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Amtlichks Organ für Stadt- und Fandtirris Kanan

EinrâckungSgebühr |

Dir jüuigejpalteue Pentzeile oder deren Kaum 20 Of^. im Rell amen teil die Zeit« 35 Pjg.

ev. WayrnhaujeS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Beraniworü. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 6

Aernsprechattschlich Nr. 605

Freitag -cu 8. Januar

ffernsprechanschlittz Nr. 605»

1909

Amtliches.

Städtisches Wasierwerk.

Diejenigen, welche mit Zahlung des Wassersteldes. der Kanask*ebüs'r lind der Boransbelatiimfl für Oktober / Dezember 1908 noch im Rückstände sind, werden hierdurch aufgefordert, diese Rückstände bis zum 11» Januar d. Is. bei unserer Kasse, Leipzigerstraße 17, während der Stunden vormittags 8*/,12*/> und nachmittags 35 Uhr einzuzahlen, da vom 12. Januar ab die zwangs­weise Beitreibung der rückständigen Beträge erfolgen wird.

Hanau den 2. Januar 1909.

Die Wasserwerks-Direktion.

v. G ä ß I e r. 311

Znstelanfen: 1 gelber Hund mit weißen Abzeichen. Kreuzung schottischer Schäferhund und Windhund, m. Geschl.

715 Bürgermeisteramt Mittelbuchen.

politische Rundschau.

Der Kaiser itnO die kommandierenden Ge­neräle. Der Berfasser desRevue"-Artckels über den Krieg in der Gegenwart erklärte, er habe in dem Artikel ausdrück­lich ausgeiührt, daß eine Hinschleppung des Krieges mehr als je vermieden werden müsse, und daß die Aussicht auf Er­ringung entscheidender Siege so gut wie früher bestehe, wenn auch die Schlachten an und für sich längere Zeit in Anspruch nehmen werden. Die Schlacht bei Leipng habe 3, die Scklacht bei Metz 56 und die Schlacht bei Mulden vierzehn Tage gedauert. DieHam. Nachr." wollen wissen, daß der Kai'er bei seiner Ansprache an die kommandierenden Generäle nur den militärischen Teil desRevue"-Artikels verlesen habe; daß er sich mit dem ganzen Inhalt einverstanden erklärt habe, sei.irnüml'ch.

Das kaiserliche Hoflaoer wird am 11. Januar nach Berlin verlegt unb bleibt hier bis rum 11. Februar. Später gedenkt der Kaiser seine Reise nach dem Süden anzutreten, die aber kaum von I ân n er er Dauer sein wird.

Die kaiserliche JachtKohi-mollern" gab einen Teil ihrer Besatzung ab. Es wird also angenommen, daß die Jacht rum Frühjahr nicht für persönliche Zwecke des Kaisers gebraucht wird. Im vergangenen Jahre ging die Hohenzollern" bereits im Februar von Kiel nach dem Miltelmeer in See.

Die oldenburgische Negierung bat die Einführung des Frauenstimmrechts für die Landlagswahlen abgelehnt.

Der König von Rumänien empfing den Reichs­tagsabgeordneten Dr. Paasche in mehrstündiger Audienz und unterhielt sich mit ihm über eine Reihe wirtschaftlicher Fragen.

Aus Südwestafrika. DieNordd. Allg. Ztq." schreibt: Die Vereinbarungen zwischen der großbriiannischen Behörde, der Kapregierung und dem Kalonialstaalssekreiär wegen der gegenseitigen Unterstützung bei der Bekämpfung der unruhigen Elemente an der Grenze des südwestasrikanischen Schutzgebietes beginnen Früchte zu tragen. Die Kapregieiung lieferte die sogenannte Ortmann Bande aus und verhaftete die Bande des Klein Jakobus. Dieser, sowie ein anderer Häuptling wurden einer soeben eingegangenen Meldung m- folge von der Kapvolizei wegen Fluchtversuches erschossen. Am 5. Januar fielen bei Rieifoniein 21 Hottentotten der Kappolizei in die Hände und wurden entwaffnet und inter­niert; sie werden ostwärts' abgeschoben werden. Es sind wahrscheinlich die Urheber der kürzlichen Unruhen im Süden des Schutzgebietes. Schließlich erklärte Simon Copper, nun­mehr des OrlogS (b. h. des Krieges) müde zu sein. Ver­abredungen bezüglich seiner Süllsestung Zwischen dem High- Commissionär von Britisch-Südafrika und dem Kolonial- staats'ekretär wurden am 21. Juni 1908 in Pietermaritzburg getroffen. Die Bedeutung der-Eorgänge liegt darin, daß die Auffassung der Grenzbevölkerung, die Untaten in Deutsch- südwestasrika fänden im Nachb^rgebiete Schutz, gründlich zer­stört wird, was auch auf die übrigen noch nicht ganz be­ruhigten Hottentottenstämme Deutsch-Südwestafrikas nach­haltig einwirken wird.

«Holland und Venezuela.

Die holländische Regierung erhielt. von Venezuela die amtliche Mitteilung, daß d'r Erlaß vom 14. Mai, der den Handel von Cinyyao schädigte, in aller Form ausgehoben und den holläudischen Konsuln in Venezuela das Ezcgnalur erteilt worden sei.

Die Krise im Orient.

Wien, 7. Jan. Nach einer Meldung der Politischen Korrespondenz aus Konstantinopel hat sich Kiamils Stellung

in den letzten Tagen wieder gebessert, wie eS scheint, infolge der Haltung der öffentlichen Meinung Englands, die gegen die Bestrebungen, Kiamil zu stürzen, entschieden Stellung nahm. In manchen englischen Kreisen soll man sich nicht gescheut haben, zu erklären, daß die Türkei im Falle des fortgesetzten Kampfes gegen Kiamil die Aussicht verlieren würde, irgendeine Anleihe in England oder Frankreich zu erlangen.

Belgrad, 7. Jan. Die hiesigen Zeitungen erscheinen wegen des griechisch-orthodox-mWeihnachtsfesteS mehrere Tage nicht. Infolgedessen fehlen Aeußerungen über die Forderung der Wiener Regierung an den Miitister des Aeußern wegen seiner Rede in der Skuplchtina. Die kriegerische Stimmung hat jedoch nicht nachgelassen.

Kairo, 7. Jan. Lutfi Bei, der Führer der ägyptischen Volkspartei und Redakteur der arabischen Zeitung Gawidah, hielt vor 4000 Zuhörern einen politischen Vortrag über die Lage Aegyptens. Er hob darin hervor, daß alle Klaffen des äayptischen Volkes mit der englischen Besetzung unzufrieden seien. Der ägyptische Beamte sei nur ein Werkzeug in den Händen der englischen Vorgesetzten. Die Engländer seien unhöflich gegen die Eingeborenen. Unter der englischen Herr- schalt habe sich das Leben in Aegypten bedeutend vetteuert, aus diesen Gründen müsse man gegen die englische Besetzung Einspruch erheben. Lutfi betonte ferner, daß das äoypiische Volk unmöglich hinter den andern Völkern in der Verfas- sunosfrage ziirückstehen könne und daß der Schrei nach einer Verfassung mit der Zeit gehört werden müßte. Der Redner erntete starken Beifall.

Sie MtWatiiMt in SiliifiilitiL

Rom, 7. Ion. Außer den bereits gespendeten 200 000 Lire für die in Sizilien und Calabrien Geschädigten be­willigte der König nunmehr für denselben Zweck noch eine Million. Er überwies davon dem italienischen Roten Kreuz 500 000 Lire und ebenfalls 500 000 Lire dem National­komitee zur Hilieleistung für die Geschädigten.

Berlin, 7. Ian. Das deutsche Hilfskomitee macht be­kannt: Es fand heute eine Sitzung des Präsidiums statt, an welcher als Vertreter des Reichskanzler der Unterstaats­sekretär D. Löbell, ferner der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld, der sächsische Gesandte Graf Vitzthâ, der Vor­sitzende des Zentralkomitees vom Roten Kreuz, Vizeoberzere­monienmeister v. d. Knesebeck, Geheimer Seehandlungsrat Schöller, Generalkonsul von Koch, Kommerzienrat Emil Sel« berg und der Adjutant des Reichskanzlers,' Hauptmann von Schwartzkoppen, teilnahmen. Es wurden die bisher ein­gegangenen Nachrichten und die sich daraus ergebende all­gemeine Lage im Unglücksaebiet besprochen. Unter anderen hatte der deutsche Konsul Jacob durch Staatsielegramm über Malta mitgeteilt, daß sich in Catania 20000 Flüchtlinge aus Messina, darunter einige Tausend Verwundeter, mittel­los dem Elend preisgegeben, befänden und daß die dortigen Hilfskomitees nicht genügend Mittel zur Verfügung hätten. Gleichzeitig habe der Konsul dringend um weitere Hilfe­leistung gebeten. Mit Rücksicht auf diese dringende Bitte wurde beschlossen, dem Zentralkomitee vom Roten Kreuz die Entsendung weiterer Hilfszüge zu übertragen und ihm die erforderlichen Geldmittel zur Verfügung zu stellen. DaS Komitee bittet deshalb, ihm baldigst reiche Mittel zuzu- senden, um den gestellten Anforderungen weiterhin gerecht werden zu können. Das Bureau befindet sich bekanntlich A lsen st raße 10.

Cassel, 7. Jan. Die Casseler Stadtverordneten be­willigten 3000 Mark für Sizilien und Kalabrien und die Stadtverordneten in Altenburg 1000 Mark.

Berlin, 7. Jan. Die Stadtverordnetenversammlung be­willigte für die durch das Erdbebenunglück in Sizilien und in Kalabrien Geschädigten 50000 Mark.

Darmstadt, 7. Ian. Das GroßherzogSpaar hat, der Darmstädter Zeitung" zufolge, zum Besten der durch das Erdbeben in Südiialien Geschädigten 1500 Mark gespendet.

Mainz, 7. Ian. Der Finanzausschußbeschloß, der Stadt­verordnetenversammlung vorzuschlagen, für das Rettungswerk in Messina 3000 Mark zu stiften.

.Stuttgart, 7. Ian. Die bürgerlichen Kollegien be­willigten 3000 Mark für die von dem Erdbeben in Süditalien Geschäd'aten.

Brüssel, 6. Ian. Die belgische Kammer wird 100000 Francs, die Stadt Brüssel 10000 Francs und die Stadt Antwerpen 20 000 Francs für die vom Erdbebenunglück in Italien Betroffenen bewilligen.

Das Geschenk des deutschen Kaisers.

Wie der in Niesky erscheinendeVolkssreund aus der Oberlausitz" mitteilt, hat auf Befehl des Kaisers die Firma Christoph & Unmack A.-G. in Niesky, Fabrik zerlegbarer, transportabler Bauten, 6 Döckersche Baracken nebst Ein­richtungsgegenständen für Sizilien geliefert und in einem Sonderzuge am Montag abend zur Absendung nach Ham- burg gebracht. Von dort aus wird die kaiserliche Liebes­gabe mit dem DampferIllyria", der von der Hamburg-

Amerika-Linie zur Beförderung von Liebesgaben zur Ver- fügung gestellt worden ist, nach Palermo befördert, wo ein Lazarett zur Unterbringung von 80 Kranken und Verwundeten errichtet wird. Das Lazaretthat eine vollständige Ausrüstung, bestehend aus Betten, Kleidern, Wäsche für 80 Kranke, ferner Kochküche, Waschküche, Untersuchungsraum, Apotheke usw. erhalten, und geschieht der Aufbau und die Einrichtung deS Lazarettes unter Leitung eineS Monteurs, welchen die oben­genannte Firma nach Palermo entsendet. Inzwischen ist auch schon der italienische Vertreter dieser Firma mit einem Obermontenr, der seit mehreren Monaten in verschiedenen Städten Italiens mit der Ausstellung von transportablen Döcker-Bauten beschäftigt ist, im Auftrage deS italienischen Ministeriums des Innern nach dem Schauplatz der Erdbeben­katastrophe gereist. Der Leibarzt des Kaisers, Herr Stabs­arzt Dr. Niedner, begibt sich nach Palermo, um die Leitung des Lazarettes zu übernehmen. Der DampferIllyria" wird voraussichtlich am 17. Januar in Palermo eintreffen, so daß spätestens den 25. Januar das Lazarett zur Auf­nahme der Kranken und Verwundeten fertiggestellt sein wird. Die hochherzige kaiserliche Liebesgabe wird jedenfalls zur Linderung der großen Not sehr beitragen; hoffentlich ge­staltet das deutsche Reichskomitee diese Lazarettanlage weiter aus, damit den vielen Tausenden von Kranken und Ver­wundeten schnellstens Unterkunft und Behandlung gewährt wird.

Der Bericht eines deutschen Seekâdetten.

Ein junger Stuttgarter, der als Seekadett auf dem KreuzerHertha" die sichtbaren Ereigniffe in Messina mit­erlebte, hat seinen Angehörigen darüber einen ausführlichen Bericht gesandt, der die vor einigen Tagen vom B. L.-A. ver­öffentlichten Schilderungen eines aus Berlin stammenden Kadetten in interessanter Weise ergänzt. Der in Stuttgart eingegangene Bericht lautet wie folgt:

Die Nachricht von dem Unglück in Messina erhielten wir auf dem KreuzerHertha" auf See in der Nacht zum 30. Dezember durch drahtlose Telegraphie. Sofort wurden zwei Kessel mehr geheizt, und um 12 Uhr nachts wurde mit erhöhter Geschwindigkeit (15 Seemeilen in der Stunde, sonst 10) die Fahrtrichtung nach Korfu eingeschlagen. Nach der Ankunft daselbst wurden von mittags 2 Uhr bis abends 9 Uhr Kohlen gefaßt. Wir Seekadetten fuhren mit Barkassen an Land und schafften bis 8 Uhr abends Lebensmittel inS Boot und dann an Bord unseres Kreuzers. Dann gingS mit 16 Seemeilen in der Stunde nach Messina. Am 31. Dezember nachmittag 2 Uhr passierten wir die Straße von Messina bei strömendem Regen, der den ganzen Tag über änhielt. Die ganze Straße war voll Hölzer; zahlreich« Haustüren und Boote (diese kieloben) schwammen auf dem Meer herum. Das waren Trümmer von Reggio. Ein deutscher Passagierdampser, der annahm, wir wüßten von dem Unglück noch nichts, signalisierte uns:Messina ganz zer­stört, eS brennt. Hungersnot!" Der Dampier schickte dann ein Boot zu unS herüber. Wir waren aber bereits schon auf alles vorbereitet, und waren bereit, mit unseren Offizieren an Land zu gehen. Wir hatten Beile und Pickel wie die Feuerwehr und Ruck­säcke mit Proviant. Wir wurden in 4 Patrouillen einge­teilt : Um 6 Uhr begaben sich, nach der Ankunft im Hafen, zwei Patrouillen in Messina an Land, die beiden anderen blieben an Bord. Im Hafen von Messina lagen außer einem russischen Kriegsschiff und drei italienischen Kriegs­schiffen nur Handelsschiffe. Erst nachts trafen ein fran­zösisches und drei englische Kriegsschiffe, der Lloyddampler Bremen" und viele andere Passagierdampser ein. Wir dursten zunächst nur der Küste entlang nach Verunglückten suchen, da es noch zu gefährlich war, ins Innere zu gehen. WaS wir gesehen und erlebt, ist kaum zu beschreiben. Viele Häuser waren gegeneinandergelehnt. Wohin wir blickten, Trümmer über Trümmer. Jede Straße hatte große breite Risse, in denen daS Wasser stand. DieBergungs- und Auf- räumungsarbkiten erscheinen bei dem Umfang der Kata­strophe âlS ausgeschlossen. Dabei wüten auf der Trümmer­stätte unzählige Banditen, entkommene Sträflinge. DaS italienische Heer wird ihrer kaum Herr. Man hört fortgesetzt Nevolverschüsse. Von abends 6 bis nachts 11 Uhr brachten wir Verwundete und Gesunde an Bord. Das war eine schwere Arbeit bei dem strömenden Regen. Die Scheinwerfer der im Haken liegenden Kriegsschiffe beleuchteten die Küste. Als wir 270 Leute an Bord'unsereS Kreuzers hatten,mußte Schluß gemacht werden. Am Land standen die Unglücklichen noch zu Tausenden, ganze Familien, flehend und bittend, wir möchten sie doch mitnehmen, aber es ging nid)\ ®i spielten sich furchtbare Szenen ab, und eS war auch für u»# schwer, daß wir die Leute stehen lassen mußten. An Bord gab's viele Arbeit. Unser Stabsarzt, das ist ein Mann, der uns allen imponierte. Fortgesetzt führte er Operationen auS. So viel Jammer und Elend sollte man nicht für möglich halten. Das Stöhnen der Verletzten war herzzerreißend. Fünf Schwerverletzte sind gleich nach der Abfahrt gestorben und wurden auf der See bestattet. Am andern Tag, dem Neujahrstag, wurde auf Seewache gegangen, d. h. beide Wachto fiziere hatten Tages- und Nachtdienst. AIS unser Kreuzer noch im Hasen von Messina lag, kam auch die Königin von Italien an Bord unseres Kreuzers und sprach