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nehmigung der Landstände zur Vorführung einzuholen und die Verhandlung auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Der Gerichtsbeschluß betreffs des VorsührungsbefchIS kam nicht zur Aussührung. wie es heißt, auf Weisung der Großherzog- lichen General-Staatèanwaltschast. Auf Ersuchen Hirschels und seines Verteidigers zu Beginn 1008 wurde nunmehr der Termin zur Hauptverhandliing von der Beschlußkammer auf den 3. April anberaumt. 30 Zeugen sind geladen, darunter Geh. Reg.-Rat HaaS-Darmstadt, Landlagspbgeordneter Bähr- Herrenhaag, Kaufmann Carl Ullrich-Friedberg, die Rlit- niieber des Vorstandes der Landwirtschaftlichen Hauptgenossen, schäft Friedberg, Leutnant a. D. Adolf Wolf-Heidelberg, früher in Friedberg, Oekonomierat Schiente, Oekonom Kalb- benn-Vilbel, Möbelfabrikant Martin. Reuß-Friedberg usw. Den Vorsitz wird in der Verhandlung Landgerichtsdirektor Büchting führen, die Anklage Oberstaatsanwalt Theobald ver­treten. Die Verteidigung liegt in den Händen deS Offen­bacher Rechtsanwalts o. Brentano.

Der Bund der Landwirte, die Landlastskandi» datur und das Leheerbesoldungsgesetz.

Gelttsiausen, 28. März.

Am 26. dS. MtS. fand im Deutschen HauS in Geln, Hausen eine Versammlung der Vertrauensmänner des Bundes der Landwirte aus den Kreisen Gelnhausen und Schlüchtern statt, welche den Be­schluß faßte, für die neuen Landtagswahlen die Kandidatur Meyenschein zu unterstützen. Abg. Meyenschein war !»gegen und legte u. a. seine Stellung zum Lehrerbe- oldungsgesetz folgendermaßen dar:

Die Konservative Partei des Landtags hat folgende Forderungen für das Lehrerbesoldungsgesetz ausgestellt und wird sie nit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft vertreten:

1. In dem neuen Lehrerbesoldungsgesetz muß mit dem nicht mehr zeitgemäßen Prinzip, die Lehrergchâlter nach den örtlichen Verhältnissen zu bemessen, gebrochen werden. Denn die moderne Entwickelung des Verkehrs hat t# bewirkt, daß die Kosten der Lebenshaltung für eine Bc- amtenfamilie auf dem Lande im allgemeinen dieselben sind, wie in der Stadt. Sollten in der Stadt die Preise der Lebensmittel zind die Ausgaben für geselliges Leben etwas höher sein als auf dem Lande, so wird dies reichlich durch höhere Aufwendungen, welche der Arzt, die Kindererziehung und die Annehmlichkeiten des Lebens auf dem Lande er­fordern, ausgeglichen. So berechtigt der Grundsatz derört­lichen' Verhältnisse" in den Zeiten der Raturalwirlschafl ge­wesen sein mag, so hat er doch heute zu unleidlichen Härten geführt, welche besonders auch dann von dem Lehrer schwer tmpfunben werden müssen, wenn er in Pension geht. Dieser Grundsatz hat es feriiggebracht, daß wir heute in der Monarchie für Leute, welche gleiche Vorbildung und gleiche Arbeit haben, 238 verschiedene Gehalissysteme zählen. Be­sonders dir verschiedenen Sätze der Alterszulagen machen die Härten dieses Systems noch empfindlicher. So kommt es, daß Lehrer, deren Grundgehälter um 200 Mk. differieren, m Endgehalt eine Differenz von 6700 Mark haben. Dieser Tatbestand zwingt zu der grundsätzlichen Forderung: Die Lehrergehälter sollen für den ganzen Um- 'ang der Monarchie in Stadt und Land gleich sein. Diese Forderung wird nicht nur im Interesse der Lehrer, sondern ebenso in dem der Volksschule und damit im Interesse des ganzen Volkes eihoben. Es kann nicht ge- »uldet werden, daß die Landbevölkerung, die man mit Recht ils den Jungbrunnen der deulschcn Volkekraft bezeichnet hat, von Lehrern zweiter oder dritter Klasse erzogen werde. Dies ivürde aber einireicn, wenn man den Landlehrer, der meist «eben seiner amtlichen Tätigkeit noch ehrenamtlich für die -virtschaftliche und geistige Hebung seiner-Gemeinde in Ge- ilossenjchafien und Vereinen eine segensreiche Tätigkeit ent« faltet und nach Lage der Dinge entfalten muß, von GesetzeS- wegen schlechter stellen wollte, als den Siadtlchrer. Darum fordert die Konservative Partei grundsätzlich:Gleiche Ge­hälter für Stadt und Land". Nach dem Negierungsentwurf, der, wie verlautet, drei Gehaltsklaffen für die Lehrer vor­sieht, würden übrigens sämtliche Schulverbände unseres -Wahlkreises, auch die in den Städten Gelnhausen und Schlüchtern in die unterste Klasse kommen. Sollte man für ganz große Städte mit abnorm ho'en Truerungsverhält- nissen eine höhere Bemessung des Einkommens für nötig

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halten, so mag dies durch nichtpenstonssâhige Teuerungszu­lagen erreicht werden.

2. Auch das andere Prinzip, nach dem bisher die Lehrer- gehälter bemessen wurden, die Leistungsiähigkcit, der Einzel- Genikinde, kann nicht mehr in dem seitherigen Umfang auf­recht erhalten werden. Auch dieser Grundsatz ist nicht mehr zeitgemäße Denn die Erträgn ffe der Aufwendungen, welche eine Gemeinde für die Schule ihres Ortes macht, kommen infolge der ganz veränderten Lagerung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse vielfach gar nicht mehr so wie ehedem ihr selbst zu gute, sondern der Allgemeinheit, vor allem den Industrie­zentren, nach welchen die in der Landgemeinde ausoebildeten Kräfte abwandern, um dort für die neue Gemeinde steuer­bare Werte zu schaffen, an welche die alte Gemeinde trotz mehrfacher gesetzgeberischer Versuche nicht heran kann, in« folgedessen sie mehr und mehr verarmt. Dieser Tatbestand zwingt zu der grundsätzlichen Forderung: Die Mehrkosten, welche eine gleichmäßige und der Bedeutung der Volksschule entsprechende Lehrerbesoldung erfordert, müssen von der All­gemeinheit der Steuerzahler, also aus Staatsmitteln aufge­bracht und dürfen nicht den Gemeinden aufgebürdet werden. Diese Forderung wird ebenso sehr im Interesse der Lehrer wie der Gemeinden erhoben. Es muß als eine un» leidliche Härte empfunden werden, wenn armeLandgememden gezwungen sein sollen, 2300 Proz. Steuern für die Aus­bildung und Erziehung ihrer Kinder zu erheben, um sie dann als tüchtige Werleschaffer in die Stadt ziehen zu sehen, die, wie z. B. in Berlin, nur 68 Proz. für ihre Schule auf« wendet. Ebenso muß es als eine unleidliche Härte empfunden werden, wenn ein Lehrer, der ein Menschenleben lang in einem abgelegenen Haide- und Gebirgsdorf aushäli, zu den mancherlei damit ve> bundenen Entbehrungen auch noch das drückende Gefühl haben soll:Du beschwerst mit deinem not­dürftigen Gehalt deine arme Gemeinde/ Darum fordert die Konservative Partei grundsätzlich: Die Mehrkosten des neuen LehrerbesoldungSgesetzeS hat der Staat zu tragen. In dieser Richtung hat sie bereits bei dem Schulunterhaltungsgesetz gesetzgeberisch ge­wirkt.

Wie diese beiden Ziele im einzelnen zu erreichen find", so schloß Abg. Meyenschein seine Darlegungendarauf kann ich mich nach Lage der Dinge nicht frstlegrn. Das muß der Gang der Verhandlungen ergeben. Jedenfalls werden aber dabei von mir und meiner Pariei die wertvollen Arbeiten, welche einzelne Landlehrer wie z. B. Hermann-Friedersdorf auf diesem Gebiet gemacht haben, die ihnen gebührende Be­achtung finden." Die Versammelten erklärten sich durch diese Ausführungen durchaus befriedigt und beschlossen, wie gesagt, nach Behandlung einiger anderer Punkte einstimmig die Kandidatur Meyenschein von Bundeswegen zu unter­stützen.

fandet Gewerbe und Verkehr.

Frankfurt a. Al., 2. April. Der Viehmarkt war gestern mit 1546 Schweinen befahren. Es kosteten Schweine 1. Qualität 59 Pfg., 2. Qualität 58 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht. Das Geschäft ging mittelmäßig; es ver­blieb kein Ueberstand. Die Zufuhr betrug 14 Doppel- waggonS und 2 Waggons.

Drahtnachrichten

Schonung.

Wien, 3. April. Der Kaiser nimmt an den kirchlichen Feierlichkeiten in der Charwoche und zu Ostern nicht teil, um jede Anstrengung zu vermeiden. Auch die Fußwaschung der Greise durch den Kaiser in der Charwoche unterbleibt diesmal, zum ersten Male seit 60 Jahren.

Seeverklarung.

Christiani«, 2. April. Am 1. April fand hier die Seeverklarung wegen der Explosion der BarkeEnklewood" auf der Mandaler Reede statt. Sie ergab, daß die Be­satzung an dem Unglück, keine Schuld hatte. Der vordere Teil des Schiffes ist ganz abgebrochen. Nur eine Leiche wurde gefunden.

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Kandidatur.

Fndianapokiö, 1. April. Die republikanische Partei des SlaatcS Indiana beschloß die Wahl die DizeprAsidenteri Fairbanks zum Präsidenten zu unterstützen. In einem Brief« Fairbanks, der in der heutigen S'tzung verlesen wurde, tritt derselbe dafür rin, daß die Tarifrevision unmittelbar nach der Präsidentenwahl und nicht erst im Frühjahr 1909, dem in Roosevelt'« jüngster Botschaft dem Kongresse vorgeschlage- nen Termin, vorgenommen werde. Fairbanks ist der Än- sicht, daß nur einige Tarifänderungen erforderlich seien; diese Aenderungen sollen sobald als möglich erfolgen.

Gegen die Spielantomaten.

Magdeburg, 2. April. Das Landgericht verurteilte den Besitzer eines Spielautomaten zu 3 Tagen Gefängnis.

Erhängt.

Guben, 2. April. In Zablow bei Dresden erhängte sich rin Hjährigrr Hütejunge aus Furcht vor Strafe.

Hinrichtung.

Bonn« 2. April. Heute irüh gegen 6 Uhr fand auf dem hiesigen Gesängnisbofe die Hinrichtung der drei Kroaten Baicg, Kanlar und Beslac durch den Scharfrichter Gröpel aus Magdeburg statt. Dieselben hatten am 19. Juli v. J. die Wirtseheleute Daniel Naaf und die bei diesen wohnende 88jâhr!ge Winve Lohmar in Durbuich durch Dolchstiche er­mordet und waren vom Schwurgerichte am 27. Oktober v. I. zum Tode verurteilt worden. Die Hinrichtung nahm im ganzen etwa 20 Minuten in Anspruch. Es waren damalS bekanntlich fünf Kroaten zum Tode verurteilt worden, von denen einer, namens Rupcic, sich am abend des UrteilStages erhängte. Der jüngste der zum Tode Verurteilten, Kokotowitsch, ist zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt worden.

Falsche Buchungen.

Petersburg, 2. April. Der frühere russische Gesandte am koreanischen Hofe, Wirkl. Staatsrat Pawlow, hatte nach Bestellung einer vom Zaren bestätigten Untersuchungs­kommission durch falsche Buchungen bei Provianteinkâufen und Krankentransporten während des russisch-japanischen Krieges den Staal um hohe Beträge geschädigt.

Vergifteter Käse.

Berlin, 2. April. DemBerl. Lokalanzeiger" zufolge wurde die 30jährige Frau Gilbert in BourgeS wegen Mordes und Mordversuches an einer ganzen Familie verhaftet. Sie hatte ihrer Base, der Frau Pallot, durch Arsenik vergifteten>r ins Haus geschickt, nach dessen Ge­nuß Frau Pallot starb und sämtliche Familienmitglieder er» krankten. Der Grund der Tat soll Gewinnsucht sein, da Frau Gilbert Interesse an dem AuSsterben der Pallots hatte.

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