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»Michährlich 1^0 Mk^ monatlich 60 Pfg., für tu* »«tige Aannent«, mit dem büreffendm PaßguMaz. Di« einzelne Nummer testet 10 Pfg.

VrtävLdruck und Verlag der Buchdruck«»«! de» verein, r». WaismhauseS m Hanau.

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Awtliches Orzin fit Siabt« und KMreis Km».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die sünszespalte« Petitzeile oder i^ «WvW Wtz im »Mmeatch di« M ßtz W

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Nèk. 199 Fernsprechanschlutz Nr. 605.

Mittwolh den 26. August

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1908

s

Amtliches.

Der Saatenstand Mitte August 1908.

Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hanau, Land Begutachtungsziffern (Noten): 1 sehr gut, 2 = gut, 3 = mittel, 4 = gering, 5 =. sehr gering.

Fruchtarten usw.

Winterweizen Sommerweizen

Wlnterspel;

Winterroggen

Sommerroggen

Sommergerste

Hafer

Erbsen

Ackerbohnen

Wicken

Kartoffeln Zuckerrüben

Winterravs- u.

Rübsen

Flachs (Lein)

Klee

Luzern

Wiesen m. kst!.

Be- (Ent-)wässt

Andere Wiesen

Durch-

Königlich Preußisches Statistisches Landesamt.

Dr. Blenck, Präsident. V 5885

Stadtkreis Hanau.

Städtisches Wannen- und Brausebad.

Bangertstrafte 2 (Eingang: Große Dechaneistraße).

Geöffnet für Männer:

Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 812 Uhr vormittags und 28 Uhr nachmittags.

Sonntag von 812 Uhr vormittags.

Geöffnet für Frauen:

Dienstag und Freilag von 812 Uhr vormittags und 28 Uhr nachmittags.

Preise der Bäder:

Brausebad mit Wäsche 10 Pfg.,

Wannenbad mit Wäsche 25 Pfg., Wannenbad ohne Wäsche 20 Pfg.

Hanau den 2. Januar 1908.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 357

Feuilleton.

Zorndorf.

Ein Gedenkblatt zur 150. Wiederkehr des Schkachttages 25. August.

Von Dr. Haus Haffelkamp.

(Nachdruck verboten).

Nördlich von Küstrin liegt zwischen zwei Nebenflüssen der Oder, der Warthe und" Mietzel, eine Insel von Acker­land eingebettet in dunkle, schweigende Kiefernwälder. Ur­sprünglich war dies Land ein Moor, doch die Arbeit des Landmannes hat es nach und nach entwässert. Aber noch zeigt heute hier und dort der sumpfige Charakter der Täler die ursprüngliche Beschaffenheit des Landes an, und vor 150 Jahren waren die Sümpfe weiter verbreitet und tiefer. Die bedeutendste Siedelung dieser Ackerinsel ist Zorndorf, ein be­häbiges, friedliches Dorf, auf dessen Weltvergessenheit der helle Schein des 25. August 1758 fällt. Zorndorf liegt am Südrande der Insel, und nördlich davon streckt sich das Ge­lände in leichten Erdwällen der Mietzel zu, gegen deren sumpfiges Tal es verhältnismäßig schroff abfällt. Ein paar träge Wasseradern schleichen sich der Mietzel zu gen Norden und bilden, indem sie ziemlich tief in das Hügelland ein­schneiden, kleine Schluchten oderGründe". Drei solcher Gründe gibt es, und zwar von Westen nach Osten auf­gezählt, den Zabergrund, den Galgengrund und den Doppel­grund. Sehr anschaulich hat daher Fontane, der märkische Wanderer, das Gelände mit seinen Höhen und Tiefen mit einer Tischplatte verglichen, auf der eine Riesenhand mit ge­spreizten Fingern liegt.

Das ist das Feld, auf dem sich eine der 'wildesten, der merkwürdigsten, und, sofern die Leistung des Preußenkönigs in Betracht gezogen wird, der genialsten Schlachten des sieben­jährigen Krieges" entschieden hat. Heute ruht der ganze Fleck Erde' in tiefer friedlicher Traumstille. Es ist gar selten, daß einer das Schlachtfeld von Zorndorf besucht, und das kleine

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge­markung Langenselbold belegene, im Grundbuche von Langen­selbold Blatt 2538, zur Zeit der Eintragung des Versteige­rungsvermerkes auf den Namen des Weißbinders Heinrich Lohfink zu Langenselbold eingetragene Grundstück:

Krtbl. 47 Nr. 53, am Weihertsweg, Acker, 21,42 ar, 3,72 Tlr. Reinertrag,

am 20. Oktober 1908, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Langenselbold ben -21. August 1908.

Königliches Amtsgericht. 16985 ---------- ^t- ---------------------------------- Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Schildkröte, 1 Damenschirm.

Verloren: 1 Paket (1 Kilo schwer, mit der Adresse Brauerei Koch), 1 Portemonnaie mit ca. 2830 Mk.

Zugelaufen: 1 gelbbrauner langhaariger Schäfer­hund mit weißen Abzeichen w. Geschl., 1 gelber schottischer Schäferhund mit weißen Abzeichen m. Geschl.

Hanau den 26. August 1908.

politische Rundschau.

Die Freisinnigen nnd die Wendung im Fall Schücking. Im Gegensatz zu demBerl. Tagebl." er­kennen andere freisinnige Blätter an, daß der Fall Schücking durch das Eingreifen des Ministers ein anderes Gesicht be­kommen hat und daß man gut tut, den Bogen nicht zu Überspannen. DieWeser-Zeitung", die der Freisinnigen Vereinigung nahesteht, schreibt dazu: Es war an der Zeit, daß der Dorn, den der reaktionäre Eifer des Schleswiger Regierungspräsidenten den Blockparteien in den Fuß ge­trieben hatte, wieder herausgezogen wurde. Herr v. Dolega- Kozierowski ist trotz seines klangvollen Namens dem Publikum ein gleichgültiger Mann. Es kam nur darauf an, ob die Regierung seinen faux pas billigte oder rekti­fizierte. Das letztere ist durch die Beurlaubung des Re­gierungspräsidenten geschehen, nun mag der Fall seinen ge­richtlichen Verlauf nehmen.

Der neunte deutsche Handwerks- und Ge- Werbekammertag in Breslau, zu dem etwa 300 Dele­gierte aus ganz Deutschland eingetroffen sind, begann gestern nachmittag mit einer Vorversammlung im Kammermustkjaale des Konzerthauses. Der Schriftführer der Kammer, Dr. Mousch, teilte mit, der Ausschuß habe in einer am Vormittag abgehaltenen Sitzung beschlossen, den Bundesregierungen und Denkmal, das man zum Gedächtnisse des Ereignisses er­richtet hat, ist bereits gleichsam mit dem Ackerlande selbst verwachsen. Heute aber, da nach dem Ablaufe von einem und einem halben Jahrhunderte die Schatten der Kämpfer von Zorndorf wieder vor uns auftauchen, wollen wir uns wenigstens im Geiste an diese Stätte des märkischen Oder­landes begeben.

Trotz der glänzenden Siege, mit denen das Jahr 1757 geschlossen hatte, stand es im Sommer 1758 um die Sache Friedrichs bereits wieder recht schlecht. Sein Feldzug in Mähren war mißglückt. Daun Cunctator, zwar vielleicht kein eiserner, aber sozusagen ein bleierner Mann, einer, der sich wie ein schweres Bleigewicht an den Adlerflug des Preußenkönigs anhing, hatte Friedrich trotz aller seiner Ver­suche und Herausforderungen nicht zur Schlacht gestanden. Rückwärts hieß es zurück nach Schlesien. Und indessen kamen beunruhigende Nachrichten aus dem Norden. Die Schweden waren ins Land eingefallen und vor allem die Russen. Freilich: es ging ja langsam genug mit denen. Monate dauerte es, ehe der russische General Fermor sich in Bewegung setzte, ebe er, hin und her marschierend und demonstrierend, nach Posen gelangt war, ebe er sich endlich Küstrin zum Ziele seiner Operationen wählte. Aber um so dringender waren die Hilfeschreie der heimgesuchten treuen Bevölkerung. Noch heute ist und bleibt uns ein russisches Heer verdächtig, damals aber bestand es eben aus Horden, die aus der Tiefe eines noch durchaus barbarischen Landes hervorbrachen und deren Weg bezeichnet wurde durch Plün­derung, Brandstiftung, Mord und Gewalttat jeder Art. Dieser Fermor übrigens war kein so schlechter Feldherr, wie man das lange beliebt hat darzustellen, der überaus ge­schickte Flankenmarsch, durch deck er sich schließlich nach der Schlacht den Preußen entwunden hat, beweist es, aber er war durch hundertundeine Rücksicht gehemmt. Man miß­traute ihm als geborenem Deutschen, und dann war er ein Günstling des Hofes und mußte immer nach Petersburg schielen, und endlich war das russische Heer lange Zeit nichts weniger als schlagfertig. Bei alledem freilich war und blieb er ein Mann von schwerfälligem Entschlusse. Uebel das

Parlamenten eine Eingabe zu übermitteln, in der die Wünsch« der Kammer bezüglich des Meisterprüfungsausschusses zu­sammengefaßt werden sollen. Als Ort der Tagung im nächsten Jahre wurde Königsberg in Preußen gewählt. Am Abend folgte ein Empfangs- und Begrüßungsabend auf der Liebichshöhe.

Ueber die Mitwirkung der Arbeiter bei der Unfall- und Kranksteitsverhütung hielt im Rahmen der volkstümlichen Hochschulkurse in Aachen Gewerbeinspektor Dr. Bender eine Reihe von Vorträgen. Wir entnehmen dem Leitfaden (Verlag E. H. Moritz, Stuttgart) für diese Vor­träge folgende beachtenswerten Ausführungen über die Be­deutung der Alkoholfrage für die Arbeiter: Die geistigen Getränke'(Bier, Wein, Branntwein) sind keine Nahrungs­mittel, sondern Genußmittel. Die starke Verbreitung der alkoholischen Getränke beruht darauf, daß der Alkoholgenuß das trügerische, aber wohltuende Gefühl erhöhter Leistungs­fähigkeit hervorruft, indem er das MüdlgkeitSgefühl lähmt. Er gibt daS Gefühl der Erwärmung, während er tatsächlich die Temperatur herabsetzt. Er macht vergnügt, indem er die Unlustempfindungen durch Lähmung deS Gehirn» beseitigt. In Wirklichkeit steigert der Alkohol weder die körperliche noch die geistige Leistungsfähigkeit, sondern setzt ste herab. Der vorübergehenden Anregung folgt die Erschlaffung. Be­sonders ungünstig wirken die alkoholischen Getränke bei un­zulänglicher Ernährung und in konzentrierter Form (Brannt­wein). Gelegentlicher (also nicht regelmäßiger I) Genuß von leichtem Bier in mäßigen Mengen wirkt nicht schädlich. Der Alkoholrausch bringt jährlich mehr als 150 000 Deutsche ins Gefängnis und ins Zuchthaus. Viele Magen-, Blut- Herz- Leber-, Nieren- und Lungenkrankheiten sind allein auf den Alkoholmißbrauch zurückzuführen. Ein großer Teil aller Geisteskranken, Idioten und Krüppel, verdankt ihr mitleider- weckendes Dasein dem übermäßigen Alkoholgenuß der Eltern und Voreltern. Zweifellos wird die große Mehrzahl der syphilitischen Krankheiten im Zustande der Alkoholbetäubung erworben und ans demselben Wege weiterverbreitet. Zahlreiche Unfälle aller Art in gewerblichen Be­trieben werden durch Alkoholmißbrauch hervorgerufen, Unfälle, die jährlich viele Millionen Mark an Renten beanspruchen. Die Herstellung und der Vertrieb der geistigen Getränke erfordern ein Fünfzehnte! deS deutschen Ackerlandes und ein Vierzehnte! der deutschen Arbeitskraft. Hervorzu- heben ist ferner, daß die jährliche Ausgabe für alkoholische Getränke in Deutschland etwa 3 Milliarden Mark beträgt, d. h. dreimal größer ist als die Ausgaben für Heer und Flotte und sechsmal größer als die Ausgaben für die ge­samte Arbeiterverstcherung. Der in Gewerbe und Industrie stark verbreitete übermäßige Alkoholgenuß beeinträchtigt unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit, namentlich gegen» für die Herren Russen, denn ihnen gegenüber steht ein Mann von einem Entschlusse, so schnell und so scharf, wie Schwerteshieb.

Die Gefahr, die Friedrich drohte, war die Vereinigung der Oesterreicher mit den Russen. Zu verhindern war diese Vereinigung nur, indem er eines der beiden H«« schlug. Daun wollte sich nicht schlagen lassen also gegen Fermnr. Und im Nu war der Entschluß gefaßt und ms Werk gesetzt. In der Nacht des 10. August trat er mit 14 Bataillonen und 38 Schwadronen von Landeshut den Marsch nach der Oder an am 22. vereinigte ei sich bereits mit der Armee des Grafen Dohna bei Gorgast. Seine braven Truppen hatten in glühender Sommerhitze in zwölf Tagen 33 Meilen zurückgelegt, und sie erschienen an der Oder frisch, kampfesfreudig, in bester Stimmung. In der Nordvorstadt von Frankfurt hörte Friedrich den Donner der russischen Kanonen. Fermor bonibardiert Küstrin, schießt die arme Stadt zusammen, er­hält aber auf die Aufforderung zur Uebergabe der Festung eine höchst unzweideutig-preußische Antwort. Kaum kann er seinen Kosaken glauben, die die Annäherung dieses Preußen­königs vermelden. Solche höchst unrussische Geschwindigkeit geht ihm gegen alle Begriffe. Aber wenn schon! Mag der gefürchtete Preußenkönig wirklich an der Oder stehen, so steht er dock jedenfalls drüben, auf dem westlichen Ufer; und der Fluß ist eine gute Barre. Aber Friedrich marschiert unver­weilt nördlich, und während er die Russen durch ein Schein­bombardement bei Schaumburg beschäftigt, geht er ebenso schnell wie ruhig weiter nördlich bei Güstebiese über die Oder. Geht über die Oder mitten zwischen zwei feindlichen Korps hindurch (denn bei Schwedt stand ein zweites RussenkorpS), eine Leistung, die ebenso gegen alle Gesetze der Kriegführung, wie ganz nach den Gesetzen'des Genies ist.

Und so ist er denn wirklich drüben, und im Lager Fer- mors entsteht nun die größte Aufregung. Schleunigst hebt der russische Minotaurus, wie ihn Carlyle so plastisch ge­nannt hat, die Belagerung von Küstrin auf und marschiert an das Nordende der uns bekannten Zorndorser Insel, wo er sich, Front gegen Norden und Westen, hinter den Sümpfen und Abhängen der Mietzel vergräbt. Nun wird