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Lerantmartl. Redâmr ®. Schrecker U HM»
Nr. 207 Fernsprechanschlutz Nr. 6V5.
Freitag den 4. September
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1908
Slmttiches.
Anordnung, betreffend die Behandlung der Anträge auf Veranstaltung von Gegenstandslotterien innerhalb der Provinz Hessen-Nassau.
1. Alle Anträge auf Veranstaltung von Gegenstandslotterien sind künftig für jeden Regierungsbezirk besonders bis zum 1. Oktober des vorhergehenden Jahres an den Regierungspräsidenten einzureichen. Später eingehende Anträge können nur dann berücksichtigt werden, wenn ein dringendes Bedürfnis für die Lotterie besteht und der Antrag nicht früher eingereicht werden konnte. Den Anträgen ist der vorgeschriebene Verlosungsplan in dreifacher Ausfertigung beizu- sügen.
1. Die Regierungspräsidenten erstatten bis zum 15. November Bericht.
Es wird den Regierungspräsidenten überlassen, für ihre Bezirke je eine Kommission zu bilden, bestehend aus Vertretern der beteiligten Behörden (namentlich Polizei- ' Präsidenten)
^ftoren) , zuverlässigen Lotteriesachverständigen und Interessenten, die vor der Berichterstattung gutachtlich zu hören ist:
a) über Zeit und Ort- des Losevertriebs und der Verlosung,
b) über die sonstigen Bedingungen der Verlosung, insbesondere die Anzahl der Lose im Verhältnis zu dem Absatzgebiet, die zu verlosenden Gewinne und die Angemessenheit ihres Gesamtwertes zu dem Losertrage, die Loiterieunkosten und die Zuverlässigkeit der mit dem Vertriebe der Lose betrauten Personen.
Die Kosten dieser Konimission haben die Lotterieinhaber zu decken und es kann von ihnen zu dieser Ajvechq .eizp. von dem Regierungspräsident zu bestimmender Prozentsatz des Wertes der auszugebenden Lose vor deren Ausgabe eingefordert werden.
3. Der Oberpräsident trifft Entscheidung bis zum 1. Dezember und benachrichtigt im Falle der Genehmigung das betreffende Hauptzollamt wegen der Versteuerung der Lose.
4. Die Regierungspräsidenten haben alle weiteren Anordnungen zu treffen. Dahin gehören auch die Anweisung der mit der Ueberwachung des Lotterieunternehmens betrauten Ortspolizeibehörden und die erforderlichen Maßnahmen, damit der Vertrieb der Lose nicht beanstandet wird.
5. Den mit der Ueberwachung des Lotterieunternehmens betrauten Orispolizeibehörden wird hiermit die Prüfung der bei dem Lotterieunternehmen zur Ausgabe gelangenden Drucksachen mit der Maßgabe übertragen, daß sie, falls die Lose und Bekanntmachungen mit den gegebenen Vorschriften und den Verlosungsbedingungen übereinstimmen, selbständig, andernfalls aber erst nach Einholung der Genehmigung des Oberpräsidenten den Vertrieb der Lose bezw. die Veröffentlichung der Bekanntmachungen zulassen können.
6. Diese Anordnung tritt zuerst bei den für das 1909 beantragten Lotterien in Kraft.
Cassel am 3. August 1908.
Der Oberpräsident. gez. Hengstenberg.
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Wird mit dem Bemerken bekannt gemacht, daß die Befugnis, welche nach Ziffer 5 der Anordnung den mit der Ueberwachung von Lotterieunternehmungen betrauten Orispolizeibehörden beigelegt ist, schon von jetzt ab Anwendung sindet. (A II 6492.)
Cassel am 13. August 1908.
Der Regierungspräsident.
V 5898 Graf v. Bernstorff.
Stadtkreis Ran au.
Zwecks Vornahme von Gleisreparaiuren wird der Uebergang an der Steinheimerlandstrasze von Samstag den 5. d. Mts., nachm. von 7 Uhr ab bis 9 Uhr des nächstfolgenden Morgens, für den öffentlichen Duhrverkehr gesperrt.
Hanau den 3. September 1908.
Königliche Polizei-Direktion.
P 9322 I. V.: Siemon, Reg.-Asscssor.
Handelsregister.
Firma H. Schiff & Comp.
Die Witwe des Kaufmanns Emanuel Schiff, Gretchen geb. S ch u a d i g in Hanau, ist aus der Gesellschaft ausgcschicden.
Die offene Handelsgesellschaft ist aufgelöst. Der
bisherige Gesellschafter Kaufmann Julius Schiff in Hanau führt zu Hanau das Handelsgeschäft unter unveränderter Firma als Einzelkaufmann fort.
Hanau den 28. August 1908.
Königliches Amtsgericht 5. 17449
politische Rundschau.
Der Kaiser in Stratzburg. Der gestrigen Festvorstellung von Stoskopfs „Der Herr Maire" wohnten der Kaiser, der Statthalter Graf Wedel, Unlerstaatssekretär Zorn v. Bulach sowie die Prinzen August Wilhelm und Oskar bei. Der Kaiser wurde durch die Direktion empfangen und nahm aus den Händen der zwei Hauptdarstellerinnen Blumen und ein künstlerisch angefertigtes Programm ent» gegen. Er verfolgte die frische Aufführung mit sichtlichem Verständnis und unterhielt sich wahrhaft königlich bei dem Stückchen, in dem er wie wohl selten ein treues Bild des ländlichen Lebens im Elsaß mit politischem Einschlag erhielt. Bei Schlagern ließ er sich durch den Unterstaatssekretär Zorn v. Bulach unterrichten und gab lebhaft seinen Beifall kund. Nach der Vorstellung sprach er dem Verfasser seine Befriedigung aus. Er habe sich nur in einem Stück so trefflich unterhalten. Mit einer launigen Anspielung auf die Schlußszene überreichte der Kaiser Stoskopf sodann den Roten Adlerorden 4. Klasse. Das Theater war festlich geschmückt.
Zu den Kanalpläuen des Prinzen Ludwig von Bohern wird den „Berl. N. Nachr." geschrieben: Eine Verbindung des Mains mit der Weser und Elbe würde nicht allein einen hohen idealen Gewinn, die Herstellung eines neuen „silbernen Bandes" zwischen Nord und Süd herbeiführen, sondern auch, den, gleichfalls im nationalen Sinne nicht geringen Vorteil bieten, daß ein beträchtlicher Teil Süddeutschlands alsdann auf dem Wasserwege, so unmittelbar wie möglich, mit unseren Nordseehäfen Bremen und Hamburg verbunden würde. Bei alleiniger Ausführung der bis jetzt verfolgten Fluß- und Kanalpläne (Mainkanalisierung und Main-Donaukanal) würde ganz Süddeutschland, soweit es die Verbindung mit der Nordsee auf dem Wasserwege zu inchen gezwungen ist, fast ausschließlich auf den holländischen Hafen Rotterdam angewiesen sein. Mögen daher Nord und Süd in dieser neu aufgeworfenen nationalen Frage einmütig zusammenstehen.
Keine neue Militärvorlage. Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt: „Vor einigen Wochen brachten mehrere Zei- tungen die Nachricht, daß die Einbringung einer neuen Militärvorlage bevorstehe. Wir haben damals diese Nachricht als blanke Erfindung bezeichnet. Trotzdem wird sie jetzt in gewissen Blättern wiederholt. Auf Grund von Erkundigungen an zuständiger Stelle sind wir zu der Erklärung ermächtigt worden, daß auch die neueren Mitteilungen jeder tatsächlichen Unterlage entbehren. Eine Verquickung derReichsfinanzreform mit einer solchen Vorlage, in der in einigen Zeitungen die Rede war, ist niemals in Aussicht genommen gewesen.
Als deutscher Militärbevollmächtigter am Zarenhof ist Herr von Hinze, bisher Marine-Attachö in Petersburg, in Aussicht genommen.
Das Komitee der Internationalen Schiedsgericht- und Driedeusvereinigung in London nahm folgende Resolution an: In Hinsicht auf gewisse unbedachte Ausführungen in der Presse und anderswo, die die Gefahr eines Krieges zwischen England und Deutschland herauf- beschwören, legt das Komitee der Regierung Seiner Majestät die Pfiicht nahe, mit Deutschland ein Abkommen von ähnlicher Art zustande zu bringen, wie eS glücklicherweise zwischen diesem Lande und Frankreich besteht, dadurch die Gefahr eines Krieges zu beseitigen und ein gegenseitiges Uebereinkommen zur Beschränkung derjenigen Rüstungen möglich zu machen, die für die Bevölkerung beider Länder eine so schwere Last sind. Das Komitee nimmt die Gelegenheit wahr, bie- jenigen, die in Deutschland an demselben Werk arbeiten, seiner herzlichen Achtung zu versichern.
Die Deutschen in der siamesischen Postver- Waltttttg. Bekanntlich steht daS siamesische Post- und Tklcgrapheuwesen unter der Leitung eines deutschen Landsmannes, deS Herrn Th. Coll m a n n , der die Stelle eines Generaldirektors des siamesischen Postwcsens bekleide«. In wie hohem Grade Generaldirektor Collmann daS Vertrauen der siamesischen Regierung genießt, beweist der Umstand, daß er mit der Vertretung Siams auf dem kürzlich abgehaltenen Internationalen Telegraphenkongresse zu. Lissabon beauftragt worden ist. Gleichzeitig hat Herr Collmann seinen europäischen Aufenthalt dazu benutzt, um im Auftrage der Regierung von Siam für die dortige Postverwaltung wieder einen Deutschen, und zwar einen Telegraphenbeamten, zu verpflichten. Der
neue Beamte soll hauptsächlich als Leiter des Telegraphen» und Fernsprechwesens beschäftigt werden, sowie auch als JN' spektor der schon vorhandenen Linien im Innern tätig sein. Als besonders geeignet ist der Telegraphensekretär Herr Zißwiller aus Rixheim im Elsaß, der sich während eines sechsjährigen Tropenbienstes in Ostafrika bereits trefflich bewährt hat, ausgewählt worden. Die Verhandlungen sind zum Abschluß getan j und Herr Zißwiller wird Mitte September die Ausreise nach Siam antretcn. Di« von einigen Zeitungen gebrachte Mitteilung, Herr Zißwiller sei der neue siamesische Generalpostmeister, beruht also auf einem Mißverständnisse, da Herr Collmann in seiner leitenden Stellung verbleibt. Es ist erfreulich zu sehen, welches Vertrauens die deutschen Beamten sich bei der siamesischen Regierung fortgesetzt erfreuen.
Zum Präsidenten der Regierung in Frankfurt a. O. ist der vortragende Rat im Ministerium des Innern, Geheimer Oberregierungsrat von Schwerin ernannt worden.
Ministerbegegnung. Aus Wien, 3. September, wird berichtet: Der Minister des Aeußern Frhr. v. Aehren- thal hatte heute in Ischl beim Kaiser Audienz. Er berichtet« über die allgemeine politische Lage und seine für morgen, bevorstehende Zusammenkunft mit dem italienischen Minister des Aeußern Tittoni in Salzburg. Der „Neuen Fr. Presse" wird aus Berlin berichtet, daß Frhr. v. Aehrenthal auch mit dem deutschen Minister des Auswärtigen v. Schoen in Berchtesgaden oder Salzburg eine Zusammenkunft haben wird.
De^r sozialdemokratische Verein zn Nürnberg stimmte nach langen Auseinandersetzungen der Annahme des Budget durch die sozialdemokratische Landtagsfraktion zu.
England und Venezuela. Wie das Reutersche Bureau erfährt, ist das Londoner Auswärtige Amt ohne Nachricht über die Absichten, die dem englischen Gesandten in Caracas in der Meldung über die Reise desselben nach Trinidad zugeschrieben werden. Dem genannten Burean ist mitgeteilt worden, daß zwischen England und Venezuela keine Frage in der Schwebe sei, die brennend genug wäre, um eine solche Reise nötig zu machen. Wahrscheinlich sei es indessen, daß der Gesandte nach Trinidad gehe, um eine Klage zu untersuchen, welche die englischen Kaufleute über die ihnen von Seiten der venezolanischen Regierung zuteil gewordene Behandlung erhoben. Den Hauptbeschwerdepunkt der westindischen Händler bilde die Auferlegung eines 30prozentigen Zuschlagdifferentialzolles auf Waren, die von Westindien in Venezuela eingeführt werden. Die Angelegenheit fei schon vor einiger Zeit der Gegenstand von Verhandlungen und Vorstellungen zwischen der britischen und der venezolanischen Regierung gewesen.
Das liberale britische Parlamentsmitglied Thomas Cairns, das Haupt der Schiffseignerfirma Cairns, Noble u. Co. in Newcastle sowie Vizepräsident der internationalen Vereinigung der Schiffseigentümer, ist gestorben.
Die Griechen haben ein Nationalprogramm aufgestellt, dessen wesentlichste Fundamentalartikel sind: 1. Respektierung der Privilegien der Patriarchatskirche. 2. Wahl von griechischen Abgeordneten im Verhältnis zum BevölkerungS- anteil ins Parlament. Die Haltung der Griechen in der Türkei zum neuen Kurse findet bereits die Würdigung der einflußreichen Kreise. Man erkennt in den Griechen ein starkes Band für die Integrität der Türkei und die Zentralisierung der Staatsgewalt in Konstantinopel. Man beginnt die Lebensbcdingungcn des Hellenismus in der Türkei als staatserhaltcndes Element zu begreifen. Die Griechen rechnen auf den Schutz der türkischen Administration. Sie sind überzeugt, daß das freie Bekenntnis zum Griechentum durch nationalistische bulgarische Definitionen des Nationalitäten- begriffes nicht eingeschränkt werden wird. Die Bulgaren haben jüngst im Vilajet von Monastir eine Reihe von Kirchen gewaltsam in Beschlag genommen, die Besitzstand der Patriar- chaiSkirche waren. Die Griechen sind überzeugt, daß in dieser Hinsicht die neue türkische Verwaltung die Rechts- grundsätze, die bisher gegolten haben, respektieren werde.
Für Auswanderer nach Argentinien und für solche, die an der Auswanderungsbewegung irgendwie Interesse haben, ist ein Bericht recht lehrreich, den der in Buenos Aires ansässige und tätige „Verein zur Förderung ger- manischer Einwanderung" über seine Erfahrungen im verflossenen Monat Juni erstattet. Die Mitteilungen deS „Vereins'für das Deutschtum im Ausland" entnehmen dem Bericht die folgenden Angaben: ES haben während deS Monats Juni 160'Personen die Dienste des Vereins in Anspruch genommen. ES waren 86 Vakanzen angemeldet, von denen 72 besetzt werden konnten. Das Ergebnis ist angesichts der flauen Geschäftslage recht erfreulich, zeigt eè doch, daß der Arbeitsmarkt noch ziemlich aufnahmefähig ist.