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«Jährlich 130 $H EÄlich «0 M., für <u* Mat Ab»nnâ mit b« b«ttefs«den Pestrusich»««.

Dir eteyltie Nummer festet 10 PfA.

Weteüeal^tHtf und Verlag der Buchdruck«« dB verein, e». Waif«,hauseS m Hanau.

General-Anzeiger

Amtlicher @rgii für Stadt- Md Fandürcir Nu».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 269 F-rnsprechanschlich Nr. 605. Montag den 16. November

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Fernsprechanschlutz Nr. 605. 190 &

Nttttliches.

Stadtkreis I^apau.

Mit der durch den Bau der elektrischen Straßenbahn von Hanau nach Groß-Steinheim erforderlichen Verstärkung der Mambrücke wird alsbald begonnen werden. Die Aus- führunAsarbeiten hierzu nehmen jeweils einen Bogen der Brücke in halber Fahrbahnbreite in Anspruch, während die andere Hälfte für den öffentlichen Verkehr offengehalten werden wird.

Hanau den 13. November 1908.

Königliche Polizei-Direktion.

P12250 I. A.: (gez.) Dr. v. Waldow.

Die landespolizeiliche Abnahme der Teilstrecke der Hanauer Straßenbahn Bogenstraße Wredestraße findet Dienstag den 17. d. M , nachmittags 3 Uhr, von der Bogen­praße ab statt.

Einwendungen gegen die Art der Ausführung der Bahn und ihrer Nebenanlagen können im Termin an Ort und Stelle angebracht werden.

Hanau den 16. November 1908.

Königliche Polizei-Direktion.

P12372 v. Beckerath.

Im Namen des Königs!

In der Strafsache wider den Schriftsetzer Simon Schneider zu Frankfurt a. M., geboren in Bischofsheim am 4. Januar 1887, evangelisch, wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffengericht in Hanau in der Sitzung vom 27* Oktober 1908 für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Beleidigung in zwei Fällen rc. verurteilt zu einer Geldstrafe von 40 Mark er­satzweise 10 Tagen Gefängnis und trägt die Kosten des Verfahrens.

Dem Beleidigten, Bahnsteigschaffner Stock, wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung wegen Beleidigung binnen 14 Tagen nach Zustellung des Urteils einmal im Hanauer Anzeiger" auf Kosten des Angeklagten öffent­lich bekannt zu machen.'

gez. Dr. Popper.

Ausgefertigt

Hanau den 4. November 1908.

Der Gerichtsschreiber Königl. Amtsgerichts Abt. 4.

(L. S.) Schöttler,

Amtsgerichts-Aisistent. 24145

Feuilleton.

S. A. Rizirt's Mit W in B-moll

(Zum I. Konzert des Oratorienvereins am 18. November.)

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß Mozart, etn Universalgenius, alle Gebiete der Tonkunst mit unver­gleichlicher Sicherheit beherrscht und auf allen gleich große und dauernde Kunstwerie geschaffen hat. Die Kammermusik, Symphonie, Klaviermusik, Oper, vor allem auch die geist­liche Musik hat er mit Werken bereichert, die für die Kunst­anschauung der Jahrhunderte Ideale der melodischen Schön­heit und Formvollendung geworden sind.

Auf dem Gebiet der geistlichen Musik war Mozart schon von Jugend auf tätig, hat er doch als Jüngling für den erzbischöflichen Hof von Salzburg zum gottesdienstlichen Be­darf eine Reihe von Messen geschrieben. Freilich hat sich hier sein Genius noch nicht frei entfaltet, denn der praktische Zweck und die geringen Mittel, die ihm zur Verfügung standen, zogen ihm recht enge Schranken. In ganz knappen Formen gehalten und im Stil dem Zeitgeschmäcke wie den persönlichen Wünschen des Erchischofs angepaßl, erscheinen diese schnell dahinrauschcndcn Kirchenmusiken gewissermaßen wie eine Folie zur Rokokozeit und eine Ergänzung zum Bau­stil der Kirche, in welcher sie erklungen. Wir dürfen hierbei nicht vergessen, daß Momrt in den Diensten des Erzbischofs stand und nach den damaligen Verhältnissen diesem persönlich und künstlerisch völlig untergeordnet war. Der Erzbischof selbst ließ den Jüngling in jeder Beziehung seine Oberherrschaft fühlen, und es ist ja geschichtlich be­kannt, wie sehr Mozart unter diesem harten und un­gerechten Regiment zu leiden hatte. Eine bedeutsame Wendung für Mozart's Künstlerlanfbahn und Entwicklung trat ein zu der Zeit, als er im Hofstaate des Erzbischofs diesem zu einem mehrwöchcutlicben Aufenthalt nach Wien in

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge­markung Langenselbold belegene, im Grundbucht von Langen­selbold Blatt 2473 zur Zeit der Eintragung des Verstcige- rnngsvermerkes auf den Namen des Tagelöhners Heinrich Hölzinger 11. und dessen Ehefrau, Katharina geb. Stürz zu Langenselbold je zur ideellen Hälfte eingetragene Grundstück:

Krtbl. 69 Nr. 182, Jägergasse Nr. 14, 2,39 ar,

a) Wohnhaus mit Stallung, Hofraum und Hansgarten,

36 Mark Nutzungswert, zu der der Ehefrau zustehenden ideellen Hälfte

am 8. Januar 1909, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Langenselbold den 11. November 1908.

__Königliches Amtsgericht. 24157

Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 brauner Spazierstock, 1 Kinder-Regen­schirm. 1 braunes Portemonnaie (mit 1 Pfg.) und eine größere Anzahl weiße Taschentücher (in der Marienkirche liegen geblieben, Empfangnahme bei Kirchendiener Grasmeher). 1 goldener Ohrring mit rotem Stein, 1 brauner Spazierstock mit gebogenem Griff (auf der Messe), 1 goldene Damcnuhr. 1 Bäcker-Kontobuch.

Verloren: Mehrere Zettel über geliefertes klein gemachtes Holz von Gebr. Köhler zu Roßbach, 1 Porte­monnaie mit 78 Mk., Samstag abend von Fallbachstraße bis an die Centralhalle 3 Karat ungeschliffenen Diamanten.

Hanau den 13. November 1908.

Das GrubenunM in Westfalen.

Hamm, 14. Nov. Zur Aufrechterhaltung der Ruhe traf heute morgen eine Gendarmerie- und Polizeiabteilung in Stärke von 90 Mann hier ein. Der Zechenplatz wurde voll­ständig abgesperrt. Die Volksmenge verhielt sich heute im Gegensatz zu gestern, wo sich aller doch eine große Aufregung bemächtigt hatte, vollkommen ruhig. Kurz nach 11 Uhr fuhr Prinz Eitel Friedrich im Automobil nach der Kolonie Hövel. Der Prinz ging durch die Straßen und betrat viele Häuser, wo er den Hinterbliebenen seine herzlichste Teilnahme aus­sprach. In der Kolonie sind allein 239 Witwen vorhanöen; eine Frau verlor ihren Gatten und vier Brüder. In einem andern Hause beklagt eine Mutter mit vier Kindern den Verlust des einzigen Ernährers. Bei dem Besuch deS Prin­zen spielten sich tief erschütternde Szenen ab. Das Wehe- geschrei der Frauen und Kinder durcbdrang die ganze Stadt.

folgen hatte. Hier kam es zu einem Bruch und zur Lösung seines Dienstverhältnisses mit dem Erzbischof. Sângft schon von der musikalischen Welt beachtet, konnte Mozart in den weit günstigeren Verhältnissen der Hauptstadt des Reiches sich endlich nach Jahren der Knechtschaft frei bewegen und seinen Ruf nach allen Seiten durch große künstlerische Leistungen begründen und befestigen. Sein Genius wurde stark genug, dein allein dominierenden italieniichen Geschmack die Spitze zu bieten und in seinen Kompositionen deutsche Innigkeit mit wunderbarer Grazie des melodischen Ausdrucks zu verbinden.

Von besonderer. Bedeutung aber wurde für Mozart's Schaffen bei seinem Aufenthalt in Wien die Bekanntschaft mit dem in musikalischen Kreisen bochangesehenen Diplomaten Baron van ©mieten. Dieser brachte von seinem bisherigen Berliner Wirkungskreis die Begeisterung für die große Kunst eines Bach und Händel nach Wien, wo der herbe, strenge Stil des protestantischen Nordens noch unbekannt war. Im Hause des van Swieten fand Mozart die Partituren _ der großen Händel'schen Oratorien, sowie der Bach'schen Klavier- oder Kirchenmusik vor, und sein Geist _ mar gefangen von dieser neuen und eigenartigen Schönheit sind von der Gewalt dieser Tousprache. Im schärfsten Gegensatz zu der italienischen Musik, welche auch in der ' Kirche nichts von ihrer Weichheit und ihrem virtuosen Aufputz verlor, steht die Kunst jener norddeutschen Meister, die auf . Mozart den größten Eindruck machte. Das bedeutete einen nicht zu unterschätzenden Gewinn für sein künstlerisches Schaffen, denn er benutzte diesen ihm neuen Stil, aber nicht als bloßer Nachahmer dazu war die Höhe seiner Meisterschaft zu groß vielmehr um ihn seiner Eigenart dienstbar zu machen. Seine vorbereitenden Studien dazu waren ernstester Art. Als vollendeter Künstler ver­schmähte Mozart cs nicht, Bach'sche Klavierfugen und Händel'sche Suiten zum Muster zu nehmen, um seine Kunst zu üben, sowie 6 Händel'sche Oratorien, darunter den .Messias" für Anfführunaszwecke neu zu instrumentieren.

Als der Prinz abfuhr, drängte sich eine Anzahl ordens­geschmückter Bergleute an das Automobil heran und rief': Kaiserliche Hoheit! Mehr Arbeitsschutz!" Gegen 11V» Uhr langte der Prinz auf der Zeche an. Hier fand eine eingehende Besichtigung der ganzen Zechenanlage statt, die über eine Stunde dauerte. Zum Schluß wurde der Prinz in das große Maschinenhaus geführt, wo in einer langen Reihe die Särge der Verunglückten aufgebahrt waren. Der grausige Anblick übte auf den Prinzen eine tief erschütternde Wirkung aus. Als der Prinz abfuhr, versicherte er dem General­direktor der Zeche, Janssen, nochmals seiner herzlichsten Teil­nahme. Nach allen Seiten grüßend, fuhr der Prinz alsdann nach Hamm zurück. Die Menge, die sich vor dem Eingangs­tore angesammelt hatte, bereitete dem Prinzen eine stumme Ovation. Der Prinz begab sich sodann in den Schützenhof, wo er das Frühstück einnahm.

Hamm, 14. Nov. Heute mittag wurde den Angehörigen der Verunglückten die Besichtigung der Leichen freigegebeu. Bis jetzt sind von den 29 Schwerverletzten, die in den beiden Krankenhäusern untergebracht sind, vier Bergleute gestorben, so daß die Gesamtzahl der geborgenen Toten 41 beträgt. In der Grube sollen sich noch 302 Bergleute befinden. Wie weiter mitgeteilt wird, werden die Gewinnausfälle und die Reparaturkosten einen Betrag von etwa einer Million Mark erreichen.

Hamm, 14. Nov. Prinz Eitel Friedrich fuhr mit dem Schnellzuge 3 Uhr 29 Min. unter großen Ovationen nach Berlin zurück. Auf dem ganzen Wege hatte sich eine un­geheure Menschenmenge aufgestellt, die ebenso wie das aut dem Bahnhöfe aufgestellte Publikum in begeisterte Hochrufe auSbrach.

Hamm i. W., 14. Nov. Die Nachricht, daß endgültig die Unterwassersetzung des Schachtes in Angriff genommen wurde, indem eine Rohrleitung bis zur Lippe gelegt^ wird, durch die das Wasser mittels Dampfpumpen bis zum Schacht gedrückt werden soll, rief unter den Angehörigen der in der Grube befindlichen Verunglückten begreiflicherweise große Er­regung hervor, zumal vielfach Gerüchte umgingen, daß noch einige von den Verunglückten am Leben seien. Das Mitglied des Aufsichtsrates, Kommerzienrat Rautenstrauch aus Trier, erklärte auf eine Anfrage, daß alle Beamte, die sich am Tage des Unglücks im Schacht befanden oder bei den Rettungs­arbeiten beteiligt gewesen sind, davon überzeugt seien, daß schon am Donnerstag mittag niemand von den Verunglückten mehr am Leben gewesen sei. Diejenigen, die nicht durch die Explosion getötet seien, wären durch die giftigen Schwaden erstickt oder bei dem entstandenen Feuer in den Flammen umgekommen. Den Entschluß, den Schacht abzudämmen, habe man gefaßt, um des Feuers Herr zu werden, daS sich sonst immer mehr ausgebreitet haben würde. Hätte man das Feuer nicht abgedämmt, so müßte man annehmen, daß die Toten zu Asche verbrannt würden. Man hofft, durch die Unterwassersetzung des Schachtes die Leichen vor beut Feuer zu bewahren und so deren spätere Bergung möglich zu machen. Außerdem ist dies der einzig richtige Weg, die giftigen Gase aus dem Schachte zu entfernen. Die Unter«

Die künstlerischen Ergebnisse dieser Studien sind denn auch nicht gering. Wir alle kennen dasReguiam", welches in der ganzen musikalischen Welt berühmt geworden ist, jenen Totengesang mit seinen ergreifenden Klängen, die der Meister am Schlüsse seines kurzen Lebens komponiert und auf dem Sterbebett noch selbst vernommen. Daß hierzu aber auch eine große Messe zu rechnen sei, das war der Welt bislang verborgen geblieben. Es war daher ein Ereignis, als im Jahre 1901 die Kunde kam, daß in Dresden eine groß« Messe in C-moll von Mozart zur Aufführung gelangt sei, von der die breite Oeffentlichkeit bisher noch nichts erfahren hatte. Wie stand es um diese Messe und wir erklärte sich die lange Verborgenheit des Werkes?

Aus Mozart's Lebensbeschreibung wissen wir, daß der Meister kurz vor seiner Verheiratung sich vorgenommen hatte, eine große Messe zu schreiben, ohne äußeren Anlaß oder Auftrag, lediglich einemHerzensversprechen" zufolge, wie Mozart selbst seinem Vater schreibt. Damit ist schon gesagt, daß eS Mozart's innerstem Bedürfnis entsprach, wenn er ein großes Werk zu schaffen gedachte frei von allen äußeren Fesseln. So war denn auch die Anlage zu diesem Werk ge­worden ; die Triebfeder dazu lag unstreitig in dem mächtigen Impuls, der dem Meister durch die großen Vokalwerkc Bach's und Hândel's, die er gerade zu jener Zeit kennen lernte, gegeben war. Seine eigene Sprache des Wohllauts und der Anmut verband Mozart mit dem Ernst und der Erhabenheit norddeutscher Kunst in bisher nicht geahnter Weise und schuf damit ein Werk, welches weit hinausging über alles was er bisher an Kirchenmusik geschrieben. In dieser großen Messe steigerte Mozart die Kunst des Vokal- satzeS zur Fünfstimmigkeit, ja bisweilen zu achtstimmigeni Satz in den Doppelchöreu, von denen dasQui tollis" zu dein Bedeutendsten gehört, was in dieser Art je geschrieber wurde.

Merkwürdigerweise hat der Meister diese Messe unvollend gelassen und bei der einzigen, in Salzburg im Jahre 1783 e"