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Gcneral-Mzeiger
Anzeiger
Kotati-Kidruck und Verlag der Buchdrucker« bet verebt, CK Waisenhauses in Hanau.
Allltlilbts Orga« für Stadt- «ad Faadkreis Sanaa.
Erscheint tâgllch mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrückungsgebÜyr,
Die fLnfgespalleue Pstitzeile ad« deren Raum 2» Pfz. im Rektamenteil die Zeile SS Wg,
iB«anh»orU. Redakteur r S. Schß,ck«v « HLE.
Nk. 255 Fernsprechanschluh Nr. 605.
Donnerstag den 31. Oktober
Fernsprechanschlufz Nr. 605. 1907
2lmtliches.
Stadt- und Landkreis Ranau*
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird der Landweg von Keffelftadt nach Dörnigheim vom 4» November d. J. ab bis auf weiteres für den Durchgangsverkehr mit Fuhrwerk jeder Art gesperrt.
Hanau den 28. Oktober 1907.
Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.
V 10366 I. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
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Landkreis F)anau.
Bcknütiilchiiiigcn des Kömglichc« LnbratSmts.
Die Räude unter den Schafen zu Dottenfelderhof gilt als erloschen.
Hanau den 29. Oktober 1907.
Der Königliche Landrat.
V 10378 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Unter den Schweinen zu Mainkur ist die Schweineseuche festgestellt worden.
Hanau den 28. Oktober 1907.
Der Königliche Landrat.
V 10386 I. A.: Conrad, Kreissekretär.____________
E Stadtkreis Banau.
■ ’ Bekanntmachung.
Bei der am 28. Oktober 1907 von der I. Wahlabteilung in Hanau-Kesselstadt vorgenommenen Wahl eines Stadtverordneten sind sämtliche abgegebenen Stimmen (7) auf den
Rentier Anton Döring gefallen, der somit gewählt ist.
Gegen das stattgehabte Wahlverfahren kann von jedem Stimmberechtigten innerhalb zwei Wochen nach Bekanntmachung des Wahlergebnisses Einspruch bei uns erhoben werden.
Hanau den 30. Oktober 1907.
Der Magistrat.
Hild. 22453
Bekanntmachung.
Nach Beschluß des Landesausschusses vom 19. September d. Js. soll für das Jahr 1908 die Erhebung einer ein- facheu Viehseuchen-Abgabe für Pferde, Fohlen, Esel usw. — 20 Pfg. für jedes Stück — und einer dreifachen Ab
gäbe für Rindvieh — 15 Pfg. für jedes Stück — statt- sinken. Zur Feststellung der Abgaben, sowie zu statistischen Zwecken ist eine Zählung des Viehbestandes erforderlich und es wird eine solche am 2. November d. Js. bewirkt werden.
Das Verzeichnis über den Viehbestand ist zur Einsicht der Beteiligten vom 6. bis einschl. 19. November d. I. im Stadtsekretariat, Rathaus Zimmer 12, aufgelegt. Anträge auf Berichtigung sind bis zum 19. November d. J. bei der unterzeichneten Behörde, etwaige Reklamationen gegen deren Entscheidungen aber bis einschl. 29. November d. Js. bei dem Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cassel anzubringen.
Hanau den 30. Oktober 1907.
Der Magistrat.
Hild. 22455
Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.
Zimmermann Jakob D i e tz el in Marköbel ist zum Waldschütz der Gemeinde Marköbel auf Widerruf bestellt und verpflichtet worden.
Hanau den 28. Oktober 1907.
politische Rundschau.
Der Kaiser empfing vorgestern nachmittag von 6 Uhr ab den großherzoglich badischen Gesandten Graf v. Bergk- h e i m zur Ueberreichung seines neuen Beglaubigungsschreibens, den Rektor der Universität Berlin Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Stumpf, den P. Schmidt aus Jerusalem in Gegenwart des Chefs des Zivilkabinetts Dr. v. Lucanus, nahm die Meldung des Probstes von St. Petri Dr. Kawerau entgegen und empfing den Gesandten Grafen Tattenbach. Gestern mittag empfing der Kaiser den Prinzen Max von Baden, der morgens in Berlin eingetroffen war und im königlichen Schlosse Wohnung genommen hatte. — Die „Germania" berichtet über den Empfang des P. Schmidt beim Kaiser: Se. Majestät war außerordentlich freundlich und liebenswürdig, die Unterhaltung lebhaft und angeregt. Voll Teilnahme erkundigte sich der Kaiser nach den Fortschritten des Hospizwerks, des Neubaues am Damaskustore, nach der Entwicklung der Schule und den Ergebnissen der gesamten Tätigkeit der Vertreter des katholischen Deutschtums in der hl. Stadt. Er war freudig bereit, an der inneren Ausstattung des neuen St. Paulushospizes sich mit zu beteiligen durch Ausrüstung eines schönen, nach ihm zu benennenden Zimmers; desgleichen auch die Gelehrtenbibliolhek der Anstalt durch Zuwendung von geeigneten Werken orientalischer, biblischer und rabbinischer Litteratur zu heben und
nicht minder auch die naturwissenschaftliche Sammlung durch Ueberweisung gelegentlicher Gaben zu fördern und zu vervollständigen. Als P. Schmidt dem Kaiser von seiner Heimat Westfalen redete und den Besuchen, die er nach langer Abwesenheit mal wieder darin gemacht, fand Se. Majestät Anlaß, auch von den vortrefflichen Eindrücken zu reden, die diese Provinz bei seiner letzten Anwesenheit auf ihn gemacht. Voll des Lobes erwähnte er Münster, das biedere, kernige Volk im Lande der Eichen; freundliche Erwähnung fand Paderborn, das waldige Sauerland usw. Höchst befriedigt von der huldvollen Audienz verließ P. Schmidt das kaiserliche Schloß.
, Die Reichsfinanzen. Die gegenwärtig in Berlin weilenden Finanzminister der Einzelstaaten wurden gestern nachmittag vom Reichskanzler empfangen. Anwesend waren: der bayerische Finanzminister Ruter von Pfaff, der sächsische Staatsminister Dr. v. Rüger, der württembergische Staatsminister Dr. v. Zeyer, der badische Präsident des Finanzministeriums Dr. Honsell, der hessische Finanzminister Dr. Gnauth, der mecklenburgische Staatsrat von Pressentin, der braunschweigische Staatsminister von Otto, der meiningische Staatsminister Freiherr von Ziller, der alten* burgische Staatsminister v. BorrieS, der anhaitische Staats- minister v. Dallwitz, der schaumburgische Geh. Regierungs- rat Bömers und der lippische Staatsminister Frhr.v. Gevekot. Die Herren wurden, soweit sie dem Reichskanzler noch nicht bekannt waren, durch den Staatssekretär des Reichsschatzamtes Frhrn. v. Stengel, vorgestellt. In einer längeren Besprechung wurden die Fragen der Finanzen des Reiches und der Einzeistaaten erörtert.
Österreichisches Abgeordnetenhaus. In bet fortgesetzten ersten Lesung der Ausgleichsvorlagen wiesen die Abgeordneten Maiaryk und Kramarcz den Vorwurf der Postulatenpolitik zurück und erklärten, es sei beschämend, nicht für die Tschechen, daß sie die Erfüllung ihrer Kulturforderungen, sowie ihrer Rechte erkämpfen müssen. Beide Redner sowie der Abgeordnete Dr. Redlich wandten sich aufs heftigste gegen die Unterdrückung der nichtmagyarischen Nationalitäten in Ungarn, die der Abgeordnete Kramarcz als Barbarei bezeichnet. Kramarcz erklärt, er sei für die Erhaltung der wirtschaftlichen Einheit mit Ungarn, welches im Falle der Loslösung Ungarns von Oesterreich eine enge wirtschaftliche Anlehnung an Deutschland suchen müsse, worauf eine enge politische Verbindung entstände, die er perhorrcsziere. Abgeordneter Redlich erklärt, das Ziel der Deutschen in Oesterreich dürfe nicht sein, los von Ungarn, sondern vor allem: Deutsche nach Osten, Oesterreich nach Osten und in Oesterreich die Deutschen voran nach Osten. Das Haus beschloß die Ueberweisung der Ausgleichsvorlagen an einen 52gliebrigen
keuNlrton«
1 Abmmaits-Könjttt te Lrckriemms.
= Hana», 30. Oktober.
In dem am Dienstag abend im Saale der „Concordia" stattgefundenen I. Abonnements-Konzert des Oratorienvereins wurde uns „Das Lied von der Glocke" von Max Bruch vermittelt. Der Komponist dieses bedeutsamen Werkes hat sich durch seine Männerchorwerke: „Frithjof", „Schön Ellen", „Römischer Triumphgesang", „Achilleus" u. a. als ein erfindungsreicher und bedeutender Komponist der Neuzeit erwiesen, der mit den vokalen und instrumentalen Mitteln vertraut ist unb diese glänzend zu verwerten weiß. Aber auch seine Chorwerke für gemischten Chor, ganz besonders „Das Lied von der Glocke" für Chor, (Solostimmen und Orchester zeigt uns des Meisters innigstes Vertrautsein mit allen Mitteln kontrapunktistischer Kunst.
Dem Hauptinhalt nach hat Bruch aus dem wundervollen Schillerschen Text durch lebendige, kraftvolle Rhythmen, glänzende Formen, farbenprächtige Instrumentation ein hochbedeutsames und interessantes Werk geschaffen, das der Oratorienverein am Dienstag abend zu glänzender Wirkung brachte. Die gewaltigen, zum Teil kraftstrotzenden und dankbaren Chöre waren wohl vorbereitet. Sie klangen in der Aufführung frisch und sicher und kamen gut phrasiert zum Vortrag. Namentlich gelangen die den Chören eigenen charakteristischen Eigentümlichkeiten. Wenn wir einige Chöre als besonders gelungen bezeichnen, so sind es: „O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen" und das anschließende prachtvolle Adagio: „O daß sie ewig grünen bliebe", „Hört ihr's wimmern hoch vom Turm" und „Heilge Ordnung, segensreiche Himmelstochter". In diesem Chor bewährte sich der Sopran als ganz vorzüglich. Namentlich die boben Vaüaaen
(bis zum hohen b) kamen tadellos zu Gehör. Aber auch die andern Stimmen taten vollauf ihre Schuldigkeit. Wir hatten den Eindruck, daß jedes Mitglied die ernst- schwere Aufgabe, die ihm hier gestellt war, fühlte und erfaßte. Die Stimmen klangen bis zuletzt, trotz der zuweilen starken Orchesterstürnie, rein und voll und folgten dem trefflichen Dirigenten, Herrn Dr. Limbert,'in allen seinen Intentionen, der den Taktstock temperamentvoll und unter sichtbarer Beherrschung des musikalischen Stoffes schwang.
An dem guten Gelingen der- Aufführung nahmen auch die Solisten lebhaften Anteil. Der Komponist Bruch hat den Solisten keine leichte Aufgabe zugewiesen. Hier gab es auch technische Schwierigkeiten zu überwinden. Wir können aber sagen, daß die Solisten ihrer Aufgabe vollauf gerecht wurden. Die Sopran-Partie vertrat Frau Minna Obsner, Konzertsängerin aus Essen. Ihre Stimme klang sehr anmutig und ansprechend, namentlich auch in den hohen Lagen. Neben einer vorzüglichen Atemtechnik ist ihrem Vortrag Wärme und Seele nachzurühmen. Das Publikum nahm die Darbietungen dankend entgegen. In Frl. Martha Stapelfeldt aus Berlin lernten wir eine Altistin kennen mit ausgeprägtem Alttimbre. Ihr warmempfundener Vortrag zeugte von gründlicher Schulung, Verständnis und Geschmack. Auch dieser Künstlerin wurde reicher Beifall gezollt. Herr Heinrich A p p u n n (Baß) bot ebenfalls eine gut ausgearbeitete mit klangschönen Mitteln belebte Leistung, die reiche Anerkennung verdient. Neben ihm war es der Tenorist Herr Wolfgang Ä n k e n b r a n k - Nürnberg, der die Tenorpartie, unterstützt durch gute Schulung und männliche Kraft, in charakteristischer Weise und mit seelischem Empfinden sang. Jedoch wurde durch ein allzusehr gebundenes Vokalisieren, wodurch der Künstler offensichtlich die Ausdrucksfähigkeit erhöhen wollte und auch erhöhte, die Deutlichkeit des Textes etwas beeinträchtigt. In den Terzetten, Quartetten rc. vereinigten sich die Solisten zu prächtigen Ensembles. Das
Orchester, das sich aus der Kapelle des Jnfanterie-Regmts. Nr. 166 und hiesigen und auswärtigen Künstlern zusammensetzte, spielte ganz vortrefflich. Es folgte den energischen Anweisungen des Dirigenten und erfreute durch seltene Klangfülle. Nur in der Begleitung der Sologesänge wäre etwas mehr Dezenz am Platze gewesen.
Wir beglückwünschen den Oratorien-Verein und seinen Dirigenten zu der prächtigen und in allen Teilen wohlgelungenen Aufführung.
Ter tiierfe „litmrW Abend" i« AMheater.
— Hanau, 30. Oktober 1907.
(„Glga", Nokturnus von Gerhart Hauptmann.)
Da „Elga" nicht das neueste Werk Hauptmanns (wohl aber 'eins seiner schwächsten) ist, (die beiden letzten Stücke Hauptmanns heißen bekanntlich: „Und Pippa tanzt" und „Die lustigen Jungfern vom Bischofsberg"), darf ich den Inhalt des „Nokturnus" wohl als bekannt voraussetzen. Ich will deshalb gleich von der hiesigen Aufführung sprechen. Und die war, um es mit einem Worte vorweg zu sagen, durchaus gut. Das Stück war von Herrn Rudolf Korff ganz entsprechend inszeniert, die dekorative Aus- staitung befriedigte, und auch die im ganzen trefflich nüancierten Einzelleistungen sowie das flotte Zusammenspiel aller Mit- wirkenden machten seiner sorgsamen Regiearbeit alle Ehre. Es ließe sich allerdings darüber streiten, ob die Beleuchtungsfrage in der richtigen Weise gelöst war; meinem Gefühl hätte es mehr entsprochen, wenn das Licht zum Anfang und Schluß eines jeden Traumbildes nicht so grell und plötzlich, sondern stabil geblieben wäre. So wurde die derbe Deutlichkeit des Geschehens zu sehr betont, und die Zartheit deS Traumes, die Kunst der seelischen Uebergänge, litt darunter, meines Erachtens. Auch Herrn Korffs Darstellung des «Grafen Stars chenski" darf man durchweg lobe». et gab