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14 Seiten
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Ärztliches.
Landkreis Ranau.
BekauMa-llugen Hes UchWen Laudratsaints.
Unter Bezugnahme auf meine KreiSblatlbekannimachung vom 5. I. Mts., M 561, („Han. Anz." Nr. 31) bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, ba^ das Gefechtsschießen bei Mittelbuchen bis zum 21. (anstatt 20.) H. M. einschließlich statlfindet. Für geeignete weitere Verbreitung dieser Aenderung wollen die Herren Bürgermeister der belr. Gemeinden Sorge tragen.
Hanau am 12. Februar 1908.
Der Königliche Landrat.
M 696 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 13. Februar.
Am Ministertisch: Breitenbach, Holle.
Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung deS Entwurfes eines Gesetzes betr. die Herstellung einer Eisenbahn- unb Dampffährenverbindung zwischen Saßnitz und Trelleborg. Der Entwurf will der Regierung für die Fährverbindung 8 816 000 Mk. zur Verfügung stellen.
Minister Breitenbach empfiehlt die Vorlage zu wohlwollender Prüfung; sie genüge einem wirtschaftlichen Bedürfnis und sei zugleich ein Beweis für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Schweden und Deutschland. Areona habe Saßnitz gegenüber als Kopsstation gewisse Vorteile, würde aber 4 Millionen Mehrkosten verursachen.
Abg. v. M a l k e w i tz (kons.) beantragt Verweisung an die Budgetkommission. Es empfehle sich, zu prüfen, ob statt Saßnitz nicht Areona zu wählen sei.
Abgg. L o n i g - Krefeld (Ztr.) und Lusensky (natl.) sprechen sich für den Entwurf aus.
Abg. Brömel (frf. Vg.) hat lebhafte Bedenken gegen die Vorlage, deren Begründung sehr mangelhaft sei.
Die Vorlage wird darauf an die Budgetkommission verwiesen.
Bei der dann folgenden fortgesetzten zweiten Lesung deS Kultusetats bemerkt
Abg. Schiffer (natl.) gegenüber den gestrigen Be-
Feuilleton.
Elses Kriegslist.
Novellen« nach dem Schwedischen von Haus Günther
(Nachdruck verboten.)
„Lieber Georg, übereile Dick) nicht I" sagte Else sehr bestimmt. „Wenn Du jetzt gleich mit Papa sprichst, kannst Du unS alles verderben. Er würde Dir sicher antworten: Else ist meine einzige Tochter, ich habe eine bessere Partie für sie im Auge, habe andere Pläne mit ihr — — adieu, mein Herr."
Georg blickte ernst und düster darein. Er wußte, daß Else recht hatte mit ihrer Befürchtung. Er war ein armer, wenn auch vielversprechender Advokat. Wie konnte er hoffen, des reichen Herrn MunkS einzige Tochter zu gewinnen? ElseS Mutter war feit vielen Jahren tot, und so konnten die beiden jungen Leut« nicht auf mütterlichen Rat und Beistand hoffen.
Da rief Else plötzlich nach angestrengtem Nachdenken:
„Ich habe eine glänzende Idee! Ueberlasse mir daS Ganze. Versprich mir nur, nicht mit Papa zu reden, ehe ich Dir meine Erlaubnis dazu gebe."
Widerwillig und finster versprach eS Georg.
Eine Woche später beobachteten die Einwohner der kleinen Stadt, daß Else Munk sehr häufig in Gesellschaft von Frau Meta Feurig zu sehen war, einer schönen jungen Witwe, die sich vor einiger Zeit hier angekauft hatte. Die lieben neu« übrigen und schwatzhaften Nachbarn hatten natürlich daS lebhafteste Interesse für Else, schüttelten klügelnd die weisen Kopfe und verbreiteten böse Gerüchte.
„Die Witwe bemüht sich wohl, ihrem Bruder, dem Tunichtgut, MunkS reiche Tochter zu verschaffen, daS könnte ihr passen."
Else aber sagte eines Tages unvermittelt zu ihrem Vater: „Wir müssen bald mal ein kleines Mittagessen geben, Papa. Wir sind eS so vielen Freunden schuldig, — außerdem möchte ich auch gern einmal meine neue Freundin, Frau Meta
greitnn den 14 Februar
merkungen des Abg. Heydebranb, daß seine Freunde die Zusammenarbeit von Schule und Kirche nicht bekämpften; sie wollten nur nicht, daß die Schule der Kirche untergeordnet werde. Bezüglich der Liegnitzer Verfügung gegen die Gesellichaft für Verbreitung von Volksbildung müsse er dem Frhrn. v. Zedlitz widersprechen. Es sei keine Prinzipienreiterei, über den Liegnitzer Fall zu reden. Es müsse darauf sogar nachdrücklichst hingewiesen werden, denn eS habe sich ein bedenklicher Mangel im Zusammenhang der Behörde gezeigt. Im übrigen werde jeder, der Harnack und Ellen Key lesen wolle, ihre Werke sich zu verschaffen wissen. Man könne die Menschen eben. nicht unter eine Käseglocke setzen. DaS Christentum brauche die Wissenschaft nicht zu fürchten.
Ministerialdirektor Schwartzkopff erwidert, der Vorredner überschätze erheblich die praktische Bedeutung der Frage, ob ein Ortsschulinspektor Vorsitzender in einem Schulvorstande sei. Es kämen überhaupt nur verhältnismäßig wenig Fälle vor. Es liege nicht in der Absicht des Ministers, den Orts- schulinspeklor dort, wo er nicht historisch ist, zum Vorsitzenden zu machen. In der Ausführungsanweisung liege nichts, was dem Gesetz widerspreche.
Abg. Porsch (Ztr.) verlangt, wie gestern der Abgeordnete Dittrich, Freiheit für die katholischen Ordensniederlassungen. Der jetzige Zustand, wo zwei Minister zur Genehmigung einer Niederlassung in Bewegung geletzt werden müßten, sei unhaltbar. Warum die Nationalliberalen sich so sehr gegen die Geistlichen als Schulinspektoren wehren, sei unbegreiflich. Gerade der Seelsorger sei das geeignete Bindeglied zwischen der Schule, den Eltern und den Kindern.
Kultusminister Holle erklärt, er werde selbstverständlich entsprechend der Verfassung für die Treue und Zuverlässigkeit des Religionsunterrichts in der Volksschule sorgen. Die Stellung der Geistlichen in der Leitung des Religionsunterrichts werde auch durch die hauptamtliche Kreisschulinspektion nicht beeinträchtigt werden dürfen. Selbstverständlich sei nicht daran zu denken, daß ein Geistlicher wider seinen Willen zur Uebernahme der Ortsschulinspektion gezwungen werden könne.
Abg. Fischbeck (freis. Vpt.) erklärt, die Schulaufsicht hätte ein Pädagoge zu führen und nicht ein Geistlicher. An dem Liegnitzer Vorfall übt der Redner scharfe Kritik. Wie komme der Minister dazu, Staatsgelder mir in dem Interesse einer Kasse oder Richtung zu verwenden?
Minister Holle erwidert, die Gesellschaft für Volksbildung beziehe einen baren Zuschuß vom Reich, der preußische Unierrichtsminister empfehle sie nur. Es handle sich in keiner Weise um einen Kampf oder ein planmäßiges Vorgehen der Gesellschaft.
Feurig, einladen und — und ihren jungen Bruder, Herrn Ernst Brügge."
„Aber liebeS Kind, die Leute kenne ich ja gar nicht, und wenn Herr Brügge, oder wie er heißt, Dir den Hof machen sollte, so wäre ich wahrlich--"
„Lieber Papa, Du scheinst wirklich zu glauben, daß alle Männer, die mich kennen, in mich verliebt sind und mich heiraten wollen. Allerdings ist Herr Brügge sehr liebenswürdig und interessant, aber er denkt gar nicht daran, sich um mich zu bewerben, reich wie er ist und--"
„Ist er reich ? Nun, lade sie meinetwegen beide ein. Am Donnerstag? Ja, das ist mir recht."
Am nächsten Donnerstag war in Munks elegantem, behaglichem Hause eine heitere kleine Gesellschaft versammelt. Unter den ersten Gästen, die sich einfanden, war die schöne Witwe mit ihrem Bruder. Frau Meta war natürlich die Tischdame des Hausherrn, und sofort eroberte sie sich seine tiefe Sympathie, weil sie all seinen ihm so teuren Erinnerungen aus seiner Offizierszeit aufs interessierteste zu lauschen verstand.
„Eine sehr angenehme Frau", dachte er, „und eine besonders gute Gesellschaft für — für Else."
Frau Feurig wurde ein häufiger und stets gern gesehener Gast im Munkschen Hause —, doch zuiüeilen war Else abwesend, und Frau Meta blieb mit Herrn Munk allein. Else brauchte gar nicht nach plausiblen EntschuldigungSgründen zu suchen, denn die beiden empfanden ihre Abwesenheit durchaus nicht unangenehm.
Eines Tages saß der Hausherr mit seinem Gast in seinem luxuriösen Wohnzimmer. Frau Meta plauderte an« geregt, ihre elegante Gestalt im vornehmen dunklen Prome- nabenfieib hob sich prächtig von dem hellseidenen Sessel ab.
„Was für ein herrliches Heim haben Sie". sagte sie und sah ihr Gegenüber mit einem bezaubernden Lächeln an. „ES muß für Sie und Else immer von neuem ein Quell der Freude sein, diese Räume zu bewohnen. Und Else ist ja auch eine so vorzügliche Gesellschaft für Sie."
„Hm ja I Aber sie ist eigentlich zu jung, um sich auf bre Daucü bei mir zu behagen —, sie kann mich auch nicht so gut verstehen, wie eine erfahren« Frau eS könnte", antwortet«
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
Abg. Winkler (kons.) bestätigt die von MinisteriSk- birektor gemalten Ausführungen über die Ortsschulinspektion. Mit der gegenwärtigen Praxis seien seine Freunde durchaus einverstanden.
Abg. Stull (Ztr.) führt aus, die Erklärungen der Regierung über die Verwendung von Geistlichen als Orts- schulinspekloren seien ja sehr schön, nur entspräche ihnen nicht die Praxis. Häufig sei der. Grund für die Ausschaltung der Geistlichen politischer' Natur, weil ein Geistlicher für das Zentrum stimme. Der Minister werde hoffentlich dafür sorgen, daß sich die Kreisschulinspektoren bei den Wahlen im Herbst nicht zu Handlangern der Landrät« machten.
Ein Regierungskommissar widerspricht bett ziffernmäßigen Angaben des Vorredners über die Zurücksetzung der katholischen Geistlichen bei der OrtSschulinspektion.
Abg. Cassel (freis. Vpt.) ist ebenfalls der Ansicht, daß zwischen der Erklärung des Regierungsvertreters in btt Kommission und der Ausführungsanweisung ein Widerspruch bestehe. Noch gar nicht sei in der Debatte die Rede gewesen von den Rechten der Gemeinden. Das Beste wäre, wenn die Schuldeputationen zu Ortsschulinspektionen gemacht würden. Die Rechte der Gemeinden müßten vermehrt werden.
Abg. Campe (nat.-lib.) verlangt Maßregeln gegen den Lehrermangel und die Herabsetzung der großen Kinderzahl in den einzelnen Schulklassen.
Auf eine Anregung, nicht so viele kritische Theologen auf die Lehrstühle der Universitäten zu berufen, erwidert Kultusminister Holle, die preußischen Kultusminister hätten alle dem Grundsatz einer Justitia distributivae bei der Besetzung der Lehrstühle gehuldigt, damit alle wissenschaftlichen Richtungen in der evangelischen Theologie au den Universitäten vertreten seien. An diesem Grundsätze wolle auch er festhalten.
Darauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf morgen 11 Uhr.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 13. Februar.
Postetat.
Am BundeSratstische Staatssekretär Krätke.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um t Uhr 20 Minuten und bemerkt: Heute ist die hundertste Sitzung. Die Schriftführer haben liebenswürdig, rote immeer den Präsidententisch mit einem riesigen Blumenbukett geschmückt. Ich sage Ihnen dafür meinen besten Dank.
Zunächst wird der Nachtragsetat auf Bewilligung von 400 000 M. zur Förderung von Versuchen auf dem Gebiet LL J JL > . _ < ..... ■ . _____” * er und sah die schöne Witwe bedeutungsvoll an, „doch natürlich kann ich, ehe Else sich verheiratet, nicht daran denken, irgend jemandem die Leitung des HauSwelens zu übergeben, in dem sie so lange Zeit die Herrin war."
Und er seufzte pathetisch. Wie bitter bereute er es nun, so viele Bewerber abgewiesen zu haben, weil sie nach seiner Meinung nicht reich genug gewesen waren. Ist eS denn eigentlich so notwendig, daß seine einzige Tochter vor allem einen vermögenden Mann bekommt? Er hatte ja aber bisher auch mit Schrecken daran gedacht, sie hergeben zu sollen und dann ganz allein _ zurückznbleiben. Denn die Leere neben sich nach dem Tode seiner ersten Frau durch eine zweite auszwüllen — das war ihm bis vor kurzem nie in den Sinn gekommen.
„Nein, natürlich nicht," erwiderte Frau Meta. „Aber man könnte da wohl dem Schicksal der Tochter ein wenig entgegenkommen. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre und jemanden fände, der mich glücklich machen könnte, so würde ich nicht zaudern, Else eine zweite Mutter zu geben, und sie möglichst schnell zu verheiraten suchen."
„Wirklich?" sagte er froh und errötete bei dem Gedanken an diese zweite Heirat. „Wirklich? Ich bin neugierig, was Else dazit sagen würde. Ich glaube, ich müßte ihr vorher einen kleinen' Wink geben." Und er beschloß, „fest und bestimmt" zu sein seiner Tochter gegenüber.
„Hm, hm, liebe Else," begann er am Abend nervoS, „hast Du jemals daran gedacht, daß ich mich vielleicht zuvr zweitenmal verheiraten möchte?"
„Aber Papa," rief Elise scheinbar sehr entrüstet in unwilligem Ton, „daran kannst Du doch nicht etwa ernstlich denken!"
„Liebe Else, Du verstehst nicht--'
„Ja ich verstehe sehr wohl," erwiderte sie und stampfte mit ihrem zierlichen Stiefelchen auf. den Fußboden. „Du willst irgendeine abscheuliche Person hier an die Stelle meiner armen Mutter setzen! Aber wenn Du baS tust, bleibe ich nicht länger im Hause--. Ich gebe sofort weg — ich kann ja eine Stellung als Hausfräulein ober sonst etwas annehmen —, und alle Leute werden sagen----"
.O. Elie. Elle, hör auf!" des d« »exiweifdte Vater.