Hanlliler K Anzeiger
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Erscheint tägüch mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
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Nr. 141 F-rnsprechanschlntz Nr. 605/
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13 Seiten
Hierzu „Aintliche Beilage Nr. 9".
Amtliches.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Großauheim belegene, im Grundbuche von da Band 39 Blatt Nr. 1999 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Brauers Anton Schwab und dessen Ehefrau Elise geb. Hemmkeppler in Großauheim eingetragene Grundstück:
Krtbl. Q 703/388, Gattenstraße Nr. 2 — 1 ar 98 qm,
a) Wohnhaus mit Hofraum,
b) Holzremise mit Abort (A),
— Gebäudesteuernutzungswert = 270 Mk. — — eingetragen in der Grundsteuermutterrolle unter Art. 1699, M der Gebäudesteuerrolle unter Nr. 640 — am 20. August 1908, vormittags lO1^ Uhr, durch das unterzeichnete Gericht in Grotzanheim in der Gastwirtschaft zum Löwen versteigert werden.
Hanau den 13. Juni 1908.
Königliches Amtsgericht Abt. 2. 13103
Stadtkreis Yan au. Bekanntmachung.
Die diesjährige Grasnutzung aus dem Friedhof soll am Montag den 22. d. Mts., nachmittags 6 Uhr, auf dem Friedhof meistbietend verpachtet werden. Ertrag ca. 50—60 Ztr. Heu.
Pachtliebhaber werden zu diesem Termin eingeladen. Hanau den 16. Juni 1908.
Die Friedhofskommission.
Bekanntmachung.
Um den Fürsorgezöglingen nachteilige Folgen für ihr späteres wirtschaftliches Fortkommen zu ersparen, hat der Herr Minister des Innern angeordnet, daß die Kennzeichnung der in Fürsorgeerziehung stehenden Inhaber von Dienst- und Arbeitsbüchern als Fürsorgezöglinge zu unterbleiben hat.
Feuilleton.
Die Linde in der deutschen Dichtung.
Plauderei von J. P.
(Nachdruck verboten.)
Mit der ganzen Innigkeit seines Gemütes hängt der Deutsche an seinem Walde. Es ist dies ein naturgemäßer Zug seines Wesens, das aufs innigste mit dem Waldleben verknüpft ist. In den dunklen Urwäldern, die in grauer Vorzeit Deutschlands Gaue bedeckten, stand die Wiege unserer Vorfahren. Hier, unter dem Schatten mächtiger Baumriesen, wuchs der Germanenknabe heran, hier übte er seinen Körper. Die höchsten Wipfel zu erklettern, von Ast zu Ast sich zu schwingen, das war ihm die größte Lust. Hinter den gewaltigen Stämmen stand er, mit Bogen und Pfeil bewaffnet, ein echter „Freischütz", um das flüchtige Wild zu erlegen, das er der deutschen Frau, die am häuslichen Herde ihren Ehrenplatz hatte, zu Füßen legte zum Mahle; dessen Haut ihm Kleidung und den Männern beliebten Teppich bot, wenn sie zu ebener Erde gelagert, gesellige Unterhaltung pflegten. Vom Nibelungenliede an, das uns „in einen tiefen walt" führt, bis in unsere Tage hinein lassen unsere Dichter in viel- tönigem Sange ihre Weisen erklingen im deutschen Dichterwalde, dem deutschen Walde zu Ehren.
Aber gleichwie in dem Heldenwalde des deutschen Volkes sich Sang und Sage an einige hervorragende Persönlichkeiten anlehnen, ganze Sagenkreise bildend, so treten in den Dichtungen, die den deutschen Wald verherrlichen, einzelne hervorragende Bäume in den Vordergrund, jeder in seiner Art eine besondere Eigentümlichkeit des deutschen Wesens verkörpernd.
Die Eiche, „die Königin des Waldes", wird wohl jetzt als der deutsche Baum schlechthin gepriesen; denn sie ist das Sinnbild der Kraft, die zwar langsam, aber beharrlich wächst und in Sturm und Wetter trotzig kühn ihr Haupt erhebt.
Freitag den 19. Juni
Die Handelskammer ersucht die Firmen ihres Bezirkes demgemäß zu verfahren.
Hanau den 18. Juni 1908.
Die Handelskammer.
Canthal.
Der Syndikus.
13101 Dr. phil. Grambow.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 ' Double-Uhrschlüssel, 1 Brille mit Futteral, 1 vierräderiger Handwagen (am 13. d. Mts. im Lamboywald).
Verloren: 1 goldener Trauring, 1 goldener Herren- Ring mit rotem Stein, 1 schwarzes Portemonnaie mit 23,45 Mark Inhalt.
Abhanden gekommen: 1 Mülleimer.
Entflogen: 1 junger Kanarienhahn.
Zugelaufen: 1 schwarzer Dobermannpinscher, 1 rot und weißgestreifter Jagdhund m. Geschl.
Hanau den 19. Juni 1908.
Politische Run dich au.
Reichskanzler Fürst von Bülow hielt gestern gemeinsam mit dem Reichsschatzsekretär Sydow und dem Chef des Zivilkabinetts dem Kaiser im Neuen Palais Vortrag.
Reichstagsabgeordneter und Alterspräsident von Winterfeldt-Menkin ist auf seinem Gute Menkin gestorben. Herr von Winterfeldt-Menkin war am 2. März 1823 in Berlin geboren, er hat also das patriarchalische Alter von mehr als 85 Jahren erreicht. Seit 1875 war er Mitglied des Herrenhauses, seit 1889 gehörte er dem deutschen Reichstage an. Hier hat Herr von Winterfeldt-Menkin wiederholt bis Funktionen des Alterspräsidenten ausgeübt. Er war ein treues und erprobtes Mitglied der deutschkonservativen Partei. Seine persönliche Vornehmheit und Liebenswürdigkeit erwarben ihm Achtung und Beliebtheit auf allen Seiten des Hauses, namentlich aber die achtungsvollste Zuneigung aller derer, die ihm persönlich näher treten durften. Besonders rühmend verdient der unermüdliche und vorbildliche Pflichteifer des Verblichenen hervorgehoben zu werden. Er hielt eS für seine Schuldigkeit, Tag für Tag im Parlamente auszuharreu, bis zuletzt die Gebrechen des Alters es ihm unmöglich machten. Für manchen weit jüngeren und kräftigeren Parlamentarier war er auch in dieser Beziehung ein leuchtendes Vorbild. Sein Andenken wird im deutschen Reichstage in Ehren gehalten werden.
Sämtliche deutschen evangelischen Kirchen- regierungen sind in Eisenach zu wichtigen Beratungen
Sie paßt so recht zum deutschen Herzen, Sie strebt so mächtig himmelan: Geheimnisvoll wölbt sie den Tempel In ihrem Schatten betet man,
sagt von ihr ein neuerer Dichter, der damit der Achtung und Ehrfurcht Ausdruck verleiht, die diesem Baume schon von alters her, nicht bloß von den alten Gerrflanen, sondern schon im fernsten Altertume von den klassischen Völkern gezollt wurde. Möchte die Eiche für alle Zeiten ein echtes Abbild deutschen Mutes, deutscher Kraft, deutscher Treue und deutscher Beharrlichkeit sein!
Der dem deutschen Wesen völlig entsprechende Waldbaum, den unsere Altvordern als solchen verehrten, war jedoch die Eiche nicht, wenn sie auch von ihnen mit ehrfurchtsvoller Scheu betrachtet wurde: das war die Linde. Schon der weiche Klang ihres Namens heimelt uns an: er ist so recht bezeichnend für diesen herrlichen Baum mit seinem süßen Gerüche, seinen saftgrünen, zarten Herzblättern, seiner schützenden Laubkrone. Unsere germanischen Ahnen weihten darum die Linde der Göttin der Liebe, der Freya oder Frigga. Wer eine Linde mutwillig beschädigte, machte sich eines großen Frevels schuldig und konnte der Strafe der Götter nicht entgehen. Sie war heilig und unverletzlich. Selbst gegen des Donners Blitze war sie gefeit.
Eine Anzahl abergläubischer Gebräuche, die noch hie und da zu finden sind, haben ihren Grund in jener Verehrung der alten Götterlinde. Das Wasser, das nach dem Regen von den Blättern der Linde herniedertroff, war heilsam gegen Krankheiten; um den Kopf gewundene Lindenblätter verscheuchten die Kopfschmerzen; wenn der „Böse" Ungeziefer in den Acker gezaubert hatte, konnte dasselbe durch Lindenasche leicht beseitigt werden; die Lindenblüte endlich war insonderheit heilkräftig: noch heute nimmt sie unter den Hausmitteln einen der ersten Plätze ein.
Lange Zeit, vielleicht bis zur Reformation hin, scheint die Linde geradezu ein religiöses Symbol gewesen zu sein. Wallfahrtsorte, wie Heiligenlinde, und Klöster prangten im Schmucke ehrwürdiger Linde«.
Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1908
WB----- -'Lg-J- . . ■--ü-------'HB!JJJiJH-SBMi im Nestbenzschloß zusamm-, getreten. Der Oberhofprediger Ackermann-Dresden führt den Vorsitz.
Die Zweite hessische Kammer nahm gestern entgegen dem Anträge des Ausschusses, die Anträge der Abg. Ulrich und Köhler über die Ausführung deS ReichSver«inS> gesetzeS an, obwohl diese Anträge durch die inzwischen veröffentlichten Ausführungsbestimmungen zum ReichsvereinS- gesetz erledigt sind. Die angenommenen Anträge geben im wesentlichen dem Wunsch Ausdruck, daß dem Lande bk Vereins- und Versammlungsfreiheit entsprechend der Zusage der Regierung erhalten bleibe.
Der bayerische Minister deS Innern ließ dem Landtag einen Gesetzentwurf über die Einführung der Verhältniswahl in Gemeinden von über 4000 Einwohnern zugehen. Beigegeben ist «ine Verordnung über die Wahlart. Die Liberalen wollen die Verhältniswahl in allen, auch den kleinsten Gemeinden.
Professor Wahrmund soll in den nächsten Tagen als Lehrer des KirchenrechtS von Innsbruck an die Universität Prag versetzt werden.
DaS serbische Ministerium hat beschlossen, den König um die Entlassung des Kabinetts zu bitten.
Marokko. Mulay Hafid ist nunmehr auch in Tetuan zum Sultan auSgerufen worden.
Nochmals die Döberitzer Kaiserworte.
Berlin, 18. Juni. In ihrer Morgennummer von gestern gibt die „Wiener Neue Freie Presse" Aeußerungen eines französischen Staatsmanns über die Rede Kaiser Wilhelms wieder, die sich mit Sicherheit auf den französischen Minister Pichon zurückführen lassen. In diesen Aeußerungen wird zugestanden, daß die Aeußerung deS Kaisers gar nicht wesenllich anders habe lauten können, als sie mitgeteilt worden sei, und man sei darüber im französischen Ministerium auch keineswegs beunruhigt gewesen. Soweit wäre gegen die Auf- faffung des Herrn Pichon sicherlich nichts einzuwenden. Wenn er aber weiter dem Vertreter deS österreichischen BlatteS Mitteilungen gemacht hat, die so gedeutet werden können, als ob er der Meinung sei, die Döberitzer Kaiserworte vom 29. Mai seien Non einer amtlichen deutschen Stelle in die Oeffentlich- keit zur Verfolgung irgendwelcher politischen Zwecke gebracht worden, so beruht diese Annahme auf einem ganz groben Irrtum. Wer die Erörterungen über die Döberitzer Worte mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, dem kann eS nicht entgangen sein, daß die erste indiskrete Nachricht darüber, die auf eine unbedachte, an maßgebenden militärischen Stellen hart verurteilte Mitteilung aus militärischen Kreisen zurückzuführen sein wird, offenbar in die deutsche Presse gelangte, um dem Sensationsbedürfnis zu frönen, nicht aber um der deutschen Politik einen Dienst zu leisten. Wenn die Erörterungen, die diese Indiskretion in der deutschen und ausländischen Press«
Und er baut sich eine Hütte Jener Gegend nah, Wo das Kloster aus der Mitte Düstrer Linden sah, heißt es im „Ritter Toggenburg"; auch das dem Verfälle nahe Kirchlein in Goethes „Faust" stand „mit der Linden Duft am Wege". Und wie in alter Zeit der Germane bie Bilder der Götter in die Kronen der Linden stellte, so befestigte in späterer Zeit im Mittelalter der fromme Sohn der Kirche das Bild der Gottesmutter an dem Stamme eines ehrwürdigen Lindenbaumes.
Schon frühzeitig tritt die Linde in der deutschen Dichtung uns entgegen, und besonders sind es die Minnesänger, die ihrer oft gedenken, wenn sie mit dem erwachenden Frühlinge in der Natur den Liebesfrühling feiern. „Nichts sthlte," sagt Gottstied von Straßburg in „Tristan und Isolde", „was der Frühling mitbringen sollte, nicht der Schatten bei der Sonnen und die Linde beim Bronnen, nicht GraS und lichte Blumen", und an einer anderen Stelle: „Da Tristan sich aber der Heimat erinnerte und manchen Jugendtraumes gedachte: wie oft bei diesem Liede die Linde über seinem Haupte gerauscht und der lichte Mond durch die Tannen gedrungen, ward sein Gesang so innig und süß, daß alles Gesinde herbeieilte." Drei Linden stehen an der Waldgrotte, die er mit Isolden bewohnte.
Aber nicht nur dem süßen Geplauder der „in der Zeit der Rosen" Liebenden ist die Linde eine liebe Vertraute; auch dem Andenken der Verstorbenen ist sie geweiht. Di» treue Sigune sucht im Schatten einer Linde Ruhe und Frieden in ihrem Schmerze um den geliebten, geschiedenen Gatten; es ist ihr, als ob die Linde mit ihrem leisen Geflüster ihre stille Trosteswotte zuspräche.
Der Sänger des Messias, Klopstock, ruht unter einem Lindenpaare, wie er es selbst gewünscht hatte:
Lang sah ich. Meta, schon dein Grab Und seine Linde wehn;
Die Linde weihet einst auch mir, Steut ihr Blum' auch mir.
Auch Wertber wünschte unter Linden begrab«« zu werden'