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A»tliches ®rgti fit Stahl- ast ^nikttis Man.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 304 U-rnsprechanschlits; Nr. 605.

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SlmtttchLs. fandkreis kjanau.

Der landgräfliche Forst- und ©üterinfpeftor Karl Nies in Hanau-Kesselstadt ist an Stelle br§ Hoirais Bensing zum stellvertretenden Gulsvorfleher des Gutsbezirks Philippsruhe ernannt und verpflichtet worden.

Hanau den 23. Dezember 1908.

Der Königliche Landrat.

A 5337___________v. Beckerath._______ -

Königliche Fachschule für die Kleineren- ttnb Stahlwaren-Jndustrie zu Schmalkalden.

Die Anstalt beginnt zu Ostern 1909 einen neuen Unier- richtskursus und nimmt hierzu neue Schüler auf.

Sie tretet befähigten jungen Leuten Gelegenheit, in mit neuzeitlichen technischen Hilfsmitteln reich ausgestatletenMuster- werkstäilen eine sorgfältige und vielseitige auf der Grundlage neuzeitlicher Technik fußende praktische Ausbildung in der Eisen- und Stahlverarbeiiung, besonders in der Werkzeug- technik zu erlangen, und jene zeichnerischen fachtheoretischen und wirtschaftlichen Kenntnisse zu erwerben, welche unter den heutigen Anforderungen des Gewerbebetriebes für zukünftige Vorarbeiter und Werkmeister oder für selbständige Gewerbe­treibende in der Kleineisen-, Werkzeug» und Metallwaren- Judustrie unbedingt erforderlich sind.

Aufnahmefähig sind junge Leute mit guter Elementar- schulbildung nach erfüllter Schulpflicht. Vorherige praktische Satin feit ist erwünscht, aber nicht Bedingung.

Absolventen, welche die Reifeprüfung abgelegt haben, sind von der Gesellenprüfung befreit.

Minder bemittelten und würdigen Schülern preußischer Staaisangehörigkeil können Stipendien gewährt werden.

Nähere Auskunft auf Anfrage durch den Unterzeichneten. Anmeldungen werden baldigst erbeten.

Der Direktor der König!. Fachschule.

Beil. V 8348

Politische Rundschau.

Sämtliche deutschen Regierungen mit Eisenbahn- sitz haben nunmehr dem Abkommen wegen Herbeiführung einer Güierwagengemeinschaft zugestimmt, das Mitte Dezember in Frankfurt a. Main zwischen den Berti eiern sämtlicher deutschen Eiieubahnveiwaliungen vereinbart wurde.

Feuilleton.

Messina.

Ein Städtebild von Otto Leonhardt.

(Nachdruck verboten).

Bit den großen Fremdenstädten Siziliens gehört das un­glückliche, jetzt zum größten Teile in Krümmern liegende Messina. Palermo besucht der Fremde, und er besucht die Ruinenstätten 'Segesta, Selmunt und Syrakus; aber kommt nach Messina, so ' strebt er in der Regel eilends dem Bahn­höfe zu, um sich nach dem paradiesischen Taormina entführen zu lassen. Und soviel ist gewiß, wer seine sizilische Reise in Meisina etwa abschließt, oder auch nur nach Messina kommt, nachdem er schon zuvor den Zauber des strahlenden Palermo genossen hat, in dessen Gedächtnis wird Messina raum eine tiefe Spur hinterlassen. Beginnen muß mit Meisina der Sizilienreisende, wenn er Messina verstehen will. Von Reggio drüben, dem alten Rhcgion, geweiht durch das Andenken des Eibykns, mag er über'die altberühmte Meerenge setzen, die durch Homer für immer berühmt geworden ist, wenn auch die Scylla und die Charpbdes als Bild und Erlebnis den unbefangenen Reisenden reichlich enttäuscht. Doch schon lenkt sich sein Blick auf die schnell sich nahende Stadt. Eure weiße Stadt, gelagert um euren sichelförmigen, vom Lande gleichiam umklammerten Haien. Eine totabt mit flachen Dächern, mit Kuppeln, die fast an den Orient gemahnen und mancher sonderbaren Turmspitze. Die Berge drangen sich dicht an das Meer, unb die Stadt klettert mit ihren Hausern die Berge hinan. Weit draußen, an der Spitze der bett Hafen abschließenden Halbin'el liegt ein Leuchtturm und eine Zitadelle - eine harmlose Zitadelle übrigens, bte abgetragen ist, weil sie in einem modernen Kriege doch zu nichts gut

Mittwoch den 30. Dezember

Der preussische Haushaltsplan für 1909 wird am 12. Januar bei dem Avgeordnetenhnuse eingehen. Er ist jedoch nicht vom Bureau des Abgeordnetenhauses, sondern, wie alle preußischen Parlamenlssachen, von der preußischen Verlagsanstalt, Berlin SW. 68, Ritterstraße 50, im ganzen und in den einzelnen Teilen zu beziehen.

Reickstaqsabqeordneter Held legte sein Mandat für den Wahlkreis 6 (Hannover) nieder.

Zur Reichstagsersatzwahl in Siegen-Witigen- ft-in. Die B ertrauen smänner-Versammlung des Bundes der Landwirte beschloß, für die am 11. Januar b. J. statt­findende Ersatzwahl im Reichstagswahlkreise Wittgenstein- Siegen die von der christlichen Partei präsentierte Kandidatur des Herrn Lic. Mumm-Berlin zu unterstützen. Für den Fall seiner Wahl wird sich der Kanditat der Fraktion der Wirt­schaftlichen Vereinigung anschließen.

Deutsche Schutzgebiete. Verschiedene Blätter be­richteten, das Südwestafrikaniiche Diamantenfeld Kolmanskop solle an eine britische Gesellschaft zum Preise von 2Pr Millionen Mark verkauft werden. DieTägl. Rundschau" erklärt demgegenüber nach Erkundigung an amtlicher Stelle, daß von einem englischen Syndikat zur Verwertung des Diamantenfeldes Kolmanskop nichts bekannt ist. Was jedenfalls die in den Händen des Reiches, der Firma Lenz und der Kolonialgesellschaft befindlichen Abbaurechte an­belange, so sei an eine Aufgabe dieser Rechte gar nicht zu denken, ebensowenig wie an eine Begünstigung eines eng­lischen Versuches, sich in dem deutschen Diamantenfundgebiet festzusetzen.

Die argentinische Negkernnfl bat beschlossen, für die Artillerievermehrung Kruppsches Geschützmaterial zu ver­wenden.

Beginn des Bürgerkrieges in Venezuela t An der venezolanischen Küste ist ein Zusammenstoß von An­hängern Castros und der Gomez freundlichen Mannschaft des KanonenbootesMiranda" erfolgt, als die Mannschaft derMiranda" bei Maruco eine Landung versuchte, die General Torres mit 500 Mann verhinderte. Es gab zwanzig Tote und fünfzig Verwundete.

Die MbebeMaßWhe in SVitalien.

Sizilien.

Die ersten Nachrichten, die von der sagen- und historien- reichen Insel kamen, durch deren Auen einst Phönikier und Hellenen, Römer und Karthager zogen, auf der Goten und Byzantiner, Sarazenen und Normannen, Hohenstaufen und Franzosen kämpften, gaben nur ein schattenhaftes Bild der Wirklichkeit. Man konnte glauben, daß nur hier und da ein paar Häuser zusammenstürzten und einzelne Menschen sein würde. Das etwa ist das Bild, das Messina bietet, wenn man sich ihr vom Meere aus nähert. AlleS in allem genommen, kein überwältigendes Bild. Die weißgrauen Häuser sind der von halbairikanischen Sonne verbrannt, die Berge, die die Stadt umringen, sind hart, kahl, wie Siziliens Berge alle, und entbehren der großen Formen. Und ebenso entbehrt auch das Bild der Stadt eines beherrschenden archi­tektonischen Symboles, wie es St. Peter für Rom, die Dom­kuppel für Florenz ist.

Aber schon sind wir im Hafen und hier ist es, wo sich Messina von seiner glänzendsten Seite präsentiert. Denn gleich wird man inne, daß man sich in einer der bedeutendsten Handelsstädte Siziliens, ja des Drittel meeres überhaupt be­findet. Schiffe neben Schiffe, Dampfer neben Dampfer aus allen Säubern und Weltgegenden. Der Hafen selbst einer der geräumigsten und sichersten des Mittelmeeres. Hier strömt Siziliens Reichtum zusammen. Hier wird die duftende Apfelsiite verladen, die schimmernde Ziirone, der übelriechende Schwefel aus den berüchtigten Minen des Innern und der schwere dunkle Aetnawein. Messinas Lage und Messinas Hafen sind es, die seine Haudelsbedeutung bedingen: und eben barum hat keine bedeutende Stadt Siziliens unter der modernen Entwicklung des Eisenbahnnetzes so zu leiden ge­habt wie Messina. Ihre Nebenbuhlerinnen sind gewachsen, Palermo vor allem und Catania, und Messina, einst unbe­stritten die Handelsmetropole Siziliens, hat in den letzten Jahrzehnten zurücktreten müssen. Aber noch heute spielen die Apfelsinen aus Messina" in Deutschland ihre Rolle.

Das Meer bildet das LebcuSclement Messinas das Meer hat die Stadtanlage bestimmt. Am Strande entlang zieht sich die Marina, die heute natürlich Corio Vittoria Emanuele genannt wird; und ihr parallel geht die Haupt­straße, die die Stadt durchzieht, die Via Garibaldi. Die Schmalheit des Geländes hat zu breiten Straßen, zu majestätischen Platzanlagen in Messina wenig Raum gegeben; bald werden die Straßen eng, winklig, unregelmäßig und

Fernsprechanschlnss Nr. 605, 1908

begruben jetzt wissen wir, baß die Katastropfe, der ein ganzer Küstenstrich zum Opfer fiel, kaum ihresgleichen findet, und daß das ungeheure Ereignis, dem einst Pompeji, Stadia« und Herculanum zum Opfer fielen, dieses Ereignis, das uns noch heute mit mystischen Schauern erfüllt, weit übertroffen wurde durch die Schrecken, die jetzt über Sizilien kamen. Ein Seitenstück bildet vielleicht nur der Ausbruch des Mont Pelè auf Martinique. Und auch jetzt wieder scheint es, wir einst in den Unglückstagen von Pompeji, daß die Kaiastroph« im engsten Zusammenhang steht mit der Tätigkeit eines Vulkans, daß, wie einst der Vesuv und später jener Berg auf der französischen Antilleninsel, jetzt der Aetna seinen Anteil an der beispiellosen Katastrophe hat. Es ist, als ob die Kräfte, die tief im Schoße der Erde gebunden sind, sich zuwecken gegen ihre Sklavenkelten wehren, und der Mylhol von den Giganten, diedort unten gebunden gerechten Ge­richtes harren" und die an ihren Fesseln zerren, um befreit gegen die Olympier zu stürmen und ihre Sonnenwerke zu zerstören, mag auch heute wieder das Gemüt ergreifen. Jen« Stätte aber, auf die ihre ehernen Fäuste herniederfuhren, sind bisher ein Paradies gewesen. An der Küste dort von Meisina bis Augusta reiht sich Stadt an Stadt und Dorf an Dorf, da liegt, überragt vom Monte Venere, das herrlich« Taormina mit seinen gotischen Palästen und seinem alt­griechischen Theater, da liegt Giarre und Acireale, da liegt Catania la Bella, sonst die heiterste Stadt des Südens, mitten in der fruchtbaren und herrlich angebauten Campagna, daS schon dreimal, in den Tagen der Staufen, in dem Zeitalter Ludwigs des Vierzehnten und um Me Wende des siebzehnten Jahrhunderts der Tücke des Erdbebens zum Opfer fiel. Da ist die Kornkammer des alten Römerreiches, da mochte vor allem der Dichter, der Schönheit Italiens gedenkend, sich zu den Versen begeistern:Du bist schön, Italien, schön in deiner Wehmut und Trauer! Schon im üppigen Grün deiner Haine, in deines Himmels tiefblauer Wölbung, in deiner Fluren nie sterbendem Frühling I"

Gerade uns Deutschen, die wir niemals seine Sehnsucht zu überwinden vermögen, die uns immer und immer wieder nach den Gefilden Italiens treibt, die in den poesievollsten Herrschern unseres Volkes, in den Söhnen des Hohenstaufen- geschlechteS selbst das nationale Gefühl des Germanen er­stickte, bereitet die Katastrophe dort unten an der Küst« Siziliens fast einen körperlichen Schmerz. Denn wir all« haben dieses Land der klassi'cken Scbönheit mit heißer See!« umfaßt, wir träumten von Isola-Bellas duftenden Hainen, von Genua? hochgelürmten Gestaden, von Venedigs mar­mornen Palästen, von florentiniscben Nächten und vom ewigen Nom, von Neapels blühendem Golf, von TassoS grünem Sorrent, von Pompejis rührenden Resten von all dieser Webmut und Trauer, dieser Herrlichkeit der Tempel und bei klettern die Höhen hinan. Da oben liegt das Hinterhaus von Messina die Fassade der Stadt ist dem Meere zu­gewandt oder, so muß man leider sagen, sie war eS. Diese Fassade der Stadt bildet der erwähnte Corso Vittorio Emanuele oder, wie er mit seinem geschichtlichen Namen heißt, la palazzata. Die Geschichte der palazzara ist nicht zu trennen von der Geschichte der Erdbeben, die Messina heimgesucht haben. Als die Stadt im Jahre 1783 durch das große Erdbeben in Trümmer und Schutt verwandelt war, da wurde auf Rcgierungsanordnung diese palazzata als die Schmuckseite und Glanzfassade Messinas errichtet: eine Perlenschnur großartig gedachter, völlig gleichmäßiger, von Säulen getragener Paläste. Die palazzata bildete den Stolz der Messinesen, die sie als das achte Weltwunder rühmten aber fertig geworden ist sie nie. Es blieben Lücken bestehen, und über das zweite Geschoß ist niemals hinaus­gebaut worden. Allein auch in ihrer Unvollständigkeit gab die Palazaia immer einen bedeutenden, ja großartigen Anblick, beiondecs, wenn man sie, der Stadt sich nähernd, aus einiger Ferne sah. Ihr künstlerischer Wert war freilich beschränkt. Eine Heimstätte der Kunst ist Meisina überhaupt nicht zu nennen. Wohl hat eS sich eines schönen Künstlernamens zu rühmen; das ist jener Antonello von Meisina, von dem di« Ueberlieferung berichtet, daß er die Technik der Oelmalerei zuerst in Italien eingeführt habe. Darum haben die Gelehrten sich gar sehr gestritten, und sie streiten noch darum; aber ein feiner Künstler ist Antonello unter allen Umständen sicher ge­wesen, unb im Kloster S. Gregorio wird von ihm ein schönes Altarwerk voller Innigkeit und Farbenpoesie aufbewahrt. Allein sonst steht es, wie gesagt, um die Klinst in Messina nicht zum Besten. Man bemerkt jene Verwilderung deS nrchitectoniichen Sinnes die schon in Neapel beleidigt. Welch ein Monslrum ist nicht der Turm von S. Gregorio; er sei mit Zimmermafln's Worten geschildert:Auf einem qua­dratischen Unterbau von bescheidenen Renaissanceformen, der noch dem ursprünglichen 1512 errichteten Bau von Salamis