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Die Berhandlim^en zwischen Preußen und Bayern wegen Fortsetzung der M a i n k a n a l i s i e r u n g von Offenbach bis Aschaffenburg sind bekanntlich zu einem be« friebigenben Abschluß gekommen; Preußen bat sich zur Ka­nalisierung der ihm zusallenden Mainsirecke bereit erklärt -egen die Zustimmung Bayerns zur Einführung m^iper Schiffahrthabgaben auf den deutschen Flüssen. Mit Rücksicht hierauf bat nun der Verein zur Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Bayern bereits Veranlassung genommen, die technischen Vorarbeiten aussuhren zu lassen für eine neue Main Donau-Wasserstraße von Aschaffenburg dis Kelheim und für die Verbesserung der Schiffbarkeit der Donau bis Ulm, welch letzteres Projekt auch durch die württembergischen Bestrebungen zur Kanalisierung des Neckars unterstützt wird.

* Der gestrige Dee-Abend des Vaterländischen Frauenvereins bat einen vorzüglichen Verlauf genommen und ein sehr zufriedenstellendes finanrielles Ergebnis auhmveiHi. Eingeleilet wurde das Fest durch folgenden von Frau Dr. Quilling gedichteten und Fräulein Ester er vorgeirageuen Prolog:

NingS im Saal gescköst'ge Hände

Schmückten fröhlich Tisch um Tisch,

Daß das Fest gur Freud' sich wende

Warb man liebe Gäste sich.

Und sie sind zu uns gekommen

Und wir danken ihnen sehr,

Kann ein Werk doch dann nur frommen

Wenn der Weg nicht [ifMcer.

Liebe, brauchts auf alten Wegen,

Daß sie weckend nbersprühe

Wie das Licht der FrühlingSsonn^

Wie der Tau in goldner Frühe-

Liebe zu der Heimatserde

Ruft den Mann zu Kamps und Waffen

Mutig mit dem trotz'qen Schwerte

Milß er sich die Freiheit schaffen,

Zarte Hände deutscher Frauen

Wie das Walten stiller Feen

Geben denen Gottvertrauen,

Die im Felde draußen steh'n.

Liebel kühlt die heißen Wunden,

Die des Feindes Hand geschlagen,

Und die allerschwersten Stunden

Hat die Fran stets mitgetragen.

Bände der Geschickte buchten

UnS aus hartbedrängter Zeit,

Wie die Fran'n zu lindern suchten

Wirkend in Barmherzigkeit.

Diesem Ideal ergeben

Woll'n wir uns zur Zeit auch starten

Und in Nächstenliebe leben

Und in stillen, guten Werken.

Deutsche Söhne steh'n im Kampfe

Südlich, unter heißen Winden

Treu, nach wirrem Pulverdampfe

Soll sie deutsche Liebe finden.

Großes Werk heischt viele ßândh

Viele Steine braucht ein Bau

Bis ihm ausgebaut die Wände,

Daß er stolz in's Weite schau.

Und beglückt in dem Gedanken

Steter Einigkeit in Not

Laßt uns zagen nie imb wanken,

Wenn uns jemals Scklimm'reS droht.

Laßt im Frieden fest uns stehen

Deutsche Frauen! Gleichgesinnt

Soll's durch alle Herzen wehen

Daß zum Helfen wir bestimmt.

* Die Witterung im Februar. Der Februar beschert uns, wenn wir dem hundertjährigen Kalender Glau- ben schenken wollen, bis zum 9. unfreundliche feuchte Witte­rung, vom 10. bis 17. aber strenge, trock ne Kälte, während zum Schluffe des Monats Winde und Schneefälle auhreten sollen. Nach der Vwansiage des Meteorologen Bürgel (einem Nachfolger Falbs) wäre für die ersten Tage des Fe­bruar gleichfalls naßkalte Witterung, die sich nur um die Zeit vom 5. bis 10. etwas ausbessern soll, zu erwarten. In der Periode vom 10. bis 15. Februar sind nach Ansicht des Genannten Schnee- und Hagelstürme zu befürchten, dann dürften einige gute Tage kommen, vom 21. bis zum 28. Februar aber stände Regen und Schnee in Aussicht. Den 12. Februar bezeichnet Bürgel als einen kritischen Termin höherer Ordnung, den 28. als einen solchen von mittlerer Stärke.

* Ein .Hanan er als Polizeirichterin Amerika. Die N<-w Jersey Freie Zeitung (Nordamerika) bringt in ihren Nummern vom 2. und 10. Januar längere Artikel über den am Jahresschluß in den Ruhestand getretenen Polizeirichter Friedrich Kuhn des 3. Polizeireviers von New Jersey, in welchen sie der Amtstätigkeit des seitherigen Richters reiches Lob spendet und zahlreiche Ehrungen auf* zählt, die ihm beim Scheiden ans seinem Amte bereitet wurden. Insbesondere wurden ihm von den Mannschaften mehrerer Reviere Andenken überreicht und sein Nachfolger wies auf die mustergültige Amtsführung hin und wie er es verstanden habe, sich die Herzen aller zu gewinnen. Herr Kuhn ist ein geborener Hanauer und hat sich in der neuen Welt Ehre und Ansehen zu erringen verstanden.

* Handelskammer. In der gestrigen Plenarsitzung der Handelskammer rourbe Herr Kommerzien-Nat Canthal als Vorsitzender, Herr Heinrich Ott als Stellvertreter und Herr Karl König als Rechnungsführer wiedergewählt.

Im Anschluß an die Ausführungen, welche in dem wirtschaftliches Gesamtbild" überschriebenen Teil des Jahres­berichts der Handelskammer enthalten sind, gab Herr Kom.- Rat Canthal einen Ueberblick über die wirtschaftliche Lage im verflossenen Jahre. Er charakterisierte kurz die Hoch­konjunktur in den verschiedenen, für den Bezirk wichtigen Branchen, und wies namentlich auf die eigenartige Erschei­nung hin, daß einerseits im Zusammenhang mit der erheblichen Teuerung für eine ganze Anzahl Waren und für die meisten Lebensmittel das Geld an 99ert eingebüßt hat, anderseits das Leihkapital für kommerzielle u. industrielle linier« nehmungen bedeutend höhere Verzinsung erfordert, wie das in dem hohen Reichsbankbiskont zum Ausdruck gekommen ist. Es sei zu wünschen, daß künftighin setzens der deut, chen wirt­schaftlichen Politik das mobile Kaptz al eine gleiche Berück­sichtigung findet wie bisher das immobile. Die jüngsten

Donnerstaft

fiRS^g;-^^.^ _ .1. Hl ILLI AILI lUl'L ' 5. . JU . -.-....--vr« - . "A^ÄtUMg ^«aiSBKBliW «JVUCaaEIÖ»» Ereianisse hätten sodann alle Kreise der Dessen Hieb fett miè besonderem Nachdruck auf die Bedeutung H ngewnsen, welche unser Kolonialbesitz für das deut'che Reich in Anspruch nehme. Redner streifte die hohen Er­wartungen, welche der Kolonialdirektor in die wirtschaft» liebe Entwicklung unserer Kolonien setze, betonte die Wahr­scheinlichkeit einer günstigen Ausgestaltung unserer Ko^ua!- poliiik unter der ta kräftigen und energischen Leitung des neuen Kolonialdirekwrs Dernburg und kennzeichnete die Stellung der Handelskammer zu den mit der Kolonie zu­sammenhängenden Fragen unter allgemeinem Beifall der an­wesenden Mitglieder dahin, daß auch die Handelskammer be­rufen sei, an ihrem Teile mitzuarbeiten an dem weiteren Ge­deihen der kolonialen Bestrebungen im Deutschen Reiche, ^war sei nicht zu verkennen, daß die Verwirklichung dieser Bestrebungen größere Op^er fordere und eine Vermehrung der öffentlichen Lasten zu br naen geeignet sei, aber aut nationalen Rücksichten und in Anbetracht der Weltmach'stellung deS Reiches könne es nicht zweifelhaft sein, daß diese Opfer um der hohen Ziele willen, welche mit ihnen erreicht werden sollen, willig getragen werden müßten.

* Stadttbealer. Benefiz.Kempf. Die morgige Aufführung des überaus wirkungsvollen und hochiniereffanten Schaufpieles: Da 8 Erbe" von Felix Philippi gibt dem öenefinanten Herrn Otto Kempf, der sich durch seine trefflichen wohldurchdachten Leistung-n und durch seine sym­pathische Spielweise die besondere Beliebtheit des Publikums erworben hat, in reichem Maße Gelegenheit zur Verwertung feiner vorüglichen künstlerischen Eigenschaften, da die von irn darzustellende Partie desGeheimrat Sartorius" eine Glanzrolle seines Faches ist. ImBaron von Sarun" erhält Herr Hauser eine seinem tiefflicken Können be­sonders entsprechende Aufgabe, wie auch Herr O. H.M üller alsvon Küstner" eine gute Leistung bieten dürfte. Die von Frl. Brandow früher gespielte Rolle derHertha" wird in Frl. Sarno eine liebenswürdige Vertreterin finden und die Kommerzicnrötin wird Frl. I a i d a verkörpern. Herr Steger, welcher das packende Werk auf's sorgfältigste inszeniert hat, spielt die interessante Figur desvan der Mathiesen". In kle neren Rollen ist fast das gesamte Personal beschäftigt. Wir wünschen, daß dem Benefi iant, der sich für die nächsten Jahre dem Sladttheater in Bonn oerp fliehtet hat, ein recht volles Haus zu teil werden und daß zahlreiche Ehrungen ihm feinen Ehren-Abend verschonen mögen. Am Sonntag nachmittag wird bei bedeutend ermäßigten Preisen Wildenbruch's Schauspiel:Die Haubenlerche" mit Frl. Lautermann von Darm­stadt als Gast in brr Rolle derLene" letzmalig zur Auf­führung gelangen. Abends geht das beliebte historische Lust­spiel:Die Anna-Lise" neu einstudiert in Szene und zwar als 9. (statt 8.) Vorstellung der IV. Abonnements- Serie.

* Der Bergbau in unseren Kolonien. Im voll­besetzten Saale desDeutschen Hauses" hielt gestern abend Herr Berginspektor Maceo ans Etafpurt, gestützt auf jahre­lange Erfahrungen an Ort und Stelle, einen sehr interes­santen Vortrag über SUdwestasrika und die bergbaulichen Aussichten unserer dortigen Kolonien. Einleitend gab Redner vorerst einen Ueberbiick über ihren landwirtschaftlichen Wert, der durchaus nicht gering sei, nrnn auch weite Strecken des Landes einen recht dürftigen Charakter tragen und unter einer gewissen Wafferarmut leiben, da die Flüsse als Grund- ronfferftröme fließen und durch 3040 Meter tiefe Bohrungen erst ersch'ossen werden müssen. Aber gerade an diesen dürf­tigsten Stellen qebeiht bie Zucht von Schalen und Angora­ziegen vorzüglich, wie das Beispiel Britisch-Südwestafrikas zeige. Das Kapland produziert an Wolle für ca. 80 Mill. Mk. jährlich und die Schafzucht nährt dort, wie Redner auch im Bilde zeigte, die Züchter recht gut trotz der Dürftigkeit der Bodenverhältnisse. Für den Baumwollbau eignen sich größere Landstreckon in unseren dortigen Kolonien aus­gezeichnet und die Erfahrungen zeigten, daß die dort probuverte Baumwolle von ungewöhnlich guter Qualität ist. Die Ochsen- und Pferdezucht des Kap­landes bezis'ert sich auf jatirlich 200 Millionen Mark. In unseren Kolonien seien aber die Vorbedingungen zu dieser Zucht in ebenso guter Weise gegeben unb die Farmer, die sich vor dem Kriege schon mit derselben beschäftigt, seien größtenteils wohlhabend, solche, die mit größeren Kapitalien begonnen, millionenreich aeworden. 91 n Gelreidelrüchten kann eine ganz erhebliche Quantität produziert werden und unseren Bedarf an Südfrüchten, für den mir setzt pro Jahr 3040 Millionen ausgeben, könnten wir zum großen Teile auS unseren Kolonien decken. Den Umstand, daß sich von unseren Soldaten nur ein Teil zum Bleiben und Ansiedeln im Lande entschlossen hat, erklärt Redner damit, daß die un­säglichen Strapazen unb das unstete Leben die Gesundheit vieler gescstädigt hat. Insbesondere leidet das Herz unter diesen Strapazen in Verbindung mit der dünnen Luft (baS Gebiet lieat in ziemlicher Höhenlage), doch sei daS Klima für den in Ordnung und ruhigen Ver- tnissen lebenden Ansiedler ein sehr gesundes. Redner kam nun auf sein eigentliches Thema, den Bergbau und seine Altsstchten, z»l sprechen, bie, wie gleich im Voraus bemerkt sein mag, durchaus gute seien. In erster Linie sei hier da? Kupfer zu nennen, das bereits an mehreren Stellen pro­duziert werde. Allein die Otaniminen, deren Abbau bereits begonnen hat, werden auf 100 Millionen Mark geschält. Die Materialien zum Bahnbau und Minenbetrieb der Otani- gefeUfcbaft im Werte von mehreren Millionen Mark wurden übrigens ausschließlich ans dem Deutschen Reiche bezogen. Aber auch dem Goldberg bau bürste sich in unserem Schutzgebiete eine hoffnungsvolle Zukunft eröffnen. An 2024 Stellen wurde bereits (tzold nachgewiefen, außer­dem rourbe das charakteristische Gestein, das in den Gold- gebieten her angrenzenden englischen Kolonie das wertvolle Metall birgt, in unseren Schutzgebieten an drei Stellen ge­funden. Der wertvollste aller Betriebe werde wohl der D i a in a n t e n b e r g b a it werden, denn für das Vorhan­densein von Diamanten seien die sichersten Anzeichen vor­handen. Der sog. Blaugrund, in dessen Schoße die wert­vollen Steine gebettet liegen, wurde schon an verschiedenen Stelleri nachgcwiefen. Bloßliegende Diamanten wurden zwar bis auf'einen, der kürzlich gefunden sein soll, noch nicht aufgefunden, doch au$ im englischen Gebiete fei das Vor-

3t Zâttuar.

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* Herrensitzunq der Karnevalgessttschast. Nur noch wenige Tage trennen uns von der Stichwahl. Um nun allen Wählern Gelegenheit zu geben, ihr Gemüt zu be­ruhigen, veranstaltet die Erste Hanailer Karneval-Gesellschaft am Samstag den 2. Februar im Deutschen Haus, abends 8 Uhr, eine große internationale Herrensitzung. Es werden unter andern hiesigen bewährten Kräften auch auswürtige Kappenbrüder aus Wiesbaden und Darmstadt ihrem Rede­fluß freien Lauf lassen. Das Programm ist sehr abwechs l ungëreicb und steht den Besuchern ein genußreicher Abend bevor. Es ist diese Veranstaltung die einzige Herrensitzuna, die von der Gesellschaft in dieser Saison gehalten wird. Der musikalische Teil wird von der gesamten Ülanenkapelle unter persönlicher Leitung des Königlichen Musikdir. Herrn A. Urbach ausgeführt. Die Nachfrage nach Karten ist be­reits eine sehr rege und ist es ratsam sich rechtzeitig in Besitz einer solchen zu setzen. Karten L Mk. 1. sind in den be­kannten Verkaufsstellen zu haben sowie bei den Mitgliedern und dem Vereinsdiener.

* Der erste Hnnamer Kellnerbnrrd feiert Samstag den 2. Februar in den Sälen zur Germania sein diesjähriges Stiftungsfest. Wir machen auf diese Veranstaltung mit dem Bemerken aufmerksam, daß genannter Verein weder Kosten noch Mühe gescheut hat, um feinen Gästen den Abend so angenehm wie möglich zu gestalten. Erstklassige Kräfte haben ihre Mitwirkung bereits zugesagt, mithin ist ein Besuch zu empfehlen.

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-vt. Dstheim, 31. Jan. iO bstb a uv erei n.) In der vorgestern abend im Saale des Gastwirts V. Kohl abge- baitenen Monatsversommlung des hiesigen Obstbaltvereins hielt Herr Obstbauinspektor Hube r-Cassel einen Vortrag über: Wie können wir unseren Ob ft bau möglichst nutzbringend gestalten? Herr Lehrer Hofacker begrüßte namens des Vorstandes die zahlreich erschienenen Gäste und Mitglieder des Vereins und erteilte sodann dem Herrn Vortragenden das Wort, her u. a. das folgende aus führte: Obstbau wird aus verschiedenen Gründen betrieben, wohl ist aber der Hauptzweck des Obstbaues beim Landwirr derjenige, Geld damit zu verdienen. Die Frage, ob Obstbau überall ein einträglicher genannt werden fami^ ist nicht so einfach zu beantworten.' Es haften unserem Obstbau eine Anzahl Mängel an, die ihn sich nicht entwickeln lassen. Wo­ran krankt er und wie sind Mittel zur Abhilfe zu finden? Es sind vor allem drei Hauptpunkte festzu stellen: 1. Fehlen regelmäßig mieberfehrenbe reiche Obsternten und der hier- bureb entstehende Schaden ist ein doppelter; eben dieser Mangel machte es den Obstzüchtern unmöglich, einen Handel anzuknüpfen. Die zu HandelSzwecken gegründeten Obstver-» wertungsstellen sind aus diesem Grunde größtenteils wieder eingegangen. 2. Fehlt uns genügend handelsfähiges Obst. Was früher handels^äküg war, ist es heute wenig oder gar nicht mehr. Man will besseres, gesünderes, appetitlicheres Obst haben, was man früher nicht kannte. Der Obstzüchter soll sich der Tatsache nicht verschließen, daß er sich mehr den Bedürfnissen des Käufers anpaffen muß, wt^in auch gerade die hiesige Gegend infolge der Apfeiweinproouktion Gelegen­heit hat, ihr minderwertiges Obst zu guten Preisen an den Mann zu bringen. 3. Mangelt es baran, daß rechtzeitig geerntetes Obst in den Handel gebracht wird, zum Schutze der Käufer, der Bäume (burch Sorgfalt bei der Ernte) und nicht zuletzt der Züchter selbst. Es ist die Auf­gabe der Obstbanvereine, darauf hinzuwirken, daß das Obst zur rechten Zeit geerntet wird (weder zu früh, noch zu spät), da unrichtig abgeernteteS Obst für den Käufer minderwertig ist und sich infolgedessen der Obstzüchter selbst schadet. Je besser er es versteht, dem Käufer das verlockende Aussehen der Früchte vor klugen zu führen, umso eher ist dieser geneigt, einen hohen Preis bafür zu bezahlen; deshalb ist auch das Sortieren der Früchte ein HanpEaktor beim Verkauf. Wir können un? hier in manchen Beziehungen ein Muster an den ausländischen Obsthändlern abnehmen. Speziell in unserer Gegend ist das Sortieren de? Obste? rentabel, da wir auch für die schlechteren Sorten Verwendung finden. Da? Ansehen der Ware soll man beim Verkauf nicht untere: schätzen, da nach neueren Forschungen unser Gesichtssinn mitbeteiligt ist an dem Wohlgeschmack einer Ware. Auch unsere Witterung ist in sehr hohem Maße an manchen Miß­ernten beteiligt, doch bie Schuld allein auf dieselbe zu schieben, führt zu weit. Man pflanze nur da, wo ein Krüppel steht, gesunde Bäume, die sich für die Gegend eignen und der Witterung angepaßt sind. Durch die Auswahl geeigneter Sorten kann man viel gutes schaffen, umsomehr, da sich eine große Zahl als faule Träger entpuppen. Bei der Pflanzung lasse man solche Sorten links liegen, und wähle nur die­jenigen, bie seither befriedigten. Zur Durchführung dieses Grundsatzes muß noch vieles geschehen. Manchmal ist der Grund für eine fehlerhafte Bevorzugung einzelner Sorten auch darin ?,u suchen, daß die Obstberichte der Zeitungen für einzelne ©orten hohe Preise notieren. Die Basis eines gesunden Obsthandcl? ist bie, bei weiser Beschränkung der Sortenzahl, besonders beim Verkaulsobst, nicht Liebhabern, sondern dm Ansprüchen des Marktes Rechnung zu tragen. Die Auswahl der Pflanzstätte ist zum großen Teile an den Mißerfolgen beteiligt, da noch vielfach die Ansicht vorherrscht, daß der schlechteste Platz immer noch gut genug zur Pflanzung eines Baumes sei. 'Viele Bäume bringen es auch deshalb rüc^