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««tchâhrüch 1,80 M., m»n«tlich 60 Pfz., für au*. WidBg« Aro»Et«n mit dem brttkfsmden iScjiaufW««.

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ftf^ffti^rw* ueb Verlag der Bachdruckerei b« Mttuu a, «taifeuhauseS m Hauau.

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Amtlicher Gcgm für ÄM- mL Mito Km».

Erscheint täglich Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Dir fLU'zejpaitme Prützrile oder éeee« X«« W W» im Lâmeutril di, Zelle SS M.

SewmiwwtU Redakteur: «. Schrick ar « H«â

^t. 112 Fernsprechanschlutz Nr. 605.

Mittwoch den 13. Mai

F-rnsprechanschlrttz Nr. 605. 1908

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Städtisches Wannen- und Brausebad.

Bangertftratze 2 (Eingang: Große Dechaneistraße).

Geöffnet für Männer:

Montag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 812 Uhr vormittags und 28 Uhr nachmittags.

Sonntag von 812 Uhr vormittags.

Geöffnet für Frauen:

Dienstag und Freitag von 812 Uhr vormittags und 28 Uhr nachmittags.

Preise der Bäder:

Brausebad mit Wäsche 10 Pfg.,

Wannenbad mit Wäsche 25 Pfg., Wannenbad ohne Wäsche 20 Pfg.

Hanau den 2. Jannarr 1908.

Der Magistrat.

_______ vr. Gebeschus. 357

Grundstücksverpachtung.

Die domänenfiskalischen Einzelgrundftücke der Ge­markung Bmchköbel in der Gesamtfläche von 66,1021 ha sollen vom 1. Januar 1909 ab anderweit auf 12 Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden. Termin Hierzu wird auf Samstag den 16. d. Mts, vormittags von 8'/- Uhr ab, in das Rathaus in Bruchköbel anberaumt.

Hanau den 10. Mai 1908.

Reinhardt,

Do mänenrentmeister. 10459

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Hemd und 1 Paar Strümpfe (in einem Bäckerladen liegen geblieben), 1 kath. Gesangbuch, 1 fast neues schwarzes Portemonnaie ohne Inhalt, 1 ge­stickter farbiger Damengürtel.

Verloren: 1 Portemonnaie mit etwas über 3 Mk., 1 Kinderregenschirm.

Entlaufen: 1 gelber Pinscher mit weißer Brust (Schwanz toupiert).

Hanau den 13. Mai 1908.

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Politische Rundschau.

Teuerungszulagen. Die Teuerungszulagen für die Postbeamten werden bei der nächsten Gehaltszahlung am 1. Juni mit zur Auszahlung gelangen, nachdem das Gesetz in den nächsten Tagen die Genehmigung des Bundesrats erhalten haben wird. Die Ostmarkenzulagen sollen für die Rcichs- beamten am 1. Juli in Kraft treten. Die Teuerungszulagen für die übrigen Reichsbeamten werden ebenfalls zu Beginn deS nächsten Monats gezahlt werden, also noch vor den preußischen Neuwahlen. Die Teuerungszulagen der preußischen Volksschullehrer sollen nach einer Verfügung des Kultusministersmit tunlichster Beschleunigung" angewiesen werden und die Zahlung unmittelbar an die beteiligten Lehr­personen erfolgen. Der Unterrichtsminister verlangt bis zum 15. Mai Anzeige über die gezahlten Beträge. In der Ver­fügung ist bemerkt, daß auch die lediglich für den technischen Unterricht etatsmäßig angestellten Lehrpersonen, dagegen nicht die nur auftragsweise mit der Versetzung einer vollen Schul­stelle betrauten oder sonst remuneratorisch beschäftigten Lehr­personen die Zulage erhalten.

Das Kaiserpaar in Karlsruhe.

Karlsruhe, 12. Mai. Der Kaiser, die Kaiserin und die Großherzogin Luise besuchten heute vormittag das Mau­soleum. Später machte der Kaiser mit dem kommandierenden General des 14. Armeekorps, v. Hödingen, Besuche. Nach­her nahmen die Majestäten den Tee beim Prinzen Max und besuchten sodann den preußischen Gesandten und Gemahlin.

Karlsruhe, 12. Mai. Heute abend um 8 Uhr fand im Schlosse Galatafel statt, an welcher die Fürstlichkeiten, mit Ausnahme der Großherzogin Luise teilnahmen; die Spitzen der Behörden hatten Einladungen erhalten. Im Ver­lauf der Tafel wechselten der Kaiser und der Großherzog Trinksprüche.

Karlsruhe, 12. Mai. Bei dem Festmahl brachte der Großherzog folgenden Trinkspruch aus:

Eure Majestäten, zum ersten Male von dieser Stelle aus, von der mein geliebter, in Gott ruhender Vater so oft cs getan, aufs ehrerbietigste und herzlichste willkommen zu âtißen, ist mir eine wehmütige, aber sehr teure Pflicht. Eure

Majestät sind durch Bande enger Verwandtschaft und Freund­schaft durch lange Zeit hindurch schon heimisch in meinem Elternhause gewesen. Sind es doch schon 41 Jahre her, daß Eure Majestät zum ersten Male in diesem Hause weilten und einen Einblick in unser badisches Heimatland nahmen. Aber auch inzwischen hat Eure Majestät stets in wohltuender Weise Freud und Leid mit unserem Hause geteilt, bewies doch erst noch jüngst bei unserer schweren Trauer dies aufs liebevollste die Freundschaft Eurer Majestät in den schmerz­bewegten Oktobertagen des vorigen Jahres und der bald darauf folgende teilnahmsvolle Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin. Wenn ich für dies alles und auch ganz besonders für den uns so beglückenden heutigen Besuch innigsten und herzlichen Dank sage, so darf ich wohl damit die Hoffnung verknüpfen, daß Eure Majestät auch in Zukunft häufig uns die Freude des Besuches schenken wollen, als einen Beweis der Fortdauer der durch die Tradition geheiligten engen, verwandtschaftlichen Beziehungen. Die Einwohner unserer Stadt haben Eure Majestäten gestern be­geistert bewillkommnet und dadurch den Ausdruck ihrer treuen nationalen Gesinnung darbringen wollen, eine Ge­sinnung, die ihren Widerhall in unserem ganzen badischen Lande findet, eine Gesinnung, die in Treue zu Kaiser und Reich steht. Wir alle, Fürst und Volk, sind eins in der Liebe, Verehrung und Treue zu Seiner Majestät dem Kaiser, dem mächtigen Schirmherrn unseres Reiches. Wir senden wärmste Segenswünsche zum Himmel für eine segensreiche Negierung Eurer Majestät. Zur Bekräftigung dessen bitte ich mit mir die Gläser zu erheben und mit mir zu rufen: Seine Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin, sie leben hoch, hoch, hoch 1"

Der Kaiser erwiderte mit folgendem Toaste:

Eure Königlichen Hoheiten wollen im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin und meinem Namen unseren herz­innigsten Dank entgegennehmen für die freundlichen Worte, mit denen Eure Königliche Hoheit uns willkommen heißen. Wir sind gerührt von dem Empfang der Karlsruher Bürger­schaft, der uns gestern zuteil geworden ist und mit der in Berührung zu treten uns schon so oft vergönnt gewesen ist. Tief bewegt haben uns Eurer Königlichen Hoheit Worte, zumal sie hingewiesen haben auf die Stelle, von der sie ge­sprochen sind, die Stelle, auf der ich so oft Eurer König­lichen' Hoheit erlauchten Vater gesehen habe. Als wir beide vor kurzem in der erhebenden Betätigung monarchischen Ge­fühles und Prinzipes vor der ehrfurchtgebietenden Gestalt Kaiser Franz Josefs gestanden haben, diesem hohen Herrn, der die Pflichterfüllung verkörpert, so trat auch wiederum vor meine Seele das Bild Eurer Königlichen Hoheit Vaters, meines Oheims. Auch er war ein Vorbild der treuesten Pflichterfüllung in seinem Leben, für sein Vaterland zunächst und dann auch für das Deutsche Reich. Er hat das schöne Wort geprägt, das von Mund zu Mund in seinem Volke weitcrgetragen worden ist:Uns ist die Pflicht von Gott auferlegt und wir werden sie auch durchführen und bedürfen dazu dessen, daß wir tagtäglich Gott um Stärkung bitten." Diese hohe und herrliche Figur ist auch dahin und ihr Ver­schwinden wirft über den heutigen Tag einen leichten Schleier der Wehmut; aber nicht nur das badische Volk, sondern auch das gesamte deutsche Vaterland wird mit Stolz sagen, er war unser, und in die Trauer |oH sich die Dankbarkeit mischen, daß es unser Volk war, dem ein so herrlicher Mann entsprossen ist, der die deutschen Eigenschaften in ihrer Reinheit und kristallnen Klarheit verkörpert. Er war unser und er hat uns hinterlassen das Erbe, das Du nun hütest, Dein schönes badisches Land, Dein treues badisches Volk. Er hat hinterlassen die innigen und treuen Bande, die ihn mit meinen Vorfahren und auch mit mir persönlich ver­banden, und er hat eine Freundschaft gegründet zwischen unseren Häusern, von der ich von Herzen hoffe, daß auch wir sie fortsetzen werden, die ja weit zurückreicht, wie Du schon erwähnt hast, viele Jahrzehnte zurück, als wir noch als Knaben die badischen Wälder durchstreiften. So wollen wir den Grundsätzen Deines herrlichen Vaters entsprechen, das Erbe, das er uns hinterlassen, schützen und weiter fort« bilden. Wir wollen uns auch als würdige Erben zeigen der großen Generation, die uns vorangegangen ist und aus der er noch zu uns hineinragt wie eine Alpenspitze im Alpen­glühen. Wir wollen stolz sein auf unser deutsches Vater­land und fest Zusammenhalten und alle Energie dafür ein« setzen, daß uns der Respekt zuteil wird, der uns zugesprochen ist im Rat der Völker. Das können wir nur, wenn Fürsten und Völker fest zusammenhalten. Vor allem aber möchte ich auf das badische Volk trinken und sein erlauchtes Ober­haupt und dessen erlauchte Gemahlin: wir trinken auf das Wohl Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, Ihrer König­

lichen Hoheit der Großherzogin, und ich darf Ihre König­liche Hoheit die Großherzogin Luise einschließen, und auf das badische Volk. Sie leben hoch, hoch, hoch!"

Die Vorgänge an der rassisch-persische« Grenze.

Tislis, 12. Mai. Einer Meldung des BlattesKawlas* zufolge wurden unweit von der russischen Grenze durch die von dem persischen Untertanen Khan Mahmed-Kuli, errichtete Ansiedlung gegen russische Untertanen Gewalttaten verübt, ein Rittmeister und mehrere Grenzwachsoldateu getötet und einige Soldaten verwundet. Um dem Treiben ein Ende zu machen, sandte der Oberkommandierende eine Abteilung unter dem Befehle des Generals Snarskv ab, um die Ansiedler unverzüglich zum Verlassen des russischen Territoriums auf- zufordern und von den Häuptern der Grenzstämme Schaden­ersatz zu verlangen. Im Falle er Widerstand finden sollte, hat General Snarsky Auftrag, die friedlichen. Einwohner zu schonen, gegen die Räuber an der persischen Grenze aber streng vorzugehen.

Jekaterinoslaw, 12. Mai. Am Nachmittag um l1^ Uhr wurde aus dem Gouvernementsgefängnis eine Bombe von großer Sprengkraft gegen den Dienstraum der berittenen Wache geschleudert. Durch die Explosion wurde die Mauer beschädigt und die Fenster der benachbarten Häuser wurden zertrümmert. Gleichzeitig versuchten die Gefangenen über die Mauer zu flüchten. Durch Schüsse der Wache wurden zehn Flüchtlinge getötet. Im Innern des Gefängnisses wurden ebenfalls einige Gefangene getötet oder verwundet. Ein Gefängniswächter wurde verwundet.

Die Lage in Marokko.

Paris, 12. Mai. General Viay hat telegraphiert, dah seine Kolonne am 4. Mai mehrere Dörfer bombardiert habe, die Mitteilungen an jene Harka hatten gelangen lassen, die das französische Lager bei Menabba überfallen hat. Dir Bewohner der Dörfer zogen sich, nachdem sie nur geringe» Widerstand geleistet hatten, in die Berge zurück. Ein einge­borener Schütze wurde leicht verletzt. Alle Dörfer im Tal der Nled Aissa haben sich unterworfen.

BelkidlgungsProzch Aga Molitor-Albert Herzog.

(Nachdruck verboten.)

8. U. H. Karlsruhe, 12. Mai.

5. Verhandlungstag. Vormittags-Sitzung.

Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Freiherr v. Woldeck eröffnet die Sitzung kurz nach 9 Uhr mit dem Zeugenaufruf. ' Es sind noch immer zirka 20 Zeugen und 13 Sachverständige zu vernehmen, so daß die Verhandlung kaum vor Donnerstag zu Ende gehen wird. Der Sachverständige Oberingemeur Sieber von den Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik«: Karlsruhe teilt mit, daß er sich nicht wohl befinde und des­wegen zeitweise abtreten müsse. R.-A. v. Pannwitz: Im Interesse des Fräulein Olga Molitor möchte ich doch au sämtliche Herren Verteidiger die Bitte richten, von unwesent­lichen Zeugenvernehmungen nach Möglichkeit Abstand M nehmen. Trotz der Anwendung von Schlafmitteln findet Fräulein Molitor keine Nachtruhe, sie hat in der vorigen Nacht gar nicht geschlafen und wird dadurch in ihr«» Ge­sundheitszustände auf das schwerste geschädigt. Justizrat Bernstein: Von unserem Standpunkt aus hat Fräulein Molitor nicht nötig, sich der Qual, hier anwesend zu sein, unterziehen zu müssen. Es besteht auch keinerlei gesetzliche Notwendigkeit dafür. Vors.: Es ist richtig, daß die Privat­klägerin als solche nicht verpflichtet ist, der Verhandlung bei­zuwohnen. Sie hat aber das Recht, anwesend zu sein. Frl. Molitor ist aber auch Zeugin und als solche muß sie zur Verfügung stehen angesichts des Umstandes, daß fortwährend auf ihre Person zurückgegriffen wird. In der fortgesetzten Beweisaufnahme wird hierauf als erste Zeugin Frau Dr. Müller-Linz aufgerufen. Sie ist verschwägert mit Karl Hau und hat sich in dessen Interesse vielfach bemüht. Sie gibt an, daß der Vater Karl Haus, der Bankdirektor Hau in Bern- kastel in zweiter Ehe lebt. Aus der ersten stammt als einziger Sohn Karl Hau. Durch die zweite Ehe ist die Zeugin Schwägerin des Vaters Hau und Stieftante des Karl Hau. Sie bekundet: Schon von seiner frühest«: Jugend an habe ich Karl Hau um mich gehabt und als er in Tner das Gym­nasium besuchte, wohnte er bei mir im Hause. Bis zu seiner Verheiratung mit Lina Molitor im Jahre 1901 habe ich ihn sehr viel gesehen. Als er 1906 aus Amerika zurückkehrte, besuchte er mich auf einen Tag in Bad Bertrich. Kurze Zett darnach ereignete sich der Mord in Baden-Baden. Als wenige Tage später Karl Hau in London festgenommen wurde, habe ich ihn dort mit meinem Schwager besucht Ebenso bin ich später im Gefängnis in Karlsruhe und auch jetzt im Zuchthaus Bruchsal bei ihm gewesen. Bors. : Sre haben auch alle seine Habseligkeiten erworben? Zeugin- Ja Dors: Sie haben dafür große Summen aufgewend^k Zeugin: Ja etwa 1680 M. Bors.: Es fragt sich nun, ob und welche Aeußerungen Karl Hau Ihnen gegenüber in Bezug aus fein Verhältnis oder seine Beziehungen zu Olga