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Erstes

Hanauer K Anzeiger

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«MtiMMtud und «erlag bet Buchdruck«« bet «teilt. ". Baifeebaufet » Hanau.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Montag den 2L Dezember

Fernsprechanschlutz Nr. 605

1908

Amtliches.

Eandkreis Hanau. Bekinnltillchinlgkil des KömgliEen Lllndriltsamts.

Unter den Schweinen zu Niederrodenbach ist die Schweine­seuche festgestellt.

Hanau den 19. Dezember 1908.

Der Königliche Landrat.

V8361 I. A.: Hartmann, Kreissekretär.

Die Firma Eugen Oehler in Großkrotzenburg be­absichtigt auf dem Grundstück Karte D Nr. 529/23 der Ge­markung Großkrotzenburg eine Gasbereitungs-Anlage zu errichten.

Es wird dieses mit dem Bemerken zur öffentlichen Kennt­nis gebracht, daß Einwen-«ngen gegen die Anlage, zu welcher Zeichnungen und Beschreibungen im Bureau des Kreisausschusses, Hainstraße 10 hier, zur Einsicht offen liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, hier anzu­bringen sind. Später eingehende Einsprüche bleiben unbe­rücksichtigt.

Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf

Samstag den 9. Januar 1909, vormittags 10 Uhr, in das Bureau des Kreisausschusses anberaumt.

Die Interessenten werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß im Falle ihres Nichterscheinens gleichwohl mit der Erörterung der etwa erhobenen Einwendungen vorge­gangen werden wird.

Hanau den 18. Dezember 1908.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.'

A 5309 v. Beckerath. 28003

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Die maschinelle Einrichtung für das Pumpwerk in den Kläranlagen, bestehend aus:

2 Gasmotoren mit Generatorgasanlage oder

2 Dieselmotoren mit je einer Leistung von mindestens

6 PS effect.,

2 Zentrifugalpumpen für je 50 Liter pro Sekunde und 2 Schlammpumpen für je 310 Liter in der Sekunde, einschließlich aller Nebenanlagen, wird hiermit zum öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben. Die Zeichnungen und Vergebungsbedingungen können auf dem städiiscben Sielbau-Bureau in Hanau-Kesselstadt, Haupt-

Feuilleton.

Staditbeatcr in Hanau.

Hat»»«, 20. Dezbr.

Doktor Klau s",

Lustspiel in 5 Akten von Adolf L'Arronge.

Gerade dreißig Jahre alt ist er, der Doktor KlauS. 1878 erblickte er das Rampenlicht. Also 'hat er das durch­schnittliche Menschenalter erreicht. Es ist anzunehmen, daß er sich noch eine Zeit lang in dieser Welt des ewigen Wechsels halten wird. Wenn er auch ein gut Teil von der blühenden Farbe des Lebens eingebüßt hat, wenn er manch­mal sogar rechtabgelebt" aussieht und seine Backen so dünn und seine Nase so spitz wurden, daß selbst LubowSky- Pröls, sein gelehrtes Faktotum, ihm keine erfreuliche Diagnase" stellen würde, so glaube ich, daß er immmerhin noch älter iverden wird, will sagen: länger leben wird als mancher seiner Vettern vom Stamme Ifflands. Denn eins hat er vor ihnen voraus, er hat ein ursprünglich gesünderes Herz, weil ein wirklich deutscher Humor darin pulst und weil es sich nicht sonderlich von der Sucht, mit aller Gewalt das Weltratsel zu lösen, hat angreifen lassen und weil er aus der schwulen Sphäre des Salons auf das Landgut seines Schwiegersohnes Max von Boden geflüchtet ist, na, und zuletzt. weil er diesen Kutscher Lubowök» über sich hat, ein wahres G c n i e in der Erfindung von Blödsinnigkeiten, sodaß er manchmal dock herzhaft lachen kann. Lachen ist gesund. Und jeder Mensch sollte tagsüber einmal gründlich lachen dürfen. Wenn nicht laut, dann innerlich. Zu der Fähigkeit des inneren Lachens müßte jeder kommen, dann wäre mehr Sonne auf der ErdeKire, si sapiens, lache wenn du weise bist, sagt die Weisheit des lachenden Philosophen . . .

straße 4, eingciehen werden. Sie sind auch zum Betrage von 4 Mark durch dieses Bureau zu beziehen.

Die Angebote sind auf dem vorgeschriebenen Formulare ausgefertigt, verschlossen urfö mit der Aufschrift versehen Maschinelle Einrichtung für das Pumpwerk an den Klär­becken" bis zum 31. Jan«ar 1909, vormittags 11 Uhr, auf dem städtischen Sielbau-Bureau einzureichen.

Die Oeffnung der Angebote erfolgt in Gegenwart etwa erschienener Anbieter.

Zuschlagsfrist 4 Wochen.

Hanau den 10. Dezember 1908.

Der Oberbürgermeister.

Dr. Gebeschus. 27943

Bekanntmachung.

Die Weihnachtsbescherung der städtischen Klein­kinderschule findet am Mittwoch den 23. d. Mts., nachm. 4 Uhr, im Gebäude der Kleinkinderschule, Nuß­allee, statt.

Einlaßkarten können bei der Kleinkinderschule bis zum Mittwoch morgen in Empfang genommen werden.

Etwaige Gaben werden ebenfalls dort entgegengenommen. Hanau den 19. Dezember 1908.

Der Magistrat.

Hild. 27999

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll

1. das in Hanau belegene, im Grundbuche von da Band

51 Art. 3003 Abt. 1 Nr. 1 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvexmerkes ans den Namemdch- Ächlosscrmeisterè Heinrich Jung in Hanau eingetragene Grundstück:

88 336/108 21 ar 56 qm Haus Nr. 9 in den türkischen Gärten,

a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten,

b) Seitenbau rechts (A), Diamantschleifern mit abgesondertem Abtrittsbau (E),

c) Maschinenhaus und Kesselhaus (B) mit abge­sondertem Dampfschornstein (C) und An­bau (D),

d) 2tes Wohnhaus mit Hofraum,

e) Provisorischer Schuppen, Gebäudesteuernutzungswert: zu a) 570 Mk., zu c) = 270 Mk.,

zu b) 540 Mk., zu d) = 975 Mk., zu e) = 45 Mk.,

Grundsteuermutterrolle Art. 1852

Gebäudesteuerrolle Nr. 2142

ganz

Inszeniert war die Komödie von Herrn Anton P r ö I s. Das Interieur besonders des vierten Aktes (Sprechzimmer des Doktor Klaus) war geschmackvoll. Zugleich spielte er den prachtvollen Lubowsky: mit unaufdringlicher, sonniger Komik. Fräulein A l i d e Ballin gab die Julie natürlich und mit klarem Empfinden für das echt-künstlerische. Dem köstlichen Plauderton, der ihr eigen, hört man mit herzlichem G e f a l l e n zu. Ihre Toilette war gediegen. Frl. Käti Horsten (als Emma) schäkerte, schmollte, lachte undeifersüchtelte" allerliebst. Das Ballkleid stand ihr gut. Frau Mathilde Albes war eine zankfrohe, aber kreuzbrave Haushälterin, die auch mit ihren künstleri­schen Mitteln in rückhaltender Sparsamkeithaushielt". Herrn Joseph Commer (als Leopold Griesinger) war die Maske gut geraten, und der Charakter des alten Lebemanns kam unter der Zucht seines künstlerischen Gewissens zu einer Darstellung, die von andringlichem Subjektirismus gänzlich frei war. Herr Martin W i c b c r g verkörperte den Be­rufs- und Pflichtmenschen Doktor Klaus auch, ohne etwas in diesen Charakter hineinlegen zu wollen, was nach Kon­zession dem Publikum gegenüber ausgcsehcn hätte. Herr- Heinz P c r i n o als Max von Boden schien hier und da etwas matt, sonst aber gelang cs ihm. aufs schönste, den Aristokraten nach G e b it r t und späterhin den auch von der Arbeit Geadelten mit Deutlichkeit zu zeichnen. Herr Hans Süßenguth gab sein Bestes in der lebendig-schönen Liebesszene deS vierten Aktes, die, auch losgelöst aus der ganzen Komödie, eine reizende Bluette wäre. Nicht vergessen sei daS v o r n e h in c Spiel,der Frau E. T u e r s ch m a n n- T al a nd er, die die M a ri c, Griesingers Schwester,: gab. Auch der körperliche, dumm-gute Bauer Colmar des Herrn Georg Land verdient mit Anerkennung genannt zu werden. Außerdem waren beschäftigt: Frl. Linda G r o ß und die Herren Karl U r i ch und Heinrich F c i d l e r.

K. E-d.

und 2. die dem Schlossermeister Heinrich Jung gehörige ideelle Hälfte an den im Grundbuch von Hanau Band 18 Art. 1023, Abt. I Nr. 1 und 2 auf den Namen des Hein­rich Jung und seiner Ehefrau Maria geb. Graittmich eingetragenen zwei Grundstücke:

Hahnengasse Nr. 3,

0 17 3 ar 4 qm a) Wohnhaus mit Seitenflügel rechtè 0 18 51 qm (A u. C) und Querbau (B),

Hofraum und Hausgarten, Gebäudesteuernutzungswert 1800 Mk.

Grundsteuermutterrolle Art. 123

Gebäudesteuerrolle Nr. 162 ac am 28. Januar 1909, vormittags 11 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle Zimmer Nr. 14 versteigert werden.

Hanau den 13. November 1908.

_________Königliches Amtsgericht 2. 27945

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren über das Vermögen:

1. der Firma Werner & Co.,

2. des Zimmermeisters Heinrich August Werner, 3. des Emaillenrs Hermann Ferdinand Hain, in Großauheim, wird, nachdem der Vergleich vom 16. Oktober 1908 rechtskräftig bestätigt und die Schlußrechnung des Ver­walters abgenommen ist, das Konkursverfahren aufgehoben. Hanau den 11. Dezember 1908.

__________Königliches Amtsgericht 5. 27955

Krerssparkasie zu Hanau.

Wegen des Jahresabschlusses bleibt das Bureau der Kreissparkasse vom 23. bis einschl. den 30. d Mts für den Verkehr mit dem Publikum geschlossen.

Hanau am 18. Dezember 1908.

27769_______________________Der Vorstand.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 silberne Damenuhr, 1 Hundertmark­schein (in einem Bankgeschäft liegen geblieben).

Zugelaufen: 1 grauer Spitz m. Geschl.

Hanau den 20. Dezember 1908.

Ein unlauterer Rcllameknifs.

In fast allen größeren Städten wurden tausend« von Personen Samstag vormittag durch einen Brief über­rascht, dessen Inhalt für manchen beängstigend klang. Der Brief lautete:Mein verehrter Herr! Habe soeben den TendenzromanDoppelte Moral" gelesen unglaublich ein Skandal schlimmster Art. Man sieht wieder, daß der Staatsanwalt da, wo erforderlich, gänzlich versagt; denn sonst dürfte ein solches Buch nicht bis in die Oeffentlichkeit dringen. Oder soll es politische Klugheit sein? Und wer mag nur hinter dem anonymen Verfasser stecken ? Auf jeden Fall wurden R. und M. auf das fürchterlichste mitgenommen und zur Klage gezwungen. Werden auch Sie sich dieser Klage anschließen? Ich bin leider ebenfalls mit hinein­gezogen. Fürchterlich. In Eile! Ihr ergebenster (unleser­lich)." Die Behörden nahmen sich der Sache sofort energisch an, so daß man bald erfahren batte, daß es sich um einen unlauteren Reklamekniff handele. Die Geburtsstätte der Doppelten Moral" ist München. Von dort wird berichtet:

Der Münchener Buchhändlerverein erhielt am Donners­tag Kenntnis davon, daß der Roman durch die Speditions­firma Schenker & Co. vertrieben würde, und zwar nicht kommissionsweise, sondern gegen Barzahlung. Der Verein wandte sich deshalb in einem Zirkular warnend an seine Mitglieder und machte auch die Polizeidirektion darauf auf­merksam. Die Polizei war durch anonyme Briefe an­scheinend vom Verlage selber auf das Erscheinen des Buche? hingewiesen worden. Da e§ dem Verlage darauf ankam, mit einem Schlage Tausende von wertlosen Exem­plaren iX 7,50 Mark abzusetzen und dann mit den verein« nahmten Geldern zu verschwinden, wurde noch im Laufe des Samstag vormittag der Verleger Peter Gantner auf Anordnung der Staatsanwaltschaft verhaftet. Er steht in den 30er Jahren und gilt als sehr geschäftskundiger und intelligenter Mensch. Er war zuerst im Juseratenfach und im Buchhandel tätig und gründete 1904 die Bank Berliner Grundbesitzer, deren Geschäftsführer er wurde. Unter falschem Namen betrieb er im Osten der preußischen Monarchie Güter­verkäufe. Ungünstig für ihn verlies ein Tauschgeschäft mit einem Rittergutsbesitzer, mit dem er später in einen Prozeß verwickelt wurde. Dieser Prozeß bildet anscheinend den Kern des vollständig wertlosen Sensationsromanes. Auf welch raffinierte Weise der Schwindel inszeniert worden ist, geht aus folgenden Tatsachen hervor: Gantner kam vor einem halben Jahre zu einer großen Münchener Verlagsfirma und teilte ihr mit, daß er einen Roman in sehr hoher Au^