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Nr. 166 N-rnspr-chanschlich Nr. 605»

$lt ieMeNMMtt Wfcht Mn rIÄviMPM 14 Seiten

Amtliches.

. Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Arbeitsuchende in der Zeit vom 11. bis 17. Juli 1908:

1 Aufwartefrau, 2 Hausburschen, 1 Silber­arbeiter, 1 Schreiner, 5 Tagelöhner.

Gesucht werden 1 Glaser und Rahmenmacher, 1 Dienst­mädchen für HauS- und Landwirtschaft, 2 Küfer.

Hanau den 18. Juli 1908. 14919

Städtische Arbeitsvermittelunqsftelle.

\M*W» W ... ------ -----------------------------------

Bekanntmachung.

Die Königliche Kreiskafse bleibt am Montag den 20. und Dienstag den 21. d. Mts. wegen Instandsetzung der Geschäftsräume geschlossen.

Hanau den 18. Juli 1908.

Der Rentmeister.

Lotze.

Gefunden! Eine Sturmlaterne. Gegen Eln- rückungsgebühr hier abzuholen.

Oberissigheim den 17. Juli 1908.

Der Bürgermeister.

Lind. 14933

Hus Mab und fern«

11. Deutsches Turnfest in Frankfurt a. M.

Die Ankunft der amerikanischen Turnèr.

Ein Teil der Amerikaner traf ganz unerwartet bereits in der Nacht zum Freitag hier in Frankfurt ein. . Eine Be­grüßung konnte nicht stattfinden, da das Telegramm, das ihre Ankunft meldete, erst am Freitag morgen um 7 Uhr ausge­tragen wurde. Der Rest der amerikanischen Turner kam am Freitag nachmittag um s/t6 Uhr im Hauptbahnhof an. Der Empfang gestaltete sich zu einer patriotischen Demonstration. Schon lange vor Einlauf des Zuges hatte sich sowohl auf dem weiten Vorplatz, wie auf dem Querbahnsteig eine ge­waltige Menschenmenge von mindestens 3000 Köpfen ange-

Feuilleton.

Die Rcttungskolonnc.

Ein Geschichtchen aus der Schweiz.

Von F. Altena.

(Nachdruck verboten.)

Eine famose Bekanntschaft, die ich da in der Pension am Vierwaldstättersee gemacht hatte. Der alte Kommerzienrat Keller war ein reizender Mensch und sein junges Töchterlein war noch viel reizender als er. Nur einen Fehler hatte sie, der hieß Kurt und war ihr Vetter. Ein langweiliger, ängst­licher, dicker Mensch mit rosig glänzenden Wangen und Würstelfingern, der schlecht gelohnt, aber darum nicht minder treu und unermüdlich ihren Ritter spielte. Mochte sie ihn hänseln und narren, er wich nicht von ihrer Seite vom Morgenkaffee bis zum abendlichen Plauderstiindchen, im Garten, am See nnd bei den Spaziergängen und Fahrten, denen ihres Vaters alternde Gehwerkzeuge ziemlich enge Grenzen zogen. Worüber übrigens niemand froher war als unser Dickchen. Denn jede Anstrengung war ihm verhaßt und vom Bergsteigen gar sprach er nur mit sichtbarem Grauen. Einmal freilich überwand er es zu aller Erstaunen. Ich hatte ihm lange vorgestellt, wie bequem der Weg aus den oder wie der Schweizer sagt, die Rigi sei, wie sogar meines Freundes Schulze siebenjähriges Töchterlein hinauf und wieder herunter gegangen sei, wie blamabel es außerdem sei, in der Schweiz und dock auf keinem einzigen Berg ge­wesen zu sein die Zahnradbahn zu benutzen, erlaubte ihm nämlich seine Aengstlichkeit nicht und nach langem Sträuben hatte er denn zugesagt, mich zu begleiten.

Seufzend erschien er am andern Morgen mit halbstündiger Verspätung, behauptete, daß das ganze Unternehmen ein Unsinn sei, daß wir gar nichts sehen würden in den Wolken, daß wir womöglich gar den Hals brechen würden nnd so weiter. Ich hielt ihn aber beim Wort und er mußte mit- Lehen.

Samstag den 18. Juli

sammelt. Auf dem Perron, auf dem der Zug einlaufen sollte, bemerkte man neben Mitgliedern der amerikanischen Kolonie mit ihren Damen Vertreter der verschiedenen Aus­schüsse und zahlreiche Neugierige. Der einlaufende Zug wurde von der Menschenmenge mit brausenden Hurrarufen empfangen. Der Vorsitzende der Deutschen Turnerschaft, Dr. Götz-Leipzig, begrüßte mit herzlichen Worten die amerikanischen Turner und gab seiner Freude darüber Ausdruck, die Stammesbrüder auf deutschem Boden zu sehen. Stadtrat Bankier v. Grunelius hieß im Namen des geschäftsführenden Ausschusses die Gäste herzlich willkommen und führte folgendes aus:

Die ganze deutsche Turnerschaft hat große Freude daran, daß Sie den weiten Weg nicht gescheut haben, hierher zu kommen und im friedlichen Wettstreit sich zu messen mit den deutschen Stammesbrüdern. Drüben haben Sie die Pflicht, Ihr Bestes einzusetzen auf der Basis deutscher Treue und Tüchtigkeit, den Fortschritt der Allgemeinheit zu fördern und die deutsche Wertschätzung hochzuhalten. Hierher führt Sie Ihr deutsch gebliebenes Herz und ich wünsche Ihnen, daß daS auch alle Zukunft, so bleiben möge. Eine solche Brücke findet keinen Ozean zu breit, sie bindet beide Nationen mit neuen Banden zusammen. In diesem Sinne bitte ich Sie in den Ruf einzustimmen, Ihre neue Heimat und unser gemein­sames deutsches Vaterland sie leben hoch 1

Nach einem dreifachen Gut Heil! ergriff das Wort der Sprecher der amerikanischen Turner, Herr Eberhard-Boston, zu folgenden Ausführungen:

Werte Bundesbrüder 1 Hochverehrter Herr Stadtrat! Im Namen meiner amerikanischen Freunde entbiete ich der deutschen Turnerschaft und dem deutschen Volke echt deutscheu Gruß von jenseits des Großen Wassers. Wir erwarten hier harte Arbeit, aber auch vergnügte Stunden. Wir freuten uns auf den heutigen Tags wie ein Kind auf den Weihnachtsabend. Kaum weiß, ich, warum uns all diese Freude, diese Liebe und Anhänglichkeit auf deutschem Boden geboten wird, aber seit wir deutschen Boden be­treten haben, sind wir überall auf daS Herzlichste empfangen worden. Die Ursache unserer starken Betei­ligung 'ist hauptsächlich darin zu suchen, daß vor mehreren Jahren die deutsche Turnerschaft uns endlich einmal auch eine Vertretung zu unserem Turnfeste geschickt hat. Damals haben wir uns gelobt, das nächste Deutsche Turnfest stärker wie je zu besuchen. Heute sind wir nun hier und wissen im voraus, daß wir den deutschen Boden verlassen werden nur mit dem allerangenehmsten Eindruck an die Einwohner­schaft Frank fults, die' deutsche Turnerschaft und das deutsche Volk. Wir kamen zu Ihnen als amerikanischelBürger, die sich ihrer Bürgerpflichten wohl bewußt sind, aber unsere Herzen sind deutsch geblieben, wir werden auch deutsch bleiben. Wir entbieten nicht nur der deutschen Turnerschaft unseren Gruß, sondern dem ganzen deutschen Volke. Diese gegenseitigen Besuche werden dazu beitragen, die guten Beziehungen zwischen den beiden Nationen immer noch zu befestigen und es sollte uns freuen, Gelegenheit zu haben, unsere deutschen Turnbrüder bei uns willkommen zu heißen. Ich lade Sie

Ueber uns drängten sich dichte Wolken, nur dann und wann öffnete sich ein Riß und ließ einen Blick hindurch auf einen im Lichte des ausgehenden Tagesgestirns rot leuchtenden Fels­kegel oder weiter unten auf ein in Frührot gebadetes Hotel am Bürgenstock, hier und da glänzte wohl auch ein Stückchen vom See herauf. Vom Sonnenaufgang war nichts zu sehen. Kaum aber kamen wir am Rigi-Felsentor an, als wir, wie aus einer Versenkung gehoben, plötzlich über den Wolken standen. Wir waren hindurchgestiegen ein Gedanke, der Kurtchen schwindeln wachse. Wie ein weites, wogendes, schimmerndes Meer lag der Nebel im Sonnenglanze zu unseren Füßen, daraus hervor ragten inselgleich diè dunkeln Kuppen der nahen Berge, dahinter die der höheren im frischen Reife oder Neuschnee und weiterhin Mönch, Jungfrau und Eiger und die andern alpinen Majestäten in wunderbarer Klarheit mit ihren Gletschern und Schneegipfeln.

Kurtchen saß mittlerweile geknickt auf einem Stein, sah nicht rechts und nicht links und trocknete seine Stirne. Der arme Kerl konnte einem leidtun. Ich bereute fast, ihn mit­genommen zu haben. Aber das half jetzt nichts. Ich stieg weiter, und Kurtchen schwamm im Schweiße seines Angesichts stöhnend und jammernd neben mir her, immer ganz an der Bergseite und trotz der Harmlosigkeit des Wiesenhanges alle Augenblicke ängstlich meinen Rockzipfel fassend, weil ichab- stürzcn" mürbe" wenn ich noch weiterso nahe am Abgrund" ginge. Ich war wirklich froh, als der arme Kerl am Rigi- Kaltbad erklärte, er wolle lieber trotz aller Lebensgefahr mit der Bergbahn zurückfahren. als noch weiter steigen. Wie einer, der mit dem Leben abgeschlossen hat, sah er aus, als wir voneinander schieden. Mit geschlossenen Augen habe er dieTodesfahrt" gemacht, erzählte er mir, als ich abends von Küßnacht her wieder zu Hause ankam.

Und doch sollte es nicht seine letzte Bergtour gewesen sein. Am Abend saßen wir, wie üblich, gemütlich beisammen, Kurtchen natürlich zwischen seinem schönen Bäschen und mir. Ich sprach von dem Plane, anderntags auf den Großen Mythen zu steigen. Nicht nur Kurtchen war entsetzt, auch der Kommerzienrat riet ab. Erst vor einem Jahre sei ein Herr aus unserer Pension irgendwo abgestürzt und wenn ich dar jetzt nachmachte, würde das HauS in Verruf ge­

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908

deswegen ein, unser nächstes Deutsches Turnfest in Tincinati so zahlreich wie möglich zu besuchen, ein herzlicher Empfang ist Ihnen sicher. Und nun, Turner aus Amerika, bringt ein kräftiges Gut Heil! aus auf das Gelingen des großartig an­gelegten Deutschen Turnfestes.

Nach einem dreifachen Gut Heil I sprach noch Professor Bender-Frankfurt a. M. einige Worte der Begrüßung. Dor der Bahnhofshalle empfing eine dichtgedrängte Menge die Amerikaner mit jubelnden Hurrarufen und geleitete dir Turner in dichten Scharen nach ihrem Hotel.

Ausschutzsitzung der Deutschen Turnerschaft.

Der Ausschuß der Deutschen Turnerschaft hielt am Don­nerstag seine alljährlich stattfindende Sitzung ab, die von dem Vorsitzenben Dr. med. Ferdinand Götz-Leipzig mit einer herzlichen Begrüßung der Ausschußmitglieder eröffnet wurde. An der Sitzung nahmen teil: der Geschäftsführer Stadtschul­rat Dr. Rühl-Stetiin,' der Kassenwart Kanzleirat Atzrott» Steglitz, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Karl Partsch-Breslau, sowie der Vertreier der 18 Turnkreise. Nach einigen Mit­teilungen des Vorsitzenden Dr. Götz erstattete dieser seinen Verwaltungsbericht, indem er darauf hinweist, daß die vornehmste Aufgabe der Deutschen Turnerschaft in der körperlichen Ausbildung der schulentlassenen Jugend bestehe, wobei sie nicht nur vom Zentralausschuß für Volks­und Jugendspiele und dem Deutschen Turnlehrerverein, sondern auch von den Staatsregierungen unterstützt werden. Welchen Einfluß das Turnen auf die körperliche Tüchtigkeit ausübe, beweise der Umstand, daß im vergangenen Jahre 31 287 Mitglieder ins Heer eingetreten sind, gegen 30 260 im Jahre 1906. Einen gleichen Fortschritt ergibt auch die diesjährige Erhebung über den Bestand der Deutschen Turnerschaft, der jetzt 8157 Vereine angehören, d. h. 370 mehr als int Vorjahre. Die Mitgliederzahl ist um 39 395 auf 847 920 gestiegen, von denen die Hälfte an den Turn­übungen aktiv teilnimmt. Dazu kommen 44 919 Frauen gegen 39 765 im Vorjahre, 50 457 Knaben und 22 355 Mädchen, so daß die größte Körperschaft gegenwärtig über eine Million Angehörige zählt. Er schloß seinen trefflichen Bericht mit den Worten: Nach treuer und reicher Arbeit geht die Deutsche Turnerschaft nun ihrem großen Feste ent­gegen, das offen vor aller Welt Zeugnis ablegen soll von dem Geiste und dem Streben, die die Deutsche Turnerschaft beseelen. Daß Se. kaiserl. und königl. Hoheit der Kron­prinz des Deutschen Reiches und von Preußen das Protek­torat über das Fest übernommen hat, mag allen ein Sporn sein, die ganze Kraft und das ganze stttliche Wollen einzu- setzen, um die Deutsche Turnerschaft zu Ehren und ihre Notwendigkeit und Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Volkskraft und damit für die gesunde Zukunft des Vaterlandes zur Geltung zu bringen und dabei auch den Fremden, die aus allen Weltteilen unb Nationen zum

raten und dec Wirt wäre ruiniert. Ich lachte ihn auS und las vor, waS J. C. Heer im Führer über diesen Berg schreibt:

Eine herrliche Tour führt von Schwyz auf den Großen Mythen, der kühn und scheinbar unersteiglich über dem Flecken steht. Der Saumweg steigt mit entzücken­den Tiekblicken auf Schwyz und Ausblicken aus den Vierwaldstädter See durch Matten und Wald in zwei Stunden auf die grüne Höhe der Holzegg. Die folgend« Stunde ist er in die Felsen gesprengt und bildet achtund­vierzig Zickzacken: der freie 1900 Meter hohe Gipfel ist so steil, daß man die Mythenwände nicht mehr steht. Uner- meßlich ist die Aussicht in alle Fernen, fast beängstigend der Tiefblick auf Schwyz und Einsiedeln . . .

Sehen Sie, so steil, daß man die Mythenwände nicht mehr sieht", protestierte der alte Herr und Kurtchen schüttelte sich entsetzt. Auch sein Bäschen bat mich zu bleiben, aber ich wehrte lachend ab. Ich war es satt, mir von herum­wimmelndenHochtouristen" den Genuß verekeln zu lassen, die mit Rucksack und Bergstock oder gar Eispickel stolz wie die Spanier mit den Bahnen heraufgekommen waren und, nach opulentem Mahle in der Kulm, draußen auf dem Gipfel das große Wort führten oder, wenn sie das Fahrgeld wieder einbringen und deshalb sparen wollten, ben ganzen Berg mit verstreutem Butterbrotpapier tapezierten, um nachher ebenso stolz wieder hinabzufahren. Ich wollt« endlich auf einen Berg, der solchenBergsteigern" unerreicht bar blieb, und stieg aus den Mythen, trotz aller Warmmg«« und Proteste.

Der Uriotstock strahlte im Sonnenschein über btn ®«, als ich von Brunnen hinaniwanderte nach Schwyz, vorbei an seinem prächtig bemalten Rathause, vorbei an den kleinen Häuschen, die sich bergan ziehen über die grünen Triften und schließlich in den schattenspendenden Wald. Eine Er­quickung bei der Sonnenglut, der man den September noch nicht anmerkte. Die erschlaffende lähmende Hitze und daS wundervolle Bild, das sich jenseit? des Sees so klar abhwb, brachten mich zu dem Entschluß, oben in der Hütt« zu über- nachtett. Eurerseits stieg es sich in der Kühle d«L MorL«n<