Erstes Blatt.
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9?L 291 Fernsprechanschlns; Nr. 605.
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Die jtitift Sinn' »W Mn r.MMkWM 30 Seiten.
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Amtliches
Stadtkreis I)anau.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 5. bis 11. Dezember 1908:
1 Banschreiner, 1 Fabrikarbeiterin, 1 Fahr bnrsche, 1 Schreiber, 1 Silberschleiser, 3 Tagelöhner.
Gesucht werden Feinmechaniker evtl, auch Uhrmacher, Glasbläser, Maschinenschlosser, Eiscndreher, Schuhmacher.
Hanau den 12. Dezember 1908. 27295
Städtische Arbeitsvermittelnngsstelle.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Langenselbold belegene, im Grundbuche von Langenselbold Artikel 2021^ur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Kaufmanns Friedrich Schreiber in Hanau eingetragene Grundstück:
Krtbl. 69 Nr. 98, Steinweg Haus Nr. 12 = 2 ar 53 qm
a) Wohnhaus mit Hofraum mit
360 Mk. jährlichem Nutzungswert, am 29- Januar 1909, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht — an der Gerichtsstelle — versteigert werden.
Langenselbold den 5. Dezember 1908.
Königliches Amtsgericht. 27071
Hus Hanau Stadt und Cand.
Hanan, 12. Dezember.
* Wallonische Kirche. Morgen vormittag 11 Uhr präzis findet Gottesdienst in französischer Sprache in der Kapelle statt.
Hk. Für Hanan's Export - Interessen wird es hoffentlich von wesentlichem Vorteil sein, daß die soeben erschienene Herbstnummer der Ex p o r t a u s g a b e der „Deutschen G o l d s ch m i e d c z e i 1 u n g " und der „Leipziger Uhrmacherzeitung" (Verlag von Wilhelm Diebeuer in Leipzia) in deutscher, englischer, französischer unb spanischer
Feuilleton.
Ueber die WlmWtchc MemdMtz m dm ersten K«fënge« bis zur Gegenwart.
Löbliche Schulen sind Brmmguellen alles religiösen und sittlichen Lebens.
Am Schluffe des Mittelalters war wohl eine stattliche Reihe von Schulen vorhanden; aber sie waren nicht für das eigentliche Volk, sondern nur für die wohlhabenden Klassen bestimmt. Die Kinder der ärmeren Bürger und Bauern wuchsen immer noch fast ganz ohne jeglichen Unterricht auf. Erst später hat sich das Volksschulwesen entwickelt. Aber doch nur allmählich entwickelten sich die Schulen, namentlich auf dem Lande, weil sie hier nur dann eingerichtet werden konnten, wenn sich ein Küster fand, der lesen und schreiben konnte, und wenn die Bauern geneigt waren, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Denn eine Pflicht, die Kinder die Schule besuchen zu lassen, bestand noch nicht.
Urkundliche Nachrichten über Niederrodenbachs Sclml- verhâlinffsc vor der Reformation sind nicht vorhanden. Erst nachher nehmen sie ihren Anfang. Das älteste Kirchenbuch gibt uns in den Presbylerial-Protokollen vom Jahre 1600 an auch über die Schule den ersten Ausschluß. Später ergänzen sich Kirchen- und Gemeindeakten gegenseitig.
Wir erfahren, daß die „Gemeinde-Herberge" der erste Versammlungsort für die Niederrodenbacher Schuljugend war. Als erster Schuldiener oder Schulmeister, der dem Namen nach bekannt ist, wird Balthasar Becker genannt. Er kam 1601 von hier nach Windcckeu. Sein Nachfolger wurde Hans Jörg Widerstein, der auch noch 1605 aufge- sührt wird.
Es ist anzunehmen, daß die „Gemeinde-Herberge" das Gemeindewirtshaus gewesen ist. Hier suchte und fand zahl
Samstag den 12. Dezember
Sprache den Vortrag zum Abdruck bringt, welchen auf dem letzten Verbandstage der Grossisten des Edelmetallgewerbes in Hanau Herr Dr. p h i 1. Grambow über die Hanauer Edelmetall- und Iuwelen - In - d u st r i e und die gegenwärtige Wirtschaftslage gehalten hat. Zu den nicht unbeträchtlichen Ueberietzungskosten hat der Hanauer Kunstgewerbe-Verein in dankenswerter Bereitwilligkeit einen erheblichen Beitrag geliefert, um die Interessen Hanau's fördern zu helfen.
* Ausstellung des Kunstvereins. Die morgen zur Eröffnung kommende Weihnachtsausstellnng des Kunstvereins empfehlen wir einem zahlreichen Besuch, da so gute und viele Kunstwerke hier noch selten zur Ausstellung gelangten. Herr Otto Ulbrich stellt einige Tage eine Kollektion Emailarbeiten aus, auf die wir besonders aufmerksam machen, da diese Kunstwerke nur kurze Zeit zur Verfügung stehen.
* Volksnnterhaltungsabend. Wir weisen nochmals auf den am nächsten Montag im Stadttheater, abends 8 Uhr, stattfindenden Volksunterhaltungsabend empfehlend hin. Das Programm ist sehr reichhaltig und abwechslungsreich. Es wird jeder Geschmacksrichtung Rechnung getragen werden. Die Namen der Mitwirkenden bürgen für eine künstlerische Wiedergabe der einzelnen Nummern. Eintrittskarten sind zum Preise von 20 bis 60 Pfg. in den Verkaufsstellen des Ausschusses zu haben. Ein Besuch dieser Veranstaltung ist sehr ut empfehlen.
* Parolernnstk. Die Ulanenkapelle spielt morgen mittag bei günstiger Witterung im Schloßgarten folgende Stücke: „In Treue fest!" Marsch von Teike; „Jntcrmezzo- Rococo" von Aletter; „Weihnachtsklänge", Walzer von Guardi; „Aus der Jugendzeit", Lied von Radecke; „Des Kaisers Rufi" Kavallerie-Parademarsch von Trenkler.
* Stadttheater. Auf das heute nachmittag 3 Uhr bei kleinen Preisen in Szene gehende Kindermärchen : „Der kleine Muck", sowie auf das heute abend statifindendc Gastspielvon SignorinaRita Sacchetto sei nochmals besonders hingewiesen. — Morgen Sonntag nachmittag wird bei kleinen Preisen das Lustspiel „Der Herr Senats r" mit Direktor Steffler in der Rolle des „Mittelbach" zum letzten Male zur Aufführung gelangen. Sonntag abend gebt Hebbel's kraftvolles Werk, das bürgerliche Trauerspiel : „M aria Magdalene" neu einstudiert in Szene. Ueber die Aufführungen des Stückes in Homburg schreibt die dortige K r e i s z e i t u n g u. a.: Kurhaustheater. Zur Zeit des Bußtages hat die rührige Hanauer Direktion ein Trauerspiel aus der Vergessenheit hervorgeholt, das von früher her noch in guter Erinnerung siebt. Hebbel's „Maria Magdalene' zählt zu den besten Stücken des geschätzten Dramatikers, tmb wird auch nie seinen nachhaltigen Eindruck ver
reich wanderndes Volk eine Herberge. Auf die Dauer konnte ein solcher Ort als Schulhaus nicht befriedigen. Mit Recht heißt es daher in einem Protokolle vom 15. November 1604: „Es ist schimpflich, daß die Schul auf der Gemeinde Herberg gehalten wird, weil da allerlei zusammen kommt." Unter Zuziehung der Gemeindebehörde faßte das Presbyterium gleichzeitig den Beschluß, ein Haus als Schulhaus anzukaufen, wozu Kirchen- und Gemeindekasse je zur Hälfte die Kosten aufbnngeu sollten.
Am 26. November 1605 kam der Beschluß zur Ausführung. Bei einer Zwangsversteigerung kaufte man für 148 Gulden das Haus des Glöckners Johannes Gclbricht. Infolge Leistungsunfähigkcit der Gemeindekasse bezahlte die Kirchenkasse sowohl die ganze Kaufsumme, als auch die Kosten zur Ausbesserung des Hauses. Die Gemeinde übernahm die Verpflichtung, die Hälfte des aufgewandten Geldes an die Kirchenkasse zurückzuersiatten. Auch künftig sollten die Kosten zur Unterhaltung des Schulhauses von beiden Teilen getragen und das Haus nur als Schule benutzt werden.
So war aus dem Bauernhaus das erste Schulhaus unserer Gemeinde geworden. Dazu ist's ein freies Haus gewesen, ohne Balkon und ohne Hypothek. Wie's ausgc- schant hat, es kanus uns niemand künden. Soviel ist sicher, es war nicht aus Stein gemeißelt und hatte nicht Erker, Mansarden und Türmchen. Seine Schwellen und Pfosten, Träger unb Balken sind mächtige Eichen aus deutschem Walde gewesen — alte Eicken vom Sturme der Jahrhunderte erprobt, alt und grau. Unb doch mag sein weißes Fachwerk unsere Vorfahren mit Stolz erfüllt und sie freundlich ângelächelt haben.
Wir hören nun seine Geschichte. Es ist die Schul- geschickte, Geschichte unseres Dorfes, ja Geschichte des weiten Vaterlandes. In der Folgezeit sind Freud und Leid, Lachen und Weinen abwechielnd auf Besuch in ihm eingekehrt. Viele Tränen sind in seinen Räumen geflossen, als 1606
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fehlen. Die gestrige Aufführung in neuer Einstudierung gab Stefanie Rohn (Klaras eine günstige Gelegenheit, ihre reife Kunst vorteilhaft zur Geltung zu bringen. Die Gewalt einer Tragik zeigte sie auf der Höhe als Märtyrerin eines Frauenschicksals voll bezwingender Gefühlsmacht. Liebe und Haß waren von hinreißender Leidenschaft, der innere Kampf voll tragischer Empfindung. Max (Stimm zeichnete den Tischler mit bekannter Virtuosität. Sein Meister Anton war sehr gut erfaßt und temperamentvoll durchgeführt. Als Frau stand ihm E.Tuerschmann ebenbürtig zur Seite. Als vermeintlicher Fuwelkndicb, auf dessen Konto das ganze Familiengeschick fällt, fand Josef Römer (Sohn Karl) den paffenden Ausdruck. Die Rolle des Geliebten Klara's, welcher in der Diebstahlsaffäre einen willkommenen Grund findet daS intime Verhältnis zu lösen, war bei Oskar Feigel in guienHänden. — Ferner der „Taunusbot r" : Kurhaustheater: Wohl als Nachklang zum Bußtage hatte die Direktion für die gestrige 5. Abonnements-Vorstellung daS bekannte, bürgerliche Trauerspiel „Maria Magdalene" von Hebbel „neuein* studiert". — Ein Werk, dessen wuchtige Dramatik, in Verbindung mit dem Ungeheuerlichen des vortrefflich ausgestaltcten Stoffes, einen packenden, ergreifenden Eindruck Hervorrufen muß. — Die Rollen waren durchweg gut besetzt und schienen die Darsteller sich ihren würdigen Aufgaben mit sichtlicher Liebe und Hingabe zu unterziehen, weshalb der vorhin bezeichnete tiefgehende Erfolg nicht ausblieb. Stefanie Rohn- Ressel hatte Gelegenheit, mit wahren Hrrzenslönen ihre Partie ergreifend durchzuführen. Herr Max Grimm, der auch die Regie führte, bot eine vortrefflich pointierte Charakierzeich- nung; ebenso Herr Feigel, dessen vorzügliche Durcharbeitung seiner Partie nur anzuerkennen ist. Auch die kleinen Rollen waren gut besetzt. — Ueber die Aufführung in Offenbach schreibt die bortige Zeitung: Offenbacher Sladttheater. Neu einstudiert: „Maria Magdalene". Ein bürgerliches Trauerspiel in 3 Auszügen von Friedrich Hebbel. Nach längerer Archivruhe ging hier gestern abend wieder einmal Hebbels ewig wirkungsvolle „Maria Magdalene" in Szene. Die Darstellung war im großen und ganzen anerkennenswert. Daß uns die feine künstlerische Intelligenz Oskar Feigels eine treffliche Gestalt in dem Leonhard schaffen würde, war vorauszusehen. Das Jntrigenhafte gelang ihm ganz vortrefflich. Nicht minder gut war Max Grimm als Anton, dem ein ausgezeichnetes Charakteristerungsvermögen zu Gebot steht. Stefanie Rohn-Ressel stand am unrechten Platz. Sinnliches Feuer und Kleinkunst der Koketterie sind ihre Domäne. Das Publikum zeigte sich für das Gebotene dankbar.
* Schwedische Krone. Die Sänger- und Jodler- Gesellschaft „D'Möllthaler", welche jetzt aus 5 Damen besteht, konzertiert von 4 bis 12 Uhr. Im Saale wird getanzt.
und 1607 die Pest 18 Monate lang in unserem Orte hauste und der Allüberwinder Tod eine reiche Ernte hielt. Der damalige Schulmeister Velten Span, seine Frau und 4 Kinder wurden in kurzer Zeit von der furchtbaren Seuche dahingerafft, im Orte starben in dieser traurigen Zeit nicht weniger denn 234 .Personen.
Als Schuldiener wird 1608 ein Johann Adam Pfeilsticker erwähnt. Ihm folgte noch in demselben Jahre bis 1614 Lorenz Köppel von Schlüchtern. Nach ihm übernahm ein als Studiosus bezeichneter Johannes Lukas, Sohn des Orls- cinwohners Michel Lukas, bis 1616 den Schuldienst. Wendelin Meyer wird 1617 genannt und von 1618 bis 1625 abermals Lorenz Köppel. Es wird noch 1626 und 27 ein Wendel Diebel aufgeführt, dann aber ist die Reihe der Schuldiener auf zwei Jahrzehnte hin unterbrochen.
Noch stand zwar das Schulhaus alt und ehrwürdig da. Unterbeffen aber hatte die Kriegswut im lieben deutschen Vaterlande einen Sturm entfacht, dessen Unheil auch unser Dorf bitter empfinden mußte. Die Anfänge des deutschen Volksschulwesens begrub dieser 30jährige Krieg wieder fast gänzlich in seiner Verwüstung. Waffenlärm, Kriegssteuern, Lebensmittellicferungen und durchziehende „Kriegsvölker" störten die Eintönigkeit, die Ruhe und den Frieden bei Landlebens gewaltig auf. Rauben und Plündern, Sengen, Brennen und Morden nahmen überhand. „Bayerische Reuter", „Leopoldsches Volk" sind gekommen und haben auch im Schul Haus gehaust. „Der zertrümmerte Ofen", „die zerschlagenen Fenster" gaben Zeugnis von den Frevel- taten roher Soldatenhorden. Da ist „große Not" gewesen und viel Weinens und Klagens. Und als 1634 die brennenden Dörfer des Hanauer Landes den Himmel röteten, da ist auch Niederrodenbach nicht verschont geblieben, zu zwei Drittel ging es in Flammen auf. Seinem ersten Sckul- Hause war von der vernichtenden Lohe ein jähes Ende bereitet worden.
(Fortsetzung im 2. Blatt.)