kunst des „Brennens deS WafferS" wieder nach Europa ein, zuerst zu Heilzwecken, dann zu Zwecken der Toilette. Ursprünglich übten bei uns die Frauen vornehmlich diese finnft, später nahmen die Apotheker sie ihnen ab und entwickelten die Technik. So bereitete sich eine neue Periode deS Toilettenluxus vor: baß ist die Periode der italienischen Renaiffance. Da würd« dann wieder der Pflege der Körperschönheit die allergrößt« Sorgfalt zugewandt. DaS Parfümieren, so erzählt Dr. Burckhardt in feinem berühmten Werke, ging über alles Maß hinaus und erstreckte sich auf die ganze Umgebung deS Menschen. Bei Festlichkeiten wurden sogar Maultiere mit Salben und Wohlgerüchen behandelt, und Pietro Aretino dankt dem Cosimo I. für eine parfümierte Geldsendung. Für jeden einzelnen Teil des Gesichts, selbst für Augenlider und Zähne, gab eS ein ganzes Arsenal von Schönheitspflastern, Teigpflastern und Schminken. Der Gebrauch der Schminke war allgemein und alle Reden und Predigten dagegen halfen nichts. In der Kunst, das Haar nach Gefallen zu. färben, wurde eine wahre Meisterschaft entwickelt. AuS Italien überkam dann Frankreich diese Kunst. AIS Katharina von Medici an die Seine übersiedelte, nahm sie ihren Leib- parfümeur mit sich. Der Geschmack der Franzosen war in diesen Dingen lange Zeit ziemlich roh, wie man überhaupt sich die Kultur deS ludooicianischen Frankreichs keineswegs als eine wirklich feine und ausgeglichene Kultur vorstellen darf. Das zeigt uns auch der Umstand, daß die Damen am Hofe Ludwigs XIII. den Moschus- und den Patschuligeruch bevorzugten, also zwei Parfüme, die unS heute fast unerträglich dünken. Ludwig XIV. wurde dann ein großer Freund von Wohlgerüchen; die für seinen Gebrauch mußten unter seinen eigenen Augen hergestellc werden. Der JahreS- verbrauch der Pompadour für Parfüme wird auf eine halbe Million Frank angegeben. Seitdem sind die Franzosen und insbesondere die Französinnen große Freunde der Wohlgerüche, wie überhaupt aller Toilettemittel geblieben, und es hat ja zu dieser Vorliebe besonders auch der Umstand beigetragen, daß sich Frankreich selbst zu einem Hauptlande der Parfümindustrie ent- wickelt hat. Grasse in der Provence ist ja die berühmte Stadt der Parfüme. Wir missen von der Tallien, der be*