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Birrtetjährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Mg„ für an«* »artig- Abonnenten mit dem betreuenden Postausjchta^ DU einzelne Nummer testet 10 Wz.
ototationsbruck und Verlag der Buchdruckers d« verei«. e». WaljenhaujeS in Hanan.
EinrücknngSgebührt
DU jünfgespaltene Petüzeil« oder deren Kaum 10 Wh im AektammtrU bk Zett« 06 Wz.
Amtliches Orzsa für Mi- uni fanikrtin Zmu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Beantwort!, tRtbehewc; Ä. Schrecker in H«a».
Nr. 84 Fornsprechanschlutz Nr. 605,
Mittwoch den 8. April
Fernspr-kchanschlutz Nr. 605, 1908
Amtliches.
Bekanntmachung.
Versendung von Paketen während der Osterzeit.
Die Versendung mehrerer Pakete mittels einer Postpaket- adresse ist für die Zeit vom 12. bis einscbl. 19. April weder im inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland — ausgenommen Argentinien — gestattet. Nach Argentinien können auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens drei Pakete, mit einer Postpaketadresse versandt werden.
Berlin W 66 den 21. März 1908.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
_ I. A.: Gieseke.
Candkreis Hanau.
MMinchiWN des Mißlichen Lnniirntsnmts.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises ersuche ich auf Beseitigung der Raupennester in ihren Bezirken hinzuwirken.
Es sind nicht allein die Gemeindeobstbaumanlagen zu säubern, sondern es müssen auch die Besitzer der in Gärten und im Felde stehenden Obstbäume angewiesen werden die Säuberung der Obstbäume und Hecken von den Raupennestern vorzunehmen. Dabei ist den Baumbesitzern bekannt zu geben, daß § 368^2 des Strafgesetzbuches jeden, der das gebotene Raupen unterläßt, mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit entsprechender Haft bedroht.
Nicht nur die leicht erkennbaren weißen Gespinste der Nestranpe sind mit den Spitzen der Aeste, woran sie kleben, zu entfernen, sondern es sind auch, soviel als möglich, die steinharten Ringelraupen-Eier und die Wulste der Schwanen- ranpe aufzusuchen. Letztere finden sich am unteren Teil der Stämme, die Ringe der Ringelraupe aber an jungen Schossen, wo nur ein geübtes Auge sie erkennt.
Etwaige Unterlassungsfälle sind polizeilich zu bestrafen. Hanau den 28. März 1908.
Der Königliche Landrai.
V2215 J. A: Conrad, Kreissekretär.
Ln^Wsstlichtt KreiSimiii Hmi.
Nächste Versammlung Samstag den 11. d.Mts., nachmittags 2ffs Uhr, im Gasthaus „zum goldnen Löwen" hier.
Tagesordnung:
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Besprechung über Fleischpreise.
Feuilleton.
„Dieses Mädchen —
Humoreske von Randolph Lichfield.
Deutsch von Ilse Ludwig.
(Nachdruck verboten.)
„Verteufelte Geschichte!" murrte Lindley Bargrave. Ungeduldig schob er die Uhr in seiner Tasche zurück und starrte in das Dunkel draußen. „Wenn ich eine Ahnung gehabt hätte, daß der verdammte Zug eine solche Verspätung bekommt, wäre ich noch einmal in meine Wohnung gelaufen und hätte mich umgekleidet. Donnerwetter, jetzt fährt er auch noch so langsam, und dabei zweiundvierzig Minuten über die Zeit I"
Der ganze Tag war eine ununterbrochene Hetze für Rechtsanwalt Bargrave gewesen, er hatte in der ständigen Furcht gelebt, den 6.23 Zug nicht mehr zu erreichen, der ihn zu einer Abendgesellschaft bringen sollte. Zwei Minuten zu spät war er schließlich an der Station angelangt, wo er zu seiner Erleichterung hörte, daß die Ankunft noch nicht gemeldet sei. Doch vierzig kostbare Minuten verstrichen, trotz aller Beschwerden bei dem Personal, bis er die Station verließ.
„Sieben Uhr fünf," murmelte er jetzt nachdenklich, von neuem die Uhr zu Raie ziehend, „Ankunft sieben Uhr fünfzig. Zwanzig Minuten Wagenfaht — allermindest — acht Uhr- zehn im Haus, verflucht! Sicher haben sie gewartet, und der alte Plendall schleppt mich in den Salon wie ich gehe und stehe. Eine nette Figur werde ich in meinem Twced- Anzrig sein! Und dabei dieses Mädchen!"
„Dieses Mädchen" war Fräulein Eudora Sheldon, der Magnet, dessen Anziehungskraft Lindley den Besuch bei seinen Freunden Plendall io überaus notwendig erschienen ließ. Bis
3. Besprechung über die Anlage einer Zungviehweide.
4. Besprechung über die während der Sommermonate abzuhaltenden Wanderversammlungen.
5. Erteilung der Decharge zur Vereinsrechnung für 1907.
6. Mitgliederaufnahme.
7. Sonstiges.
Die Herren Bürgermeister wollen vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvcrems in den Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanau, den 3. April 1908.
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Politische Rundschau*
Die Reise des Kaiserpaares.
Palermo, 7. April. Die Stadt ist mit Fahnen reich geschmückt. Den Landungsplatz bis zur Porta Catona ziert eine Reihe von Flaggenmasten, die durch Girlanden verbunden sind. Der Kaiser und die Kaiserin, Prinz August und Prinzessin Viktoria Luise begaben sich mit dem Gefolge um 10 Uhr an Land, wo sie die Bevölkerung herzlichst begrüßte. Sie machten in Automobilen, die aus der hiesigen Gesellschaft zur Verfügung gestellt worden waren, einen Ausflug nach Monreale. Während das Kaiserpaar und die übrigen Herrschaften die dortigen Sehenswürdigkeiten besichtigten, verbrannte infolge Unvorsichtigkeit eines der zur Verfügung gestellten Automobile; unglückliche Folgen hatte der Vorfall nicht. Auf dem Rückweg' wurde die Villa Tosca besucht. Die kaiserlichen Herrschaften kehrten nach 1 Uhr an Bord der „Hohenzollern" zurück. Das Wetter ist schön. Bei der Frühstücks täfel saß der Kaiser zwischen dem Präfekten Marchese de Seta und dem Sindaco Francesco Pyolo Tesauro. Gegenüber dem Kaiser saß die Kaiserin, zwischen dem Prinzen August Wilhelm und dem Generalleutnant Carlo Corticelli ; außerdem waren geladen: Quästor B. Coela, Kapitän zur See Principe di Bittello, der Direktor des königlichen Hauses Mario Picardi, Superintendent Salinas, der deutsche Konsul Frhr. v. Schauenburg, der deutsche Konsul Springer und Korvettenkapitän Salomone.
Palermo, 7. April. Heute nachmittag besuchten die Kaiserin, Prinz August Wilhelm und die Prinzessin Viktoria Luise das hiesige Museum. Um 5 Uhr begaben sich die Majestäten und die übrigen Herrschaften zur Gräfin Mazza- rino zum Tee.
Palermo, 7. April. Prinzessin Viktoria Luise besuchte heute nachmittag die Königliche Villa Favorita. Zur Abendtafel bei dem Kaiserpaare an Bord der „Hohenzollern" waren geladen der Herzog und die Herzogin von Orleans mit Mademoiselle de Gardier, Monsieur de Baritault und Monsieur Emery, ferner Exz. Graf Franz von Thun und Ober- jägermeister Graf Max v. Thun.
jetzt hatte er erst ihr Bild gesehen, aber dies Bild — —!
„Na," seufzte er resigniert, „es wird nichts anderes übrig bleiben, als im Zug die Kleider zu wechseln, ich hab's schon mehrmals getan, und was sein muß, das muß eben sein. Ich habe nicht vor, im Straßenanzug zu dinieren, ebensowenig kann ich verlangen, daß mit dem Essen gewartet wird, bis ich fertig bin!"
Er griff nach seiner Tasche und legte sorgfältig die einzelnen Kleidungsstücke auf den Sitzen gegenüber auseinander.
„Ich kann's nicht ausstehen, wenn ich mich so behelfen muß beim Ankleiden, eins habe ich wenigstens gespart: ich bin schon rasiert!"
Zornig riß er den Ueberrock ab und legte das Hemd auf seine Knie, um die Knöpfe einzustecken. In seiner ärgerlichen Stimmung erbitterte ihn diese Aufgabe förmlich. Dann zog er den Tweed-Anzug aus, faltete jedes einzelne Stück sorgfältig zusammen und packte alles in die Tasche. Zm selben Augenblick vernahm Bargrave , ein schrilles Pfeifen, und der Zug begann langsamer zu fahren,
„Himmel und Hölle!" fluchte der Rechtsanwalt. Mit einem Satz war er am Fenster, riß die Scheibe herunter und lehnte sich hinaus.
In einiger Entfernung erblickte er die Lichter einer kleinen Haltestelle und das rote Einfahrsignal. Er sprang zurück und riß die schwarzen Beinkleider vom Sitz herunter. „Großer Himmel," ächzte er, „ich hatte vergessen, daß hier bei Bedarf gehalten wird. Ver —"
Er hatte seine Schuhe noch nicht abgelegt und verwickelte sich jetzt damit in den Beinkleidern. Das Kleidungsstück flog wieder aus, Lindley warf sich auf das Polster und schnürte mit rasender Eile die Schuhbänder auf.
Alles vergeblich, auch der geschickteste Verwandlungs- künstler konnte diese Aufgabe nicht lösen in so entsetzlich knapp bemessener Zeit!
Er warf alle Kleider auf einen Haufen und stopfte sie in die Tasche, die sich nun allerdings nicht mehr schließen
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 7. April.
Börsengesetz.
Am Bundesratstische: Handelsminister Dr. Delbrück. Der Präsident eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 Min.
Die zweite Lesung des Bör'engesetzes beginnt bei Art. 2 Absatz 1. Die Zulassung von Wertpapieren zum Börsenhandei erfolgt durch eine Kommission, von deren Mitgliedern mindestens die Hälfte aus Personen bestehen muß, die nicht berufsmäßig am Börsenhandel mit Wertpapieren beteiligt find.
Artikel 2 wurde in der Kommissionsfassung angenommen.
Artikel 3, 3a und 4 werden zusammen beraten.
Nach Artikel 3 wird das Börsenregister aufgehoben, das Börsentermingeschäst in Getreide und Erzeugnisse!! der Ge- treidemüllerci verboten. Die Börsentermingeschäfte in Anteilen von Bergwerks- und Fabrikunternehmungen sind nur mit der Genehmigung des Bundesrates zulässig. Das Gesetz sieht Ausnahmen vor.
Abg. Bitter (Zlr.) bedauert, daß das Börsenregistet aufgehoben wird. Er könne nicht anerkennen, daß die Eintragung in das Börsenregister eine Deklassierung der betreffenden Personen bedinge.
Abg. R ö s i k e (kons.) erklärte, der Kommissionsbcschluß treffe das Richtige und entspreche den erfüllbaren Wünschen. Diejenigen, die Getreide produzieren, verarbeiten und Handel damit treiben, müssen jedoch die Möglichkeit haben, Lieferungsgeschäfte abzuschließen, sonst würde der ganze Handel unmöglich sein. Was seine Partei verhindern wolle, sei die Einwirkung deS Börsentermingeschäftes auf die allgemeine Preisbildung. Deshalb müsse die Möglichkeit gegeben werden, in jene Geschäfte und Vorgänge hineinzuleuchten. Wenn man an Stelle des Börsenregisters etwas anderes setzen wolle, so wäre das Handelsregister das beste, denn hier erfolge nicht die Eintragung blindlings und ohne Grenze. Das Handelsregister müsse aber ausschließlich Vollkaufleute enthalten. Wenn die Regierungen glauben, den Terminhandel in Anteilen von Bergwerks- und Fabriksunternehmungen freigeben zu sollen, müßten sie die Verantwortung allein tragen. Wenn das Gesetz zu Unreellitäten ausgenutzt werde, würde sich ein Sturm der Entrüstung im ganzen deutschen Volke erheben und Gesetzesmaßnahmen würden die Folge sein, welche für die Börse verhängnisvoll wären. (Beifall rechts.)
Abg. Kämpf (frs. Vpt.) meinte, in den §§ 3 und 3a konzentriere sich dir Aufmerksamkeit auf die Voraussetzung der Zulässigkeit von Börsentermingeschäften. Seine Partei habe sich damit einverstanden erklärt, daß die Börsentermingeschäfte in Getreide und Mühlenfabrikaten, sowie in An
ließ, fuhr in seinen Ueberrock und drapierte die Reisedecke um seine Knie. Atemlos und blaß saß er da, seine Augen funkelten fieberisch, als der Schaffner die Tür öffnete.
„Einsteigen, Madame, einsteigen, wir sind spät."
War's ein Traum?
„Abfahren!" '
Ein Traum —
Der Zug setzte sich wieder in Bewegung unter dem dämonisch schrillen Pfeifen der Lokomotive. Lindley starrte zum Fenster hinaus, um Herr über seinen Zorn und Kummer zu werden, denn er hatte sie wohl erkannt.
Eisige Schauer rannen ihm über den Rücken! Dies war sein Zusammentreffen mit Eudora Sheldon! Welch verteufelte Situation I Mit der Reisedccke umgewickelt auszusteigen, war ein Ding der Unmöglichkeit, weiterzufahren ebenso, da die nächste Station zwanzig bis dreißig Meilen entfernt lag, er also auf den Besuch bei Plendalls hätte verzichten müssen. Dabei gewahrte er, daß Eudora ihm verstohlene Blicke zusandte.
Langsam sah er an sich herunter, um unauffällig festzustellen, ob die Decke noch feststeckte. Seine Gedanken arbeiteten an einem Ausweg aus dieser fürchterlichen Lage.
Gern hätte er den Zug durch die Notleine zum Stehen gebracht, doch durfte er sich nicht erheben. Wenn Eudora nun die Leine zöge, veranlaßt durch, sagen wir, Furcht, Furcht vor seinem Geisteszustand?
Was bätte er noch heute morgen um ein Zusammensein mit der Geliebten gegeben, die er jetzt mit allen Mitteln zu entfernen trachtete I
Zwanzig Minuten übrig!
In seiner Erregung begann er laut zu pfeifen!
Sie erschrak und blickte flüchtig herüber. Schon stand er tm Begriff, sich zu entschuldigen, als ihm einfiel: Der Zug muß halten, und zwar durch Eudora'
„Verzeihung," sagte er, vorsichtig mit einer Hand feine Klappe lüftend und mit der anderen den Ueberrock über der