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Jtetotienlbmdt und Verlag der Buchdruckerei des verein.

General-Anzeiger

Amtliches ®r$ee fit ÄM- nab FMreis flut

M. Waijenhause» in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilke.

Verandoortl. Nedakteuer O. e^uftt M (MU

Nr. 4-9 Fernsprechanschlutz Nr. 605.

Donnerstag den 27. Februar

Fernsprechanschlutz Nr. 605» 1908

Amtliches.

Eandkrds Ran au.

BekmtlnMWn des Königli-en LMdratsmiS.

Um den Gefahren zu begegnen, welche bei dem Befahreu von unbewachten Weaeüberftânflen der Eisen­bahnen (insbesondere Nebeneisenbahnen und Kleinbahnen) in Schienenhöhe sowohl für die Fuhrwerke wie für die Eisen­bahnzüge entstehen können, ist es namentlich erforderlich, daß die Führer der Fuhrwerke beim Passieren von Bahnüber­gängen die größte Aufmerksamkeit und Vorsicht beobachten. Die Wagenführer gefährden bei unachtsamem Passieren der Bahn nicht nur ihr eigenes Leben, sondern setzen sich auch einer erheblichen Bestrafung auf Grund des § 818 St.- G.-B. aus.

Indem ich nachstehend den § 2 der Polizeiverordnung »om 30. März 1887 (Amtsblatt der Königl. Regierung zu Cassel vom Zahre 1887 S. 126) veröffentliche, mache ich den Führern von Fuhrwerken die strengste Beachtung dieser polizeilichen Bestimmung zur Pflicht. Wenn die letztere stets genaue Beachtung findet, namentlich beim Passieren von Bahnübergängen, werden sich die Gefahren und Unfälle ver­mindern, von denen in den Zeitungen so oft berichtet wird.

Die mir unterstellten Polizeiorgane werden hiermit ange­wiesen, auf die Beobachtung der fraglichen Polizeivorschrift ganz besonders zu achten und jeden Uebertretungsfall zur Be­strafung zu bringen. Die erfolgten Bestrafungen sind durch die Ortspolizeibehörden zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.

Hanau den 12. Februar 1908.

Der Königliche Landrat.

V 985 I. A.: Conrad, Kreissekretâr.

§ 2. Der Führer deS Fuhrwerks muß sich in wachem und nüchternem Zustande erhalten und die Zugtiere, sowie deren nächste Umgebung während der Fahrt stets aufmerksam im Auge behalten. Er muß während der Fahrt entweder auf dem Fuhrwerk selbst nicht auf der Deichsel, deren Arme oder auf einem an der Seite des Fuhrwerks angebrachten Sitze seinen Platz nehmen, oder auf einem der Zugtiere reiten, oder unmittelbar neben dem Fuhrwerke oder den Zug- tieren hergehen. Sitzt der Führer auf dem Fuhrwerke oder reitet er, so muß er die Zügel unausgesetzt angezogen in der Hand halten. Geht er nebenher, so darf er nur Schritt fahren.

Bei Hundefuhrwerken muß der Führer stets nebenher gehen.

Der Führer darf sich von dem Fuhrwerk über fünf Schritte

Feuilleton.

Ein DithtcrjnLilar.

Am 28. Februar vollendet der Schriftsteller Dr. Wilhelm Fischer in Oberkassel (Siegkreis) sein 75. Lebensjahr. Er ist keiner von denganz Großen", auch keiner von denen, die es trotz all ihrer Mittelmäßigkeit verstanden haben, mit rücksichtsloser Ellbogenkraft bis zum höchsten Gipfel des schroffen BergesRuhm" emporzuvoltigieren und die nun oben von sich und ihrem Können viel Gelärm und Trara machen, um damit ihr und anderer Leute Bangen vor dem mehr oder minder jähen Absturz zu übertönen. Niemals hat sein stilles, liebenswürdiges Talent nach äußerem Erfolg und materiellem Glanz gehascht. Mit seinem feinen Ver­stand«, feinem durch und durch guten Herzen ist er noch ganz einer der alten Schule: immer bestrebt, in redlicher Arbeit und treuer Gesinnung dem Leser das Ideal eines reinen Menschentums zur Nacheiferung vor Augen zu führen.

Im Jahre 1833 in Wermelskirchen im Bergischen als Sohn eines in bescheidenen Verhältnissen lebenden Buchhalters geboren, konnte er zunächst nur bis zu seiner 1848 erfolgten Konfirmation die höhere Schule besuchen und wurde dann nacheinander Schreiber, Sctzerlehrling, Präparand und Schulgehilf«. Erst 1851 kam er mit Levin Schückins und anderer Freunde Hilfe auf daS Gymnasium zu Köln und 1856 auf die Universität Bonn, um klassische Philologie zu studieren. Fortwährend genötigt, als Hauslehrer in begüterten Familien zu Köln, Bonn, Amsterdam und Lennep nicht nur Stunden, sondern Jahre dem Erwerb zu opfern, gelangte er erst 1863 zur Promotion und 1865 zum Staatsexamen. Von 18651882 Rektor der höheren Schule, seit 1877 auch Lokalschulinspektor in Ottweiler, mußte er wegen seiner zunehmenden Augenschwäche schon mit 49 Jahren sein Lehr- amt aufgeben und zog sich, gelockt von seinem alten Freunde, Dem Journalisten und Dramatiker Heinrich Krule. noch Pückebura wM

nur dann entfernen, wenn dasselbe nicht in Bewegung ist und er entweder eine andere geeignete Person zur Aufsicht bei dem Fuhrwerke zurückgelassen oder die Zugtiere auf einer Seite bei Zwei- und Mehrspânnern auf der Deichselseite abgesträngt hat.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Ge­markung Langenselbold belegenen, im Grundbuch« von Langen­selbold Blatt 2213 zur Zeit der Eintragung des Versteige- rungSve: merkes auf den Namen des Zimmermanns Albrecht Bänscher zu Langenselbold eingetragenen Grundstücke:

Krtbl. 41 zu Nr. 67/4 rc., Kreuze, Hofraum, 5,32 ar, Krtbl. 41 zu Nr. 68/4, Kreuze Nr. 38 a, 5,56 ar,

a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten, 210 Mk. Nutzungswert,

b) Waschküche mit Abort,

12 Mark Nutzungswert,

am 14. April 1908, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Langenselbold den 21. Februar 1908.

__Königliches Amtsgericht. 4447

Slâbiifilt MkiiAkrmittklWWk,

Langstraße Nr. 41.

Kostenfreie Arbeitsvermittelung werktäglich vorm 81/s12l/s Uhr, nachm. 86 Uhr.

Städtisches Arbeitsamt,

NathanS Zimmer Nr. 12. Kostenfreie Auskunft in Sachen der sozialen Gesetz­gebung (Unfall-, Invaliden-, Kranken- usw. Gesetze.)

Hanau am 2. Januar 1908.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 2

Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 goldener Kinderring mit rotem Stein, 1 Herren-Uhrkeite, 1 Pellerinen-Mantel mit 1 Paar grauen Herren-Handlchuhen.

Verloren: 1 dunkelbraunes Portemonnaie mit 12 Mark und einigen kleineren Photographien, 1 Portemonnaie mit 1,73 Mark.

Gleich Goethe, seinem großen Bruder in Apoll, hatte auch er dieLust am Fabulieren" von seiner Mutter geerbt, die es in aller Härte und Not ihres Lebens nicht verlernt hatte,dem Himmelston der Dichtung zu lauschen", wie ihr Sohn im Jahre 1850 von ihr sang. Dem zwölfjährigen Knaben schon wurde die Freude, sich mit einem Gedicht, einemAbschied an die Heimat", gedruckt zu sehen; von 1851 an zählte Fischer viele Jabre lang zu den ständigen Mitarbeitern derKölnischen Zeitung" und anderer ange­sehener Tagesblätter und Zeitschriften. 1862 erschienen seine erstenGedichte" in Buchform, 1870 seineHolländuchen Geschichten". Darauf in langer Folge etwa 25 Bändchen von Erzählungen Volksichristen im besten Sinne des Wortes von denen manche Auflagen von einigen zwanzig­tausend Exemplaren erreicht haben bei Enßlin u. Laiblin in Reutlingen, bei Spamer in Leipzig, bei Neufeld u. Hcnius in Berlin, bei Haynel in Emden und in Kürschners Bücher- schatz, und von denen ich nurBunte Bilder",Der große Diamant",Morgen",Ein Jahr Witwe" undGrünvogel" nennen möchte.

Gegen Ende des vergangenen JahreS hat der Greis, der nur noch bei hellstem Tageslicht lesen nnd schreiben kann, als eine Art Abschiedsgruß an seine Leser noch ein Bändchen Gedichie zuiammengestellt, die soeben unter dem TitelIm Abendrot" bei Enßlin u. Laiblin in Reutlingen erschienen sind.

Leuchten dort im Abendröte Schon die Berge? Naht der Bote, Der nicht ausbleibt? Kommt die Nacht? Manches mein' ich noch im Lichte Tun zu sollen . . .

leitet er sie ein, er, der Stille und Bescheidene, der von sich singt:

Vergönnt mir noch auf Erden Ein wenig Sonnenschein.

Will hier ja nichts mehr werden Und bald auch nichts mehr sein.

Ssrmrnjchsm- Wârm«, nicht draußen allein, nein »6$

Zugelaufen: 1 junger Hund w. Gesch. mit Schellen­halsband.

Entlaufen: 1 gelb, schwarz und weißer Meutehund. Hanau den 27. Februar 1908.

Politische RundTchati»

Dernburgs Kolonialprogramm. Die Budget- ' kommission des Reichstages setzte Mittwoch di« Beratung deS / Etats für Ostafrika fort. Staatssekretär Dernburg ergänzt« l seine Ausführungen. Sein wirtschaftliches Programm s«i auch ein kulturelle? und ethische- Programm, Pflege her Gerechtigkeit, freundliche Heranziehung der Eingeborenen an die deutsche Herrschaft, Erhaltung der Raffe, Förderung ihrer gesundheitlichen Lage und ihrer wissenschaftlich«» Prosperität, freies Walten der Missionen seien erforderlich. Er erhoffe durch den wirtschaftlichen Fortschritt auch kulturelle Erfolg«. Er halte «S für wichtig, daß möglichst viel tüchtige Deutsche nach Ostafrika kommen, aber er wisse noch nicht, ob st« dort leben und fortkommen könnten und könn« deshalb vom Rt- zierungsstandpunkte die Auswanderung gegenwärtig nicht empfehlen. Gouverneur v. Rechenberg macht eingehend« Mitteilungen über die Bedeutung der Araber für die Kolonie Deutsch-Ostafrika. Abg. Lottmann (wirtsch. Vgg.) teilt auf Grund eines Briefes mit, daß die Neger erklärt hätten: Mit Dernburg reisen wir nicht mehr, soviel Prügel, wie auf der Reise, haben wir niemals gekriegt. (Allgemeine Hriterkkit.) Redner fragt, ob nach diesen Strafen auch die vorgeschriebenen doppelten Protokoll« ausgenommen worden seien. Gouver- ; neur Graf v. Rechenberg bestreitet die Zuverlässigkeit bet I Mitteilungen des Gewährsmanne- deS Abg. Dr. Lattmann. Er selbst kenne die betreffenden Neger und habe mit ihnen über die Reise gesprochen. Beschwert aber habe sich keiner trotz deS Vertrauens, das sie zu ihm hätten.

Gnabenakt. König Wilhelm II. von Württemberg hat anläßlich seines 60. Geburtsfestes 34 Strafgefangene der württembergischen Gefängnisse begnadigt.

Dem bayerischen Landtage ging gestern abend eine Vorlage zu betr. Erbauung von 26 Lokalbahnen, welch« einen Gesamtaufwand von 33 728 800 Mk. erfordern.

Ein französisches Märchen. Ein französische- i Blatt bringt eine Mitteilung, nach welcher der Kaiser in s einem Gespräch mit dem verstorbenen Kultusminister Antonin : Proust geäußert haben soll, daß die Erwerbung Elsatz- Lothringens ein schwerer Fehler der deutschen Politik gewesen sei. Die Mitteilung ist falsch. Die halbamtlich«Nordd.

allem drinnen im Herzen, daS ist's, waS der greife Dichter bis zu seinem letzten Atemzuge nicht nur für sich, sondern für alle Menschen ersehnt:

Wir haben'S weit gebracht l Wie sind so klug Doch ob wir froher al# die Väter sind?

Zum vollen Glücke scheinttS noch nicht genug.

Verweh'n doch tausend Seufzer noch im Wind. Mehr WärmeI" Ein großes Wort, das nicht verhallt. Mehr Wärme!" Licht allein ist oft so falt!

Und:

Freund, ein freundlich Antlitz wend« Jedem zu, der treu dir naht. Geht er auch ein kleines End« Nur mit dir den Lebenspfav.

Wenn er schüchtern grüßt, so neig dich;

Wenn er fragt, gib gern Bescheid.

Wo du nur vermagst, erzeig' dich Lieb- und Hilfteich. Nutzt bie Zeit!

Denket nicht: es liegt im Grund«

Wenig unS am kurzen Gang:

Freude habt ihr eine Stunde, Süß Erinnern lebenslang.

Gern führte ich von feinen Versen, in deren vielen sich ein andächtiges, fast frommes Sichversenken in die wechselnd« Bilder des Naturlebens kundgibt, gern führte ich von seinen Sprüchen und Lebensregeln, die meist den Nagel auf bat Kopf treffen, noch biefe# und jene- Beispiel an. Aber ist nicht sein Buch selber wert, daß man er lieft ?

Als ich bei Dr. Fischer anfragt«, ob ich ihm zu seinem Geburtstage mit der Veröffentlichung einer ArttkelS über ich- wohl eine kleine Freude machen könnte, antwortet« er mir: Ich habe nur noch den einen Wunsch, noch mehr von meinen Gedichten, als dies feit vierzig Jahren schon ge­schehen ist, in Anthologien und Lesebücher ühergehm zu feiert ich möchte wie Lessing sagt noch ein wenig fleißiger gelesen sein". Vielleicht tragen diese Zeil«» dazu bei, dem Greis diese Freude, in der er hauptsächlich wirber eine Freud« für die anderen sucht, zu bereiten.