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Hanauer H Anzeiger

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General-Anzeiger

Si«rLS,n«Sg<tLh»1

N»tatI«Sdr«ck uxb Verlag der Buchdruckers Lei verein.

Amtlicher Organ für Stobt- und Landkreis Sanan.

tat Ätttametteil b« Zeile 36 U-

«. vraijuchauseS in Hanau.

Erscheint tâgüch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: «. Schricker M Hema»

Nr. 25

F-rnsprechanschlutz Nr. 605,

Donnerstag den 30. Januar

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1908

Amtliches.

Die AuSführungSanweisung zum § 18 der Polizei- verordnung über die Herstellung, Aufbewahrung und Ver­wendung von Acetylen sowie die Lagerung von Carbid vom 8. Juli 1906 (Amtsblatt Seite 233) wird durch folgenden Zusatz ergänzt:

Die Entwickler müssen so eingerichtet sein, daß der Schlamm bei der Entleerung frei von erheblichen Mengen unvergasten Carbides ist* (A. II. 9551) .

Cassel am 10. Januar 1908.

Der Regierungs - Präsident.

___________________I. A.: L ucke._____________ V 389

Eandkreis Fjanau. Mmtmchmzkn M Achten LmkatSâ

Unter den Schweinen zu Ravolzhausen ist die Schweine- ieuche erloschen.

Hanau den 28. Januar 1908.

Der Königliche Landrat.

V 696 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Handelsregister.

Firma E. F. Weber zu Hanau.

Die Firma ist erloschen.

Hanau am 24. Januar 1908.

Königliches Amtsgericht Abt. 5. 2267

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Die im Hofe der Kanalmühle lagernden alten Bau­materialien und zwar: Eisen, Zink, Blei, Oefen, Herde, Holz usw. sollen am

Montag den 3. Februar d. I., nachm. 3 Uhr, daselbst öffentlich gegen sofortige Barzahlung versteigert werden. .

Hanau den 28. Januar 1908.

Stadthauptkaste. 2293

AckliMunUlWWe, Langstraße Nr. 41.

Kostenfreie Arbeitsvermittelung werktäglich vorm 8^212^/» Uhr, nachm. 36 Uhr.

Städtisches Arbeitsamt,

Rathaus Zimmer Nr. 12. Kostenfreie Auskunft in Sachen der sozialen Gesetz­gebung (Unfall-, Invaliden-, Kranken- usw. Gesetze.) Hanau am 2. Januar 1908.

Der Magistrat.

Vr. Gebeschu 8. 2

Städtische Sparkasse.

Wir haben in Hanau-Kesselstadt eine Sammelstelle für Spareinlagen zur städtischen Sparkaste vom 18. Juli d. Js. ab eingerichtet. Mit der Geschäftsführung ist Herr Gemeindeeinnehmer Benz betraut worden. Die­jenigen Sparer inHanau-Kesselstadt,welchevondieser Einrichtung Gebrauch machen wollen, können ihre Einzahlungen gegen Vorlage der Einlagebücher im Amtszimmer des Herrn Benz während seiner Dienststunden machen. Zu beachten ist, daß in die Einlagebücher Marken im Nennwerte der Einlage eingeklebt werden und die Rückgabe der Bücher alsbald erfolgt.

Neu hinzntretenden Sparern werden von der Sammel- stelle Einlagebücher kostenfrei ausgefertigt.

Hanau den 10. Januar 1908.

Der Vorstand. 1147 Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Herren-Uhr mit Gehäuse, 2 Paar und eine einzelne Herren-Manschette, 1 Kontobuch für Hackbarth, 1 Damenschirm (vor dem Theaters, 1 brauner Ueberzicher, 1 schwarzes Kneiferfutteral (mit der Aufschrift W. Tectz, Putbus).

Verloren: 1 Herren-Portemonnaie mit 30 Mark

1 silbernes oxidiertes Bröschchen.

Entlaufen: 1 glatthariger schwarzer Schäferhund mit gelben Beinen m. Grschl.

Hanau den 30. Januar 1908.

Politische Rundschau*

Vom kaiserlichen Hofe. Im Weißen Saale des Berliner Schlosses fand gestern abend der erste Hofball statt. Gegen 9 Uhr betrat der Kaiser, in der Uniform des ersten Garderegimenis zu Fuß, mit der Kaiserin, die eine lichtgrüne Schlepprobe trug, den Saal. Es folgten die anwesenden Fürstlichkeiten. Die Kaiserin wandte sich zuerst zu den Fürstinnen, den Damen der obersten Hofchargen, den Ge­mahlinnen der Botschafter und zu diesen selbst. Sie nahmen dann den P'.atz auf dem Thron ein. Der Kaiser begrüßte zunächst die Gemahlinnen der Botschafter und Gesandten, dann die Herren des diplomatischen Korps und zog weiter in immer gleicher Frische und Lebhaftigkeit zahlreiche Herren ins Gespräch. Inzwischen begann der Ball. In den Carrès am Thron tanzten sämtliche jüngeren Prinzen und Prinzes­sinnen mit.

Die Budgetkommission des Reichstages be- gann gestern die Beratung des Etats des Reichsamtes bei Innern. Der Nachtragsetat, der 400 000 Mark zur Förde­rung von Versuchen auf dem Gebiete der Motorluftschiffahrt fordert, sowie die Position des ordentlichen Etats, die 2 150 000 Mark zur Gewährung einer Entschädigung an den Grafen v. Zeppelin und zum Erwerbe der beiden von ihm erbauten Luftschiffe fordert, wurden bewilligt. Die Kommission bewilligte ferner u. a. 440 000 Mark zur Ein­richtung des wettertelegraphischen Dienstes und 36 000 Mk. zur Fortführung des Grimmschen deutschen Wörterbuches.

Die hessische Regierung hat dem Landtage einen Gesetzentwurf betreffend die Abänderung bei Gesetzes über die Nuhegehaltsverhältnisse und die Versorgung der Hinterbliebenen der im hessisch-preußischen Gemcinschaftsdienft angestellten Staatseisenbahnbeamten vom 26. März 1897 und des Gesetzes betreffend anderweitige Bemessung der Be­züge für die Hinterbliebenen der im hessisch-preußischen Ge- meinschaftsdienst angestellten Staatseisenbahnbeamten vom 21. April 1898 zugehen lassen mit dem Wunsche einer tun­lichst förderlichen Behandlung des Gegenstandes, da das Gesetz rückwirkend vom 1. April 1907 in Kraft treten soll. Wäh­rend bisher die Pension nach zehnjähriger Dienstzeit mit 15/60 des pensionsfähigen Dunsteinkommens anfing, ist in dem Entwurf die Anfangspenston auf 20/60 erhöht worden, steigend jährlich um 1/60 bis zum 30. Dienstjahre und von da ab um 1/120 des Diensteinkommens. Ueber den Be­trag von 45/60 dieses Einkommens findet eine Steigerung nicht statt.

Der Seuiorenkottveut der hessischen Zweiten Kammer hatte Gelegenheit genommen, mit dem Staals- minister die weitere Behandlung der Wahlrechtsvor­lage zu erörtern. Man war allgemein der Ansicht, daß eine vollständige Erledigung aller Gesetzesvorlagen auf diesem Landtage unmöglich sei. Der Seniorenkonvent wünschte, daß sofort bei Beginn bei nächsten Landtages eine neue Wahl- rechtsvorlage eingebracht werde, daß aber die Verhandlungen der beiden Ausschüsse der Kammer ruh'g weitergeführt werden sollten, um zu sehen, ob eine Verständigung zu erzielen sei. Der Staatsminister konnte auf diese Anregung eine definitive Antwort nicht geben und behielt sich vor, nach einem Be­schlusse bei Staaisministeriums eine endgültige Antwort zu geben.

Die Lage in Portugal. Gestern nachmittag kam ei in Lissabon wiederholt zu Aufläufen. Einige Ansammler, die mit Revolvern bewaffnet waren, wurden von der Polizei auScinandergetricben. Einige Personen und zwar hauptsächlich Polizeibeamte wurden verletzt. Im übrigen ist das Aussehen der Stadt daS gewöhnliche.

Die belgische Kammer nahm den die Zusatzakte zur Brüsseler Zuckerkonvention billigenden Gesetzentwurf an.

Die Lage in Persien.

Konstantinopel, 29. Jan. Heute erhielt die persische Botschaft eine Depesche des ersten persischen Delegierten bei der Grenzkommission, derenKopic sie denPuissances media- tricei" überreichte. Dieselbe bestätigt, daß die Pforte den Befehl gegeben habe, weitere Grenzverletzungen einzustcllen. Inzwischen hat jedoch der türkische General Fazyl Pascha Truppen und Geschütze nach Sondj Bulak geworfen und den Prinzen Ferman aufgefordert, abzugehen, oder sich zum Kriege vorzubereilen. Der Prinz Ferman erwiderte, daß er nicht gekommen sei. um Krieg zu führen. Die Depesche fügt

hinzu, baß unter solchen Umständen eine Arbeit der Kom- Mission unmöglich sei.

Täbris, 29. Jan. (Peiersb. Tel.-Ag.) Die vereinzelten Scharmützel und die offenen Plünderungen bauern fort. Un­geachtet der von dem Statthalter von Endschumen verbreiteten gedruckten Aufforderungen bleiben die Basare geschlossen. In­folge der in den Basaren herrschenden Panik funktionierten die Banken gestern nicht. Der Handel erleidet ernste Verluste.

Zur Lage in Marokko.

Casablanca, 29. Jan. Muley Hafid hat Muley Raschid wegen dessen Niederlage am 4. Januar abberufen und durch den Scherif des Bezirkes Marrakesch Teffektani ersetzt. Hafid ist im Vormarsch auf S-ttat.

Die englische Thronrede.

London, 29. Jan. Das Königspaar begab sich heute vom Buckingham-Palast zur Eröffnung bei ParIa- m e n t 8. Als der königliche Zug das Parlamentsgebäude verließ, warf eine Anhängerin des Frauenstimm­rechts ein Schriftstück, offenbar eine Petition, mitten auf die Straße vor den Wagen hin. Sie wurde von mehreren Polizeibeamten zurückgerissen.

London, 29. Januar. In der Thronrede bei Königs zur Eröffnung des Parlaments heißt es: Der Besuch des deutschen Kaisers nnd seiner Gemahlin im vergangenen Herbst war eine Quelle großen Vergnügens für mich und die Königin. Der herzliche Empfang, der den Majestäten durch mein Volk zuteil wurde, ist warm aner­kannt worden und kann nicht verfehlen, die zwischen beiden Nationen bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu be­festigen. Der Tod bei König? von Schweden verursachte mir einen großen Schmerz. Die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind fortdauernd freundschaftlich. Die Regierung war von dem aufrichtigen Streben beseelt, gewisse, Groß­britannien und Rußland betreffende Fragen auf dem asta­tischen Kontinent durch wechselseitiges Entgegenkommen zu regeln. Sie hat mit der russischen Regierung ein Ueberein­kommen betr. die beiderseitigen Interessen in Persien, Af­ghanistan und Tibet geschlossen. Dieses Uebereinkommen hat Ihnen bereits vorgelegen und in seinem Geiste handelnd, waren die beiden Regierungen imstande, ungeachtet des Auf­ruhrs und der Verwicklungen in Persien, die friedliche Politik aufrecht zu erhalten. Meine Regierung ist mit den Re­gierungen von Frankreich, Deutschland und Rußland in einem Vertrage verbunden zurErhaltungderJntegritätdesKönigreichS Norwegen. Bezüglich der Haager Konferenz heißt «S in der Thronrede: Verschiedene der Schlußakte der Konferenz beigefügte Urkunden zeigen den Fortschritt, der gemacht wor­den ist. Diese Urkunden unterliegen der aufmerksamen Er­wägung meiner Regierung. Eine der wichtigsten dieser Ur­kunden'stellt daS große Prinzip eines internationalen Appell­hofes in Prisenangelegenheiten auf. Meine Regierung studiert die Frage und wird Vertreter der leitenden Seestaaten für den nächsten Herbst zu einer Konferenz nach London einladen, wo eine Verständigung erzielt werden soll über verschiedene wichtige Punkte eine? internationalen Gesetzes für die Leitung bei Gerichtshofes. Das gegenseitige Verhältnis der christ­lichen und muselmännischen Bevölkerung in den macedonischen Wilajets zeigt keine Befferuug. Die Banden der ver­schiedenen Nationalitäten fahren fort, Grausamkeiten zu ver­üben. Die Lage gibt Anlaß zu ernster Besorgnis. Di- europäischen Großmächte sind übereingekommen, der tür­kischen Regierung einen Entwurf für die Besserung bei Gerichtswesens in jenen WilajetS vorzulegen, und meine Regierung machte ferner dem Sultan und den Großmächten Vorschläge für eine Bekämpfung der Hauptursachen der Unruhen. Meine Regierung hat volle Kenntnis von der großen Besorgnis, die bezüglich der Be- Handlung der eingeborenen Bevölkerung herrscht. Ihr ein­ziger Wunsch ist, daß jene Bevölkerung in humaner Weise gemäß dem Geiste der Berliner Akte regiert werde. Ich hege die Zuversicht, daß die jetzt zwischen dem Souverän des Kongostaates und der belgischen Regierung schwebenden Ver­handlungen dieses Ziel sichern werden. Der König spricht dann in seiner Rede weiter die Hoffnung auS, daß die Ver­handlungen mit den Vereinigten Staaten wegen einer Ver­ständigung über die Verweisung der die Fischereien von Neu­fundland betreffenden Fragen an den Haager Schiedsgerichts- Hof eine seit langem bestehende Quelle von Schwierigkeiten in befriedigender Weise beseitigen werden. Die Thronrede kündigt sodann die Beilegung der Schwierigkeiten zwischen Japan und Kanada betr. die japanische Einwanderung an und beklagt den Notstand, der, vielfach von Krankheiten be­gleitet, in einigen Teilen Indiens infolge Regenmangels herrscht. Energische Maßnahmen zur Linderung bei Not­standes seien getroffen. Unter den neu angekündigten Ec sitzen befinden sich die Entwürfe eines Altersversorgungs­gesetzes, zur Hebung bei Elementar-UnterrichteS in England und Wales, zur Regelung der Arbeitszeit für die unter­irdische Beschäftigung in den Kohlenbergwerken, zur Ver­besserung der Vorschriften für Heimarbeiter, zur Erzielung einer Ausbreitung der Universitätsbildung in Irland, zu Verbesserungen in der irischen LandkausSakt« u. a.