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Danauer K Anzeiger

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 234 F-rnsprechanschlutz Nr. 605. Dienstag den 6. Oktober Fernspxechavschlutz Nr. 605. 1908

Slmtliches-

Landkreis Hanau.

BekmtillchlNM des Kömglil-en LMratsamts.

An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 21. September er., V 6290a, in Nr. 13 der Amtlichen Beilage, betreffend die diesjährige Pferdevormuster«»g und Musterung der Fahrzeuge, mache ich noch darauf auf­merksam, daß die Vorführung der Fahrzeuge nur von den nachbenannten Musterungs-Orten zu erfolgen hat und zwar von:

Großauheim, Fechenheim, Wilhelmsbad, Niederdorfelden, Dörnigheim, Hanau, Ostheim, Eichen, Bruchköbel, Marköbel, Langendiebach, Niederrodenbach und Langen­selbold.

Von allen übrigen Gemeinden ist also eine Vorführung der Fahrzeuge nicht erforderlich.

Hanau, den 5. Oktober 1908.

Der Königliche Landrat.

V 6805 v. Beckerath.

SMW MtrwMiiita Ham.

Die Erd-, Maurer-, Asphaltarbeite» uud ein Teil der Schmiedearbeiten, einschl. Material­lieferung, für dasKammergebäude und das Exerzier­haus sollen in einem Lose in öffentlicher Ausschreibung ver­geben werden.

Die Angebote sind versiegelt und mit kennzeichnender Auf­schrift versehen bis zur Eröffnung derselben am

Mittwoch den 14. Oktober 1908, vorm. 10 Uhr, an die Bauleitung der städtischen Kasernen-Neubauten Hanau, Lamboystraße, einzureichen.

Die Zeichnungen, Verdingungsunterlagen und Ver­dingungsanschläge liegen dortselbst zur Einsichtnahme aus, letztere können auch, so lange der Vorrat reicht, gegen post- und best el I g eld freie Einsendung von 6 Mk. nur in bar von dort bezogen werden.

Der Zuschlag wird innerhalb 4 Wochen erteilt und bleibt der Unternehmer so lange an sein Gebot gebunden.

Hanau den 5. Oktober 1908.

Der Magistrat. 19967

Bekanntmachung.

Behufs Nertwahl ber Vertreter für die General- Derfammlung der Ortskrankenkasse des Land­kreises Hanau pro 1909/1912 wird Termin:

Feuilleton.

Das Hanaucrland in Baden.

Von Dr. med. et phil. Karl Siebert. (Fortsetzung.)

Im Jahre 1480 erlosch mit Graf Jakob der Mannes­stamm des lichtenbergischen Hauses, und sein Land vererbte sich zu gleichen Teilen auf die Eheherren seiner beiden Nichten. Von dem rechtsrheinischen Besitze ging das Amt' Willstätt auf den Grafen Philipp I. von Hanau-Lichtenberg über, während das Amt Lichtenau seinem Schwager Simon Wecker IV. von Zweibrücken-Bitsch zusiel. Noch im gleichen Jahre, und zwar einen Tag nach dem Abschluß und der Be­siegelung der Teilung, starb Graf Philipp I. Er wurde in der Kirche zu Babenhausen, das ihm 1458 aus dem Hanau- Münzenberger Besitze verliehen war, beerdigt und ruht neben seiner ihm schon sechs Jahre im Tode vorausgegangenen Gemahlin.

Sein Sohn Philipp II. stand in der Landshuter Fehde auf Seiten des geächteten Ruprecht von der Pfalz. Die Reichsexekutivc, die unter anderen Fürsten auch dem Land­grafen Wilhelm II. von Hessen übertragen war, bestand nach damaligem Brauch in einer möglichst gründlichen Verwüstung des Landes des Geächteten und seiner Anhänger. So wurde bei dieser Gelegenheit auch das Hanau-Lichtenberg zur Hälfte gehörige Städtchen Umstadt im Jahre 1504 erobert*) und blieb später in hessischem Besitz.

Unter Philipp III. entbrannte im Hanauerland der Bauernkrieg, indem Orlenaucr Bauernhaufen, unterstützt von

*) Rommel. Geschichte von Leben. Cassel. 1827. Band III Seite 155.

1. für die Ortschaften und Gutsbezirke des Amtsgerichts­bezirks Hanau auf Mittwoch den 14. Oktober 1908, nachmittags 2 Uhr, in das Rathaus zu Bruchköbel,

2. für die Ortschaften und Gutsbezirke des Amtsgerichts­bezirks Bergen auf Donnerstag den 15. Oktober 1908, nachmittags 3 Uhr, in die Wirtschaft von Enimerich in Enkheim,

3. für die Ortschaften und Gutsbezirke des Amtsgerichts­bezirks Langenselbold auf Freitag den 16. Oktober 1908, nachmittags 6 Uhr, in das Rathaus zu Langendiebach,

4. für die Ortschaften und Gutsbezirke des Amtsgerichts­bezirks Windecken auf Samstag den 17. Oktober 1908, nachmittags 2 Uhr, in das Rathaus zu Wi nd e cken anberaumt, wozu die Mitglieder unserer Kasse, welche groß­jährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, so­wie die Arbeitgeber, von denen Mitglieder unserer Kasse be­schäftigt werden, eingeladen werden.

Zu wählen sind:

1. für den Amtsgerichtsbezirk Hanau:

53 Vertreter der Arbeitnehmer und

26 Vertreter der Arbeitgeber;

2. für dm Amtsgerichtsbezirk Bergen:

58 Vertreter der Arbeitnehmer und

29 Vertreter der Arbeitgeber;

3. für den Amtsgerichtsbezirk Langenselbold:

39 Vertreter der Arbeitnehmer und

20 Vertreter der Arbeitgeber;

4. für den Amtsgerichtsbezirk Windecken:

30 Vertreter der Arbeitnehmer und

15 Vertreter der Arbeitgeber.

Hanau den 6. Oktober 1908.

Der Vorstand

der Ortskrankenkasse für den Landkreis Hanau.

A. P f o s ch, Vorsitzender. 19969

Vermietung.

Der Raum Nr. 1 im Erdgeschoß des hiesigen Domänen« Rentamtsgebäudes, welcher sich als Lagerraum eignet, soll vom 1. Mai k. Js. ab anderweit auf 6 Jahre öffentlich meistbietend vermietet werden.

Termin hierzu wird auf Mittwoch den 7. Oktober, vormittags 11 Uhr, in das Geschäftszimmer des Domänen- Rentamts, Fronhof 7, hierselbst anberaumt.

Hanau den 29. September 1908.

Reinhardt,

Domânen-Rentmeister. 19711

Hanauer, ihre Zerstörungswut an der bei Lichtenau gelegenen Abtei Schwarzach ausließen, wobei viele Kunstwerke und literarische Schätze verloren gingen. Seine Gemahlin war Sibylle, die Tochter des Markgrafen Christoph I. von Baden. Ihr liebliches Antlitz kennen wir aus dem in der Kunsthalle zu Karlsruhe befindlichen Votivgemälde*) von Hans Waldung, worauf die zahlreiche Familie des Mark­grafen dargestellt ist. Am dem über zwei Meter langen Bilde sehen wir in der Mitte Maria mit dem Kinde auf dem Knie und ihre Mutter Anna auf einem thronartigen Sitz. Links kniet der Markgraf mit seinen zehn Söhnen und rechts seine Gemahlin Ottilie von Katzenelnbogen mit fünf Töchtern. Gräfin Sibylle von Hanau-Lichtenberg starb 1518 im Alter von 33 Jahren zu Willstätt im Hanauerlaud und wurde, wie später auch ihr Gemahl, zu Babenhausen beigesetzt. Sie ist kunsthistorisch noch bekannt als die Stifterin des prächtigen Schnitzaltars in der Kirche zu Baben­hausen, von dem neuerdings wegen des beabsichtigten Ankaufs durch das Darmstädter Museum viel die Rede ist.**) Der Altar ist ein hervorragendes Werk der fränkischen Schule, bei dem man in den besser gelungenen Teilen sehr wohl an die Mitarbeit von Tilmann Riemenschneider denken darf. Die in den Tagesblättern verbreitete Ansicht, daß die Gräfin Sibylle einen Votivaltar gestiftet habe,um ihren einzigen Sohn Johannes der besonderen Huld der himmlischen Mächte zu empfehlen," ist unzutreffend. Die genealogischen Arbeiten von Lehmann und Suchier kennen keinen Sohn Johannes, sondern erwähnen außer fünf Töchtern nur einen Sohn Philipp, der seinem Vater später als Philipp IV. in der Herrschaft folgte. Während seiner 52 jährigen Regierungszeit (15381590) bewährte er sich stets als ein einsichtsvoller

*) Abgebildet bei Janitschek, Geschichte der deutschen Malerei. Berlin. 1890. Seite 408/409.

**) 1. Frankfurter Ztg. vom 8. Juli 1907, Nr. 107. Dr. Fritz Hoeber: Der Babenbauser Schnitzaltar. 2. Frankfurter General- . Anu vom 9. Stunt 1907. Nr. 133: Das Altarwerk tu Rabenbamen.

Bulgarien Königreich.

Sofia, 5. Okt. DieAgenee Bulgare" meldet die Proklamier- »ng Bulgarienszum unabhängige» Königreich i» Tirnowo.

Es ist erreicht I Fürst Ferdinand, der schon mehr als einmal die Hand nach der Königskrone ausgestreckt hat, und das bulgarische Volk, das immer von neuem die Forderung erhoben hat, der staatsrechtlichen Stellung des Landes auch die äußere Form zu geben, die es beanspruchen darf, find am Ziel. Bulgarien ist Königreich und wird eS bleiben. Was sich im Laufe der letzten Wochen vorbereitet hat, seit­dem b^r bulgarische Vertreter in Konstantinopel bei der Einladung zu einem diplomatischen Diner übergangen wurde und seitdem den türkischen Eisenbahnzügen an der Grenze die Lokomotiven ausgespannt wurden, war allmählich ein offenes Geheimnis. Bei all diesen Vorbereitungen fehlte merkwürdigerweise nur einer, die Hauptperson: Fürst Ferdinand. Der hatte gerade in diesen kritischen Tagen an­scheinend nichts Besseres zu tun, als in Budapest Kaiser Franz Josef seinen Glückwunsch zum Regierungsjubiläum zu überbringen und dann in den Wäldern Ungarns auf die Jagd zu gehen. Nun hieße es aber, den Fürsten Ferdinand beträchtlich unterschätzen, wollte man ihm staatsmännisches Geschick und politische Schlauheit ab­sprechen. Wer sich, eingezwängt zwischen russische Offensive und türkische Defensive, stets umworben von den ehr­geizigen, Wünschen der politischen großbulgarischen Agi­tation und gefesselt durch die Rücksichten auf die Garantie­mächte des Berliner Vertrages, mehr denn zwanzig Jahr« auf dem bulgarischen Thron hat behaupten können, den der Sieger von Slivnitza trotz seiner militärischen Erfolge hat räumen müssen, der ragt weit über den Durchschnitt hervor. Und Fürst Ferdinand ist ein Mann, ist trotz aller billigen Witze, die jahrlang über ihn gerissen worden sind, eine Per­sönlichkeit, die durch den Erfolg in mehr als schwierigen Situationen ihr Recht durchgesetzt und erworben hat.

So war die Budapester Reise natürlich nichts weiter, als eine Kulisse, hinter der er auf das Stichwort wartete. Die ganze Sache ist außerordentlich geschickt eingeleitet worden. Mit der Affäre Geschow, mit dem nachdrücklichen Hinweis darauf, daß Bulgarien in Konstantinopel immer noch als eine abhängige Macht behandelt werde, ist zunächst der Volksseele kräftig eingeheizt worden, und so wurde der offene Konflikt mit der Türkei in der Eisenbahnfrage mit großer Begeisterung überall begrüßt. Man munkelte bereits von Truppentransporten an der Grenze, und lärmendes Säbel- rasseln hinter der Szene sorgte dafür, daß die Stimmung nicht abflaute. Und hätte nicht Bulgariens Vertreter in London aus der Schule geplaudert, so konnte der Verlauf

und tüchtiger Regent. Unter ihm fand die Reformation, die schon von seinem Vater begünstigt wurde, Eingang im Hanauerland. Er beobachtete ein mildes humanes Verfahren bei der Durchführung der kirchlichen Bewegung, die von Nutzer in Straßburg durch Entsendung von geeigneten Pre­digern in die neuen Dahnen geleitet wurde.

Eine kleine Erinnerung an diesen Herrscher findet sich jetzt noch an der vorderen Außenwand der Kirche zu Lichtenau in Form eines in edlem Renaissancestil aus grauem Sand­stein angefertigten Allianzwappens. Von den sich schräg be­rührenden Wappen ist das linke das der Grafen von Hanau- Lichtenberg und das rechte das von Fürstenberg, aus welchem Hause Philipps IV. Gemahlin Eleonore stammte. Die jetzige Kirche wurde zwar nicht von ihm erbaut, sondern sie ist nach ihrer Zerstörung im dreißigjährigen Kriege von Johann Reinhard II. in ihrer schmucklosen Gestalt wieder erneuert worden, wobei man wahrscheinlich den aus früherer Zeit noch vorhandenen Gedenkstein mitverwandt haben wird.

Graf Philipp IV. hatte noch die Freude, durch die 1560 erfolgte Verheiratung seines Sohnes Philipp V. mit Ludovica Margarethe, der einzigen Erbin Jakobs von Zweibrücken- Bitsch, sämtliche lichtenbergischen Besitzungen diesseits und jenseits des Rheins im Jahre 1570, dem Todesjahre Jakobs, wiedervereinigt zu sehen.

In eine trübe Zeit fallen die Regierungsjahre Johann Reinhards I. Die Ucbergriffe der Herzöge vou Lothringen, die von Frankreich aus begünstigt wurden, schmälerten seinen Besitz, und Graf Johann Reinhard I. sah sich zu Abkommen, die für ihn ungünstig waren, gezwungen. Die drohenden Wolken des dreißigjährigen Krieges verdüsterten seine letzten Lebensjahre. Im-Jahre 1611 kam er in Hanau mit dem ©rasen Philipp Ludwig II. von Hanau - Münzenberg zu­sammen, mit dem er ein Jahr früher einen Erbvertrag ge« schlossen hatte, der beim AuSsterben der einen Linie der über­lebenden deren ganzen Besitz zusicherte. Die im Jahre 1607 von Philivv Ludwig II. gegründete Hohe LaudessckmIe m