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General-Anzeiger

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' Erscheint täglich mit Ausnahme der Sann« und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 180

Fernsprechanschlutz Nr. 605

Dienstag den 4. August

Fernsprechanschluß Nr. 605.

1908

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Die landespolizeiliche Abnahme der Linie Westbahnhof Logenstraße der Hanauer Straßenbahn findet

Mittwoch den 5. ds. Mts., nachmittags 1'/« Uhr, vom Westbahnhof ab statt.

Einwendungen gegen die Art der Ausführung der Bahn und ihren Nebenanlagen können im Termin an Ort und Stelle angebracht werden.

Hanau den 4. August 1908.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8067 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.

Politische Run dich au.

Die Reise des deutsche»» Kaiserpaares nach Schweden.

Stockholm, 3. August. Der Tag für die Ankunft deS deutschen Kaiserpaares beginnt mit schönem Wetter, ob­gleich die Luft nicht ganz klar ist. Die Stadt ist mit deutschen und schwedischen Fahnen reich geschmückt. Große Menschenmassen sind in Bewegung.

Stockholm, 3. August. Das deutsche Geschwader nahm um 5 Uhr morgens bei dem Almagründen-Feuerschiff die Lotsen an Bord. Das schwedische Geschwader, das um 4 Uhr von Landhamm abgegangen war, traf das deutsche Ge­schwader um 6 Uhr auf dem inneren Almagrund, worauf beide Geschwader die Reise nach Stockholm fortsetzten.

Stockholm, 3. August. Die Zeitungen bieten heute in ihren Leitartikeln dem deutschen Kaiserpaar Willkommen. Vier Zeitungen schreiben in deutscher Sprache.Stockholms Dagebladet" schreibt: In friedlicher Hochsommerpracht liegt unser schönes Land zum kaiserlichen Besuch bereit und es ist unser Aller lebhafter Wunsch, daß Kaiser Wilhelm und seine Gemahlin die angenehmsten Er­innerungen an diese Sommerreise mit sich nehmen mögen. Svenska Dagebladet" schreibt: Unser Aller Wunsch ist vor allem, im Frieden zu leben. Im Gefühle quellender Kraft sieht sich Deutschland in der Welt um. Welche Verschieden­heiten auch zwischen den Staaten und ihren Bahnen verur­sacht werden mögen, das uns einende Band der Erinnerungen wird niemals gelöst werden.Stockholms Tidningen" schreibt: Kraftvoll und im Bewußtsein seiner Kraft steht Deutschlands Kaiser in vieler Beziehung vor uns als Typ der deutschen Nationalität, die ihre politische Einheit in dem modernen Deutschen Reiche hat. Als höchste Repräsentanten

Kunst und Leben.

Bon Sven Hedin, über dessen Schicksal schon ernste Befürchtungen gehegt wurden, ist ein erster Bericht über seine neueste Reise durch Tibet eingetroffen, der in Harpers Monthly Magazine veröffentlicht wird. Der Bericht schildert die Reise von Schigatze bis zu dem Manasarobarsee, dem heiligen See, im westlichen Tibet. Die bedeutsamste Entdeckung auf diesem Wege war die Feststellung eines ge­waltigen Gebirgszuges, der, nahezu parallel mit dem Hima- lajagebirge verlaufend, durch das ganze südliche Tibet sich hinzieht und ausmündet in die Kette der Nyen-tschen-tang-la- Berge, die nördlich von Lhassa in nordöstlicher Richtung ver­lausen. Hier, wo die geographische Wissenschaft bisher nur bas Vorhandensein niederer Höhenzüge annahm gelten doch die großen Seen in Mittcltibet als die Quellen der nördlichen Nebenflüsse des Brahmaputra, erhebt sich eine der gewaltigsten Bergketten der Welt, die in Hohe und Groß­artigkeit nur mit dem Himalaja verglichen werden kann, und von dem bisher keine Landkarte etwas zu berichten wußte. Die Nyen-tschen-tang-la-Gruppe südlich des Tengri Nor war bereits mehrfach durchkreuzt worden, so auch von Littlednle. Aber daß diese Kette sich noch nahezu 1200 englische Meilen wcstnordwcstlich fortsetzt, wird erst jetzt durch Sven HedinS Reise bekannt. Es ist gewiß, daß sie auch ostwärts sich weiter fortsetzt und so insgesamt eine Länge von ungefähr 2000 Meilen besitzt. Die durchschnittliche Höhe der Pässe übersteigt die des Himalaja um mehrere hundert Meter, wenngleich die höchsten Gipfel mit denen des südlicheren Ri­valen sich nicht messen können. Es fehlt nicht an gewaltigen Schncegipfeln, die sich vornehmlich im nördlichen und südlichen Teil des Gebirges erheben, während die übrigen Gruppen verhältnismäßig flach sind. Die Tibetaner haben für das xmiue Gebirge keinen einheitlichen Namen und benennen die

deS uns nahe verwandten deutschen Volkes begrüßen wir das Kaijerpaar im Namen deS schwedischen Königshauses und unseres Volkes.Dagens Nyheter" schreibt: Wir können ebenso gut und ohne Vorbehalt die starke Stellung Deutschlands in den Berührungspunkten der Jetztzeit aner­kennen, wie in unseren historischen Erinnerungen. Wir sind sicher, daß eine Gemeinschaft mit Deutschland uns in keiner Weise Beschwerden machen wird. Wir können uns an das bekannte Königswort halten, daß die schwedischen Waffen und die deutschen Waffen niemals gegeneinander werden gewandt werden.

Stockholm, 3. Aug. Der König und die Königin mit Gefolge begaben sich, begleitet vom Minister des Aeußern v. Trolle und dem schwedischen Gesandten in Berlin Grafen Taube, um 8 Uhr 45 Min. an Bord des Königsschiffes. Mit demDrott" folgten auch die dem Kaiser Wilhelm attachierten Herren t General Gadd, erster Hofjägermeister Graf Thott, Kommandeur Lagerkrantz, Oberst Huld und der schwedische Mititärattachee in Berlin Kapitän de Schenfeld, sowie die Ehrendame Gräfin Gylbenstolpe und Oberst Kammerjunker Graf F. v. Rosen, die der Kaiserin aitachiert sind. Unmittelbar nach der Ankunft der königlichen Herr­schaften setzte sich derDrott" in Bewegung, eskortiert von vier Torpedobooten und unter dem Salut des Kastell Holm und der auf dem Flusse verankerten fünf Panzerschiffe, die dem Küsten-Geschwader und der Seekriegsschul - Abteilung angehören. Direkt vor Fjaederholmene ankerte der Drott". Während die Mannschaften in den Raacn aufenterten, brach die Mannschaft des in der Nähe liegenden Stockholmgeschwaders in Hurrarufe aus. Gleich­zeitig wurde dieHohenzollern" beobachtet, die kurz darauf die schwedische Königsflagge salutierte. Um 9 Uhr 30 Min. passierte dieHohenzollern" unter dem SMUUhes Stockholm- geschwaders Fjaerderholmene und begrüßte denDrott". Direkt hinter derHohenzollern" folgten das Depeschenboot Sleipner", der KreuzerStettin" sowie ein deutsches Torpedoboot. Die schwedische Eskorte bestand aus den TorpedojägernVale" undMagne" sowie acht Torpedo­booten. Die eskortierenden Schiffe ankerten in der Nähe des Drott". Der König und die Königin, der Minister des Auswärtigen v. Trolle, der Gesandte Graf Taube und das Gefolge begaben sich darauf in zwei Booten nach derHohen­zollern". Um 9 Uhr 50 Min. kamen der König und die Königin auf dem Kaiserschiffe an und gleichzeitig wurde die schwedische Königsflagge auf dem Top des Großmastes der Hohenzollern" unter dem Salut des KreuzersStettin" gehißt. Gleich darauf ging die Fahrt nach Stockholm weiter. An der Spitze der Flottille gingen die TorpedojägerVale" undMagne"; danach folgte dieHohenzollern"; das DcpeschenbootSleipner", der KreuzerStettin", das deut­sche Torpedoboot, sowie 12 schwedische Torpedoboote folgten einzelnen Teile mit verschiedenen Bezeichnungen. Sven Hedin schlägt vorfl für das ncuenldeckte Gebirge den Namen der bis­her bekannten Gruppe, Nyen - tschen - tang - la, anzuwendcn. Zweimal hat er den gewaltigen Gebirgszug gekreuzt; das erste Mal, als er ungeachtet der Schwierigkeiten, die die tibetanischen und chinesischen Machthaber im bereiteten, von Schigatze aufbrach, um den heiligen See nördlich von TarguS- Gangri zu erreichen, den Daizgra-jumtscho. Aber kurz vor den Ufern des Sees traten ihm die bewaffneten Diener des Distrikisbeamicn entgegen und nötigten ihn mit seiner Truppe zur Umkehr. Auf dem Rückwege emdeckle der Forscher südlich des heiligen Sees eins der größten Binnengewässer von Tibet, den Schnro-Tso-See. Nur durch die Studien und die karto­graphischen Aufnahmen aufgehalten, kreuzt er jetzt zum zweiten Male das große Nyen-tschen-tang-la-Gebirge und die Expedi­tion macht Halt in Tradum. Hier findet Sven Hedin, der in Schigatze nur durch seine zähe Ausdauer sich gegen die angekündigte Ausweisung aus Tibet behauptet hatte, einen freundlicheren Beamten, der ihm die Fortsetzung seiner kühnen Reise erleichtert. Der Forscher entschloß sich, sich südwärts zu wenden, um Sie Wasserscheide des nördlichen Himalajas zwischen dem Hochland von Tibet und den Ebenen zu er­reichen, und dringt bis nach Nepal ein. Allein, da Sven Hedin damit rechnen mußte, daß bei einem zu weiten Vor­dringen nach Süden ihm der Wiedereintritt nach Tibet . ver­legt werde, kehrte er, immer auf verbotenen Pfaden reisend, um und setzte seine kartographischen Aufnahmen der nördlichen Ausläufer des Himalajas fort. Seit jeher galt der Mayum-tju, der aus dem Manumla aus dem fernsten Westen kommt, als die Quelle des Brahmaputra. Sven Hedin hatte schon immer daran gezweifelt, daß ein so gewaltiger Strom in der niederen Furche eines läng­lichen Tales seinen Ursprung haben sollte. Mit Hilfe eines Bootes vermaß er alle die Flüsse, die den Brahmaputra bilden, und folgte dem bei weitem größten von ihnen bis zu einer Stelle, wo er aus schmelzendem Schnee und Eis an

in zwei Linien. Nachdem die Flottille auf dem Flusse vor Anker gegangen war, begaben sich der König und die Kö­nigin gleichzeitig mit ihren hohen Gästen um 11 Uhr 50 Min. in der Königsschaluppe nach Loegaardstrappen unter dem donnernden Kanonensalut der verankerten Schiffe. Kaiser Wilhelm trug schwedische Admiralsuniform mit dem Band« des Seraphinordens, König Gustav trug die deutsche Uni­form des Grenadier - Regiments zu Pferde,Freiherr von Derfflinger-Bromberg" mit dem Ordensbande des Schwarzen Adlerordens.

Stockholm, 3. August. Als der Kanonensalut die An­kunft derHohenzollern" auf dem Flusse meldete, waren sämtliche in Stockholm anwesende Mitglieder der königlichen Familie im Empfangspavillon versammelt. Auf dem Platze vor dem Pavillon waren für die Mitglieder des Stadtrate« mit ihren Damen sowie der Presse Sitze reserviert. Außer­dem waren anwesend die Staatsmiuifter, der Oberkomman­dant Stockholms, der Chef der Flottenstatiou, der Oberstatt­halter, der Chef für den Stab des Königs und der deutsche Generalkonsul in Stockholm, Krencki. Der deutsche Gesandte Graf Pückler fuhr auf einem schwedischen Torpedoboot dem deutschen Kaiserschiffe bis Vaxholm entgegen. Nachdem bie Hohenzollern" Anker geworfen hatte, kamen in kleinen Dampfpiuasscn die Majestäten mit ihrem Gefolge, der Minister des Aeußeren, v. Trolle, der deutsche Gesandte, Graf Taube und die Mitglieder der deutschen Legation an. Um/sll Uhr landete die königliche Schaluppe. Nach der Borstellung brachte der Präsident des Stadtrates Dr. von Friesen einen Hochruf auf den Kaiser und die Kaiserin aus, der mit einem kräftigen Hurra erwidert wurde. Der Kaiser unterhielt sich kurze Zeit mit Dr. v. Friesen. Der König führte darauf den Kaiser zu der Ehrenkompanie, die die deutsche Nationalhymne spielte. Darauf bestiegen- die Majestäten und die Königlichen Hoheiten die Wagen und fuhren die kurze Strecke nach dem Schloß. In dem ersten Wagen saßen ein Kammerherr mit zwei Adjutanten, dem zweiten, vor welchem eine Leibgardeeskadron ritt, der Kaiser und der König, im dritten die Kaiserin und die Königin, begleitet von einer Eskadron der Leibregiment-Dragoner. In den nachfolgenden Wagen saßen die übrigen königlichen Hoheiten mit ihrem Gefolge. Laute Hurrarufe ertönten als sich die Wagen in Bewegung setzten und begleiteten sie bis in den Burghof des königlichen Schlosses. In den Schloßwölbungen empfing der Reichsmarschall, der Statt­halter des königlichen Schlosses und der Oberhofmarschall die Herrschaften. Auf der Treppe paradierten Grenadiere mit Fahne und Musik und Trabanten Karls XI. Unter feierlichen Zeremonien passierten die Majestäten die Gemächer und betraten die für sie reservierte Zimmerflucht.

Stockholm, 3. Aug. Der König verlieh dem Kaiser das Großkreuz des Wasaordens. Der Kaiser empfing eine dem gewaltigen Glacis des Himalaja, am Kubi-gangri, sich bildet. Von diesem Punkt auS fließt er zum Kubi-tsangpo hinab, d. h. zum Brahmaputra. Nun wandte Sven Hedin sich wieder nach Norden, entließ bei Taschen den größten Teil seiner Karawane und setzte mit nur vier Pferden und zwei Mauleseln, nur von wenigen Dienern begleitet, die Reise nach dem berühmtesten aller Seen, dem heiligen See Manasarobar, fort. Er ist das Ziel unzähliger Hindupilger­züge und seit den Tagen der Vedas gilt er sowohl den Hindus als auch den Gläubigen der Lamapriester als die Heimat der Götter und höchstes Heiligtum. Schon in Indien hatte Sven Hedin von den Hindus Briefe erhalten, in denen er gebeten wurde, den See und den heiligen Berg Kalai« zu erforschen, und sie gelobten dem Forscher für alle Mit­teilungen, ihn int Gebet zu preisen und den Segen ihrer Götter auf ihn herabzuflehen. Ein Bad in dem heiligen See verleiht dem Hindu Unempfänglichkeit gegen die Macht der Sünde und eine Pilgerschaft zum See und zu den umrah­menden Bergketten befreit den Tibetaner vons den Qualen des Fegefeuers und läßt ihn nach dem Tode zu Füßen der Götter sitzen und aus goldenen Schüsseln die Tsamba essen. Zum ersten Male betrat ein Europäer diesen geheiligten Boden. Noch in unmittelbarer Nähe des westlichen ArmeS des Brahmaputra fand Sven Hedin die Quellen eines kleinen Flusses, des Tage-Tsangpo. Dieses kleine Flüßchen ist der größte Wasserlauf, der seine Fluten in den Manasarobar er­gießt. Zur Zeit von Sven Hedins Anwesenheit führte er dem See elf Kubikmeter Wasser in der Sekunde zu. Sein« Quellen, zwei kristallklare kleine Sprudel, gelten als heilig und find von allerlei Reliquien, Fahnen, Hörnern und un­zähligen heiligen Inschriften umgeben. Der Wasserlauf erregte sofort Sven HedinS Aufmerksamkeit ; sein Instinkt sagte ihm, daß er hier an der Quelle deS Sudlej stehe. Die weiteren Untersuchungen bestätigten seine Annahme. Der Tage-Tsangpo mündet in ben Manajarobar, durch einen unterirdischen Ab­fluß führt der heilige See seine Wasser in den benachbarten