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Küche mit dem gefundenen Fleisch zu tun hatte, sprang Br. in den Keller, um ein dort stehend^ Fäßchen umzustürzen, der Beamte eilte aber ebenfalls in den Keller und bemerkte bei näherer Untersuchung des Fäßchens, daß eine blutige Flüssigkeit in demselben gewesen, an deren Beseitigung dem Angeklagten viel gelegen sein mochte. Das Rehfell wurde unter dem Dach gefunden, er will dasselbe in der Nähe der Schießstände im Lamboywald gefunden haben, während das Fleisch von Tchm. herrühre. Bei Schm, wurde nichts verdächtiges gefunden, bei R. aber ein Rucksack konfisziert, der noch Ueberreste von Rehhaaren enthielt. Bei W. fand man eine Hasenschling« aus Kupferdraht, die ihm sein jüngerer Bruder gegeben habe, mit der Bitte, damit sein Fahrrad zu reparieren, daß bet Draht eine dreiteilige Schlinge darstellte, will der Angeklagte nicht gemerkt haben. R. der bereits wegen Wilddieberei mit 6 Monaten vorbestraft ist, gibt an, daß er mit der ganzen Sache nichts zu tun habe, Schm, habe lediglich den Rucksack von ihm geliehen. Aber ein Brief, den R. im Gefängnis an Schm, schrieb und der für keinen dritten bestimmt war, zeigte ihn in einem ganz anderen Lichte. In dem Zettel gab er dem Schm, ganz bestimmte Verhaltungsmaßregeln, wie er seine Aussagen halten sollte, um ihn, R., von dem Verdacht der Mittäterschaft rein zu halten, er wollte dann auch für die Familie Schm, sorgen. Mit diesem Brief, bett er durch einen Zigeuner befördern Ik^, hahe et nur bezwecken wollen, daß Schm, die Wahrheit sage, doch ist da« Gericht der Ansicht, daß er ihn unter dem Druck, seiner Mitschuld schrieb. Verschiedene Zeugen bekunden, daß die drei Angeklagten Br., Schm, und R. schon lange im Verdacht des Wilderns stehen und namentlich die beiden ersten öfter» gegen Abend mit Rucksack ausgerüstet per Rad ausgefahren und spät abends zurückgekommen seien. Die Angeklagten stellen aber die ihnen unterschobenen unlauteren Absichten dieser abendlichen Exkursionen entschieden n Abrede und machen allerlei Ausflüchte. Schm, selbst sagt, daß ihm Br. einmal im Lamboywold ein Stück zusammen- geschnürtes Fleisch (anscheinend ein Lapin) gezeigt habe, mit der Bemerkung, daS habe er eben aus der Schling« gezogen. Weiter gibt er zu seiner Verteidigung an, zweimal den Fund von Rehen an den zuständigen Jagdaufseher gemeldet zu haben, waS sich auch bestätigt. Tatsache ist, daß Schm. Aon seit langem als Vogelfänger bekannt ist, auch an feinem N äheren Wohnort Langendiebach soll er einmal einen Hasen - ut nach Hause gebracht haben. Ein Zeuge sagt aus, Schm.
abe ihn aufgefordert, er solle mit ihm in den Wald gehen, Schlingen zu stellen. Br. sagt, daß ihm Schm, einmal erzählte, er habe einem Reh den Unterkiefer weggeschosien, das " Gewehr sei so stark geladen gewesen, daß bei der Detonation der Hahn desselben fortflog. Eine mysteriöse Rolle bei der ganzen Geschichte spielt daS zum Ausüben der Jagd benugte Gewehr. W. gab dasselbe an Br„ dieser hat aber keinen Gebrauch davon gemacht, sondern, weil feine Frau schimpfte, eS am Neuhof in die Kinzig geworfen. WaS W. anbetrifft, so ist er lange mit den Angeklagten in Berkehr gewesen und hat an den Taten der einzelnen tetlgenommen. Der Angeklagte Gr., besten Verhandlungstermin nur zufällig mit der anderen Sache in Verbindung kam, soll im Herbst v. J§. an der Dörnigheimer Ehausjee einen Fasanen geschossen haben. Er behauptet, es sei eine Eule gewesen. W., der das Tier ebenfalls gesehen hatte, gab in seiner ersten Aussage zu, daß es ein Fasan war, heute macht er auS diesem ebenfalls eine Eule, die bekanntlich nicht zu den jagdbaren Tieren gehört. Gr., der Mitglied eines Schützenklubs ist und eine Vorliebe für Jagd- trophähen hat, balgte selbst Vögel aus. In seiner Wohnung fand man dieser Art einen Bussard, einen Fasanen und — eine Eule. Den Fasan hat er durch seine Mutter in dem Delikatestengeschäft Schoder holen lassen, was der Verkäufer auch zugibt. Das Gericht nimmt aber an, daß ^er Fasan erst geholt wurde, als die Sache für G. gefährlich wurde, um ihn so von dem Verdacht deS Jagdvergehens zu reinigen. Die in seinem Besitz befindlichen Rehstangen, die er, .wie auch Zeugen bekunden, von einem unbekannten Mann gekauft hat, bringen ihn mit den Strafbestimmungen des Hehlerei- paragraphen 259 des Strafgesetzbuches in Konflikt, da er wissen mußte, daß derart zum Kauf angebotene Sachen nur auf unrechtmäßige Weise in den Besitz de« Käufers kommen sönnen. Den Pistolenschast seines Teschings erklärt Gr. dadurch, daß ihm dasselbe einmal durchs Fenster in den Hof gefallen sei, wobei der Schaft zersprang, er habe eè dann in die Militärbüchsenmacherci gebracht, die es so wie eS heute Dorliege repariert habe. Auch diese Angabe wird durch Zeugen bestätigt. Das Gericht neigt aber doch zu der Annahme, daß Gr. diese ganze Manipulation gemacht habe, um durch Anbringung des Pistolenschaftes daS Tesching bequemer zur Jagd mitnehmen zu können. Nach den eingehenden PlaidoyerS deß Anklagevertreters und der beiden Verteidiger fällte daS Gericht folgenden Spruch: Br. und Schm. erhalten je 8 Monate, R., weil vorbestraft, 9 Monate und W. 3 Monate Gefängnis wegen gewerbsmäßigen Jagdvergehens. Den drei ersten werden 6 Monate ihrer Unter*
• fuchungShast angerechnet, ihr Haftbefehl aufgehoben. Gr. erhält wegen einfachen Jagdvergehens 2 Wochen Gefängnis. Die konfiszierten Waffen, Munition und Lie Schlinge werden eingezogen. Außerdem haben die Angeklagten die Kosten des Verfahrens zu tragen. Die Verhandlung dauerte über fünf Stunden.
Vereins n. Bergnngnngsnnchrichten
für Dieii ètag den 8. Ivni.
Verein für Genüge!- und Smgvöqelzucht: Mvnatsverfammlnng im Ver- einslokale „zum deutschen HauS".
Ev. Männer- und J8ngli»gsve«iu: Unterhaltung (Ell. Beseinshans).
Turn Gesellschaft: Abend» von 8—10 Uhr: Turnen der Jugendableilung. Tilrngtmeinde: 4'/,— 5'/,: Mädchenabteilung von 6—7 Jahren, 5'/r bis 6'/*: Mädchenabiellune, von 10—14 Jahren, 6",—7'/,: Frauen- abieiluug B, 7*/«—8’/«: Jraucnabieilung A, 9—10: Jugeud- abteüung.
Turnverein: Abends von 8—16 Uhr: Turnen der Jugendabteilung.
Erster Athleten - Verein: Abends von 9—11 Uhr: UebungSstunde im BereinSlokalc (Restauration Sauddof).
Humoristischer Munkverein „rvecurmria": Bou 9—11 Uhr: UeügngSstunde lRestauration „zum Sandhof').
Dram.-Ater, Verein Hanau: Bereinsabeitd im „Earlsberg".
Ges. Verb, „Normannis": Klubabend im „Awengärtchen".
»ach. Sapno „Eintracht" (Vereins!, „znm Braujlnb^") : Dereinsaüend. Gesangverein „Eintracht": Singstunde.
Gesangverein „Melomania": Singstunde in der „Karlhaune'. HamUien-Marken»Konsumverein „Einigkeit": Abends von 8 — 10 Uhr: . MarinmnsgHbe für Kontrahenten (VecemShaus „Eoncordia"). erern lur .^andlungs - Komnns von 1W8: Bereiusabeud im Restaurant. „EarlèLerg".
Äestmgverein „Sunger": Singstunde in der „Stadt Bremen".
Dienstag
Kathol. Kaufmännischer Verein: Wend? 9 Uhr: Zusammenkunft im Va- einAokal „zum L'mdenhof".
Gubelsberger Stenographen-Derein (Lokal: „Concordia", Eingang Paraplatz, 1 Tr. hoch): Abends von Vi9—*/xlO Uhr: Damen - Abteilung.
srranzosischer Klub: Zusammenkunft im „DeruhardSeck".
Verein „Freundschaft": Vereinsabend im „Neubau".
Verein der Bayern: vereinsabend im Gasthaus „zur Sonne".
Gewerbe- und Handwerker-Verein: Bereinsabend in der „Sentralhalle".
Kegclgeftllschast „Alle Neun" zur „Mainlust"-Kesselstadt.
Bersteigenmgs- re. Kalender
für Mittwoch d en 9. Juni.
Holzversteigerung im Fürstl. Wâchtersbach'schen Forstrevier Breiten- born-Hültengrund; Termin vormittags 10 Uhr bei Wirt Landmann zu Breitenborn (f. Nr. 129 „Han. Anz").
Vormittags 9 Uhr soll das HeugraS in den Anlagen zn Wilhelmsbad meistbietend verkauft werden; Zusammenkunft: Kleine Wirtschaft (st Nr. 129 „Han. Anz.").
Nachmittags 5'/, Uhr soll im Jagen 16 „Große Horst" die diesjährige Heu- und Grummeternte der Königl. Oberförstern Hanau an Ort und Stelle meistbietend verkauft werden (s. Nr. 127 „Han. Anz.").
Ocsfentlichcr Wetterdienst. (Beobachtungen des Physikalischen Vereins, Frankfurt.) Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 8. Juni bis jum nächsten Abend.
Trocken, vorwiegend heiter, keine wesentliche Temperaturveränderung.
Hus Dab und fern.
SS Cassel, 7. Juni. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich heute abenb mit der Magistratsvorlage, 1060 städtischen Beamten und Lehrern die Gehälter in der durch das Beamtenbesoldungsgesetz erforderlich gewordenen Weise a u f zu - bessern, und zwar mit Wirkung vom 1. April 1909 ab. Die Gehälter der städtischen Mittelbeamten I. Klasse werden um 121/?—11 pCt., nämlich von 2400—4500 auf 2700 bis 5000 Mark aufgebessert, die der Mittelbeamten II. Klasse um 15—168/e pCt., nämlich von 2000—3400 Mark auf 2200—3800 Mark, die der Unteramten I. Klaffe um 18 bis 15 pCt., nämlich von 1350—2100 M. auf 1600—2400 Mark, die der Unterbeamten IT. Klaffe um 20 pCt., nämlich von 1200—1700 M. auf 1400-2000 M., die höchste Aufbesserung haben die Kanzleiassistenten und Bureaugehilfen zu verzeichnen, deren Gehälter um 33^4—16 pCt., nämlich von 1200—2200 M. auf 1600—2600 M. aufgebessert worden sind. Es haben dann noch die Feuerwehrleute Gehaltserhöhungen um 100 M. erfahren, sie beziehen setzt 1250—1850 M., weiter ist die Werkmeisterklaffe um 200 Mark (2000—3400 M.) aufgebessert worden. Me Gehälter der Leiter der höheren städtischen Lehranstalten sind von 6100—8200 M. auf 7500—9300 M., der Oberlehrer an den städtischen höheren Schulen von 3300—6600 M. auf 3580—8080 M. aufgebessert worden, haben also sehr bedeutende Zulagen erhalten. Dahingegen find die Lehrer an den städtischen Bolrsschulen nur um 11—16 pCt., die Rektoren nur um 8l/s pCt. aufgebessert worden, da das Vorgehen der preußischen Regierung hier die Richtlinien von vornherein festlegte. Im ganzen macht die Gehaltserhöhung für die städtischen Beamten 139 660 M., für die Lehrer und Lehrerinnen 274 200 M., im ganzen also 413 8 60 Mark aus, die jährlich mehr seitens der Stadt für die Besoldung ihrer Beamten und Lehrer aufzubringen find. Aus dem in den vorigen Haushaltsetat eingestellten 250 000 M. sind noch 142 0Ö0 M. verfügbar; das übrige Geld würd« bereits im Interesse der Beamten verwandt; di« verfügbaren 142 000 M. zu weiteren Zuwendungen an die Mittel- und Unterbeamten nach besonderen Spezialvorschlägen für das Etatsjahr 1908 (gewissermaßen als Nach schuß) verwendet werden.
Cüfsel, 7. Juni. Die Tochter des kommandierenden Generals des 11. Armeekorps, des Generals der Infanterie v. Scheffer-Boyadel, hat sich mit dem Casseler Kommerzienrat Karl Henschel verlobt. Hierzu wird dem „Berl. Tagebl." aus Cassel noch geschrieben: Kommerzienrat Henschel, der Inhaber der bekannten Lokomotivenbauanstalt, ist der erste Steuerzahler der Residenzstadt Caffel und einer der ersten Steuerzahler im Königreich Preußen. Er war bereits einmal verheiratet. Die' Ehe mit seiner ersten Frau, einer geborenen Martin aus London, wurde vor zwei Jahren geschieden. Aus der Ehe sind zwei Kinder herworgegangen. Frau Henschel hat sich dann im vorigen Jahre in Berlin mit dem früher in Cassel tätigen Gerichtsreferendar Baron v. Badowitz, dem Sohn des früheren Botschafters am spanischen Hose, wieder verheiratet.
X Mernes (Kreis Gelnhausen), 6. Juni. Heute wurde hier nach einem Vortrage des Herrn Revisor Schulze aus Cassel eine Spar- und Darlehnskasse (Raiffeisen-Verein) ins Leben gerufen. Es traten sofort 47 Mitglieder bei. Zum Vereinsvorsteher wurde Bürgermeister König, zum Rechnungsführer Anszüger Johann Harnischfeger gewählt.
i'-. Marburg, 7. Juni. Am 20. und 21. Juli d. J. wird hier der 27. ordentliche Verbandstag der Raisfeisen- schen Genossenschaften des Reg.-Bez. Caffel abgehalten. — In Schwabendorf wurde an einem 4jährigen Kinde ein schweres Sittlichkeitsverbrechen begangen. Der Täter sitzt bereits hinter Schloß und Riegel.
Wiesbaden, 7. Juni. Ein schweres Brandunglück ereignete sich heute früh kurz nach 5 Uhr im Hause Blücherstraße 5. Die Frau des int zweiten Stockwerk wohnenden Schlossers Ludwig Spinner war damit beschäftigt, auf einem Spiritusapparat Milch für ihr Kind zu erwärmen. Da die Flamme etwas schwach brannte, goß die Frau aus der vollen Spiritusslasche etwas Spiritus nach, ohne jedoch das Feuer zuerst ausznlöschen. Die Flamme schlug natürli^ in die Spiritusflasche zurück, brachte sie zum Explodieren, wodurch sich der ganze brennende Inhalt auf die Frau ergoß. Die Kleider fingen sofort Feuer, und die unglückliche Frau erlitt am ganzen Körper entsetzliche Brandwunden. Der aus die
Irrst
Hilferufe herbeieilende Mann zog sich bei dem Versuch, die Flammen zu ersticken, ebenfalls nicht unerhebliche Verletzungen an Händen und Armen zu. Die sofort gerufene SanitätS» wache brachte beide Verletzte ins städtische Krankenhaus. Die Frau schwebt in höchster Lebensgefahr, dagegen hat sich der Zustand des Mannes etwa« gebessert.
W. Frankfurt a. M., 8. Juni. Die Handels, k a m m e r hat folgenden Beschluß gefaßt: Die Handels- kammer zu Frankfurt a. M. verurteilt auf daS Schärfste das beispiellose Gebaren der Mehrheit der Reichfinanzkommission, welche in rücksichtsloser Jnteressenpolitik die Kosten der Reichsfinanzreform allein dem Handel und der Industrie aufzubürden sucht und durch ihre unerhörten Steuervorschläge eine schwere Gefahr für die Allgemeinheit heraufbeschworen hat. Dies gilt insbesondere von der Steuer auf Wertpapiere, di« unsere deutschen Börsen zu Gunsten deS Auslandes ruinieren, die Industrie in ihrer Existenz bedrohen und jeden einzelnen Besitzer von Wertpapieren durch die. entstehenden Kapfial- und ZinSverluste in unerträglicher Weise belasten würbe. Im Gegensatz zu dem Verhalten dieserParteien und trotz der schweren Lasten, welche eine von agrarischen Tendenzen beherrschte Wirtschaftspolitik ihnen schon bisher auferlegt hat, wollen Handel und Industrie den Mehropfern, welche die Reichsfinanzreform erfordert, fich nicht mtziehen; fie verlangen aber, daß die Heranziehung erfolgt durch einegerecht«, alle Formen des Besitzes gleichmäßig treffende Steuer, als welche die Besteuerung der Erbschaften sich darstellt. Die Handelskammer spricht die Errvartung aus, daß die Verbündeten Regierungen unbeirrt durch den Widerstand jener Parteigruppen und im Einvernehmen mit der überwältigenden Mehrzahl des deutschen Volkes anstelle der Kommisfionsvor- schlage an dieser Besteuerung unbedingt festhalten werden. Die Handelskammer lädt alle Kaufleute und Industriellen ihres Bezirks ohne Unterschieb der Partei ein, die von beut Zentralverband der Bankiers und Industriellen auf den 12. Juni in Berlin einberufene Versammlung so zahlreich als möglich zu besuchen; um diese Versammlung zu einer möglichst einmütigen und imposanten Kundgebung für ganz Deutsch» land zu gestalten, sieht die Handelskammer vorerst davon ab, in Frankfurt a. M. eine besondere Versammlung einzuberufen.
K- Friedberg, 7. Juni. Ein höchst bedeutsames Ereignis in der Geschichte unserer Stadt bildet die heutige Einweihung des städtischen Schtvrmm- und VolksbadeS. Die Spitzen der Behörden, Vertreter von Bad-Nauheim und Gießen nahmen teil. Der Erbauer, Architekt Hans Meyer-Gießen, schilderte das Gebäude als ein Denkmal des Geineinsinns der Stadt und seiner Bürgerschaft. W. Georgi, Vorsitzender der Aktiengesellschaft „Schwimmbad", übergab das Bad seiner Bestimmung für die Bewohner Friedbergs und seiner Umgebung. Er erklärte, daß Hunderte von deutschen Städten Friedberg um sein Schwimmbad beneiden würden. Bürgermeister Stahl spricht namens der Stadt die Gefühle der Dankbarkeit und Freude aus. Das Bolksbad zeigt in feinen
Vorderbau, Schwimmhallenbau, Kesselhaus und die Seitenbauten. Der wichtigste und am schönsten ausgestattete Teil ist die Schwimmhalle; sie ist 11 X 25,5 Meter, daè Schwimmbecken 9 X 19,50 Meter groß. Schöne Gemälde geben dem Ganzen ein behagliches schmuckes Aussehen. Das Gebäude zeigt in seinem Aeußern den Charakter des Barock. Die Anlage de« Grundrisses ist derart, daß mit Leichtigkeit die für später geplanten Erweiterungen vorgenommen werden können. Die Gebäudegruppe ist von gärtnerischen Anlagen umschlossen. Das Gebäude kostet rund 165 000 Mk. Fried, berg hat auf dem Gebiete der Gesundheitspflege einen bedeutsamen, segensreichen Schritt getan uub ist damit mancher Stadt seiner Größe vorausgeeilt.
Dorheim, 5. Juni. Gestern abend gegen 9 Uhr schlug der Blitz in den Schornstein des hiesigen Schulhause«. Der Schornstein wurde zerstört; auch sonst konnte man die Spuren des Blitze«, eines zum Glück kalten Schlages, im Hause beobachten. Dieser Fall beweist wieder, wie notwendig eS ist, Blitzableiter auf Schulhäusern anzubringen, denn welches Unheil könnte entstehen, wenn während der Schulstunden der Blitz einfältige und zündete.
Nieder-Florstodt, 5. Juni. Vom sicheren Tode der Ertrinkens rettete heute morgen die Ehefrau des Gastwirts Th. Dauernheim ein 3jähriges Kind. Der Junge war beim Spielen in die Nidda gefallen und seine unerschrockene Retterin, die es zufällig gesehen hatte, sprang ihm in ihren Kleidern nach und holte ihn glücklich aus dem Wasser, das an jener Stelle recht tief ist.
Drahtnachrichte«
Urlaub nach der Türkei.
Berlin, 8. Juni. Die „Doss. Ztg." schreibt: Wie wir hören, ist der Kaiser geneigt, dem Generalobersten Frei- Herrn D. d. Goltz auf dessen Bitte im Laufe des Sommers zunächst einen kurzen Urlaub nach Konstantinopel zu erteilen. Diesen Urlaub will der Generaloberst dazu benutzen, Füh>ung mit den leitenden Persönlichkeiten und mit seinen alten Freunden in der Türkei zu nehnien und sich ein Bild über die Art und den Umfang der ihm zufallenden milb târischen Aufgaben auS eigener Anschauung zu machen v. d. Goltz, der in seiner bisherigen Stellung als Königl. Preußischer Generalinspekteur natürlich verbleibt, kommt dadurch einem dringenden Wunsche der ^türkischen Regierung entgegen.
Kein befriedigendes Resultat.
Berlin, 8. Juni. Um die drohende Gesamtaussperrung von 3500 Arbeitern der Borsig'schen Lokomotivfabrik in Tegel bei Berlin abzuwenden, fanden gestern bis in die Abendstunden Verhandlungen des Arbeiterausschusses mit der Direktion statt. Ein befriedigendes Resultat wurde nicht erzielt.