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BtaüfSW 1,80 Mk., m«laüich 60 Yfg., für «* mürtig« W»u»«L«! mit dem drttesfân Prßauffchlsz.
Di« emjkine Nummer kostet 10 Pf».
K»t<Ui»»Sdr»ck mkd Serfeg der Buchdruckers bei »««du 0. Waisenhauses in Hemau.
General-Anzeiger
Amtlilhes Organ fit Stadt- and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertag«, mit belletristischer Beilage.
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Die sünf grseriteu« Petitzrii« »der deren Statt N W^ * Sitkl-mmNö di, Ze8« Ä Pf».
Berank»««. Redakteur: tt. • fielet ia H«M»
Mk. 178 Fernsprechanschltttz Nr. 605.
Montag den 2. August
Fernspvechanschlittz Rr. 605. 1909
Amtliches.
Stadtkreis I)anau.
Unter den Schweinen des Bahnarbeiters Heinrich Jhl hier, Salzstraße 7, wurde Rotlaufseuche festgestellt. Ueber das Gehöft wurde die Sperre verhängt.
Hanau den 2. August 1909.
Königliche Polizei-Direktion.
P 9245 Frhr. v. Laur.
Candkreis Hanau.
Der Metzger Heinrich Möller in Roßdorf be- abstchtigt auf dem Grundstück der Gemarkung Roßdorf, Kartenblatt 16 N 156, 157 ein Schlachthaus zu errichten.
Es wird dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Einwendungen gegen die Anlage, zu welcher Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Kreisausschusses, Hainstraße 10 hier, osten liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, hier anzubringen sind. Später eingehende Einsprüche werden nicht berücksichtigt.
Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einsprüche wird Termin auf
Freitag den 20. August d. Js., vormittags 10 Uhr,
in das Bureau des Kreisausschusses anberaumt. Die Interessenten werden hierzu mit dem Bemerken geladen, daß im Falle des Nichterscheinens des Antragstellers und der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der etwa erhobenen Einwendungen vorgegangen werden wird.
Hanau den 30. Juli 1909.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
A 3494 Frhr v. Laur. 17777
Bekanntmachung.
Stiftungsgeld er in Höhe von 17—18000 Mk. sind gegen erste Hypothek auszuleihen.
Hanau den 30. Juli 1909.
16655___ Stadthauptkasse.
Verdingung.
Die Schreiner- und Glaserarbeiten zum Neubau^ der Schule in Wachenbuchen sollen in 2 Losen getrennt in öffentlicher Verdingung vergeben werden.
Verdingungsunterlagen können gegen Erstattung des Selbstkostenpreises von je 1 Mk. für das Los vom Unterzeichneten bezogen werden.
August.
Der Monat August bildete im Kalender der alten Römer den sechsten Monat des Jahres und wurde daher anfänglich Sextilis genannt. Später erhielt er zu Ehren des Kaisers Augustus den Namen, den er noch heute trägt Der Sextilis bestand bis dahin nur aus 30 Tagen; da aber der Juli, der dem großen Iulius Cäsar geweiht mar, deren 31 hatte, wollte man in der Huldigung des Kaisers Augustus in jener Richtung nicht zurückstehen und gab auch diesem Monat auf Kosten des Februar, den man deshalb verkürzte, die Dauer von 31 Tagen, eine Einrichtung, die sich bis auf die Gegenwart erhalten hat. Karl der Große nannte den August Erntemonat, in alten Schriften finden sich aber auch die Bezeichnungen Schnittmond, Hitzmond und Kochmonat, welch letzterer Name auf die sommerliche Glut während desselben hinweist, die gewissermaßen das Neifkochen des ObsteS bewirkt. Der Landmann wünscht den August recht trocken und sonnig; denn in den alten Bauernregeln heißt es:
Der Monat August muß Hitze haben
Sonst wird der Früchte Zahl und Güte begraben,
Was im Herbst soll geraten, Das muß im August braten.
Im August schwindet mehr und mehr der Schmuck der Felder unter der Sense des Schnitters; der Wald grüner Halme, der im Frühjahr das Auge erfreute, ist gebleicht worden und wandert jetzt voll von Körnern, zur Freude des fleißigen Landmanns in die Scheunen. Die Stoppeln und daS zur Herbstbestellung hergerichtete Feld sind die Kennzeichen des allmählich scheidenden Sommers mit feinen kürzer werdenden Tagen. Leise zieht die Wehmut des Abschiedes von der schöneren Jahreszeit in die Menschenbrust ein, nur ungern gewöhnt man sich an die Herbstempfindungen und sucht nach Möglichkeit die Genüsse der Gegenwart auszudehnen. Und das ist recht so. Denn der August ist derUebergangsmonat, der zur frühherbstlichen Milde sonniger Septembertage hinüberleitet.
Die Eröffnung der Angebote findet in dem auf Samstag den 7. August d. I., vormittags 9 Uhr, im Dienstzimmer des Unterzeichneten, im Kreishaus hierselbst, festgesetzten Termin statt.
Zuschlagsfrist 2 Wochen.
Hanau den 30. Juli 1909.
Stubing,
Kreisbaumeister. 17657
Politische Rundschau.
Die Reichstagsersatzstichwahl im Wahlkreise Neustadt-Landau, der seit 1868 ununterbrochen nationalliberal vertreten war, hat mit dem Siege des sozialdemokratischen Kandidaten Huber geendet. Allgemein wurde diese Wahl, die die erste nach dem Zustandekommen der Reichsfinanzreform ist, als ein Prüfstein für die Stimmung in der Wählerschaft angesehen. Auch nach dem tatsächlichen Ausgang wird man dabei bleiben müssen, so unerfreulich das Resultat den bürgerlichen Kreisen erscheinen mag. Der Sieg Hubers zeigt, wie stark der Radikalismus in diesem den bürgerlichen Parteien sonst so sicheren Wahlkreis gewachsen ist. Während in der Hauptwahl des Jahres 1907 von 33 500 Wahlberechtigten dieses Kreises nur 6500 sozialdemokratisch gestimmt haben, hat jetzt Huber rund 12 700 Stimmen erhalten. Zunächst ist die sozialdemokratische Wählerschaft gewachsen, dann aber ist auch der größere Teil der Zentrumsstimmen ihm zugefallen. Die Anhänger des Bundes der Landwirte dagegen scheinen geschlossen für den nationalliberalen Kandidaten, der in der Stichwahl unterlegen ist, eingetreten zu sein. Es bestätigt sich also wieder die alte Erfahrung, daß der bürgerliche und nationale Gedanke bei den Konservativen und Anhängern des Bundes der Landwirte im entscheidenden Augenblicke immer noch stark genug ist, um die Gegensatz« zu den anderen bürgerlichen Parteien auch nach dem erregtesten Wahlkampf zu überwinden.
Das nordamerikanische Repräsentantenhaus nahm den Tarifbericht des Konferenzkomitees mit 195 gegen 173 Stimmen an.
Die Vorgänge in Spanien.
Madrid, 1. Aug. Die „Correspondencia de Espana" veröffentlicht heute wieder die erste Depesche aus Barcelona, in der es heißt, daß wieder Ruhe herrscht. Die Blätter werden morgen wieder erscheinen. An Lebensmitteln fehlt es immer noch; solche, die auf dem Seewege eintreffen, werden zu unerschwinglichen Preisen verkauft. Der Generalkapitän von Katalonien teilte der Regierung mit, daß Verstärkungen nicht mehr notwendig sind.
Die letzten Tage von Messina.
Roman von Erich Friesen
(14. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Wie viele Kinder, die nie erfahren werden, wie sie heißen, wann sie geboren, wer ihre Eltern sind I . .
Wie viele bittere Seufzer und Derzweiflungsklagen werden zum Himmel aufsteigen, bis die armen Ueberlebenden jener Katastrophe sich zu neuem Leben emporschwingen, oder her- absinken in dumpfe Resignation.
Auch Pia wird oft von solchen Gedanken gequält.
Sie, die bereits mit dem Leben abgeschlossen, hat ein warmes Herz behalten für die Leiden ihrer Mitmenschen, und oft füllen ihre Augen sich mit Tränen, wenn sie daran denkt, was aus dem armen Jüngling dort oben in ihrem Dachstübchen und dem bleichen Mädchen im Gartenhause der Villa Miranda werden soll! Aus diesen beiden, noch vor wenigen Monaten so jugendfrohen Menschenkindern, vor denen die Zukunft hellsonnig aufstrahlte und die durch bie Messina-Tragödie gleichfalls um ihr heißersehntes Lebensglück gebracht wurden.
Orlando hat heute zum ersten Male für wenige Stunden das Bett verlassen und ruht oben in seinem Kämmerchen im Lehnstuhl.
Pia benutzt diese Zeit, um einige notwendige häuslich« Arbeiten zu erledigen, die während der letzten Tage liegen geblieben waren.
Voller Sonnenschein flutet durch das weitgeöffnete Fenster herein auf das durch die Arbeit gebeugte feine Frauenantlitz. Auf der Kommode steht eine Vas« mit duftenden Rosen. Ein Kanarienvogel schmettert, von Stange zu Stange hüpfend, ein frohes Lied.
Ein Bild stillen, wunschlosen Friedens.
Da meldet Nina, Pias kleines Dienstmädchen, mit geheimnisvoller Miene eine ganz feine Dame. Sie wolle die Sig- norina sprechen.
Mit der ihr eigenen sanften Gelassenheit bedeutet Pia den: Mädchen, die Dame in den kleinen Salon zu führen.
Nicht wenig erstaunt ist sie, als sie gleich daraus der Contessa Doria gegenübersteht.
Madrid, 1. Aug. In zahlreichen Fabriken in Reus und anderen Ortschaften rourbe die Arbeit wieder ausgenommen.
Cerbère, 1. Aug. Es heißt, die Lage in Palamotz und Umgegend sei beunruhigend. Man hegt Befürchtungen für die Fremdenkolonien. Es geht das Gerücht, daß dir Lage in Barcelona nicht gebessert ist. Die Züge verkehren nur bis Gerona.
Sau Sebastian, L Aug. Der Zivilingenieur unter- sagte den Straßenverkauf der französischen Zeitungen und erklärte, er werde eventuell die Zeitungen an der Grenze mit Beschlag belegen lassen mit der Begründung, daß in ihnen ungenaue oder übertriebene Meldungen über den Krieg enthalten sind.
Die Begegnung von Cherbourg.
Cherbourg, 1. Aug. Der Besuch, den Kaiser Nt- kolaus nachmittags an Bord der „föérité" abstattete, erschien bemerkenswert durch die Länge und Herzlichkeit der mehr als einstündigen Unterhaltung, die der Kaiser in dem Ehrensalon des Schiffes mit dem Präsidenten allein hatte. Die Minister Pichon und Iswolski hatten ebenfalls eine längere Unterredung.
Cherbourg, 31. Juli. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland folgten heute abend einer Einladung des Präsidenten Fallières zum Diner an Bord der ,8érité“. Es waren 24 Gedecke aufgelegt.
Cherbourg, 1. Aug. Der Kaiser von Rußland empfing vormittags den Minister des Aeußeren von Pichon.
Cherbourg, 1. Aug. Präsident FallièreS veranstaltete zu Ehren des russischen Kaiserpaares an Bord der „Vèritè" ein Frühstück, an dem die Schiffskommandanten und die Spitzen der hiesigen Behörden teilnahmen.
Poris, 1. Aug. Mehreren Blättern wird aus Cherbourg gemeldet, daß die Polizei eine Anzahl verdächtiger Leute in Haft genommen hat. Nach einem russischen Terroristen namens Givanow wird eifrig gefahndet.
Die Trinksprüche.
Cherbourg, 31. Juli. Bei dem Diner an Bord der „Vèrite" brachte Präsident FallièreS folgenden Trinkspruch aus: Sire! Es ist mir eine aufrichtige Freude, Eure Majestät und Ihre Majestät die Kaiserin bei Gelegenheit der dritten Reise willkommen zu heißen, welch« Sie seit Ihrer Krönung in unser Land machen. Frankreich und feint Regierung wissen Eurer Majestät tiefen Dank für die Zeichen treuer Zuneigung und unwandelbarer Freundschaft, die sie von Eurer Majestät erfahren dürfen. Ihr« heutig« Anwesenheit im Hafen von Cherbourg' ist ein neuer Beweis dafür. Sie gibt dem Bündnis, das zwei Richtungen und zwei Völker eint und das, richtig betrachtet, eine Bürgschaft
„Sie wünschen mich zu sprechen, Contessa?"
Erminia antwortet nicht gleich. Nervös spielen ihr« Finger mit ber Quaste des rosa Sonnenschirms, den sie noch immer in der Hand hält, während ihre Blicke fast ängstlich PiaS Gesicht streifen.
Als sie den lieblichen Ausdruck in den sanften Zügen gewahrt — da schmilzt die Eiskruste, die das Herz dieser scheuen ängstlichen Frauennatur seit Jahren verschloß. Sie schlägt die Hände vor daS Gesicht und weint bitterlich auf.
Pia, die an solche Gefühlsausbrüche nervöser Frauen gewöhnt ist, läßt oie Dame sich ruhig ausweinen, bevor sie teilnahmsvoll fragt, ob sie irgend etwas für die Contessa tun tönne.
Schweigend ergreift Erminia die kleine kühle Hand, die sich auf ihren Arm gelegt, und hält sie fest. Und es ist, als ob etwas von Pias sanfter Ruhe auf'die erregte Frauuber- ginge. ., .
„Ich habe Sie schon so oft gebeten, Signorina, mich einmal zu besuchen. Wir sind ja Nachbarn!"
Pia lächelt.
„Sie wissen ja, Contessa — ich lebe ganz zurückgezogen,"
„Eben deshalb. Auch ich verkehre mit niemandem. Ich bin vollständig vereinsamt. Und da dachte ich, wir beide könnten vielleicht Freundinnen werden. Ach, ich verlang« so brennend nach einem Menschen, dem ich mich anvertrauen kann!"
„Sie haben ja Ihren Bruder!"
Ein Schauer überfliegt Erminia.
„Mein — Bruder!" stößt sie erregt heraus. „DaS ist eS ja eben, daß ich zu meinem Prüder kein Vertrauen hab«! Ach, Sie wissen ja nicht--es lastet etwas auf meiner Seele... es drückt mir fast daS Herz ab . . . und — und — —"
„Und — liebe Contessa ?" ermuntert Pia, die heiße Hand, welche die ihre noch immer umklammert hält, sanft streichelnd. „Wollen Sie nicht Ihr Herz erleichtern?"
„Und Sie werden mir raten? Nach bestem Ermessen?"
„Nach bestem Ermessen."
Hastig trocknet Erminia ihr tränenfeuchtes Gesicht.
Dann beginnt sie zu erzählen, wi« sie uie mit ihrem