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Viaitijährlich 1,80 Mk wâaUich 60 Pi ^ tüt auf* »âjtigt Kr»nn«t«n mit bem btt«[j<nbeii Psstausschiaz.

Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.

Setaiitoibrud! und Verlag der Buchdrucker«! bei verein.

General-Anzeiger

Amtliches Organ fit Mt- aii Kanârris Hanan.

f», Waisenhauses in Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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DU jüuszejpalteur Peutjeile oder der« te 9t Wk tat SrekUunentkit bk Zeile 35 Piz.

verantwort!. Redèur: «.Schrecker k HM«,

Nr. 185 Fernsprechanschlutz Nr. 605*

Montag den 10. August

F-rusprechauschlutz Nr. 605. 1908

Amtliches.

Im Namen des Königs.

In der Strafsache gegen den Metzgergesellen Fritz Glitzner, geboren am 1. Juli 1872 in Fulda, katholisch, wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffengericht in Hanau am 7. Juli 1908 für Recht erkannt:

Der Angeklagte wird wegen Beleidigung zu einer Ge­fängnisstrafe von einer Woche und in die Kosten des Ver­fahrens verurteilt.

Dem Beleidigten Bahnsteigschaffner Gliem zu Großauheim wird die Befugnis zugesprochen die Ver­urteilung auf Kosten des Angeklagten einmal imHanauer Anzeiger" öffentlich bekannt zu machen binnen 14 Tagen nach Zustellung einer Ausfertigung des Urteils.

gez. Dr. Popper.

AuSgefertigt unter Bescheinigung der Rechtskraft.

Hanau den 6. August 1908.

L. S.) Rößing, Amtsgerichtssekretâr. 16043

Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts Abt. 4.

Bekanntmachung*

Das Proviantamt kauft Hafer, Wiesenheu und Roggenstroh' (Flegelstroh und ungepreßtes Maschinen­stroh) diesjähriger Ernte zu den gangbaren Tagespreisen. Es werden selbst die kleinsten Mengen angenommen.

Die Einlieferung der Naturalien kann ohne vorherige Anmeldung und mit Ausnahme der Samstag Nachmittage an jedem Wochentage von 812 Uhr vormittags sowie von 24 Uhr nachmittags erfolgen.

Hanau den 28. Juli 1908. V 5361

Königliches Proviant-Amt.

politische Rundschau.

Fürsorge für jugendliche Arbeiter.

Berlin, 7. Aug. Der Minister für Handel und Ge­werbe hat unterm 25. tu Mts. an die Oberprästdenten und Regierungspräsidenten einen Erlaß gerichtet, in dem auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, bei den gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsschulen Einrichtungen zur Für­sorge für die jugendlichen Arbeiter innerhalb ihrer freien Zeit zu treffen.

Zum Fall Schücking.

Berlin, 7. Aug. Zum Fall Schücking schreibt die N. P. C.": DieKöln. Ztg.", welche durchaus verlangt, daß sich der Minister darüber erklärt, ob er die Anschauungen des Regierungspräsidenten zu Schleswig billigt oder nicht, hätte ans unseren Ausführungen wohl entnehmen können,

Feuilleton.

Klinzer Ausstellung in Frankfurt a. M.

(Origiiialbericht für denHanauer Anzeiger').

Die Ausstellung gibt uns ein annäherndes Bild von der Tätigkeit des interessantesten deutschen Künstlers der Gegenwart, obwohl gerade die plastischen Hauptwerke des Leipziger Meisters wieBeethoven" und größere kolo­ristische Werke wieChristus im Olymp" undDie Kreuzigung" fehlen. Klingers Kunst, die sich so schwer Bahn ge­brochen und die von solchem Ernst und so herber Größe ist, daß sie im weiteren Sinn nie populär werden kann, wandelt auf einsamer Höhe, bewundert und in vollstem Umfang ge­wertet von allen Kunstkennern, vorbildlich für die ncuauf- strebende Künstlergeneration. Er hat die deutsche Kunst der Gegenwart und besonders die Graphik auf eineu Höhepunkt geführt, wie außer Menzel kein Zweiter und cs ist zu hoffen, daß noch hervorragende Werke von dem erst 50jährigen Meister zu erwarten sind. In der Frankfurter Ausstellung fällt uns zunächst eine Sammlung von Studienblältern auf, die einen interessanten Einblick in das Schaffen des Künst­lers und die Entstehung der einzelnen Werke gewährt. Da sind eine Reihe sonncdurchglühtcr Landschnftsstudicn, Aquarelle aus Spanien, Italien, Griechenland, farbige Skizzen zur Salome", Federzeichnungen zu Radierungen, Aktstudien, getönte'Kreidezeichnungen usw.

In der Gruppe der Oelgemälde ist besonders beachtens­wert ein Herrenporträt von vorzüglicher Charakteristik und kühlen, silbrigen Tönen ; dann ein köstliches Kabinettstück Die Gesandtschaft". Es ist bewundernswert, daß bei Bildern wie:Homer" und Skizze zurKrcu^gnng" trotz starker Beeinflussung durch Böcklin so gan; tue persönliche Note gewahrt ist. Einige Biidnisstudicn sessem mehr durch

daß sowohl der Herr Reichskanzler, wie auch der Minister des Innern der Ansicht sind, daß man in Schleswig über das Ziel hinausgeschossen hat. Im übrigen haben nunmehr die Richter zu sprechen."

Graf Zeppelin und sein Werl.

Die Ursache des Unglücks.

Stuttgart, 8. Aug. Angesichts der von verschiedenen Seiten erhobenen Anklagen, das Fortreißen des Luftschiffes durch den Sturmstoß wäre vermieden worden, wenn die technische Leitung für eine bessere Verankerung gesorgt oder die Soldaten, anstatt andere Dinge zu treiben, ihre Kräfte zur sofortigen Hilfe vereinigt hätten, telegraphiert Graf Zeppelin an dasStuttgartner Neue Tageblatt" : Meine bisherigen Ermittelungen stellen schon fest, daß alle Be­teiligten ihre volle Schuldigkeit getan haben. Ich bitte meine Landsleute dringend, mit ihrem Urteil zurückzuhalten, bis ich einen völligen Bericht veröffentlichen werde. Graf Zeppelin.

Friedrichshafen, 8. Aug. Vom Diplomingenier Graf Zeppelin junior erhält derSchwäb. Merkur" folgende authentische Darstellung der Katastrophe bei Echterdingen: Das am 5. August morgens 7 Uhr 51 Min. auf freier Wiese zwischen Echterdingen und Bernhausen ohne jede Be­schädigung glatt gelandete Luftschiff wurde um 2 Uhr 55 Minuten durch eine quer ankommende, sehr heftige Gewitterbö aus seiner Ankerung losgerissen. Der im Luftschiffe zur Be­wachung zurückgebliebene Monteur Schwarz begab sich kalt­blütig und entschlossen nach der vorderen Gondel und zog die Ventile. Hierdurch wurde das Luftschiff nach einem Sprung von 1150 Meiern wieder zur Erde gebracht und entfloh nicht wie diePatrie". Im Moment des Schleifens über Bäume beim Heruntergehen schlug oben bei den Ventilen eine Flamme empor. Nach völlig einwandfreier Bekundung des Monteurs Schwarz und den Angaben aller außenstehenden Augenzeugen war in der Gondel oder an der unteren Seite des Luftschiffes zu diesem Zeitpunkt kein Brand entstanden^ Demnach ist völlig ausgeschlossen, daß die Entzündung durch Unvorsichtigkeit oder Leichtsinn der Bedienung oder der Zuschauer entstand, ebenso daß Benzin-Entzündung oder der­gleichen die Ursache des Brandes war. Beide Motore waren seit früh 8 Uhr außer Betrieb. Keinerlei Arbeit mit offener Flamme, wie Löten usw. war vorgekommen. Es ist sonach wie auch bei früheren Ballon-Explosionen die Ursache aus­schließlich auf elektrostatischen Entladungen mit Funkenbil­dung zurückzuführen. Die Voraussetzungen hierzu waren be­sonders günstig, da die atmosphärische Elektrizität durch das herannahende Gewitter im höchsten Maße gesteigert sein mußte. Nach früheren Messungen konnten hierbei Spannungen bis zu 100 000 Volt entstehen, welche sich im Augenblicke förmliche Wiedergabe als durch Farbenreiz. Im allgemeinen kann man überhaupt sagen, daß die koloristische Begabung nicht die stärkste Klingers zu sein scheint. Seine Farben, besonders die Fleischtöne, sind nicht immer rein und frisch und das Herbe, welches in schwarz-weiß so wundervoll wirkt, ist in farbiger Wiedergabe oft unerfreulich. Klinger ist von Haus aus Graphiker und wir sehen hier eine Reihe von Radierungen, die den Grundstein zu seinem Ruhm gelegt haben. Er führt uns in einzelnen Cyklen wieDramen", Eine Liebe",Ein Leben",Vom Tode" usw. Szenen aus dem Alltagsleben vor und schildert das soziale Elend mit wahrhaft erschütternder Tragik. Die Art, seelische Konflikte darzustcllen, hat nie ein Graphiker zuvor erreicht, denn der Realismus wird bei ihm nie zur Sensation und es fehlt seinen Typen jener Beigeschmack von beißender Satire eines Goya, wenn auch technische Beeinflussung des großen Spaniers unverkennbar ist.

In anderen Cyklen wie: Reitung ovidischer Opfer, Amor und" Psyche u. s. iv. kommt die ganze gewaltige Phantasie des Künstlers zum Ausdruck und Blätter aus der Brahms- Phantasie, wie:Evokation", Titanen",Entführung des Prometheus", sind von einer Kraft und subtilen Feinheit, daß sie zu den Auserlesensten auf diesem Gebiet gehören.

Nun zu den Skulpturen. Einen vollständigen llcberblick auf das plastische Schaffen Klingers kann man nach der Frankfurter Ausstellung nicht bekommen, weil gerade die Hauptwerke im Original fehlen. Jedoch kann man sich nach Reduktionen in Bronce, derKaffandra",Salome", der Variante desbadenden Mädchens", ungefähr eine öor= Mutig der Wirkung der Originale machen. Außerdem sind einige " überlebensgroße Porträtbüsten vertreten von Liszt, Nitzsche, Georg Brandes. Klinger hat auch die Poinchromic wieder ausgenommen, das ist die farbige Bemalung des Marmors, die in der Antike meist zur Anwendung kam, und erzielt außerdem durch die Verwendung farbiger Steinartcn zu weißem Marmor Wirkungen von ganz eigenartigem Reiz.

der Berührung des Luftschiffes mit den Bäumen durch Funken von 5 bis 10 Millimeter Länge ausglichen. Zweifellos ist durch einen solchen Funken der aus den Ventilen ausströ­mende Wasserstoff, der sich in seinem Umfange mit Luft mischte, zur Entzündung gebracht worden. Die GaSverfüllung verbrannte in etwa 10 Sekunden, die Hülle und andere Stoffteile in etwa 8 Minuten; gleichzeitig schmolzen oder bogen sich Aluminiumteile. Monteur Schwarz, der erst im letzten Moment die Gondel verließ, erhielt durch Herab­tropfen des Aluminiums Brandwunden, und LabourdaS wurde beim Aufprellen des brennenden Luftschiffe? schwer verletzt. Entzündungen dieser Art können bei allen Luft­schiffen vorkommen, ein Luftschiff mit Metallgerippe ist aber hiergegen geschützter wie andere. Graf Zeppelin junior."

Friedrichshafens 8. Aug. Graf Zeppelin selbst gißt über den Unfall in Echterdingen den folgenden Bericht auS: In die große Begeisterung, welche die Fahrt am 4. und 5. d. Mts. überall hervorgerufen, kam der Unfall, den daS Fahrzeug auf der Filder Ebene erlitt, geradezu überwältigend und unfaßlich. Natürlich glaubten viele der Zuschauer, daß ent­weder durch die Unterlassung der Anbringung weiterer Sicherheitsvorkehrungen oder durch mangelhafte Handhabung der Bewachung des Fahrzeuges die Katastrophe verursacht worden sei. Diese Vermutungen kommen auch in den Tagesblättern zum Ausdruck; die in denselben erhobenen Beschuldigungen erheischen die folgende Darlegung der Ver­ankerungsvorkehrungen : Nachdem das Fahrzeug in glattester Weise gelandet war, durfte es nur so verankert werden, daß es sich mit der Spitze in den Wind einstellen konnte. Zu diesem Zwecke mußten sämtliche Anker und Haltelrinen in einem Punkte, der Ballonspitze, zusammenlaufen. Dies wurde durch folgende Vorkehrungen bewerkstelligt: Die zur Landung ausgeworfenen Kettenanker wurden in der Fahrzeugrichtung in den Boden eingedrückt und mit doppelt genommenen Ankerseilen nach dem Versteifungstrâgerende, dem Ausgangs­punkte der Ankerseile, beziehungsweise der vorderen Gondel, geführt. Um ein seitliches Schwenken der Spitze zu ver­hindern, wurden quer zur Fahrzeugachse zwei Zähne einge­trieben und die mehrfach genommenen Seitenseile an diesen befestigt. Als weitere Verankerung wurde ein zirka vier Quadratmeter großer Segeltuchsatz, von dessen Rändern die Seile ähnlich wie beim Fallschirm in Knoten zusammen­laufen, mit Erde gefüllt und als in der Fahrzeugrichtung voraus in den Boden eingegraben und mit dem Ballon ver­bunden. Mit zwei weiteren kürzeren Handleinen, die zum Festhalten durch Menschen angebracht wurden, waren die Seile- und Ankervorräte, die das Fahrzeug bei sich führt« erschöpft, da bei der Landung in Oppenheim einige Reserve- feile und ein weiterer Anker auSgegeben und dafür Wasser, ballast eingenommen worden war. Während der Zeit vo«

Ein Beispiel davon ist die Porträtbüste der Frau Asenijeff, ein Werk von delikatester Farbenwirkung.

Die neueste Arbeit, der Athlet (Bronce), eine knieend« Figur in abwechselnder Stellung, ist ein mächtiges Zeugnis der plastischen Gestaltungsfähigkeit des Meisters.

Es läßt sich schwer bestimmen, auf welchem Gebiet dit größte Begabung Klingers liegt. Jedenfalls ist der Satz, daß die Einseitigkeit die Stärke der Großen fei, auf Klinger nicht anzuwenden, denn bei ihm wird gerade die Vielseitig- keil zur Größe und daS ist daS Zeichen des echten Genies

Jenny Roth.

Albumblätter.

Nur der Starke wird das Schicksal zwingen, Wenn der Schwächling untersinkt. Schiller.

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Das Schicksal kann die Heldenbrust zerschmettern, Doch einen Heldenwillen beugt es nicht. Körne * *

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Ein edler Mann wird durch ein gutes Wort der Frauen weit geführt. Goethe.

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Ich glaub', daß Keime, Blumen, Aehrrn Im Sonnenlicht nur aufersteh'n, Daß Augen, die umflort von Zähren, Noch niemals klar die Welt gesehen, Daß keine Arbeit ganj gelungen, Die Herzensfreude nicht vollbracht, Daß Trost und Frieden sich errungen Noch keiner in des Trübsals Nacht.

RitierShanS.

Wir können die Kinder nach unserem Sinne r&t formen, So wie Gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben, Sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren.

Goethe.