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vitri-riLhrlich 1,80 Mk., m»naüich 60 Pfg., für <n*
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«oUtionibrud und Berlag der Buchdruckerei bei verein.
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Amtliches Grg«» für §iM- nni fanikrtis Km».
n, Waisenhaus«» in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Berantlvorü. Aeiuckteur: Ä. «chreârr i» Hana».
Nr. 89 Fernsprechanschlutz Nr. 605*
Dienstag den 14 April
Ferusprechanschlutz Nr. 605« 1908
Slmtlich-s.
Stadt- und Landkreis Hanau»
Die Bestimmungen über die Anzeigepflicht nach dem Gesetz betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten vom 28. August 1905 (G.-S. S. 373) werden noch nicht genügend beachtet. Ich mache deshalb die nach § 2 des Gesetzes zur Anzeige Verpflichteten, also in erster Linie die zugezogenen Herren Aerzte darauf aufmerksam, daß nicht nur jede Erkrankung an einer der im § 1 Abs. 1 bezeichneten Krankheiten, sondern auch jeder Todesfall, der durch diese Krankheiten verursacht worden ist, besonders polizeilich angemeldet werden muß. Nichtbeachtung dieser Vorschrift kann nach § 35 des Gesetzes mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft bestraft werden.
Hanau den 2. April 1908.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor. V2276 v. Beckerath. .
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachung.
Zur Erleichterung des Geldverkehrs mit den städtischen Kassen haben wir angeordnet, daß zunächst die Stadt- Hauptkasse und die i$tett erfasst anstelle der Barzahlung Schecks annehmen, die auf die Reichsbank Hanau oder auf eines der hiesigen Bankhäuser
M. Bacharach,
I. Benjamin,
Gebr. Fürth & C o.,
Gebr. Stern, oder den
Hanauer Ered itv ere in, G. m. u. H., bezogen find und den Vorschriften des Scheckgesetzes entsprechen.
Wir ersuchen von dieser Einrichtung weitgehendsten Gebrauch zu machen und bemerken, daß die von den Kassen ausgestellten Quittungen zum Zeichen, daß Zahlung nicht in bar erfolgt ist, mit dem Stempel „durch Scheck bezahlt" versehen werden.
Hanau den 6. April 1908.
Der Oberbürgermeister.
_________________I. V.: H i I d. 8409
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung Langenselbold belegenen, im Grundbuche von Langenselbold Blatt 2244 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Glasers Louis Fromm, Martin Friedrichs Sohn, und dessen Ehefrau Maria geb. Schwindt zu Langenselbold, je zur ideellen Hälfte, eingetragenen Grundstücke:
Krtbl. 44 Nr. 273/147, Felgenstraße Nr. 30, 8,38 ar,
a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten, 360 Mk. Nutzungswert,
b) Stall,
Krtbl. 44 Nr. 283/147 c) Glaserwerkstätte, 1,22 ar, 30 Mk. Nutzungswert,
am 4. Juni 1908, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Langenselbold den 9. April 1908.
____________Königliches Amtsgericht. 8435
Beschluß.
Das Konkursverfahren über das Vermögen des Landwirts Johann Friedrich Rausch von Erbstadt wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.
Windecken den 9. April 1908.
__________Königliches Amtsgericht. 8405
Hol;-Berka«f.
Am Mittwoch den 22. April d. I., von vormittags U1/» Uhr ab, soll in der Gastwirtschaft „Zum Forsthaus" bei Hanau nachstebendes Nutz- unb Brennholz aus den Schutzbezirken Oberrodenbach, Niederrodenbach, Neu- wirtshaus und Lamboybrück, Jagen 77c, 82b, 92b, 105b, 109 c, 110a u. c, 119e, 122^ 123b, 125b, 129a u. c unb Totalität und zwar:
Eichen : 1 rm Nutzfcheit 2. KI., 90 rm Scheit, 187 rm Knüppel, 18,50 Hdt. Wellen Reis 2.—4. Kl., 12 rm Stockholz 1. Kl.
Buchen re: 21,5 rm Scheit, 14,5 rm Knüppel, 8,90 Hdt. Wellen Neis 3. u. 4. Kl.
Erlen: 86 rm Nutzknüppel, 8,5 rm Scheit, 4,5 rm Knüppel, 0,30 Hdt. Wellen Reis 3. Kl.
Nadelholz: io Stangen 1.—3. Kl., 61,5 rm Scheit, 51,5 rm Knüppel, 10,30 Hdt. Wellen Reis 3. Kl.
öffentlich meistbietend zum Verkauf ausgebolen werden.
Der im Termin anwesende Rendant nimmt Zahlungen entgegen. 8437
Königliche Obersörsterei Wolfgang.
Politische Rundschau.
Der jetzt geschlossene preußische Landtag setzte sich wie folgt zusammen: konservative Partei 142, freikonservative Partei 64, Zentrumspartei 96, nationalliberale Partei 78, freisinnige Volkspartei 25, freisinnige Vereinigung 8, Polen 13, Dänen 2 Mitglieder.
Gegen etwaige Tabaksteuervorlagen. Eine in Oeynhausen tagende Versammlung von Zigarren- und Tabakfabrikanten aus Westfalen, den Hansestädten, aus Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Schleswig-Holstein, Lippe und Waldeck erklärt in einer Eingabe an den Reichstag, jede steuerliche Mehrbelastung des Tabaks habe die schwersten Schäden im Gefolge. Insbesondere die Bandcrolensteuer gefährde die Selbständigkeit der kleinern Fabrikanten und führe zum Staatsmonopol; jede andere steuerliche Mehrbelastung führe einen erheblichen Verbrauchsrückgang und Arbeiterentlassungen herbei. Sie erwartet, daß der Reichstag aus volkswirtschaftlichen und sozialpolitischen Gründen eine etwaige Tabaksteuervorlage ablehnt.
Für die bevorstehenden Neuwahlen in Preussen scheint sich in noch größerem Maßstab als dies bereits 1903 der Fall war, ein Zusammengehen der Nationalliberalen mit den Freisinnigen durchzusetzen. So meldet ein Privattelegramm aus Bielefeld, 13. April: Die Pro- vinzialvorstände der Freisinnigen Volkspartei und der National- liberalen Westfalens haben ein gemeinsames Vorgehen für die ganze Provinz angebahnt. Der nationalliberale landschaftliche Verband Minden-Ravensberg beschloß ein Wahlbündnis mit den Freisinnigen. In Minden-Lübbecke sollen ein Nationalliberaler und ein Freisinniger, in Bielefeld- Halle-Herford zwei Nationalliberale und ein Freisinniger ausgestellt werden. — Die beiden hier genannten Kreise haben 1903 gegen starke liberale Minoritäten durchweg konservative Abgeordnete nach Berlin entsandt. — Weitere Privattelegramme melden aus Breslau, 13. April: Der Vorstand des Wahlvereins der gemäßigten Parteien des Kreises Waldenburg hat die bisherigen Abgeordneten Fabrik- direktor Lueckoff und Amtsgerichtsrat Krause und an Stelle des Bergrats Jßmer, der die Wiederwahl abgelehnt hat, den früheren Seehandlungspräsidenten Freiherrn v. Zedlitz und Neukirch (Berlin) als Kandidaten ausgestellt. — K a t t o - w i tz, 13. April: Der oberschlefische Parteitag der freisinnigen Volkspartei beschloß, ein Kompromiß mit den Nationalliberalen nur dann einzugehen, wenn diese im Städtebezirk Beuthen-Kaltowitz-Königshütte die Freisinnigen unterstützen. Sie stellten hier den Reichstagsabgeordnelen Doormann als Kandidaten auf.
Aenderung des braunschweigischen Wahlgesetzes. Die Kommission zur Beratung des Antrages betr. die Aenderung des Gesetzes über die Zusammensetzung des Landtages und deS Wahlgesetzes legte ihren Bericht vor. Die Kommission erkennt an, daß die Verteilung der Mandate nicht ganz der Verschiebung der Bevölkerung entspricht, sieht aber davon ab, eine Aenderung zu beantragen, da der eben erwähnte Mangel sich auf andere Weise fast ansgleiche. Was die Wahlen zum Landtage betrifft, so schlägt die Kommission vor, die Wahl der Urwähler in der Stadt und in der Landgemeinde in der ersten Klasse von mindestens fünf auf mindestens zehn Prozent aller Wahlberechtigten zu erhöhen; die folgenden 20 Prozent bilden die zweite, die übrigen 70 Prozent die dritte Klasse. Jeder Wähler der ersten Klasse hat drei Stimmen, der zweiten Klasse zwei und der dritten Klasse eine Stimme. Von den anderen Faktoren wie Bildungsgang, Alter, Ehestand usw. hat die Kommission Abstand genommen, sie setzt für die Ansässigkeit im Herzogtum einen Zeitraum von zwei Jahren fest.
Das Kai'erpaar aus Korf«.
Achilleion, 13. April. Zur Mittagstafel bei der Kaiserin auf Schloß Achilleion war die Kronprinzession von Griechenland mit ihren Kindern geladen. Am Nachmittag fuhr die Kaiserin mit den genannten Herrschaften im Automobil nach dem königlichen Schloß Monrevos, wo der Tee I
eingenommen wurde. An der Fahrt nahmen die Prinzen August Wilhelm und Oskar nnd Prinzessin Viktoria Luise teil. Auch der König von Griechenland kam nach Monrepos. Der Kaiser verweilte bis nach 5 Uhr auf dem „Jmplacable" Zur Abendtafel beim Kaiserpaar auf Schloß Achilleion ist der König von Griechenland geladen.
Korfu, 13. April. Die englischen Kriegsschiffe sollten heute früh abfahren, erhielten aber morgens die Nachricht aus dem Achilleion, daß der Kaiser an Bord eines der Schiffe das Dejeuner einnehmen wolle. Die „Jmplacable" fuhr daraufhin allein ab und die „Formidable" blieb zurück. Abends findet zu Ehren des Königs von Griechenland im Achilleion eine Tafel statt.
Der Lemberger Mord.
Wie«, 13. April. Wie die „Neue Freie Presse" auf Lemberg meldet, antwortete der Student Siczynski, als ihm der Polizeikommissar im Verhör sagte, daß die Ermordung des Statthalters keine Aenderung des Systems bringen werde, es werde sich dann ein zweiter Ruthene finden, der den nächsten Statthalter ebenfalls aus dem Wege räumen werde. Er habe den Statthalter nur ermordet um andere zu warnen.
Wien, 13. April. Der Kaiser empfing heute vormittag den Minister des Innern Bienerth in besonderer Audienz, um über die Ermordung des Statthalters Graf Potocki eingehenden Bericht entgegenzunehmen. Aufs tiefste ergriffen, sprach er sein schmerzlichstes Bedauern über den Verlust dieses von ihm so hochgeschätzten hervorragenden Staatsmannes aus, dem er stets sein vollstes Vertrauen ent« gegengebracht habe und der ihm bis zum letzten Atemzuge treu ergeben gewesen sei. Schließlich drückte der Kaiser seine Empörung und seinen Abscheu über das ruchlose Verbrechen aus.
Wie«, 13. April. Die gesamte Wiener Presse be> klagt den Lemberger Mord als einen seit dem RevolutionS- jahr in Oesterreich nicht wieder dagewesenen Fall des politischen Mordes, der nur einem überspannten Einzelnen zur Last falle, aber von niemandem, auch nicht von den Ruthenen, gebilligt werde und hoffentlich sich nie wiederholen werde. Der polenfreundliche Teil der Presse bezeichnet den Statthalter Potocki als völlig unschuldiges Opfer, da er gerade von Anfang an bestrebt gewesen sei, einen nationalen Ausgleich zwischen Polen und Ruthenen herbeizuführen und deshalb sogar bei den polnischen Radikalen mißliebig geworden sei. Es wird aber selbst von diesem Teile der Presse zugegeben, daß die nationale Erbitterung der Ruthenen, woraus die überspannte Tat eines Jünglings entsprang, von der polnischen Verwaltung in fahrlässiger Weise herausgefordert worden sei. Alle Blätter ziehen aus der Schreckenstat den Schluß, daß es höchste Zeit sei, überall in Oesterreich den nationalen Ausgleich in Angriff zu nehmen und mit dem System der Unterdrückung des einen Volksstammes zu Gunsten des andern zu brechen. Der Mörder Siczynski befand sich seinerzeit unter den ruthenischen Studenten, die wegen Verwüstung der Lemberger Universität verhaftet wurden und ihre Entlassung aus der Haft durch den Hungerstreik erzwangen. Im Wiener Prozeß wurde er freigesprochen. Seine Mutter zog in der Haft wieder die gestrige Aussage zurück, sie habe ihren Sohn angestiftet. Sie habe nur im allgemeinen ihren Zorn über Potocki dem Sohne gegenüber ausgedrückt. Die verhafteten Schwestern wurden wieder freigelaffen.
Stolypin über die Amurbahn.
Petersburg, 13. April. Die Reichsduma nahm in erster Lesung die Gesetzesvorlage des Ministeriums für Bolks- aufklärung betr. die Bewilligung von 6 900 000 Rubel jährlich für die Einführung des allgemeinen Elementarunterrichts an. Alsdann nahm die Duma die Debatten über die Amurbahn wieder auf. Ministerpräsident Stolypin erklärte, daß Rußland im fernen Osten nicht nur zum Kampfe, sondern auch für den Schutz der nationalkulturellen Arbeit, die seine historische Mission sei, stark sein müsse. Zweifellos werde die Amurbahn große Ausgaben verursachen, doch sei es von großer Wichtigkeit, daß in jenen fernen ausgedehnten Territorien die Möglichkeit vorhanden fei, die Armee von einer Stelle zur anderen zu befördern. Durch Festungen könnten die Verkehrsmittel nicht ersetzt werden. Rußland? entferntes Grenzgebiet sei reich an Gold, Wäldern und anbaufähigen Flächen. Deswegen und wegen des Vorhandenseins eines dicht bevölkerten Nachbarstaats werde es nicht iinbevölkert bleiben; fremde Völker mürben einbringen wenn Rußland nicht zuvorkäme. Das Eindringen fremder'Völker habe dort bereits begonnen, ebenso wie an der fernen Grenze Kamschatkas unb tm Küstengebiet des Ochotski chen Meeres. Der Ministerpräsident wies sodann auf die klimatischen Ver baltnufe des Amurgebretes hin und sprach von den Vor'