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Hanauer K Anzeiger
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Viortchährlich 1,80 M., tnetuttii^ 60 Pfg., für au»- »Mfle Abonnenten mit dem betreffenden PastaussPaj.
Die einMee Nummer kostet 10 Pf^
bUMad und Verlag der Buchdruckerrt dA verein. «, Waisenhauses in Hanau.
Geircral-Aszciger
ANtliches Skt»« fit Silit- und Mkreis §»«»«.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Fernsprechanschlutz Nr. 605.
Samstag den 22. August
Fernsprechanschlutz Nr. 605
1908
Ae icMNiimll nW Mn r.W«M«MU 14 Seiten
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Amtliches.
Eandkreis Ran au.
BekMtmllltzMgen des Königlichen LaicklltsmtZ.
Wegen Herstellung von Dampfwalzarbeiten wird der Landweg von der Hanauer—Fuldaerstraße nach Langendiebach für Kraftfahrzeuge jeglicher Art und für sämtliches Fuhrwerk vom 24. bis 29. d. Mts. gesperrt.
Uebertretungen dieses Verbots werden auf Grund der Polizei-Verordnung vom 6. April 1877 (Reg.-Amtsblatt Seite 137) mit Geldstrafe von 10 bis 30 Mark, hilfs- weise mit entsprechender Haft geahndet.
Hanau den 21. August 1908.
Der Königliche Landrat.
V 5831 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister mir baldigst anzuzeigen, auf welchen Tag gemäß der Kreispolizeiverordnung vom 15. Dezember 1888 (Nr. 305 des „Hanauer Anzeiger") dör Beginn der Aepfelernte für dieses Jahr festgesetzt worden ist.
Hanau den 20. August 1908.
Der Königliche Landrat.
V 5833 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Stadtkreis Ran au. Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 15. bis 21. August 1908:
1 Aufwartefrau, 1 Bureaudiener, 1 Fabrikarbeiter, 1 Hausbursche, 1 Kutscher, 1 Schlosser, 1 Schneider, 1 Schreiner, 1 Silberschleifer, 1 Siiberprcher, 1 Tagelöhner.
Hanau den 22. August 1908. 16843
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle.
Bekanntmachung.
Die Kastanienernte auf den Straßen der Stadt Hanau (einschließlich Kesselstadt) soll am
Mittwoch den 26. d. Mts-, nachmittags 5 Uhr, im Geschäftszimmer der unterzeichneten Kasse — Rathaus 1. Obergeschoß links — öffentlich meistbietend versteigert werden.
Insbesondere wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß die bisher freihändig verkaufte Kastanienernte des früheren Stadtbezirkes Hanau mitversteigert wird.
Hanau den 19. August 1908.
Stadthauptkassc.___________16813
Gefundene nnd verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Herren-Regenschirm. Abzuholen bei der Armenverwaltung.
Gefunden: 1 Erinnerungskreuz v. 3. 7. 1866 Königsgrätz, 1 kleines dunkelrotes Cigarren-Etnis mit 2 Cigarren, 1 Metermaß (Zollstock).
Eingefangen: 1 graues Huhn.
Hanau den 20. August 1908.
Zugelaufen
1 grauer Hund, Pinscher, männlichen Geschlechts, trägt einen Maulkorb.
Bischofsheim den 21. August 1908.
Die Ortspolizeibehörde. 16849
politiT&e Rundschau.
Der Kaiser ist gestern mit Gefolge um 7 Uhr auf Station Wilhelmshöhe eingetroffen und hat sich, vom Publikum mit Hurrarufen lebhaft begrüßt, im Automobil nach Schloß Wilhelmshöhe begeben.
Staatssekretär Dernburg tritt am 22. August seine Heimreise von Deutsch-Südwestafrika an.
Die Konkurrenzklausel. Bekanntlich haben in der letzten Zeit Erhebungen über die Konkurrenzklausel in der Kaufmannswelt und den Handelskammern stattgefunden. AuS dem eingelaufenen Material glaubt, wie die »Soziale
Praxis" mitteilt, die Regierung folgende Vorschläge 'als Unterlage für eine Reform benutzen zu können: die Konkurrenzklausel ist ungültig, wenn der Angestellte weniger als 3000 Mark Jahreseinkommen hat; der Zeitraum, für den eine Konkurrenzklausel vereinbart werden darf, darf ein Jahr niemals überschreiten; als Vertragsstrafe darf höchstens die Hälfte des Jahreseinkommens vereinbart werden. Bei Lehrlingen ist • die Konkurrenzklausel unzulässig. Dem Prinzipal stehen aus der Konkurrenzklausel Ansprüche nur soweit zu, als ihm der Angestellte nachweisbar durch Verletzung des Konkurrenzverbots einen Schaden zugefügt hat. Die letzte Bestimmung hat allerdings vielfache Gegner gefunden, doch glaubt die Regierung bei einer Reform der Bestimmungen im Interesse der Arbeitnehmer verlangen zu müssen, daß ein Schaden auch wirklich nachgewiesen wird.
Der Fall Schücking. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die bisher eingegangenen Berichte bestätigen, daß das Amtsgericht in Frankfurt a. M. von dem Untersuchungskommissar in der Disziplinarsache wider Schücking nicht wider Unbekannt um die Vernehmung eines Redakteurs der „Frankfurter Zeitung" ersucht worden ist. Der Kommissar hat das Ersuchen nicht auch auf die etwaige Anwendung des Zeugniszwangsverfahrens erstreckt. Er ersuchte noch gestern auf die Zeitungsmeldungen hin das Gericht um die Einstellung weiterer Zwangsmaßregeln.
Gefälscht. Der 27jährige Diätar im ungarischen Ministerium, Halasz, hatte die Unterschriften des Ministerpräsidenten Weckerle und des Chefs des Rechnungsamtes auf Quittungen gefälscht und in der Staatskasse 8800 Kronen erhoben.
Angebliche Beschlüsse des türkischen Minister- rats., Einem Telegramm der „K. Ztg." aus Konstantinopel zufolge soll der Ministerrat beschlossen haben, einen englischen Beirat für die Flotte und einen französischen. für die Finanzen anzustellen, ebenso hat der Ministcrrat beschlossen, den Grenzstreit mit Persien zu beenden, alle Truppen von dem persischen Gebiet zurückzurufen und Beamte zu einer gütlichen Regelung zu entsenden.
Unterdrückung der Unruhen in Deutsch-Ost- afrika. Aus Deutsch-Ostafrika meldet ein Telegramm des Gouverneurs, daß die nicht schwerwiegenden Unruhen in Turu-Jyambi durch die entsandten drei Abteilungen ohne Kampf im Keime erstickt worden sind. Zwei Großzauberer wurden hingerichtet und 18 Rädelsführer verhaftet. Die Truppen bleiben vorläufig in dem Gebiet, bis die Ruhe gänzlich wiederhergcstellt ist.
Die Vorgänge in der Türkei.
London, 21. August. Nach einer Reutermeldung aus Konstantinopel berief Oesterreich-Ungarn seine bei der Gendarmerie in Mazedonien angestellten Offiziere ab.
Konstantinopel, 21. August. Nach einer Depesche des provisorischen Kommandanten des vierten Korpsbercichs des Divisionsgenerals Abuk, haben die Truppen eine wichtige Position im kurdischen Berggebieie Dessim, nämlich die Höhen von Duzukbuba und Kandiki, erstürmt und die Kirrden vertrieben, welche 19 Tote, darunter zwei Häuptlinge zurückließen.
Konstantinopel, 21. August. Hiesige Aegnpter agitieren eifrig für die Ausdehnung der Verfassung auf Aegypten. Gestern fand in einem Garten in Pera dicserhalb eine Versammlung statt.
Kunst und Eeben.
Schenkung. Stadtrat Wiskott in Dortmund schenkte der Stadt anläßlich seines 70. Geburtstages 20 000 Mark für die Versorgung alter Leute und die Pflege armer, schwächlicher Kinder.
Hus aller Mell.
3« der Berbastung des Mörders vom Glaswald- see?des Russen Janson, der, wie wir berichteten, in Genf der Polizei in die Hände gefallen ist, meldet ein weiteres Telegramm: Der Russe Janson, der den Raubmord und Raubmordversuch an zwei Kurgästen am Glaswaldsee bei Schlapbach (Schwarzwald) begangen hat, wurde von einem Genfer Polizeiposten dadurch entdeckt, daß er ein polizeiliches Nachtasyl aufsuchte. Er war gutgekleidet. Die Polizei fand sogleich, daß das Signalement des Raubmörders im Schwarzwald auf ihn passe. Er leugnete dreist, allein die bei ihm gefundenen geraubten Gegenstände, unter denen sich die goldene Uhr des ermordeten Fabrikanten Emsheimer aus Köln befindet, überführten ihn vollständig. In seine Auslieferung an Deutschland willigte er ein und erhob ausnahmsweise nicht die gewöhnliche Einrede der nach Genf
geflüchteten russischen Verbrecher, daß er ein politische» Verbrechen begangen habe. Janson hatte eine scharfgeladen» Browningpistole bei sich..
Ein tobsüchtiger Bär bei Hagenbeck. Eine auf- regende Szene ereignete sich gestern in der Hagenbeck-Schau in Berlin während der Morgenprobe. Unter der soeben au» Grönland neu eingetroffenen Sendung von Eisbären befand sich laut „B. T." auch ein sogenannter Ueberjähriger", also ein großer Bär von etwa 1'/, Jahren, der in einer festen Kiste verpackt, gestern zum ersten Mal wieder „in Freiheit gesetzt werden sollte. Nachdem Willi Hagenbeck alle nötigen Vorkehrungen getroffen hatte und sich selbst und seine Domp- teure mit mächtigen Gabeln bewaffnet hatte, wurden zunächst acht gezähmte Eisbären in die Manege gelassen. Die Tiere erhoben sich sogleich auf ihren mächtigen Hinterpranken und umkreisten die große Kiste schnaufend und schnüffelnd. Aus der Kiste scholl ein grollendes Brüllen. Auf ein Kommando Hagenbecks schlugen zwei Kutscher mit Aexten die starken Bohlen der einen Seitenwand los und sprangen schnell zur Seite. Wie der leibhaftige Satan schoß der Bär, ein stattlicher Bursche, aus seinem unfreiwilligen Kerker, in dem er etwa acht Wochen lang während der Reise zugebracht hatte, hervor. Er fuhr wie ein Wilder auf die Kameraden los, die scheu zurückwichen. Die großen gutmütigen Bären „Cäsar" und „Oskar" gaben ihm wohlgezielte Hieb«, die ihn kopfüber rollen ließen. Wie rasend fuhr das Tier dann auf den auf der Kiste stehenden Dompteur loS. Als er auch hier ein böses Willkommen fand, raste er gegen das Gitter. Ueberall trafen ihn Hiebe auf die Tatzen, bis er sich scheinbar beruhigte. Jetzt sollte ihm eine Trage über den Kopf ge« warfen werden; da erwacht« die ganze Wildheit des starren Tieres. Er jagte die ganze Gesellschaft der Dompteur« vor sich her, die, mit eisernen Gabeln bewaffnet, sich auf ihn stürzten. Plötzlich kam einer der Dompteure, Herr Molker, zu Fall. Im Augenblick stürzte sich der weiße Bär auf ihn, verletzte ihn jedoch nur leicht, da sogleich Gabeln und Stangen, eiserne Gittertüren und dergleichen in Menge auf ihn flogen. Nach langem, aufregendem Kampf gelang es endlich, den Bären hinter Schloß und Riegel zu bringen, indem man ihn mit Gittern umgab und zum Manegeneingang zurückdrängte.
Ein Bürgermeister wegen Betrugs unb Unterschlagung verurteilt. Der Bürgermeister Melcher zu Zehden a. O. wurde wegen Betrugs und Unterschlagung zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er ist das Opfer seiner Sucht, möglichst schnell reich zu werden, und seines übergroßen Reifetriebs geworden. Er war allein dreimal in Nordamerika, Kuba, Teneriffa usw. Sein Einkommen betrug nur 2500 M., so versuchte er denn auf alle mögliche Weise Geld zu erlangen. Er gründete eine PrivatspaÄasse und unterschlug die Einlagen in Höhe von 29655,12 Mark. Um diesen Betrag wieder zu erlangen, ließ er sich außerdem noch in unglückliche Spekulationen ein. Er reiste u. a. mit Goldwaren im Werte von 9000 M. nach Amerika, um, wie er hoffte, sie dort hoch loszuschlagen. Aber auch diese letzte Hoffnung erwies sich als trügerisch. Melcher hat sich auch schriftstellerisch betätigt und u. a. eine Geschichte der preußischen Könige geschrieben. Seine Strafe trat er sofort an.
Bon der Expedition Mylius Erichsens, des kühnen Forschers, der im Grönlandeise umgekommen ist, liegen jetzt genaue Mitteilungen vor. Ueber den Bericht des Kapitäns Trolle vom ersten Teil der Reise im Jahre 1906, die das Expeditionsschiff bis zum 77. Grad nördlicher Breite brachte, gehen dem „Berl. Lok.-Anz." folgende nähere Mitteilungen zu: Am 13. August 1906 erreichte man auf einem Landgange auf der Insel Koldewey den 76. Breitegrad, wo die dänische Fahne entfaltet wurde. Am 15. August konnte die „Danmark", da der Eispanzer undurchdringlich war, nicht über den 77. Grad nördlicher Breite gelangen. Von dort aus wurden Depots angelegt und eine Rekognoszierungsexpedition in Booten und Schlitten entsendet. Am 16. Aug. lief die „Danmark" in den westlich von Kap Bismarck gelegenen Danmarks-Hafen ein. 76 Grad nördlicher Breite wurde zwei Mal überwintert. Während man Proviant an Land brachte und Häuser errichtete, unternahm MyliuS Erichsen mit 9 Mann eine Expedition zur Dovebucht, die wichtige geographische Entdeckungen, naturwissenschaftliche und ethnographische Sammlungen erbrachte. Im November desselben Jahres prüfte der Leiter der Expedition Zieglers und Nathorsts Depots und machte astronomische und magnetische Untersuchungen im Germaniahafen und auf der Sabineninsel. Der sehr strenge Winter ging mit Vorbereitungen zu den bekannten Schlittenfahrtest stach der Nordspitze hin. Von dort wurden außer Pearys auch des Herzogs von Orleans und Koldeweys Berichte zurückgebracht, der 1870 eine Expedition unternahm. Vom 25. November 1907 bis 23. Januar 1908 fand eine sehr gefahrvolle Schlittenfahrt nach den amerikanischen Depots auf der Shannoninsel und Baß Bock statt. Im Herbst 1907 wurde zehn Meilen vom Schiff entfernt ein Steinhaus erbaut, zu dem das Automobil das Material herbeischaffte. Von den Hunden, von denen einer durch einen Wolf zerrissen worden war, mussten 20 wegen Proviantmangels erschossen werden. Eine durch Bürenleber hervorgerufene Epidemie wurde vom Arzt erfolgreich bekämpft, da täglich frisches Brot und häufig Wild vorhanden war. Der Gesundheitszustand war gut. 53 Büren, 23